Cuxhaven/Nordholz. Das in Cuxhaven an der deutschen Nordseeküste beheimatete Havariekommando, eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer, hat jetzt eine Bilanz zum Thema „Verschmutzungen auf Nord- und Ostsee“ für das Jahr 2025 veröffentlicht. Die Bilanz bezieht sich auf die sogenannten „Pollution Control“-Flüge, die von der Deutschen Marine beziehungsweise vom Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ in Nordholz mit den beiden dort stationierten Sensorflugzeugen vom Typ Dornier 228 LM (LM = Luftraumüberwachung Meeresverschmutzung) durchgeführt werden. Eigner der Maschinen mit den militärischen Kennungen „57+04“ und „57+05“ ist das Bundesministerium für Verkehr.
Wie das Havariekommando mitteilte, konnten 2025 bei 472 Einsätzen mit den Do 228 LM insgesamt 130 Verschmutzungen auf Nord- und Ostsee festgestellt werden. Statistisch wurde damit etwa alle elf bis zwölf Flugstunden eine Verunreinigung ermittelt – ähnliche Zahlen hatte das Jahr 2024 ergeben. Die Spezialflüge finden immer im Auftrag des Kommandos statt.
Die luftgestützte Überwachung von Meeresverschmutzungen gibt es seit 1986 in Form einer engen Kooperation zwischen dem Havariekommando und unserer Marine. Die Besatzungen der Do 228 LM bestehen immer aus zwei Piloten und einem Operator (wir berichteten in der Vergangenheit bereits mehrfach über die „Ölflieger“, zuletzt hier).
Von den 130 Verunreinigungen im vergangenen Jahr wurden laut Havariekommando 109 in der Nordsee und 21 in der Ostsee registriert. In 36 Fällen erwiesen sich die Verschmutzungen als Mineralöl, in 94 Fällen handelte es sich um nicht eindeutig identifizierbare Substanzen (zumeist Flüssigkeiten wie Bohrwasser oder Rückstände aus Tankwaschungen).
In 48 Fällen konnten die Dornier-Besatzungen den Verursacher der Verschmutzung identifizieren. Dies entspricht einer Aufklärungsquote von etwa 37 Prozent. Im Berichtszeitraum 2024 waren es 25 Prozent gewesen. Die Marineflieger leiten während ihrer Einsätze die Sichtungen und das dazugehörige Beweismaterial sofort an das Havariekommando weiter. Von dort geht das Material an die jeweils zuständige Ermittlungsbehörde, deren Aufgabe dann die strafrechtliche Verfolgung der Umweltsünder ist.
51 der 2025 entdeckten Verschmutzungen fanden sich in deutschen Gewässern (39 in der Nordsee, 12 in der Ostsee). Die restlichen Fälle verteilten sich auf Seegebiete der Niederlande, Dänemarks und Schwedens, wo die „Ölflieger“ aufgrund zwischenstaatlicher Abkommen ebenfalls im Einsatz sind. Über die Funde in diesen Gewässern informiert das Cuxhavener Kommando unmittelbar die im jeweiligen Land zuständigen Behörden.
Ziel der Zusammenarbeit zwischen Marine und Havariekommando ist – wie zuvor bereits beschrieben – eine kontinuierliche Überwachung der Nord- und Ostsee und damit der Schutz der Gewässer vor Umweltsündern. Dafür verfügen die Sensorflugzeuge über moderne technische Ausstattung. Unter anderem sind ein Radar, hochauflösende Kameras sowie Infrarot- und Ultraviolett-Sensoren an Bord, die Ölfilme und andere – auch sehr kleine – Verschmutzungen auf der Wasseroberfläche erfassen und dokumentieren können.
Dass die Abschreckung über die Jahre gesehen funktioniert, zeigen folgende Vergleiche: Während im ersten Einsatzjahr (1986) die Ölflieger noch durchschnittlich alle vier Flugstunden in der Nordsee eine Verschmutzung entdeckten, passiert das heute nur noch selten (so beispielsweise 2023 in 13 Stunden etwa ein Mal). In der Ostsee zeigt sich seit dem ersten Einsatz der Überwachungsflugzeuge der gleiche Trend – entdeckten die „Öljäger“ dort in den 1980er-Jahren noch etwa alle sechs Stunden eine Auffälligkeit, hat sich die Häufigkeit (ebenfalls bezogen auf das Jahr 2023) auf eine Verschmutzung alle 50 Flugstunden reduziert.
Zusätzlich zu ihrer Überwachungsaufgabe können die Do 228 LM bei Unfällen auf See wertvolle Informationen für das Havariekommando liefern.
Zu unserem Bildmaterial:
1. Die Do 228 LM basiert auf dem zivilen Kurzstreckenflugzeugs Dornier 228. Mit Radar, Infrarot- und Ultraviolett-Sensoren sowie Mikrowellenradiometer, Fluoreszenz-Laser und Videokameras kann dieses Turbopropellerflugzeug aus der Luft jegliche Verschmutzungen auf der Wasseroberfläche entdecken – egal ob am Tag oder in der Nacht. Ihre Daten leiten die Marineflieger direkt nach Cuxhaven weiter.
(Foto: Havariekommando)
2. Vor dem Start – eine der beiden Do 228 LM auf dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz. Gewartet und geflogen werden die Maschinen von Angehörigen des Marinefliegergeschwaders 3 „Graf Zeppelin“. Die „Ölflieger“ sind 365 Tage im Jahr über der Nord- und Ostsee im Einsatz.
(Foto: Fabian Wilking/für das Havariekommando)
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