menu +

Nachrichten



Wichita (Kansas, USA)/Hamburg/Taufkirchen. Die Unternehmen Hensoldt, Lufthansa Technik Defense und Bombardier Defense haben einen weiteren wichtigen Meilenstein im PEGASUS-Programm der deutschen Streitkräfte erreicht: Das erste PEGASUS-Flugzeug ist jetzt in Deutschland eingetroffen (PEGASUS steht für „Persistent German Airborne Surveillance System“, Deutschlands fliegende SIGINT-Plattform der nächsten Generation). Nach seinem Transatlantikflug vom Bombardier-Werk in Wichita im US-Bundesstaat Kansas ist die Maschine am Hauptsitz der Lufthansa Technik in Hamburg gelandet. Die Ankunft des ersten Flugzeugs markiert den Übergang von der Plattformkonstruktion und -entwicklung in den USA zur Phase der Missionssystemintegration und -zertifizierung in Deutschland.

Das neue luftgestützte Aufklärungssystem soll ab 2028 einen wichtigen Beitrag zur Landes- und Bündnisverteidigung leisten (wir berichteten). Integriert wird PEGASUS in insgesamt drei modifizierte Flugzeuge des Typs Bombardier Global 6000. Die Global 6000 wird hergestellt von Bombardier Defense in Wichita.

Der deutsche Rüstungskonzern Hensoldt fungiert bei dem Projekt als Generalunternehmer und trägt die Gesamtverantwortung für die Realisierung von PEGASUS selbst sowie der Bodenstation, der Ausbildungseinrichtung und der Datenanalysefähigkeiten.

Lufthansa Technik Defense, ein Bereich der Lufthansa Technik AG, umfasst alle Aktivitäten im Verteidigungsgeschäft für die Bundeswehr und ihre NATO-Partner. Das in Hamburg ansässige Unternehmen fungiert als PEGASUS-Hauptauftragnehmer, beschafft und modifiziert das Flugzeug und integriert das von Hensoldt entwickelte Aufklärungssystem.

Bombardier Defense stellt – wie bereits erwähnt – die leistungsstarke Plattform Global 6000 zur Verfügung und unterstützt das Programm mit seinem Know-how in den Bereichen „Engineering“ und „Flugtests“.

Neben Bombardier, Lufthansa Technik und Hensoldt sind rund 30 weitere Firmen an der Entwicklung und dem Umbau der neuen Bundeswehr-Maschinen beteiligt. Die Übergabe an die Bundeswehr ist ab 2027 geplant, wobei die initiale Einsatzfähigkeit voraussichtlich ab 2028 erreicht werden soll. Stationiert wird die PEGASUS-Flotte beim Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ auf dem Fliegerhorst Schleswig-Jagel.

Krisen- und Bedrohungslagen in möglichen Einsatzgebieten frühzeitig erkennen

Das Gesamtsystem soll die Bundeswehr befähigen, militärische Funkverkehre und Radaremissionen aus großer Entfernung zu erfassen. Es dient somit der Krisenfrüherkennung, Lagebeurteilung und Feststellung der Bedrohungslage in potenziellen Einsatzgebieten.

In ihrem jetzt veröffentlichten Onlinebeitrag „PEGASUS geht in die nächste Phase“ listet die Bundeswehr die Kernfähigkeiten des neuen Aufklärungssystems der Truppe auf:
strategische Aufklärung im Rahmen der signalerfassenden Aufklärung;
weiträumige Überwachung durch Abdeckung großer geografischer Gebiete über weite Distanzen hinweg;
Gewinnung von Informationen zum Lagebild sowie zur Schutz- und Warnfunktion des militärischen Nachrichtenwesens.

Entscheidende Phase der Systemintegration und Systemqualifizierung

Jürgen Halder, Vizepräsident „Airborne SIGINT“ bei Hensoldt, sagte nach der Landung der ersten Bombardier Global 6000 in Hamburg: „Mit der Ankunft dieses Flugzeugs bei der Lufthansa Technik treten wir ein in die entscheidende Phase der Systemintegration und -qualifizierung. Gemeinsam mit unseren Partnern gehen wir nun von der Konzeption und Erprobung zur vollständigen Umsetzung über – und verwirklichen damit die nächste Generation der luftgestützten Aufklärung für die deutschen Streitkräfte.“

Steve Patrick, Vice President bei Bombardier Defense, äußerte sich ebenfalls. Die leistungsstarken Global-Flugzeuge von Bombardier seien die erste Wahl für die anspruchsvollsten Regierungsmissionen weltweit, so Patrick. Und: „Wir sind stolz darauf, mit Hensoldt und Lufthansa Technik zusammenzuarbeiten, um dieses Signal-Aufklärungsflugzeug der nächsten Generation für die Bundeswehr bereitzustellen.“

Signalaufklärungssystem auf Basis von Hensoldts „Kalætron Integral“

Bei Lufthansa Technik in Hamburg umfassen die nächsten Schritte vor allem die Integration der SIGINT-Komponente auf Basis des „Kalætron Integral“-Signalaufklärungssystems von Hensoldt. Hinzu kommen der Einbau der Missionskabine sowie die Integration zusätzlicher Militär- und Kommunikationssysteme.

Darüber hinaus wird das Hamburger Unternehmen sowohl die zivile als auch die militärische Zertifizierung des PEGASUS-Flugzeugs übernehmen. Parallel dazu laufen bereits die Vorbereitungen für die Inbetriebnahme – darunter die Schulung des technischen und fliegenden Personals sowie die Erstellung und Bereitstellung der technischen Dokumentation. So soll ein reibungsloser Übergang in den operativen Einsatz gewährleistet werden.

Die Arbeit an den neuen fliegenden SIGINT-Plattformen der Bundeswehr sei ein stolzer Moment für die Teams des Unternehmens, gestand Michael von Puttkamer, Vizepräsident „Special Aircraft Services“ bei Lufthansa Technik Defense. Er führte weiter aus: „Die Ankunft der ersten Maschine aus den Vereinigten Staaten markiert zugleich den Beginn einer spannenden neuen Phase, in der wir Technologie und Handwerkskunst sowie unser Know-how für Spezialflugzeuge zusammenbringen – wir wollen so eine der fortschrittlichsten luftgestützten Aufklärungsplattformen liefern, die je gebaut wurden.“


Hintergrund                           

SIGINT steht für Signals Intelligence/Signalaufklärung. Der Begriff wurde erstmals vom US-Verteidigungsministerium verwendet.

SIGINT liefert Informationen, die durch die Erfassung und Analyse elektronischer Signale und Kommunikationen eines bestimmten Ziels gewonnen werden. Der Bundesnachrichtendienst (BND) definiert SIGINT folgendermaßen: „Ob Satelliten- oder leitungsgebundene Kommunikation, E-Mails oder Voice-over-IP – das Spektrum elektronischer Kommunikation ist breit und verändert sich ständig. Modernste Erfassungs- und Filtertechnik für weltweite Datenströme stellt dennoch sicher, dass [Dienste] an genau die Informationen gelangen, die sie zur Erfüllung ihres Auftrages brauchen.“

Die Bundeswehr setzte bis zum Jahr 2010 Flugzeuge des Typs Breguet Atlantic BR 1150 auch in der SIGINT-Version ein. Am 20. Juni 2010 endete mit dem letzten Flug der SIGINT-Maschine „61+03“ dieses Kapitel der Breguet Atlantic in der Bundeswehr. Zeitweise war danach in den deutschen Streitkräften der SIGINT-Ersatz durch unbemannte Euro-Hawk-Drohnen vorgesehen.


Zu unserem Bildmaterial:
1. Das Luftfahrzeug Bombardier Global 6000 ist die Trägerplattform für das „Persistent German Airborne Surveillance System“, kurz PEGASUS. Die Bundeswehr wird drei dieser Signalaufklärungssysteme beziehungsweise Flugzeuge erhalten. Die Aufnahme, entstanden bei Bombardier in Wichita, zeigt die erste Maschine Global 6000 vor ihrer Auslieferung nach Deutschland.
(Foto: Bombardier Defense)

2. Landung der ersten Bombardier Global 6000 PEGASUS im Dezember 2025 in Hamburg.
(Foto: Lufthansa Technik Defense)

3. Zum PEGASUS-System gehören neben den Flugzeugen aus den USA ein SIGINT-Bodensegment, ein Referenzsystem sowie eine Ausbildungsanlage, die durch Bundeswehr-Fachpersonal aus dem Bereich der Elektronischen Kampfführung betrieben werden wird. Geflogen werden die drei PEGASUS-Maschinen später von Angehörigen der Luftwaffe. Spezialisten der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum (CIR) werden als Bedienpersonal an Bord sein. Damit wird es eine teilstreitkraftübergreifende Zusammenarbeit wie bei den Flottendienstbooten, auf denen Personal der Marine und des CIR eingesetzt sind, geben.
(Foto: Lufthansa Technik Defense)


Anzeige
C MCD Banner scaled
Weitere Informationen: https://www.mcd-elektronik.de/fileadmin/assets/downloads/pdf/application-notes/2025_applicationnote-signalanalysis-smart-cables-en_mcd.pdf


Besuchen Sie uns auf https://twitter.com/bw_journal



Kommentieren

Bitte beantworten Sie die Frage. Dies ist ein Schutz der Seite vor ungewollten Spam-Beiträgen. Vielen Dank *

OBEN