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Bremen/Düsseldorf. Das Raumfahrtunternehmen OHB (Bremen) und der Rüstungskonzern Rheinmetall (Düsseldorf) haben jetzt das Joint Venture „OHB Rheinmetall Space Networks GmbH“ gegründet. Sitz ist Bremen. Die Partner beabsichtigen mit ihrer Kooperation, der Bundeswehr im Zuge des Projekts „SATCOMBw Stufe 4“ eine – wie es in einer gemeinsamen Presseerklärung heißt – „leistungsfähige, geschützte und dauerhaft verfügbare Kommunikationsarchitektur“ zu liefern.

Das neue Unternehmen soll dabei die Gesamtverantwortung übernehmen – von der Entwicklung und Integration über die Lieferung bis hin zum Betrieb, einschließlich IT-Sicherheit und Cyber Operation Center. Durch das System sollen Personal, Fahrzeuge, Plattformen und Drohnen vernetzt und Sprache, Daten und Echtzeitinformationen über alle Führungsebenen hinweg sicher übertragen werden.

Nachdem das Bundeskartellamt der Gründung des Unternehmens Mitte April 2026 zugestimmt hatte, wurde dieses nun ins Bremer Handelsregister eingetragen. Die Geschäftsführung sollen Dennis Winkelmann (mehr als 25 Jahre Raumfahrterfahrung, davon 19 bei OHB) und Alexander Beyer (ehemaliger Bundeswehroffizier, zuletzt verantwortlich für den Bereich „Satellite Communications“ bei Rheinmetall) übernehmen.

Ein eigenes militärisches Satellitennetzwerk im erdnahen Orbit

SATCOMBw Stufe 4 ist das rund zehn Milliarden Euro schwere Projekt der Bundeswehr zum Aufbau eines eigenen militärischen Satellitennetzwerks im erdnahen Orbit. Aufgrund der hohen Stückzahl von veranschlagt 100 bis 200 Bundeswehr-Kleinsatelliten ist die leistungsstarke europäische Trägerrakete Ariane 64 die ideale Option für den souveränen Massenstart der Konstellation und den Transport ins All. Das angestrebte robuste, abhörsichere Kommunikationsnetzwerk zur technologischen Souveränität der deutschen Streitkräfte wird oft auch als „Bundeswehr-Starlink“ bezeichnet. Die Kleinsatelliten sollen bis 2029 eine erste Anfangsbefähigung erreichen.

Die Schwerlastrakete Ariane 64 ist die stärkste Ausführung der europäischen Ariane-6-Rakete und nutzt vier Booster. Sie wurde entwickelt, um große Konstellationen in den Orbit zu befördern. Die Nutzlastkapazität der Ariane 64 ist dafür geeignet, um mehrere Satelliten der Bundeswehr auf einmal kostengünstig auszusetzen.

Rolle der Hansestadt Bremen als Deutschlands „Space City Nummer 1“

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte kommentierte die Gründung der OHB Rheinmetall Space Networks aus lokalpolitischer Sicht. Er sagte: „Die neue Kooperation von OHB und Rheinmetall belegt eindrucksvoll, dass Bremen sich immer weiter zur Schaltzentrale der See- und Weltraumverteidigung entwickelt. Diese Entscheidung stärkt die Rolle der Hansestadt als ,Space City Nummer 1‘ in Deutschland und als Technologiestandort im Nordwesten. Zudem schafft die Kooperation neue und sichert viele hundert vorhandene Arbeitsplätze an der Weser.“

Mit der Umsetzung ihrer Partnerschaft auf nationaler Ebene stärken OHB und Rheinmetall zugleich die technologische Souveränität Europas und die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung der beiden Unternehmen: „Zudem positioniert sich das Gemeinschaftsunternehmen als leistungsfähiger Netzwerkbetreiber, der seine Fähigkeiten perspektivisch auch in NATO-Partnerschaften sowie in das Framework Nations Concept – kurz FNC – einbringen kann.“ (Anm.: FNC ist eine von Deutschland initiierte und 2014 von der NATO verabschiedete Verteidigungsstrategie. Sie soll es europäischen Streitkräften ermöglichen, militärische Fähigkeiten multinational und arbeitsteilig weiterzuentwickeln, wobei eine „Rahmennation“, wie beispielsweise Deutschland, die Führung und Koordination für kleinere Bündnispartner übernimmt.)

Absolut krisenfeste Kommunikationsarchitektur im Weltraum

Marco Fuchs, seit dem Jahr 2000 Vorstandsvorsitzender der OHB SE und seit 2024 Aufsichtsratsmitglied der OHB System AG, äußerte sich zur Gründung des Gemeinschaftsunternehmens wie folgt: „Mit der Gründung der OHB Rheinmetall Space Networks GmbH bringen Rheinmetall und wir unsere Stärken zusammen, um der Bundeswehr ein hochmodernes, souveränes und zukunftssicheres Kommunikationssystem bereitzustellen. Gemeinsam schaffen wir die Grundlage für eine vernetzte und resiliente Einsatzfähigkeit unserer Streitkräfte – und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheitsarchitektur Deutschlands und Europas.“

Timo Haas, seit Januar 2024 Chief Digital Officer (CDO) bei der Rheinmetall AG und Chef der Rheinmetall-Division „Digital Systems“, erklärte: „Ohne sichere Kommunikation über das All gewinnt man am Boden keinen Konflikt mehr. Mit OHB Rheinmetall Space Networks sind wir in der Lage, der Bundeswehr eine technologisch führende und absolut krisenfeste Kommunikationsarchitektur im Weltraum zur Verfügung stellen. Die Digitalisierung der Streitkräfte erfordert eine sichere und lückenlose Vernetzung auf allen Führungsebenen. Zudem muss sie auch unter extremen Bedingungen zuverlässig funktionieren. Durch die komplementäre Partnerschaft mit OHB vereinen wir militärische Systemhaus-Kompetenz mit starkem Raumfahrt-Know-how in Deutschland.“

Über das SATCOMBw-System der deutschen Streitkräfte haben wir bereits in der Vergangenheit bei verschiedenen Gelegenheiten berichten, so beispielsweise hier.


Zu unserem Bildangebot:
1. Die Trägerrakete Ariane 6 gibt es in zwei Versionen, die entsprechend der Erfordernisse der jeweiligen Mission zum Einsatz kommen – Ariane 62 mit zwei Feststoff-Boostern und Ariane 64 mit vier Boostern. Die Ariane 62 kann 4500 Kilogramm Nutzlast auf eine geostationäre Transferbahn oder 10.300 Kilogramm auf eine erdnahe Umlaufbahn befördern. Die Ariane 64 hingegen hat Nutzlastkapazitäten von 11.500 Kilogramm für den Transport auf eine geostationäre Transferbahn und 21.600 Kilogramm in eine erdnahe Umlaufbahn. Der erste Start einer Ariane 64 erfolgte am 12. Februar 2026 vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana.
(Bild: ESA)

2. Symbolbild „SATCOMBw-System“ im All.
(Bild: Airbus Defence and Space)

Kleines Beitragsbild: OHB und Rheinmetall haben im Juni 2026 das Joint Venture „OHB Rheinmetall Space Networks GmbH“ mit Sitz in Bremen gegründet.
(Bilder: OHB und Rheinmetall; grafische Bearbeitung und Bildmontage: mediakompakt)


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