menu +

Nachrichten


Koblenz/Schrobenhausen/Linköping (Schweden). Am heutigen Donnerstag (18. Dezember) haben die im oberbayerischen Schrobenhausen ansässige Taurus System GmbH und das Koblenzer Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) einen Vertrag zur Vorbereitung der Serienproduktion der Abstandswaffe Taurus NEO unterzeichnet. Vor diesem Hintergrund plant nun der MBDA-Konzern die Produktion großer Stückzahlen in Deutschland. Das Unternehmen Taurus Systems ist ein Joint Venture zwischen der MBDA Deutschland GmbH und Saab Dynamics AB aus Schweden.

Thomas Gottschild, Direktor „Strategy“ der MBDA Executive Group und Geschäftsführer von MBDA in Deutschland, erklärte nach der Vertragsunterzeichnung: „MBDA hat sich seit jeher dafür eingesetzt, entscheidende Fähigkeiten zur Gewährleistung der europäischen Souveränität bereitzustellen. Mit Taurus NEO baut Deutschland gezielt seine hochmodernen Deep-Strike-Fähigkeiten aus und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Abschreckungsfähigkeit Europas und der NATO.“

Damit – so Gottschild weiter – stelle MBDA „seine einzigartige Expertise in Europa unter Beweis, ein umfassendes Portfolio an souveränen Deep-Strike-Lösungen anzubieten, die vom Boden, aus der Luft, von Schiffen und von Ubooten aus gestartet werden können“.

Deep-Strike-Missionen hinter der Front schwächen die Infrastruktur des Gegners

Der Taurus NEO stellt die nächste Generation des europäischen Taurus-Marschflugkörpers dar. Mit ihm können die Fähigkeiten der Bundeswehr und damit der NATO für den „Deep Precison Strike“ erweitert werden. Militärische Deep-Strike-Fähigkeiten zielen darauf ab, Angriffe weit hinter der Front durchzuführen, um so die Infrastruktur des Gegners und dessen militärische Kapazitäten zu schwächen. Ohne dass eigene Kampfflugzeuge in den feindlichen Luftraum eindringen müssen, können so beispielsweise weit entfernte Ziele wie Bunker und Kommandozentralen zerstört werden.

In einer MBDA-Pressemitteilung heißt es dazu: „Taurus NEO wird es der Deutschen Luftwaffe ermöglichen, feindliche Luftverteidigungssysteme aus sicherer Entfernung zu überwinden und so die Risiken für Piloten und Plattformen zu minimieren. Mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern und höchsten Präzisionsstandards leistet [diese neue Taurus-Variante] einen wichtigen Beitrag zur Abschreckung sowie zur nationalen und verbündeten Verteidigung.“

Lenkflugkörper-Produktion soll in den kommenden Jahren signifikant ansteigen

MBDA hat bereits mit der Entwicklung der neuen Technologien im Rahmen des im Dezember 2024 erhaltenen Wartungs- und Modernisierungsvertrags für Taurus begonnen (siehe dazu auch hier und hier). Dies verbessert dem Konzern zufolge die frühestmögliche Verfügbarkeit der ersten NEO-Systeme. Darüber hinaus sieht der Vertrag mit dem BAAINBw weitere Entwicklungen vor, die neue und fortschrittliche Fähigkeiten mit erweiterter Produktionskapazität der modularen Abstandswaffe Taurus ermöglichen sollen.

Zwischen 2023 und 2025 will MBDA nach eigener Aussage die Produktion neuer Lenkflugkörper für die gesamte Gruppe verdoppeln und zwischen 2025 und 2029 weitere 2,4 Milliarden Euro investieren, um den Produktionsanstieg in den kommenden Jahren sicherzustellen.

Rüstungsprojekt wird künftig von der Organisation OCCAR betreut

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat bereits am gestrigen Mittwoch (17. Dezember) insgesamt 30 weitere Bundeswehr-Rüstungsvorhaben in Milliardenhöhe gebilligt, darunter den Vertrag zur Serienvorbereitung für Taurus NEO

Mit dem Beschluss des Ausschusses kann nun die Vorbereitung der Serienfertigung des neuen Marschflugkörpers beginnen. Ziel ist der frühzeitige Aufbau der Fertigungslinie für Taurus NEO sowie die rechtzeitige Beschaffung von Teilen für die Produktion.

Als zukünftig gemeinsame Beschaffung mehrerer verbündeter Partnerländer soll das Projekt unter dem Dach der Gemeinsamen Organisation für Rüstungskooperation OCCAR (Organisation Conjointe de Coopération en matière d’Armement/Organisation for Joint Armament Cooperation) weiterverfolgt werden. Die Organisation, die ihren Hauptsitz in Bonn hat, koordiniert und verwaltet europäische Rüstungs- und Beschaffungsvorgänge.


Randnotiz                                  

Bei der Schreibweise des neuen Marschflugkörpers für die Deutsche Luftwaffe herrscht – vor allem hinsichtlich der Groß- und Kleinschreibung – Uneinigkeit. So findet sich die Bezeichnung „Taurus Neo“ neben „Taurus NEO“ oder komplett in Versalien „TAURUS NEO“. Wir haben uns in Anlehnung an frühere Beiträge über die Abstandswaffe Taurus KEPD 350 letztendlich für die Schreibweise „Taurus NEO“ entschieden.

Noch „richtiger“ wäre beziehungsweise ist die Benennung „TAURUS NEO“, denn hier begegnen sich zwei Akronyme. Ein Akronym ist als Kunstwort eine Abkürzung, die aus den Anfangsbuchstaben oder -silben mehrerer Wörter gebildet wird und sich wie ein eigenständiges Wort aussprechen lässt. Akronyme dienen dazu, lange Begriffe zu verkürzen und zu vereinfachen, indem sie einen neuen, leicht zu merkenden Ausdruck schaffen.

So ist TAURUS ein Akronym für Target Adaptive Unitary and Dispenser Robotic Ubiquity System. NEO steht für New Enhanced Operational capability. Unsere Entscheidung, die Begriffe „Taurus KEPD 350“ und „Taurus NEO“ zu verwenden, fiel nach einer längeren internen Beratungsphase …


Zu unserer Aufnahme: Die momentan in der Bundeswehr vorhandene Taurus-Abstandswaffe konnte bislang nur vom Kampfflugzeug Tornado aus verschossen werden. Das Upgrade „Taurus NEO“ ist jetzt für die Integration in das Waffensystem Eurofighter vorgesehen. So soll Deutschlands Fähigkeit zu Präzisionsschlägen aus der Distanz auch nach Außerdienststellung der alten Tornado-Jagdbomber gesichert bleiben. Der Tornado war der technologische Spitzenreiter seiner Zeit (der Erstflug erfolgte am 14. August 1974 in Manching). Ursprünglich war die Lebensdauer der Jets auf 20 Jahre und 4000 Flugstunden ausgelegt und begrenzt. Noch in den 1990er-Jahren hatten die europäischen Nutzernationen allerdings ein Entwicklungsprogramm gestartet, um die Zulassung auf 8000 Flugstunden zu erweitern. Da sich jetzt aber auch die doppelte Anzahl an Stunden dem Ende zuneigt, sollen alle europäischen Tornado-Maschinen bis 2030 stillgelegt werden.
(Foto: MBDA)

Kleines Beitragsbild: Marschflugkörper Taurus NEO am Trägerflugzeug Eurofighter. Die Aufnahme entstand bei einem Testflug am 15. Januar 2014 über Manching.
(Foto: Airbus Defence and Space)


Anzeige
C MCD Banner scaled
Weitere Informationen: https://www.mcd-elektronik.de/fileadmin/assets/downloads/pdf/application-notes/2025_applicationnote-signalanalysis-smart-cables-en_mcd.pdf


Besuchen Sie uns auf https://twitter.com/bw_journal



Kommentieren

Bitte beantworten Sie die Frage. Dies ist ein Schutz der Seite vor ungewollten Spam-Beiträgen. Vielen Dank *

OBEN