menu +

Nachrichten



Wolgast. Die sicherheitspolitische Lage und die Bedrohung durch Russland machen die strategische Informationsgewinnung auf See immer wichtiger. Ab 2029 will die Bundeswehr deshalb neue, hochmoderne Flottendienstboote der Klasse 424 in Betrieb nehmen. Das dritte Aufklärungsboot wurde jetzt am 14. September (Montag) in der Peene-Werft in Wolgast kielgelegt, ein viertes Boot soll später zusätzlich beschafft werden. Dies kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius an, der zu der Veranstaltung nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen war.

Flottendienstboote sind ausgestattet mit hochmodernen Sensoren. Diese liefern wichtige Daten von See für die militärische Nachrichtenlage. Fernmelde- und Elektronische Aufklärung durchzuführen, ist eine Hauptaufgabe der Boote. Darüber hinaus unterstützen die Einheiten die Fähigkeiten der Bundeswehr zur Cyber-Verteidigung durch die Gewinnung von Informationen und deren Auswertung. Dies macht sie zu wesentlichen Fähigkeitsträgern der Dimension „Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr“.

An der Kiellegung in Wolgast nahmen neben dem Verteidigungsminister unter anderem auch Manuela Schwesig (Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern), Armin Papperger (Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG) sowie zahlreiche Gäste aus Industrie, Politik und Streitkräfte teil.

Rund 3,3 Milliarden Euro für die drei neuen deutschen Flottendienstboote

Der im Schiffbau wichtige Akt der Kiellegung – nun für das dritte neue Flottendienstboot der Deutschen Marine – erfolgte mehrere Monate vor dem Zeitplan am Rheinmetall-Standort Wolgast, wo parallel auch das zweite Flottendienstboot gefertigt wird.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte für das Beschaffungsprojekt im Juli 2023 rund 3,3 Milliarden Euro für die drei Flottendienstboote freigegeben. Das erste Schiff dieser Klasse war am 25. Februar 2025 auf Kiel gelegt worden; es soll 2029 ausgeliefert werden. Die Kiellegung des zweiten Flottendienstbootes hatte am 19. November 2025 – ebenfalls auf der Peene-Werft in Wolgast – stattgefunden. 2027 soll die Deutsche Marine vorab über eine Ausbildungsanlage verfügen. Alle drei Schiffe sollen die alten Einheiten der „Oste“-Klasse ersetzen und insgesamt bis 2031 fertiggestellt und der Truppe dann feierlich übergeben werden.

Verteidigungsminister „setzt Kurs für ein weiteres, viertes Schwesterboot“

Minister Boris Pistorius erklärte bei der Feier in Wolgast: „Die neue Generation Flottendienstboote der Klasse 424 verfügt über eine leistungsstarke Sensortechnik, die eine hocheffiziente Überwachung des elektromagnetischen Spektrums über Land, Luft und See und eine noch bessere Informationsgewinnung ermöglicht. Die neuen Boote sollen ab 2029 [bis 2031] schrittweise zulaufen und diese Fähigkeit für die kommenden Jahrzehnte sichern. Dabei arbeiten unsere Marine und der Bereich ,Cyber- und Informationsraum‘ eng zusammen. Die Spezialisten des Cyber- und Informationsraums [kurz CIR] nutzen die technischen Fähigkeiten an Bord, um Informationen zu gewinnen und auszuwerten. Sie werden damit einen wichtigen Beitrag zu unserem Lagebild leisten.“

Der SPD-Politiker kündigte abschließend an: „Unser neues Fähigkeitsprofil sieht einen Bedarf von insgesamt vier Flottendienstbooten vor. Bislang sind drei im Bau. Ich habe daher – eng abgestimmt mit dem Inspekteur Marine und dem Inspekteur CIR – den Kurs für ein weiteres viertes Schwesterboot gesetzt. Dazu treten wir nun in die parlamentarischen Abstimmungen.“

Maritime Industrie in Mecklenburg-Vorpommern ist eine der Schlüsselbranchen

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig äußerte sich bei der Veranstaltung wie folgt: „Für Wolgast, für das östliche Vorpommern, für ganz Mecklenburg-Vorpommern ist die Peene-Werft weit mehr als ein Unternehmen. Die maritime Industrie ist eine unserer Schlüsselbranchen, auf die wir stolz sind. Ihre Wertschöpfungsketten reichen dabei von Norden bis tief in den Süden. Wir freuen uns über die Kiellegung für das dritte Flottendienstboot.“

Armin Papperger, CEO der Rheinmetall AG, zog auf dem Werftgelände eine erfreuliche Zwischenbilanz. Der Spitzenmanager: „Die erfolgreiche Kiellegung weit vor dem Zeitplan ist ein starkes Signal für die Leistungsfähigkeit unseres gesamten Teams. Sie zeigt, was möglich ist, wenn Planung, technologische Kompetenz und partnerschaftliche Zusammenarbeit konsequent ineinandergreifen. Und sie zeigt die Fähigkeiten und das Know-how, die diesen Standort zu einem Hotspot des modernen Marineschiffbaus machen. Wir haben heute einen wichtigen Meilenstein erreicht und schaffen damit eine hervorragende Ausgangsbasis für die nächsten Bauphasen. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die diesen Erfolg mit vollem Einsatz, großem Herzblut und ihrem Können ermöglicht haben.“

Endmontage und Ausrüstung der neuen Boote in Bremen und in Hamburg

Die Kiellegung gilt traditionell als symbolischer Start in den eigentlichen Schiffbau. Die Höhepunkte der Zeremonie mit dem Einbringen der Glücksmünzen auf der Kiellegungsplatte und das Unterkeilen der Platte unter die Kiellegungssektion verfolgten mit großem Interesse unter anderem Philipp Amthor (Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Bundeskanzleramt), Vizeadmiral Axel Deertz (Stellvertreter des Inspekteurs der Deutschen Marine), Vizeadmiral Thomas Daum (Inspekteur CIR), Angela Bier (Bürgermeisterin der zukünftigen Patenstadt Hof) sowie Jürgen Giefer (Stellvertretender Abteilungsleiter „See“ des Koblenzer Beschaffungsamtes).

Das Vorschiff des zweiten Bootes wird – wie eingangs bereits erwähnt – bei der Peene-Werft in Wolgast gefertigt und anschließend zu den weiteren Arbeiten an die Standorte des Unternehmens Naval Vessels Lürssen/NVL per Schleppzug nach Bremen und Hamburg überführt.

In Bremen, dem Hauptstandort der Lürssen-Werftgruppe, findet die „Hochzeit“ statt – die Vorschiffe werden mit den hier gefertigten Achterschiffen (Hintersektionen) dauerhaft verbunden. Nach dem Zusammenfügen in Bremen geht es für den gesamten Schiffskörper weiter nach Hamburg. Dort, bei Blohm+Voss, erfolgt die komplette technische Endausrüstung mit der hochmodernen Sensor- und Aufklärungstechnik, gefolgt von der Inbetriebnahme und den Erprobungen. Zusätzlich ist teilweise auch der NVL-Standort im niedersächsischen Lemwerder in die Bauprozesse der neuen Flottendienstboote eingebunden.

Über den Start dieses ambitionierten Marine-Rüstungsprojekts haben wir ausführlich im Juli 2023 berichtet – siehe hier.


Hintergrund                           

Die drei neuen Flottendienstboote unserer Marine (später möglicherweise sogar vier Boote) sollen in naher Zukunft die aktuellen drei Flottendienstboote der „Oste“-Klasse nach mehr als dreißig Jahren im Dienst für Deutschland ablösen. Die alten Flottendienstboote erfüllen bereits seit Ende der 1980er-Jahre eine wichtige Aufgabe für die Aufklärung und strategische Informationsgewinnung der Bundeswehr. A52 Flottendienstboot „Oste“ ist am 30. Juni 1988 in Dienst gestellt worden, A53 Flottendienstboot „Oker“ am 10. November 1988 und A50 Flottendienstboot „Alster“ am 30. Juni 1989.

Die drei Einheiten der „Oste“-Klasse sind das hochsensible Auge und Ohr nicht nur der Marine, sondern der ganzen Bundeswehr. Als Aufklärungsschiffe sind sie auf das Überwachen weiter See- und Küstengebiete spezialisiert. Dazu dienen ihnen besonders effiziente elektronische, hydroakustische und elektro-optische Sensoren. Um weiteres Spezialgerät an Bord nehmen zu können, ist an Oberdeck Platz für zwei 20-Fuß-Container.

Eine Stammcrew ist für den nautischen Einsatz und Betrieb des Schiffes zuständig; ein Bordeinsatzteam des Cyber- und Informationsraums mit Spezialisten für Fernmelde- und Elektronische Aufklärung komplettiert die Besatzung.

Für ihre sensiblen Aufträge können Flottendienstboote lange in einem Seegebiet verbleiben. Mit dem strategischen Einsatz ihrer Fähigkeiten in Krisenregionen besitzt Deutschland ein zuverlässiges, effektives Warninstrument bei drohenden Konflikten. Politische Entscheidungsträger bleiben so ständig über die aktuelle Lage vor Ort informiert. Davon profitieren auch die Bündnispartner Deutschlands: Dank ihrer Aktionsreichweite und Kommunikationsanlagen können die schwimmenden Datensammler multinational kooperieren.

A52 „Oste“, A53 „Oker“ und A50 „Alster“ legten auf ihren bisherigen Einsätzen viele Tausend Seemeilen in Nord- und Ostsee, am Horn von Afrika, im Mittelmeer, im Schwarzen Meer, im Atlantik und in der Karibik zurück.


Zu unserer Bildfolge:
1. So könnten die neuen Flottendienstboote der Deutschen Marine einmal aussehen – eine Darstellung aus der Entwurfsphase. Die rund 130 Meter langen neuen Boote sollen modernste Sensorik erhalten und werden der Bundeswehr einmal als Aufklärungsplattformen zur seegestützten Informationsgewinnung dienen. Zur Endausrüstung, Inbetriebnahme und Erprobung werden die Einheiten später vorausgerüstet zum Hamburger Rheinmetall-Standort Blohm+Voss verholt.
(Bild: NVL Group)

2. Die Lürssen-Gruppe ist ein traditionsreiches, familiengeführtes Unternehmen mit Hauptsitz in Bremen-Vegesack, gegründet 1875. Zum 1. Oktober 2021 hatte Lürssen seine Sparte „Marineschiffbau“ in Naval Vessels Lürssen – kurz NVL – ausgegründet. Die NVL ist die Rechtsnachfolgerin des früheren Teilbetriebs Lürssen-Sparte „Defence“. Die Wolgaster Peene-Werft gehört zu NVL. Die Aufnahme vom 21. Juni 2013 zeigt die Werft in Wolgast am Peenestrom im Landkreis Vorpommern-Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern.
(Foto: Niteshif/Wikipedia/Wikimedia Commons/unter Lizenz CC BY-SA 3.0 –
vollständiger Lizenztext: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de)

3. Kiellegung des dritten Flottendienstbootes am Standort Wolgast – Modell des neuen maritimen Aufklärers der Deutschen Marine.
(Foto: Felix Matthies, www.businessfotoshamburg.com/Rheinmetall AG)

4. und 5. Grußworte sprachen unter anderem Verteidigungsminister Boris Pistorius und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
(Fotos: Felix Matthies, www.businessfotoshamburg.com/Rheinmetall AG)

6. und 7. Die Kiellegung gilt traditionell als symbolischer Start in die eigentliche Schiffbauphase. Höhepunkte der Zeremonie sind – so erklären es Fachleute – „das Einbringen der Glücksmünzen auf der Kiellegungsplatte und das Unterkeilen der Platte unter die Kiellegungssektion“.
(Fotos: Felix Matthies, www.businessfotoshamburg.com/Rheinmetall AG)

8. Die neuen Flottendienstboote der Deutschen Marine sollen einmal die alten Boote der „Oste“-Klasse ablösen. Die Aufnahme zeigt die A53 „Oker“ im Einsatz.
(Foto: Bundeswehr)


Anzeige
A 2 Banner THALES scaled
Weitere Informationen: https://www.thalesgroup.com/de/solutions-catalogue/defense/air/samp/t-ng-luftverteidigungssystem.


Besuchen Sie uns auf https://twitter.com/bw_journal



Kommentieren

Bitte beantworten Sie die Frage. Dies ist ein Schutz der Seite vor ungewollten Spam-Beiträgen. Vielen Dank *

OBEN