München/Oberding/Gilching. Den westlichen Alliierten fehlen nach Einschätzung von Fachleuten massenhaft autonome unbemannte Systeme, um die Streitkräfte in einem sich rasch verändernden technologischen Umfeld zu unterstützen. Besonders der Ukrainekrieg hat dies verdeutlicht. In Oberding, einer kleinen Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Erding, sitzt ein vier Jahre junges Start-up, das helfen könnte, die Fähigkeitslücke zu füllen. Die Rede ist von ARX Robotics, 2021 von einer Gruppe ehemaliger und aktiver Bundeswehrsoldaten in München gegründet, um im Bereich der militärisch und auch kommerziell nutzbaren Robotik in Deutschland und Europa neue Wege zu gehen. Das Gründerteam – bestehend aus Marc Wietfeld, Stefan Röbel und Maximilian Wied – vereint nach eigener Aussage „jahrelanges militärisches Know-how, technisches Können und unternehmerische Erfahrung“.
Das Unternehmen ARX Robotics – bis vor wenigen Monaten noch ARX Landsysteme – bietet vor allem mit seiner modularen Plattform „Gereon UGV“ (UGV = Unmanned Ground Vehicle) ein Bodensystem an, das in Serie produziert und sowohl im zivilen als auch im militärischen Umfeld genutzt werden kann.
Mit der „Gereon“-Produktpalette, die unter anderem aus den Varianten „Gereon 2“, „Gereon 3“, „Gereon ATR“ und „Gereon RCS“ besteht (die Varianten unterscheiden sich voneinander in Gewicht, Nutzlast, Geschwindigkeit und Reichweite), können eine Vielzahl von Aufgaben durchgeführt werden. Im militärischen Bereich wären dies beispielsweise der Materialtransport, die Bergung von Verletzten auf dem Gefechtsfeld, der Einsatz als Target-Roboter (mobiler Zielträger für die taktische Schießausbildung im Innen- und Außenbereich) oder der Einsatz als Träger von Sensoren oder Drohnen für Aufklärungsmissionen.
Wie der Business Insider Deutschland vor Kurzem berichtete, soll der Stückpreis für einen „Gereon“-Roboter je nach Variante bei rund 30.000 bis 150.000 Euro liegen. Dies sei im Vergleich zu einem Panzer günstig, zitiert Business Insider einen Sprecher in Oberding.
Neben der Bundeswehr nutzen bereits weitere Armeen in Europa den „Gereon“. Zu den Kundennationen von ARX Robotics gehören bis jetzt Deutschland, Österreich, die Schweiz, Ungarn und nun auch die Ukraine. Die Zeichen stehen auf Erfolg und Expansion …
Diese Entwicklung bestätigte ARX Robotics am 8. Mai in einer Pressemitteilung, die die künftige Zusammenarbeit des Unternehmens mit einer weiteren Dual-Use-Firma, der 2015 gegründeten Quantum-Systems GmbH, verkündete.
Quantum-Systems aus Gilching bei München bringt in die Partnerschaft seine Expertise in der Herstellung automatisierter Aufklärungsdrohnen für die zivile und militärische Nutzung ein (siehe unseren früheren Bericht über Quantum-Systems). ARX Robotics – wie bereits beschrieben – seine Fähigkeiten im Bereich unbemannter Bodenfahrzeuge. Durch die Bündelung ihrer Kompetenzen wollen die Partner nun Synergien nutzen und unter anderem der Bundeswehr und anderen verbündeten Streitkräften verbesserte unbemannte Lösungen als Antwort auf die zunehmende Autonomisierung des Gefechtsfeldes anbieten.
In der Pressemitteilung von ARX Robotics heißt es: „Beide Unternehmen sind sich bewusst, dass es von entscheidender Bedeutung ist, die Bundeswehr bei der Neubewertung der Notwendigkeit des technologischen Fortschritts aktiv voranzutreiben und zu unterstützen. Eine Aufgabe, der sie sich gemeinsam widmen wollen.“ Die Kooperation soll zudem „gemeinsame zielgerichtete Kommunikationsmaßnahmen“ beinhalten, die den „Wissenstransfer von den Erfahrungen in der Ukraine zur Bundeswehr“ erleichtern sollen. Darüber hinaus soll die Partnerschaft in Zukunft auch die Vorteile unbemannter Systeme durch gemeinsame Demonstrationen verdeutlichen.
Marc Wietfeld, CEO und Mitgründer von ARX Robotics, wird in dem Pressetext mit den Worten zitiert: „Wir sind Partner, die sich gegenseitig ergänzen – einer mit seiner Erfahrung in der Luft, der andere mit seinen modularen Systemen am Boden. Uns eint der Glaube an den Bedarf an unbemannten Systemen in den Streitkräften, auch als Zeichen einer echten Wende.“
Florian Seibel, CEO von Quantum-Systems, erklärt: „Die Tatsache, dass zwei junge Dual-Use-Firmen mit modernster Technologie dabei sind, den europäischen Verteidigungsmarkt neu zu gestalten und eine neue Ära ins Leben zu rufen, macht uns stolz, aber auch demütig angesichts der vor uns liegenden Aufgabe. Wir sind uns einig in der Ansicht, dass die Zukunft unbemannt ist, und wir wollen sie gemeinsam gestalten.“
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Die Aufnahme zeigt ein unbemanntes Bodenfahrzeug aus der „Gereon“-Baureihe des oberbayerischen Start-ups ARX Robotics.
(Foto: ARX Robotics)