Heidenheim/Taufkirchen/Ulm. Das Rüstungsunternehmen Hensoldt will Mitarbeiter des schwäbischen Maschinen- und Anlagenbauers Voith übernehmen, die von einem einschneidenden Stellenabbau betroffen sind. Während Voith im Dezember 2025 den Abbau von bis zu 2500 Stellen ankündigen musste, ist Hensoldt angesichts der hohen Nachfrage in der Rüstungsindustrie auf starkem Expansionskurs und sucht deshalb händeringend zusätzliche Fachkräfte. Der börsennotierte Hensoldt-Konzern hat im vergangenen Jahr bereits rund 1200 Beschäftigte neu eingestellt und plant nun insgesamt 1600 weitere Neueinstellungen, vor allem in Deutschland. Insbesondere die Standorte Ulm, Oberkochen/Aalen und Immenstaad am Bodensee verzeichnen nach Angaben von Hensoldt ein starkes Wachstum.
Unter der Überschrift „Neue Perspektiven für Fachkräfte“ haben Hensoldt und Voith am Montag dieser Woche eine gemeinsame Presseerklärung veröffentlicht, in der eine kürzlich geschlossene Kooperationsvereinbarung näher erläutert wird.
Ziel der Vereinbarung ist es, „im Zuge der Transformation bei Voith berufliche Perspektiven für Mitarbeitende zu schaffen und Übergänge in überdurchschnittlich nachgefragte Tätigkeitsfelder aktiv zu unterstützen.“ Und – so der Pressetext weiter: „Aufgrund der hohen Nachfrage in der Verteidigungsindustrie baut Hensoldt derzeit seine Liefer- und Produktionskapazitäten stark aus und sucht neue Fachkräfte.“
Über Voith heißt es in der Mitteilung außerdem: „Voith richtet seine Organisation im Rahmen seiner strategischen Transformation neu aus, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu steigern und gezielt in Zukunftsfelder zu investieren. Dies umfasst auch strukturelle Anpassungen in ausgewählten Bereichen vor dem Hintergrund veränderter Marktbedingungen.“
Hensoldt hingegen sucht neue Fachkräfte in allen Bereichen der Wertschöpfungskette. Dazu heißt es: „[Gesucht wird] insbesondere in der Systementwicklung, Softwareentwicklung und Elektrotechnik – bei Voith sind diese Kompetenzen in hoher Qualität vorhanden.“
Über die beschlossene Kooperation sagt Oliver Dörre, der als CEO das Sensorhaus Hensoldt AG leitet: „Die Nachfrage nach moderner Verteidigungstechnologie wächst derzeit sehr stark, und damit auch unser Bedarf an Spezialisten. Viele Kompetenzen von Voith-Mitarbeitenden passen hervorragend zu den Technologien, die wir entwickeln. Die Kooperation schafft eine echte Perspektive für Fachkräfte in der Region. Davon profitieren beide Seiten.“
Dirk Hoke, CEO und Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Voith GmbH & Co. KGaA, ergänzt: „Wir stehen als Industrie vor tiefgreifenden Veränderungen und übernehmen Verantwortung für unser Personal. Die Kooperation mit Hensoldt schafft neue Perspektiven für hochqualifizierte Fachkräfte und stärkt gleichzeitig technologisch anspruchsvolle Zukunftsfelder in Deutschland. Das ist ein wichtiges Signal: Unternehmen arbeiten zusammen, um strukturellen Wandel konkret zu gestalten und Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland zu sichern.“
Der Voith-Konzern plant Medienberichten zufolge einen weltweiten Stellenabbau um bis zu 2500 Arbeitskräften, ein Großteil soll auf Deutschland entfallen. Dies entspricht rund einem Zehntel der gesamten Belegschaft (etwa 22.000 Mitarbeiter in 60 Ländern). Grund sind ein schwächelnder Maschinenbausektor, eine sinkende Produktion sowie zusätzliche Belastungen durch Strafzölle, die US-Präsident Donald Trump verhängt hat.
An welchen nationalen und internationalen Standorten Voith wie viele Arbeitsplätze abbauen will (oder muss), war zum Jahreswechsel 2025/2026 noch unklar. Das Unternehmen möchte nach eigenen Angaben zunächst „Optionen prüfen und diese gemeinsam mit Arbeitnehmervertretern diskutieren und bewerten“.
Eine Sprecherin der Heidenheimer Firma hatte im Dezember auf Anfrage des Südwestrundfunks (SWR) angekündigt, dass der Stellenabbau vor allem Deutschland – und damit auch das Mutterhaus in Heidenheim – überproportional treffen werde. In Heidenheim arbeiten momentan gut 3800 Menschen, in Deutschland hat Voith insgesamt knapp 7000 Beschäftigte. Konzernchef Hoke kündigte im Gespräch mit dem SWR an, dass man in Zukunft verstärkt auf Innovationen setzen wolle, nur so könne man vor allem die Unternehmensstandorte in Deutschland absichern. Nach Darstellung von Hoke könne Deutschland zwar mit technologischer Kompetenz und Innovationskraft punkten. Große Herausforderungen seien jedoch „hohe Energie- und Arbeitskosten, komplexe regulatorische Anforderungen sowie ein insgesamt hoher bürokratischer Aufwand“.
Zu unserem Bildmaterial: Voith-Zentrale in Heidenheim.
(Foto: Rüdiger Nehmzow/für Voith)
Kleines Beitragsbild: Schriftzug des Technologieunternehmens Voith.
(Bild: nr)
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