Koblenz/Düsseldorf/Unterlüß/Schrobenhausen. Die beiden Unternehmen Rheinmetall Waffe Munition GmbH (eine Tochter des Rheinmetall-Rüstungskonzerns) und MBDA Deutschland GmbH haben in den vergangenen Jahren und Monaten gemeinsam für die Deutsche Marine einen sogenannten „Laserwaffendemonstrator“ (LWD) entwickelt. Der Demonstrator – Projektname „HoWiSM“ (Achtung Begriffsungetüm: „Hochpräzise und skalierbare Wirkung gegen agile/signaturarme Ziele im Nah- und Nächstbereich schwimmender Systemträger der Marine“) war unter anderem im Zeitraum Juni 2022 bis September 2023 erfolgreich an Bord der Fregatte „Sachsen“ getestet worden. Am heutigen Donnerstag (9. Juli 2026) unterzeichnete die Präsidentin des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), Annette Lehnigk-Emden, einen Vertrag mit Rheinmetall und MBDA Deutschland „zur Entwicklung eines revolutionären, laserbasierten Waffensystems“. Das Beschaffungsamt erinnerte bei der Vertragsunterzeichnung daran: „Die wirksame Abwehr gegnerischer Waffen ist von zentraler Bedeutung für die Handlungsfreiheit in der Gefechtsführung und die Herstellung der eigenen Wirkungsüberlegenheit.“
Das Hochenergielaser-Waffensystem (HLWS) soll laut BAAINBw „als modernes Wirkmittel gegen hochagile Luft-, See- und Landziele“ entwickelt werden. In einer Pressemitteilung des Amtes vom heutigen Donnerstag heißt es weiter: „Die zunehmende Drohnenkampfführung in der Ukraine und zuletzt die Kampfhandlungen in der Straße von Hormus verdeutlichen die Bedeutung eines solchen Abwehrsystems.“
Das HLWS wird nach Einrüstung und Indienststellung (geplant für 2029) nicht nur „first of class“, sondern auch „first of its kind“ – die erste Laserwaffe, die für die Bundeswehr entwickelt und beschafft wird – sein.
Am 31. März 2026 wollte die Bundestagsfraktion der AfD von der Bundesregierung wissen, ob es sich „bei der Entwicklung, Beschaffung und Einführung von Laserwaffen bei der Deutschen Marine um das notwendige Schließen einer Fähigkeitslücke“ handele. Die Regierungsantwort vom 14. April beantwortete die Kleine Anfrage der AfD mit einem klaren „Ja“.
Grundsätzlich seien entsprechende Laserwaffensysteme künftig für seegehende deutsche Einheiten vorgesehen. Die Bundesregierung informierte in ihrer Antwort auch darüber, dass es „von der Beendigung der Erprobung des LWD auf der Fregatte „Sachsen“ im September 2023 bis heute eine Marktsichtung oder Marktanalyse hinsichtlich dieser Art von Laserwaffen“ gegeben habe, eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung sei im Jahr 2025 abgeschlossen worden.
Wir berichteten in der Vergangenheit mehrfach über die Zusammenarbeit von Rheinmetall und MBDA Deutschland im Bereich des Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsbereichs „Laserwaffen“ (zuletzt hier).
Bewusst anmerken wollen wir an dieser Stelle auch, dass wir Anfragen der AfD im parlamentarischen Raum – besonders zu sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen oder zum Thema „sensible Infrastruktur“ – äußerst kritisch sehen. Innenpolitiker und Verfassungsschützer in Bund und Ländern warnen seit längerer Zeit davor, dass die AfD parlamentarische Auskunftsrechte gezielt missbrauchen könnte, um für Russland sensible Daten auszuspähen. So berichtete das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL am 20. November 2025 darüber, dass die Partei seit 2020 mehr als 7000 sicherheitsrelevante Anfragen in Bund und Ländern eingereicht hat.
Zurück zum Pressetext des Koblenzer Amtes. Das BAAINBw erklärt: „Vorgesehen ist zunächst die Einrüstung auf einem Schiff der Deutschen Marine. Am Ende des Vertrages soll ein Waffensystem stehen, dass vollständig abgenommen und zugelassen ist und der Teilstreitkraft zur operativen Nutzung übergeben werden kann. Gleichzeitig soll das HLWS als technologischer Ausgangspunkt für weitere Laserwaffensysteme dienen, sowohl für die Marine als auch für mobile oder stationäre Anwendungen an Land.“
Wirk-Laser zerstören ihre Ziele durch einen präzisen und fokussierten Laserstrahl auf einen vorher ausgewählten Punkt. Dabei entsteht dort eine so hohe Wärmekonzentration, dass Materialien schmelzen, Strukturen geschwächt werden oder Elektronik Schaden nimmt. Dazu das BAAINBw: „Der Vorteil von Laserwaffen sind ihre hochpräzise Wirkung und die geringen Kosten pro Bekämpfungsvorgang (eine geringe Menge Kraftstoff statt hunderttausende Euro für einen Lenkflugkörper). Zudem wirken Laser verzugslos, so dass der Gegner so gut wie keine Zeit zum Reagieren hat.“
Die Präsidentin des Amtes äußert sich abschließend noch einmal zu dem Deal mit Rheinmetall und MBDA. Lehnigk-Emden führte aus: „Wirk-Laser haben das Potenzial zu einer erfolgreichen Zielbekämpfung. Wo Drohnen und komplexe Bedrohungsszenarien bewährte Verteidigungssysteme an ihre Grenzen bringen, rücken Laserwaffensysteme zunehmend in den Fokus militärischer Entwicklung und Erprobung. Die Bundeswehr und ihre Partner arbeiten mit Hochdruck daran, diese Systeme einsatzfähig zu machen.“
Begonnen hatte das Projekt „Demonstrator HoWiSM“ – wie wir bereits berichtet haben – im Jahr 2018. 2022 wurde das System zur Erprobung auf der Fregatte „Sachsen“ eingerüstet und dort mehr als ein Jahr lang unter realen Umwelt- und Einsatzbedingungen erprobt. Dabei wurden in der Nordsee und Ostsee sowie Mittelmeer mit der „Sachsen“ rund 28.000 Seemeilen zurückgelegt und gut 100 Testschüsse erfolgreich abgegeben.
Die Aufnahmen 1. und 2. zeigen den Laserdemonstrator der Rheinmetall Waffe Munition GmbH und der MBDA Deutschland GmbH an Bord der Fregatte „Sachsen“ der Deutschen Marine. Die Erprobungskampagne fand im Zeitraum Juni 2022 bis September 2023 statt.
(Fotos: Dennis Boller/Bundeswehr)
3. Trefferwirkung des Laser-Demonstrators bei einer Drohnenbedrohung.
(Foto: Dennis Boller/Bundeswehr)
Kleines Beitragsbild: Symboldarstellung „Laser“ aus dem Bildangebot von Pixabay.
(Bild: Ralf Vetterle, SD-Pictures/freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis erforderlich)
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