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Kiel/Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate). Es war historisch – im Zeitraum 9. bis 11. September 2026 besuchte erstmals mit Scheich Mohammed bin Sajid Al Nahyan ein Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) offiziell die Bundesrepublik Deutschland. Beide Länder wollen ihre Beziehungen ausbauen. Der Golfstaat plant dabei Investitionen von rund 40 Milliarden Euro. Investiert werden soll unter anderem in die Bereiche „Künstliche Intelligenz“ und „Energie“. Auch soll es eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Verteidigung und der Verteidigungstechnologie geben. Gleichzeitig wurde die Unterzeichnung von 29 Absichtserklärungen und Vereinbarungen zwischen Unternehmen der VAE und deutschen Unternehmen mit einem Gesamtwert von mehr als 9,3 Milliarden Euro bekanntgegeben. So besiegelten der deutsche Marineschiffbauer TKMS – vormalige Bezeichnung „ThyssenKrupp Marine Systems“ – und die emiratische EDGE Group ein Memorandum of Understanding (MoU), bei dem die beiden Partner unter anderem die gemeinsame Entwicklung von Systemen für den Unterwasserschutz und die Unterwasserüberwachung prüfen wollen. Details zu diesem MoU nennt eine gemeinsame Pressemitteilung von TKMS und EDGE. Doch dazu später mehr …

Die Dimension „Unterwasserwelt“ gewinnt immer mehr an Bedeutung. Häfen, Seewege, Unterseekabel und Energieinfrastruktur sind Lebensadern moderner Gesellschaften. Die Zunahme von Sabotageakten zeigt, dass sie bestmöglich geschützt werden müssen. Dies gilt insbesondere für die kritische Infrastruktur unter Wasser.

Vom 13. bis 24. April dieses Jahres richtete die Deutsche Marine in Zusammenarbeit mit dem Rostock Institute for Ocean Technology (RIOT) sowie dem Seabed Security Experimentation Center (SeaSEC) die diesjährige „Industrie-Challenge“ aus. (Anm.: Das SeaSEC ist eine multinationale Kollaborationsplattform zur Entwicklung und Erprobung von Technologien zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur, Sitz ist das niederländische Den Haag. Die Einrichtung wurde im Dezember 2023 durch die Verteidigungsministerien von sechs nordeuropäischen Anrainerstaaten – Dänemark, Deutschland, Finnland, die Niederlande, Norwegen und Schweden – ins Leben gerufen.).

SeaSEC 2026 – neue Ansätze für den Einsatz unbemannter maritimer Systeme

Beteiligt an der „Industrie-Challenge“ waren 47 Unternehmen aus Industrie und Forschung. Gemeinsam mit der Marine sowie Partnern aus Dänemark, den Niederlanden und Schweden wollten und wollen die Teilnehmer neue Ansätze für den Einsatz unbemannter maritimer Systeme entwickeln. Damit diese Systeme abgestimmt agieren und unter Wasser effektiv geschützt werden können, braucht es ein ressort-, nationen- und domänenübergreifendes Lagebild auf der Grundlage gemeinsam nutzbarer Daten. Deshalb lag der Schwerpunkt in diesem Jahr auf „Data2Sea“ mit Themen wie „Interoperabilität“, „Datenfusion“ und „Lagebildbeitrag“.

SeaSEC 2026 „Data2Sea“ war keine klassische Militärübung, sondern eine Erprobung – ein geschützter Rahmen, in dem neue Ideen nicht nur vorgestellt, sondern direkt unter realitätsnahen Bedingungen praktisch erprobt werden konnten.

Großdrohnen, Nahaufklärung, Objektschutz und Lagedarstellung

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) treibt beim Schutz und der Überwachung im Unterwasserbereich die Entwicklung zielstrebig voran. Im Fokus steht dabei der Schutz kritischer maritimer Infrastruktur – wie Unterseekabel, Datenleitungen und Pipelines – vor Spionage und Sabotage. Dabei arbeitet das BAAINBw eng mit der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung (WTD 71) in Eckernförde zusammen, um neue Unterwassersensoren und Schutzmechanismen direkt unter realen Bedingungen zu testen.

Zu den aktuellen Beschaffungsprojekten des Koblenzer Amtes gehören beispielsweise autonome Großdrohnen wie das unbemannte Unterwasserfahrzeug „Blue Whale“ (wir berichteten) und das australische „Speartooth“-System. Die fast elf Meter lange Drohne „Blue Whale“ operiert autonom und dient mit hochentwickelter Sensorik (unter anderem Schleppsonar) der Ubootjagd, der verdeckten Aufklärung sowie dem Schutz kritischer Infrastruktur. Ein Exemplar der Großdrohne „Speartooth“ wurde vom BAAINBw im Mai dieses Jahres in Australien zu Erprobungszwecken gekauft, um weitere Erfahrungen mit autonomen Systemen in großen Tiefen zu sammeln.

Für den Bereich „Nahaufklärung und Objektschutz“ beschaffte das Amt in einer Sofortinitiative ferngesteuerte Drohnen vom Typ „Deep Trekker“. Die Systeme für den direkten Nahbereich (gedacht beispielweise für die Untersuchung von Schiffsbäuchen, Hafenanlagen oder das Identifizieren verdächtiger Objekte am Meeresboden) wurden mittlerweile an das 3. Minensuchgeschwader übergeben.

Darüber hinaus will das BAAINBw die Entwicklung von Systemen für die Unterwasser-Lagedarstellung und für die Einrichtung von Unterwasser-Sensornetzwerken in Zusammenarbeit mit der Industrie vorantreiben und ausbauen.

Engere Zusammenarbeit im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich

In diesem Kontext ist auch die Initiative von TKMS und EDGE im Bereich „Unterwasserschutz und -überwachung“ zu sehen. Das MoU ist – so heißt es im Pressetext – „ein Bestandteil der von der Bundesregierung und den VAE vereinbarten Initiative zur engeren Zusammenarbeit im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich.“ Und weiter: „Ziel ist es, die gemeinsame Entwicklung von Unterwasserüberwachungs- und -schutzkapazitäten zu prüfen.“

Dabei wollen die beide Partnerfirmen „Möglichkeiten für einen integrierten Multisystemansatz zur Unterwassersicherheit evaluieren, um die maritimen Verteidigungsfähigkeiten“ nachhaltig zu stärken.

Oliver Burkhard, CEO von TKMS, erklärte nach der Unterzeichnung der Vereinbarung unter anderem: „Durch diese Kooperation können die Unterwasserüberwachungs- und -schutzkapazitäten langfristig gestärkt werden – ein wichtiger Beitrag angesichts der derzeitigen sicherheitspolitischen Lage.“ Hamad Al Marar, Geschäftsführer und Chef von EDGE, ergänzte: „Die Sicherheit im maritimen Bereich ist von grundlegender Bedeutung für die nationale und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit der VAE – und die Anforderungen an diesen Bereich nehmen zu.“ Der EDGE-CEO verwies abschließend auf die enge Zusammenarbeit mit Partnern wie TKMS zum Ausbau eigener Fähigkeiten.

Die Integration mehrerer Plattformen und Sensorsysteme könnte die Grundlage für die Erstellung eines umfassenden Lagebildes sein und somit eine Lösung für die Komplexität maritimer Bedrohungen bieten. Konkret wollen die Partner nun untersuchen, wie sich die Plattformkompetenz von TKMS mit den Systemfähigkeiten von EDGE zu einer effektiven Überwachungs- und Schutzlösung verbinden lässt. Hintergrund der Initiative sind laut der gemeinsamen Pressemitteilung „verschärfte geopolitische Sicherheitsherausforderungen, die den Bedarf an maritimen Fähigkeiten zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und zur Gewährleistung eines ununterbrochenen Handelsschiffsverkehrs erhöht haben“.


Die Aufnahme entstand bei der Unterzeichnung der deutsch-emiratischen Absichtserklärung in München. Rechts Miguel Ángel López Borrego, Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats von TKMS. Links Omar Al Zaabi, Präsident des Geschäftsbereichs „Commercial“ bei EDGE.
(Foto: TKMS AG & Co.KGaA)

Kleines Beitragsbild: Symbolbild „Lagebilder in maritimer Umgebung“. Marinekräfte weltweit stehen vor einer sich wandelnden Bedrohungslage: Gefahren durch asymmetrische Kriegsführung, Piraterie und Terrorismus. Gleichzeitig erfordert der Einsatz in komplexen maritimen Umgebungen ein umfassendes, aktuelles Lagebild sowie eine nahtlose Interoperabilität zwischen verschiedenen Kräften. Der Rüstungskonzern Hensoldt liefert dazu unter anderem Gefechtsmanagementsysteme wie LYNCEA. LYNCEA be- und verarbeitet Lagebilder und erzeugt daraus schließlich eine einheitliche maritime Übersicht.
(Bild: Hensoldt AG)


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