Neubiberg bei München/Betzdorf/Vandenberg Space Force Base (County of Santa Barbara, Bundesstaat Kalifornien, USA). Am gestrigen Donnerstag (1. Oktober) wurde der deutsche Technologiedemonstrator „ATHENE-1“ erfolgreich vom US-Weltraumbahnhof Vandenberg Space Force Base in Kalifornien gestartet. Der von dem Unternehmen LuxSpace gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr München (Neubiberg) entwickelte und gebaute Kleinsatellit hob im Rahmen der „Transporter-18“-Mission an Bord einer Falcon-9-Rakete von SpaceX ab und wurde planmäßig in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht. LuxSpace ist eine im luxemburgischen Betzdorf beheimatete Tochtergesellschaft des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB SE.
Gesteuert wird der Satellit vom Nationalen Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC = German Space Operations Center) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. In Forschungsarbeiten des GSOC sollen unter anderem neue Betriebskonzepte zur weitergehenden Automatisierung erprobt werden. An Bord des Satelliten stellt das DLR zudem zwei Instrumente bereit.
Die operative Phase der Mission hat mit dem Start in den USA begonnen. In Deutschland stellt das GSOC die erforderliche Bodeninfrastruktur für die Übertragung von Telemetriedaten, die Übermittlung von Befehlen sowie die Überwachung und Steuerung des Satelliten bereit.
Anke Pagels-Kerp, Bereichsvorstand „Raumfahrt“ beim DLR, zur Bedeutung des GSOC: „Das GSOC in Oberpfaffenhofen ist als Satellitenkontrollzentrum die zentrale Schnittstelle zwischen Satellit und dem Bodensegment. Gleichzeitig erforschen wir am GSOC die Abläufe und Methoden für die Satellitenkontrolle von morgen, die hochautomatisiert von einer viel größeren Satellitenanzahl in Megakonstellationen bis hinunter in niedrige Umlaufbahnen geprägt sein wird. ,ATHENE-1‘ ist eine ideale Erprobungsplattform, um diese zunehmende Automatisierung von Steuerungsabläufen real im All zu erproben.“
„ATHENE-1“ ist das zentrale Element des Forschungsprojekts „SeRANIS“, das von der Universität der Bundeswehr München geleitet und vom Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr – kurz dtec.bw – gefördert wird (siehe auch hier). Ziel ist es, innovative Technologien schneller von der Forschung in die praktische Anwendung zu überführen und deren Nutzen für zukünftige Weltraumfähigkeiten zu demonstrieren.
Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender von OHB, äußerte sich nach dem erfolgreichen Start von „ATHENE-1“ wie folgt: „Dies ist ein bedeutender Meilenstein für das gesamte Projektteam und ein starkes Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie. Mit der Mission schaffen wir die Grundlage, um entscheidende Erkenntnisse für künftige Kommunikations-, Navigations- und Sicherheitsanwendungen zu gewinnen. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig technologische Souveränität und resiliente Weltraumsysteme geworden sind.“
Der knapp 300 Kilogramm schwere „ATHENE-1“-Satellit wird unter anderem Verfahren zur Erkennung, Lokalisierung und Abwehr von Störungen erproben, die zur Erhöhung der Resilienz satellitengestützter Navigations- und Kommunikationssysteme beitragen sollen. Darüber hinaus ermöglicht die Mission die Erprobung neuer Ansätze der intelligenten Signal- und Datenverarbeitung sowie zukünftiger Anwendungen für staatliche und militärische Nutzer.
Technologisch steht „ATHENE-1“ zudem für den Wandel hin zu softwaredefinierten und rekonfigurierbaren Satellitensystemen. Die in der Mission erprobten Technologien sollen es ermöglichen, Funktionen und Anwendungen auch nach dem Start an neue Anforderungen anzupassen. Dadurch können Satelliten flexibler auf neue Standards, Einsatzszenarien oder Störungen reagieren.
Andreas Knopp, Initiator und Programmleiter von „SeRANIS“ an der Bundeswehr-Universität München, wies nach dem Start in Kalifornien darauf hin: „Als wir ,SeRANIS‘ vor sechs Jahren ins Leben gerufen haben, war unser Ziel, neue Schlüsseltechnologien möglichst früh unter realen Bedingungen im Weltraum zu erproben. Mit dem erfolgreichen Start von ,ATHENE-1‘ wird diese Vision Realität. Die sicherheitspolitische Entwicklung der vergangenen Jahre konnten wir nicht vorhersehen – aber das flexible Missionsdesign hat es uns ermöglicht, auch neue Fragestellungen aufzunehmen.“
Vizeadmiral Thomas Daum, Inspekteur Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, meldete sich ebenfalls zu Wort. Er sagte: „Moderne Operationsführung ist ohne Einsatzunterstützung aus dem Weltraum nicht möglich. Unser Plan als Bundeswehr für die Zukunft heißt ,Gesamtarchitektur Weltraum‘ – ein vernetzter und multiorbitaler Ansatz für Sensorik und Datenübertragung mit mindestens einer hohen dreistelligen Anzahl von Satelliten. ,SeRANIS‘ und vor allem ,ATHENE-1‘ schaffen wichtige Grundlagen für den Aufbau dieser Architektur.“
Die „ATHENE-1“-Mission basiert auf der modularen Kleinsatellitenplattform „Triton-X Heavy“ der Firma LuxSpace in Kombination mit einer von der Münchner Universität entwickelten multifunktionalen Experimentalnutzlast. Deren Integration erfolgte am OHB-Standort Oberpfaffenhofen.
Für die Durchführung der Startkampagne war OHB Orbital Access, Teil des Geschäftssegments „Access to Space“ der OHB SE, verantwortlich. OHB Orbital Access organisiert und koordiniert Startmöglichkeiten für Satellitenmissionen der OHB-Gruppe sowie zusätzliche Mitfluggelegenheiten (Rideshare-Kapazitäten) für externe Anbieter.
Nach dem erfolgreichen Start sollen nun in den kommenden Tagen die ersten Betriebsphasen des Satelliten – Launch and Early Orbit Phase (LEOP) und In-Orbit Commissioning – durchgeführt werden. Anschließend sollen schrittweise die wissenschaftlichen Experimente angegangen werden. Die Mission ist auf mehrere Jahre angelegt und soll wertvolle Erkenntnisse für die nächste Generation satellitengestützter Systeme liefern.
Das Projekt „SeRANIS“ (steht für „Seamless Radio Access Networks for Internet of Space“) ist das weltweit erste multifunktionale Kleinsatelliten-Experimentallabor im Orbit. Das Projekt wird verantwortet und geleitet von der Universität der Bundeswehr München, Neubiberg.
„SeRANIS“ erforscht Schlüssel- und Zukunftstechnologien für die digitale Gesellschaft in verschiedenen Bereichen: Informationsübertragung (insbesondere Kommunikation und Navigation für Mobilfunksysteme der 6. Generation), Mikroelektronik, Informationssicherheit, Erdbeobachtung und Werkstoffwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Systemen für den niedrigen Erdorbit, der aus kommerzieller Sicht sowie aus Sicht des Anwendungsspektrums aktuell besonders relevant ist.
Außerdem bietet „SeRANIS“ unter dem Slogan „Per Anhalter in den Orbit“ handverlesenen Start-ups nicht nur fachlichen Begleitung, sondern auch eine Mitfluggelegenheit ihrer Technologien an und damit eine neue Ebene weltraumbezogener Innovationsförderung. Für die Marktreife ist es extrem wichtig, dass Produkte unter realen Bedingungen im Weltraum demonstriert und validiert werden – genau das wird mit „SeRANIS“ möglich.
Aus Sicht der Bundeswehr erzeugt die zunehmende Weltraumnutzung massive Risiken für den Betrieb eigener kritischer Infrastrukturen zur Navigation und Kommunikation. Besorgniserregend ist auch die Tatsache, dass wegen der Dichte an Satelliten bald keine Rechte an Übertragungsfrequenzen mehr zur Verfügung stehen könnten. Auch Cyber-Bedrohungen aus dem Weltraum sind Realität und wurden bereits – beispielsweise durch GPS-Störungen im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg – bittere Realität.
Die Bundeswehr hat vor diesem Hintergrund den Weltraum schon längst als „strategisches Handlungsfeld“ identifiziert. „SeRANIS“ leistet hier einen wichtigen Beitrag. Durch die enge Kooperation mit Wissenschaft, Industrie und Verbänden sowie durch aktive Kommunikation der Forschenden ist das „SeRANIS“-Projekt auch Adressat für Gesellschaft, Politik und die Streitkräfte selber. Einer der wichtigsten „SeRANIS“-Nutzer aus der Bundeswehr ist das Kommando Cyber- und Informationsraum.
Zu unserer Bildsequenz:
1. Der Kleinsatellit „ATHENE-1“, gemeinschaftlich entwickelt und gebaut von der OHB-Tocher LuxSpace und Fachleuten der Universität der Bundeswehr München, hat insgesamt 15 Experimente an Bord.
(Foto: OHB)
2. Vorbereitung des optischen Terminals „Cube1G“ im Reinraum des DLR-Instituts für Kommunikation und Navigation für den Einsatz im Orbit. Das Terminal wird später die bei den „ATHENE-1“-Experimenten gewonnenen Daten zur Bodenstation übertragen.
(Foto: DLR)
3. „Cube1G“ verfügt über eine Grobausrichteeinheit, die den Laserstrahl unabhängig vom Trägersystem in jede Richtung bewegen kann. Diese Flexibilität ermöglicht eine Datenübertragung unabhängig von der Lage des Satelliten.
(Foto: DLR)
4. Am 1. Oktober 2026, um 20:32 Uhr (MESZ), startete die Falcon 9 im Rahmen der Mission „Transporter-18“ vom Space Launch Complex 4E auf der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien aus in die erdnahe Umlaufbahn. Mit dem Flug wurden 130 Nutzlasten transportiert, darunter CubeSats, Mikrosatelliten, mitgeführte Nutzlasten sowie zwei Raumfahrzeuge mit Wiedereintrittsmodulen und vier Orbital-Transferfahrzeuge. Die Fahrzeuge sollen 41 der Nutzlasten, die zu einem späteren Zeitpunkt ausgesetzt werden sollen, transportieren.
(Foto: SpaceX)
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Weitere Informationen: https://www.thalesgroup.com/de/solutions-catalogue/defense/air/samp/t-ng-luftverteidigungssystem.
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