München/Hallbergmoos. Das Unternehmen Eurofighter Jagdflugzeug GmbH ist von der NATO Eurofighter and Tornado Management Agency (NETMA) damit beauftragt worden, das Aerodynamic Modification Kit (AMK) für das gleichnamige zweistrahlige Mehrzweckkampfflugzeug zu realisieren. Der Auftrag für die Entwicklung, Erprobung und Zertifizierung des Upgrades ist durch die Eurofighter-Nutzerländer Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien angeschoben worden. Um was genau geht es nun bei AMK? …
Am 29. Oktober vergangenen Jahres fand an der Universität der Bundeswehr München im Rahmen der Vortragsreihe des Instituts für Aeronautical Engineering eine Veranstaltung zum Thema „Aerodynamic Modification Kit for Eurofighter Typhoon“ statt. Den Vortrag hielt Mauro Molino, als „Technical Engineering Manager for AMK“ bei der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH der Experte für dieses Thema schlechthin. Seine Zuhörer waren unter anderem Studierende, Forschende sowie Fachleute aus Industrie und Wissenschaft.
Wie Molino ausführte, wird das Aerodynamic Modification Kit/AMK aerodynamische Anpassungen wie Leading Edge Root Extensions (Anm.: auftriebserhöhende, aerodynamisch geformte Hilfsflächen, auch als LERX bezeichnet), verlängerte Rumpfstrakes (Anm.: Strakes, auch LERX genannt, sind aerodynamische Baugruppen an Flugzeugen, die die Strömung über den Tragflächen bei hohen Anstellwinkeln in Kombination mit hoher Geschwindigkeit beeinflussen) sowie erweiterte Flaperons umfassen (Anm.: Flaperon ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus Flap = Wölbklappe und Aileron = Querruder; es bezeichnet ein Ruder in der Luftfahrzeugtechnik, welches hauptsächlich als Querruder arbeitet, gleichzeitig aber auch als Wölbklappe genutzt werden kann).
Ergänzt werden sollen diese Anpassungen bei den Eurofighter-Flotten der bereits genannten vier Hauptnutzernationen – so Molino – schließlich noch durch Änderungen im Flugsteuerungs- und Avioniksystem. Ziel dieser Modifikationen sei es, die Integration externer Lasten zu optimieren, ohne die zentralen Flugleistungen – wie Agilität, Manövrierfähigkeit und Überlebensfähigkeit – zu beeinträchtigen. Darüber hinaus werde das AMK zur Verbesserung der Flugleistungen beitragen, etwa durch gesteigerte Zielausrichtung und verbesserte Fähigkeiten im Luftnahkampf.
Der Vertreter der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH hob bei seinem Vortrag an der Bundeswehruniversität außerdem hervor, dass das Projekt nicht nur zur Leistungssteigerung des Eurofighters insgesamt beitrage, sondern auch die technologische Kompetenz der europäischen Luftfahrtindustrie stärken werde. Molino: „Das AMK-Programm darf als Beispiel für erfolgreiche europäische Zusammenarbeit in der Entwicklung und Qualifikation moderner Kampfflugzeugsysteme gesehen werden.“
In einer Pressemitteilung der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH heißt es über das von der NETMA initiierte Projekt: „Das AMK ermöglicht eine schnellere Integration neuer Waffen und die Zertifizierung neuer Außenlasten, darunter künftige Anti-Radar-Raketen, mit denen feindliche Luftabwehrradare unterdrückt und zerstört werden können. Zusätzliche Fähigkeiten wie modernste Luft-Boden-Waffen und Luft-Luft-Raketen werden für die Kernkunden in die AMK-Variante integriert. Künftige Integrationen umfassen unter anderem die neueste Version von Standoff-Raketen.“
Weiter heißt es im Pressetext aus Hallbergmoos: „AMK ebnet auch den Weg für eine weitere Verbesserung der Luftkampfleistung des Eurofighter-Kampfjets – insbesondere durch eine verbesserte Zielerfassung und verbesserte Nahkampf-Fähigkeiten. Diese Verbesserung wird durch Verlängerungen der Rumpfstreben, der Flaperons und der Vorderkante der Flügelwurzel erreicht, was zu einer spürbaren Erhöhung des maximalen Flügellifts führt.“
Die Presseerklärung schließt mit dem Hinweis: „Die Entwicklung und Produktion von AMK – durchgeführt von den Eurofighter-Partnerunternehmen Airbus, BAE Systems und Leonardo – wird das technologische Know-how der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie weiter stärken und die erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Qualifizierung moderner Kampfflugzeugsysteme unter Beweis stellen.“
Simon Ellard, Generalmanager der NETMA, sagte nach der Unterzeichnung des AMK-Vertrags: „Dies ist ein bedeutender Schritt innerhalb des Eurofighter-Programms, da so eine schnellere Waffenintegration, die Zertifizierung für schwerere Lasten und eine Reihe weiterer Verbesserungen ermöglicht werden.“ Der Vertrag werde die Weiterentwicklung des Eurofighter Typhoon fortsetzen, so Ellard. Er stehe zudem für den Willen der Kernnationen, mit ihrem Weiterentwicklungsprogramm die für die Luftstreitkräfte Deutschlands, Großbritanniens, Italiens und Spaniens benötigten Fähigkeiten rasch bereitzustellen.“
Jorge Tamarit Degenhardt, Vorstandsvorsitzender der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, erklärte: „Die Unterzeichnung des AMK-Vertrags ist ein wichtiger Meilenstein für das Eurofighter-Programm und wird die langfristige Leistungsfähigkeit des Mehrzweckkampfflugzeugs weiter stärken.“ Der CEO fuhr fort: „Das AMK wird unseren Luftstreitkräften bei ihren Einsätzen einen enormen Schub verleihen, die Integration von Luft-Boden-Konfigurationen erheblich verbessern, mehr Flexibilität beim Transport von Munition bieten und gleichzeitig die Flugleistung unterstützen.“
Der Eurofighter Typhoon soll bis in die 2060er-Jahre hinein das Rückgrat der europäischen Luftverteidigung bleiben. Leistungsverbesserungen wie das AMK sollen dabei sicherstellen, dass die Waffenplattform operativ effektiv sein wird, um diese Rolle langfristig zu erfüllen. Unlängst erreichten die Eurofighter-Flotte aller zehn Nutzernationen die magische Marke „1 Million Flugstunden“ (siehe hier).
Die NATO Eurofighter and Tornado Management Agency (NETMA) ist die zentrale Managementorganisation der Allianz für die Entwicklung, Beschaffung und logistische Betreuung der Kampfjets Eurofighter Typhoon und Panavia Tornado. NETMA fungiert als Hauptkunde für diese Rüstungsprogramme und koordiniert die Upgrades. Die Agentur, die ihren Sitz im oberbayerischen Hallbergmoos bei München hat, ist zuständig für den gesamten Lebenszyklus der Waffensysteme Eurofighter und Tornado und schließt die entsprechenden Verträge mit der Industrie (beispielsweise der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH) für Weiterentwicklungen, einschließlich neuer Waffenintegrationen und struktureller Verbesserungen, ab.
Die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH ist ein Joint Venture europäischer Rüstungsunternehmen, beheimatet wie die NETMA in Hallbergmoos. Die zentralen Aufgaben sind Konstruktion, Herstellung und Weiterentwicklung des zweistrahligen Mehrzweckkampfflugzeugs Eurofighter Typhoon. Das Unternehmen befindet sich im Besitz folgender Anteilseigner:
– Deutschland, Airbus Defence and Space GmbH (33 Prozent);
– Großbritannien, BAE Systems (33 Prozent);
– Italien, Leonardo S.p.A. (21 Prozent);
– Spanien, Airbus Defence and Space S.A. (13 Prozent).
Zu unserem Bildmaterial:
1. Mit dem Eurofighter-Upgrade „AMK“ sollen in Zukunft neue Waffen und Außenlasten schneller in das fliegende Gesamtsystem integriert werden können.
(Foto: Eurofighter Jagdflugzeug GmbH)
2. Experte Mauro Molino am 29. Oktober 2025 bei seinem Vortrag „Aerodynamic Modification Kit for Eurofighter Typhoon“ an der Universität der Bundeswehr München.
(Foto: Universität der Bundeswehr München)
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Weitere Informationen: https://www.mcd-elektronik.de/fileadmin/assets/downloads/pdf/application-notes/2025_applicationnote-signalanalysis-smart-cables-en_mcd.pdf
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