Hallbergmoos/Manching/Berlin. Das multinationale Rüstungs- und Beschaffungsprogramm „Eurofighter Typhoon“ hat mit jetzt insgesamt einer Million Flugstunden eine historische Marke erreicht. Gleiches gilt für die EJ200-Triebwerke der zweistrahligen Mehrzweckkampfflugzeuge. Die im oberbayerischen Hallbergmoos ansässige Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, die das Programm auf industrieller Seite koordiniert, bestätigte diese Flugleistung vor Kurzem. Die entsprechenden Daten hatte das Unternehmen vom Waffensystemunterstützungszentrum 1 (International Weapon System Support Centre, IWSSC) der Deutschen Luftwaffe erhalten. Dem IWSSC gehören Soldaten aller am Eurofighter-Projekt beteiligten Nationen an. Derzeit nutzen zehn Nationen den Typhoon; bislang wurden 769 Maschinen geordert.
Eurofighter-Chef Jorge Tamarit Degenhardt sagte über das Flug-Jubiläum: „Eine Million Flugstunden sind ein wahrhaft beeindruckender Meilenstein, der für drei Jahrzehnte Teamarbeit, Innovation und Engagement von Tausenden von Menschen in ganz Europa steht.“
Er lobte dabei ausdrücklich die Anpassungs- und Leistungsfähigkeit des Kampfflugzeugs sowie dessen „wichtige Rolle in der komplexen globalen Sicherheitslandschaft von heute“. Degenhardt weiter: „Das Erreichen von insgesamt einer Million Flugstunden verdeutlicht das große Vertrauen, das unsere Partnerländer und Exportkunden in unser Programm und unseren Jet setzen. Die Zahl spiegelt auch die herausragende Professionalität der Piloten, Ingenieure und Techniker wider, die die Flotte täglich bedienen und warten.“
Der Vorstandsvorsitzende der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH schloss sein Statement mit den Worten: „Für alle, die an diesem Programm beteiligt waren oder sind, ist dies ein Moment des Stolzes und eine Erinnerung daran, dass der Eurofighter Typhoon nicht nur ein Symbol für europäische technologische Exzellenz ist, sondern auch für langfristige internationale Zusammenarbeit. Er ist weltweit als Eckpfeiler der Luftverteidigung der NATO und ihrer Verbündeten anerkannt, vollständig interoperabel und an eine Vielzahl von Missionsanforderungen anpassbar.“
Heute werden rund 80 Prozent der operativen Luftmissionen der Eurofighter-Kernnationen mit Typhoon-Jets geflogen. Zu den vielfältigen Aktivitäten, die das Kampfflugzeug in Europa und im Nahen Osten durchführt, gehören Patrouillen, Alarmstarts, Luftraumüberwachung oder Kampfeinsätze.
Durch seine Fähigkeit zur vernetzten Operationsführung ist der Eurofighter in einem engen Verbund einsetzbar – sowohl mit den eigenen Luft-, Land- und Seestreitkräften als auch mit denen militärischer Bündnispartner. Die Überlegenheit des Kampfjets sowohl im Luftnahkampf als auch im Einsatz auf große Entfernungen gewährleistet den Schutz eigener Kräfte und Mittel. Diese Wirksamkeit kann die Maschine bei Tag und Nacht unter allen Witterungsbedingungen und in komplexen Einsatzszenarien erzielen.
Gegenwärtig bilden 138 Eurofighter das Rückgrat der Kampfflugzeugflotte der Bundeswehr. Sie sind Kernelement zur Sicherstellung des künftigen Beitrages der Luftwaffe zum geforderten Fähigkeitsprofil der Streitkräfte und den damit verbundenen Bündnisverpflichtungen.
Simon Ellard, Generaldirektor von NETMA (NATO Eurofighter and Tornado Management Agency), der zentralen Managementorganisation des Bündnisses für die Entwicklung, Beschaffung und logistische Betreuung des Eurofighter Typhoon und des Panavia Tornado, äußerte sich zu dem runden Jubiläum wie folgt: „Ob Piloten, Bodenpersonal, Support-Mitarbeiter, NETMA-Angehörige oder unsere Industriepartner – hinter jeder der absolvierten Flugstunden steht eine bemerkenswerte und engagierte Gruppe von Menschen, die dafür sorgen, dass der Eurofighter unsere Sicherheit gewährleistet und eines der weltweit fortschrittlichsten Mehrzweckkampfflugzeuge bleibt. Dieser historische Meilenstein unterstreicht den Erfolg der größten europäischen Verteidigungskooperation – ich gratuliere allen, die zu dieser fantastischen Leistung beigetragen haben.“
Ralf Breiling, Geschäftsführer der für das Triebwerk verantwortlichen Eurojet Turbo GmbH, sagte: „Das Erreichen dieser erstaunlichen Flugstunden-Zahl ist ein stolzer Moment auch für unser EJ200-Triebwerk und alle, die dahinterstehen.“ Die aktuelle Bilanz, so Breiling weiter, spiegele die harte, leidenschaftliche Arbeit sowie die technische Exzellenz des gesamten Teams wider. Die „Million-Marke“ sei zudem ein Gradmesser für das Vertrauen, das die Eurofighter-Kunden sowohl in das Triebwerk als auch in das Flugzeug selbst setzen würden.
Das Programm „Eurofighter Typhoon“ sichert mehr als 100.000 Arbeitsplätze in 400 Unternehmen europaweit. Es ist Europas größtes Rüstungsprogramm und nach wie vor von zentraler Bedeutung für die Erhaltung der industriellen Basis der westlichen Verteidigungsindustrie auf dem Kontinent. Letztendlich spielt der Eurofighter eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit in Europa.
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat am 8. Oktober 2025 grünes Licht gegeben für die Beschaffung von 20 weiteren Eurofighter-Maschinen für die Deutsche Luftwaffe (Tranche 5) im Wert von rund 3,75 Milliarden Euro. Im Jahr 2020 waren bereits zusätzliche 38 Typhoon-Kampfjets gebilligt worden.
Die Tranche-5-Maschinen werden mit modernem Radar (E-Scan-Radar Mk1 Step 1) ausgestattet. Hinzu kommt das derzeit schon verfügbare Selbstschutzsystem „Praetorian“.
Diese Beschaffungen sind Teil der Rüstungsvorhaben zur Stärkung der Bundeswehr, teils finanziert über Sondervermögen. Auch die Kampfwertsteigerung schon länger eingesetzter Eurofighter sowie die Eurofighter-Weiterentwicklung (Stichwort „Future Combat Air System, FCAS“) wurden so durch den Haushaltsausschuss im Rahmen dieser „25-Millionen-Euro-Vorlage“ forciert.
Die NATO Eurofighter and Tornado Management Agency (NETMA) ist die zentrale Managementorganisation der Allianz für die Entwicklung, Beschaffung und logistische Betreuung der Kampfjets Eurofighter Typhoon und Panavia Tornado. NETMA fungiert als Hauptkunde für diese Rüstungsprogramme und koordiniert die Upgrades. Die Agentur, die ihren Sitz im oberbayerischen Hallbergmoos bei München hat, ist zuständig für den gesamten Lebenszyklus der Waffensysteme Eurofighter und Tornado und schließt die entsprechenden Verträge mit der Industrie (beispielsweise der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH) für Weiterentwicklungen, einschließlich neuer Waffenintegrationen und struktureller Verbesserungen, ab.
Die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH ist ein Joint Venture europäischer Rüstungsunternehmen, beheimatet wie die NETMA in Hallbergmoos. Die zentralen Aufgaben sind Konstruktion, Herstellung und Weiterentwicklung des zweistrahligen Mehrzweckkampfflugzeugs Eurofighter Typhoon. Das Unternehmen befindet sich im Besitz folgender Anteilseigner:
– Deutschland, Airbus Defence and Space GmbH (33 Prozent);
– Großbritannien, BAE Systems (33 Prozent);
– Italien, Leonardo S.p.A. (21 Prozent);
– Spanien, Airbus Defence and Space S.A. (13 Prozent).
Das Konsortium Eurojet Turbo GmbH war 1986 von Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien als gemeinsames Unternehmen gegründet worden, um das Antriebssystem EJ200 für den Eurofighter zu entwickeln und zu produzieren. Unternehmenssitz ist ebenfalls Hallbergmoos. Die beteiligten Partnerunternehmen sind verantwortlich für folgende Komponenten des EJ200-Triebwerks (Eurojet-Anteile in Klammern):
– Deutschland, MTU Aero Engines (33 Prozent) für den Nieder- und Hochdruckverdichter und die Regelung;
– Großbritannien, Rolls-Royce (33 Prozent) für die Brennkammer und die Hochdruckturbine;
– Italien, Avio Aero (21 Prozent) für die Niederdruckturbine, den Nachbrenner und den Hilfsgeräteantrieb;
– Spanien, ITP Aero (13 Prozent) für die Schubdüse, den Einlauf und externe Komponenten.
Die Grafik steht für die insgesamt erreichten Eurofighter-Flugstunden (aller ausgelieferten Maschinen) mit der Gesamtbilanz „1 Million“:
(Grafik: Eurofighter Jagdflugzeug GmbH)
Anzeige
Weitere Informationen: https://www.mcd-elektronik.de/fileadmin/assets/downloads/pdf/application-notes/2025_applicationnote-signalanalysis-smart-cables-en_mcd.pdf
Besuchen Sie uns auf https://twitter.com/bw_journal