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Berlin/Koblenz/Bonn/München. Die Bundeswehr beziehungsweise das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) haben der in München ansässigen ARTEC GmbH einen bedeutenden Großauftrag erteilt. So soll die Radhaubitze RCH 155 (Remote Controlled Howitzer 155 mm) bald in die Truppe eingeführt werden. Am 19. Dezember 2025 erhielt ARTEC, ein 1999 gegründetes Joint Venture der Rüstungskonzerne Krauss-Maffei Wegmann (heute KNDS Deutschland) und Rheinmetall, einen Auftrag über die ersten 84 Radhaubitzen.

Die Beauftragung erfolgt auf Grundlage eines Rahmenvertrages zwischen der ARTEC GmbH und dem Koblenzer Beschaffungsamt über insgesamt 500 Systeme „RCH 155“, welche auch von anderen Nationen abgerufen werden können.

Der Auftragswert für die ersten 84 Radhaubitzen sowie zugehörige Ausbildungsmittel, Serviceleistungen und logistische Unterstützung liegt laut Rheinmetall-Konzern bei rund 1,2 Milliarden Euro. Wir berichteten über die Ausstattung des Heeres mit der Artillerie-Radhaubitze bereits im Juli 2024 (siehe hier).

Rheinmetall liefert Waffenanlagen und weitere Komponenten ab dem Jahr 2027

Rheinmetall wird die Elektrik, Software und die 155-mm-Waffenanlagen an die ARTEC GmbH liefern. Die Auslieferungen beginnen 2027 und sollen 2029 abgeschlossen sein. ARTEC betreut auch die Boxer-Fahrzeugfamilie.

Die geschützte Radhaubitze RCH 155 kombiniert Feuerkraft und Reichweite des automatischen und fernbedienbaren Artillerie-Geschütz-Moduls (AGM) mit dem Schutz und der Mobilität des einsatzerprobten Radpanzers Boxer.

Rasche Feuerbereitschaft, große taktische Reichweite und hohe Mobilität

Das vollautomatische Waffensystem ermöglicht es, aus der Bewegung zu feuern. Ziele können in bis zu 40 Kilometer Entfernung hochpräzise bekämpft werden. Neben der schnellen Feuerbereitschaft gehören die große taktische Reichweite auf der Straße sowie die hervorragende Mobilität zu den Stärken der RCH 155.

Die Besatzung konnte im Vergleich zur Panzerhaubitze 2000 auf zwei Soldaten (Kommandant und Kraftfahrer) wegen des hohen Grades an Automatisierung im Gesamtsystem reduziert werden.

Erste Radhaubitze bereits im Januar 2025 an die Ukraine übergeben

Erstnutzer der RCH 155 ist die Ukraine. Sie hat 54 RCH 155 bei KNDS Deutschland in drei Losen direkt beauftragt. Auch hier liefert Rheinmetall die Elektrik, Software und die Waffenanlagen an KNDS. Verteidigungsminister Boris Pistorius persönlich übergab im Januar 2025 das erste der Geschütze. Oleksii Makeiev, Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik, nahm das System für sein Land in Empfang. Die ersten sechs Radhaubitzen sollen zunächst in Deutschland bleiben und hier zur Ausbildung ukrainischer Soldaten genutzt werden.

Ebenso beabsichtigt Großbritannien, die RCH 155 zu beschaffen. Bereits im April 2024 hatten die damaligen Regierungschefs Deutschlands (Olaf Scholz) und Großbritanniens (Rishi Sunak) eine entsprechende Rüstungskooperation angekündigt. Verteidigungsminister Pistorius und sein britischer Amtskollege John Healey hatten danach am 23. Oktober 2024 die sogenannte „Trinity-House-Vereinbarung“ unterzeichnet, die den Weg auch für die Beschaffung der RCH 155 für die British Army als Mobile Fires Platform (MFP) ebnete. Am 28. Dezember 2025 teilte das Verteidigungsministerium in London mit, dass rund 52 Millionen Pfund (etwa 60 Millionen Euro) für die Beschaffung der deutschen Radhaubitzen ausgegeben werden sollen. Der Auftrag erging inzwischen an die Beschaffungsagentur OCCAR in Bonn. Die Produktion der MPF soll in Deutschland erfolgt, allerdings unter Beteiligung britischer Industriepartner.


Zu unseren Aufnahmen:
1. und 2. In einer Broschüre des Herstellers KNDS über das neue Waffensystem heißt es unter anderem: „Die gepanzerte Radhaubitze RCH 155 kombiniert die Feuerkraft und effektive Reichweite des automatischen und fernbedienbaren Artillerie-Geschütz-Moduls (AGM) mit dem hohen Schutz und der Mobilität des einsatzerprobten Boxer-Radpanzers.“
(Fotos: KNDS Deutschland)

3. Über die Waffe schreibt KNDS: „Die Kombination aus dem unbemannten AGM und der bewährten 155 mm/L52-Rohrwaffe – Waffe gemäß der NATO-Vereinbarung Joint Ballistics Memorandum of Understanding (JBMoU) – bietet eine einzigartige Reichweite von 360 Grad über alle Elevationsbereiche und bis zu sechs modularen Treibladungen ohne die Notwendigkeit einer Abstützung. Als systematische Weiterentwicklung auf Basis der Panzerhaubitze 2000/PzH 2000 ist die RCH 155 ein leichteres, flexibles und weitreichendes Artilleriesystem für alle wichtigen Einsatzszenarien, das ein sehr hohes Schutzniveau für die Besatzung bietet. (Anm.: Das NATO-JBMoU, unterzeichnet im Jahr 2009 von Deutschland, Großbritannien, Italien und den USA, regelt die Standardisierung von 155-mm-Artilleriemunition.)
(Foto: Rheinmetall AG)


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