Berlin/Pabrade (Litauen). In diesem Jahr findet die Bundeswehr-Übung „Quadriga“ im Kernzeitraum Februar bis März in Deutschland und Litauen statt. Ein Schwerpunkt ist die kurzfristige Verlegung einsatzbereiter Kräfte auf allen Transportwegen in einem Szenario der Bündnisverteidigung. Die Bedeutung von „Quadriga 2026“ wurde am heutigen Freitag (6. März) mit den Besuchen von Verteidigungsminister Boris Pistorius und von Henning Otte, Wehrbeauftragter des Bundestages, überdeutlich. Beide ließen sich auf dem ILA-Messegelände am Flughafen Berlin Brandenburg (ExpoCenter Airport) in die dortige Teilübung „Medic Quadriga“ einweisen und besichtigten eine Ausstellung, bei der die Industrie und die Truppe innovative technische Lösungen präsentierten (wie beispielsweise eine Rettungsdrohne, mit der Verwundete rasch vom Gefechtsfeld evakuiert werden können).
In einem Onlinebeitrag schreibt die Redaktion der Bundeswehr über das Übungscluster „Quadriga 2026“: „Der weiter andauernde Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt: Russland bleibt auf absehbare Zeit die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit im Europa. Der Fokus der deutschen Streitkräfte liegt daher auf der Landes- und Bündnisverteidigung – für einen umfassenden Schutz der Bevölkerung in Frieden, Krise und Krieg und als verlässlicher Partner der alliierten Streitkräfte in der NATO. Mit nationalen und multinationalen Übungen zeigen die NATO-Nationen ihre Fähigkeit und Bereitschaft, das Bündnisgebiet zu verteidigen. Dem dient auch das Übungscluster Quadriga der Bundeswehr.“
Weiter heißt es in dem Fachartikel: „2026 ist Quadriga nicht mehr als reine Übung, sondern als einsatznahe Operation anlegt. Das bedeutet, dass so nah wie möglich am Ernstfall trainiert wird – ohne lange Vorlaufzeiten und fiktive Parameter. So leistet ,Quadriga 2026‘ einen sichtbaren und glaubhaften Beitrag zur Abschreckung potenzieller Aggressoren. ,Quadriga 2026‘ zeigt auch: Deutschland hat sich nach Russlands Überfall auf die Ukraine sicherheitspolitisch neu ausgerichtet und seine Verteidigungsfähigkeit gestärkt.“
Die Koordination und Führung der diesjährigen „Quadriga“ hat das Operative Führungskommando der Bundeswehr übernommen.
So übte das Deutsche Heer bei „Grand Quadriga“ bereits im Februar die schnelle Verlegung von Mittleren Kräften – realitäts- und einsatznah, mit sofortiger Erprobung der Einsatzbereitschaft als Kampfverband. Dabei wurde auch das Zusammenwirken mit den multinationalen Kräften der Allied Reaction Force (ARF) der NATO trainiert. Beteiligt waren Kräfte des Jägerbataillons 413 aus Torgelow und des Aufklärungsbataillons 7 aus Ahlen. Mittlere Kräfte sind mit gepanzerten Radfahrzeugen wie dem GTK Boxer ausgestattet. Das macht sie hochbeweglich: Sie können beispielsweise rasch an die NATO-Ostflanke verlegt werden und sind dabei dank ihrer robusten Bewaffnung in der Lage, auch gegen einen starken Feind zu bestehen.
Ebenfalls im Februar übte unsere Marine bei „Northern Quadriga“ den Schutz vor Bedrohungen auf See durch Überwachung und Aufklärung.
Ein besonderer Schwerpunkt von „Quadriga 2026“ ist die Teilübung „Medic Quadriga“ des Unterstützungsbereichs der Bundeswehr im Zeitraum 16. Februar bis 20. März.
„Medic Quadriga“ ist die größte und komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Übergeordnetes Übungsziel ist es, die Einsatzbereitschaft und Reaktionsfähigkeit der Bundeswehr im Rahmen der Bündnisverteidigung weiter zu stärken und gleichzeitig die enge Zusammenarbeit mit zivilen Akteuren im Gesundheitswesen zu erproben und zu vertiefen.
Neben der schnellen Verlegefähigkeit der Sanitätskräfte an die NATO-Ostflanke nach Litauen wird bei „Medic Quadriga“ zudem die Funktionsfähigkeit der gesamten medizinischen Rettungskette – von der Erstversorgung Verwundeter im Einsatzgebiet bis zur weiterführenden Behandlung in Deutschland – getestet. Im Fokus der „Quadriga“-Teilübung steht ferner der erstmalige Betrieb einer zivil-militärischen medizinischen Task Force für Steuerung, Transport und Behandlung von Patienten. Rund 1000 militärische Kräfte beteiligen sich hieran.
Dem Kommando „Gesundheitsversorgung der Bundeswehr“ in Koblenz kam im Vorfeld von „Medic Quadriga“ die Aufgabe zu, ein Sanitätsbataillon als Übungsverband zusammenzuziehen und nach Litauen zu verlegen. Mit Straßenmärschen und Fähre wurden binnen weniger Tage ein Luftlanderettungszentrum (ein Forward Surgical Element/FSE; eine hochmobile, schnell verlegbare und modular aufgebaute chirurgische Behandlungseinrichtung nahe der Frontlinie) sowie diverse geschützte Rettungsfahrzeuge nach Litauen gebracht. Mit diesen Mitteln ist der Sanitätsdienst in der Lage, dem Frontgeschehen der Kampftruppe zu folgen und die Rettungskette jederzeit aufrecht zu erhalten.
Verteidigungsminister Pistorius sagte heute bei seinem Truppenbesuch: „Nur was man in ruhigen Zeiten übt und trainiert, beherrscht man auch im Spannungs- und Verteidigungsfall.“ Die medizinische Versorgung Verwundeter im Krieg sei ein zentraler Beitrag zur Gesundheitsversorgung in gesamtstaatlicher Verantwortung. Dazu gehöre auch die Rehabilitation von Bundeswehrangehörigen, die in den Einsätzen verwundet würden. „Zurück in den Dienst“ – so der Minister – laute das Motto, das zugleich ein klares Signal an die eingesetzten Kräfte sei.
Im Mittelpunkt von „Medic Quadriga“ steht ein Verteilerpunkt im ExpoCenter Airport-Areal am Flughafen Berlin Brandenburg: der „Übungshub Berlin“. Hier wird die Aufnahme, die medizinische Priorisierung und die Weiterverteilung von Patienten in geeignete zivile Behandlungseinrichtungen geprobt.
Die „Verwundeten“ – dargestellt von rund 200 Soldaten – kommen am Übungsgelände neben dem Hauptstadtflughafen an. In einem Ernstfall der Landes- und Bündnisverteidigung könnten es bis zu 1000 Verwundete täglich sein. Neben Lufttransport würden in Krise und Krieg auch Busse, Züge und Schiffe für den Transport nach Deutschland eingesetzt. Am Hub hatten 250 zivile Fachkräfte gemeinsam mit Bundeswehr-Personal die Medical Task Force (MTF) eingerichtet.
Die MTF für die Übung „Medic Quadriga“ besteht aus ehrenamtlichen Einsatzkräften mit ihren Fahrzeugen. Unterstützt wird die Bundeswehr beziehungsweise der Sanitätsdienst derzeit von Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund, den Maltesern und den Johannitern. Koordiniert wird die MTF durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das den Zivilschutz in Deutschland organisiert.
„Menschen“, erklärte heute beim Besuch des Ministers und des Wehrbeauftragten als Gastgeber der Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, „sind das Wertvollste, was wir haben, die wichtigste Ressource der Streitkräfte. Ihre Gesundheit zu sichern, ist im Hinblick auf die Durchhaltefähigkeit Deutschlands in Krise und Krieg unabdingbar.“ Bei der diesjährigen „Medic Quadriga“ werde zudem deutlich unter Beweis gestellt, dass die Gesundheitsversorgung der Bundeswehr nur gesamtstaatlich bewältigt werden könne. Hoffmann: „Wir haben während der Übung festgestellt, wie außergewöhnlich gut das funktioniert – wir haben bewiesen, wir können es!“
Um die gute zivil-militärische Zusammenarbeit weiter zu vertiefen, unterzeichnete der Befehlshaber heute gemeinsam mit dem Bundesvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe, Oliver Meermann, und dem Vizepräsidenten des Malteser Hilfsdienstes, Albrecht Prinz von Croy, eine Kooperationsvereinbarung. Ziel dieser Vereinbarung mit dem Titel „Privilegierte Partnerschaft“ ist es, die mitwirkende Unterstützung der Johanniter und Malteser für den Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr in öffentlich-rechtlichen Verträgen künftig konkret auszuformulieren.
Die Übung „Medic Quadriga“ soll wichtige Erkenntnisse liefern, um die Schnittstellen der Rettungskette der Bundeswehr zur zivilen Seite für die Landes- und Bündnisverteidigung weiter zu optimieren. Schon jetzt haben – so ein erstes Fazit der Führung – die entscheidenden Prozesse gut funktioniert. Generaloberstabsarzt Hoffmann ist überzeugt: „Bei einer Verschlechterung der sicherheitspolitischen Lage im Nahen und Mittleren Osten hätten wir sofort vom Übungs- in den Einsatzmodus wechseln können; wir sind für den ,scharfen‘ sanitätsdienstlichen Einsatz gerüstet.“
Das Cluster „Quadriga 2026“ ist eng verknüpft mit „Steadfast Dart 2026“, einer der diesjährigen NATO-Schwerpunktübungen in Europa. Geübt wird dabei die einsatznahe Verlegung des multinationalen Einsatzverbands Allied Reaction Force quer durch Europa. Deutschland spielt hier eine wesentliche Rolle als Gastnation und Drehscheibe für die Streitkräfte verbündeter Nationen. „Steadfast Dart“ ist rein defensiv anlegt. Teile der Allied Reaction Force üben nach Abschluss der Verlegung auch noch gemeinsam mit deutschen Kräften bei „Grand Quadriga“ und „Northern Quadriga“.
Das Übungscluster „Quadriga“ ist eine bundeswehrgemeinsame Volltruppenübung, die seit 2023 jährlich stattfindet. Angehörige des Heeres, der Luftwaffe, der Marine, des Cyber- und Informationsraums sowie des Unterstützungsbereichs üben gemeinsam Operationen der Landes- und Bündnisverteidigung. Das erhöht die Einsatzbereitschaft der Truppe und sendet zugleich ein deutliches Signal: Die Bundeswehr und ihre NATO-Partner sind entschlossen und fähig, Deutschland und das Gebiet der Allianz zu verteidigen.
Die „Quadriga“-Serie fasst bereits bestehende und neue nationale Bundeswehr-Vorhaben zusammen und bettet sie in multinationale Großübungen ein. Bei „Quadriga 2023“ stand die Dimension „Luft“ im Vordergrund, bei „Quadriga 2024“ die Dimension „Land“. 2025 fokussierte sich „Quadriga“ auf die Dimension „See“ – ergänzt durch umfangreiche Verlegeübungen des Heeres an die Ostflanke des Bündnisses.
Zu unserer Bildfolge:
1. „Quadriga 2026“ war beziehungsweise ist nicht als reine Übung, sondern als einsatznahe Operation anlegt. Damit leistet das Cluster einen sichtbaren und glaubhaften Beitrag zur Abschreckung potenzieller Aggressoren – vor allem Russlands. Die Führung von „Quadriga 2026“ hatte das Operative Führungskommando der Bundeswehr übernommen. Das Kommando koordinierte dabei im Vorfeld die Beiträge der Bundeswehr zu multinationalen, teilstreitkraftübergreifenden Teilübungen.
(Grafik: Bundeswehr auf Kartenbasis ©MapCreator/OpenStreetMap;
Lokalisierung und grafische Bearbeitung: mediakompakt 03.26)
2. Die Marschkolonne des Sanitätsbataillons am 26. Februar 2026 im Fährhafen von Kiel bei der Verlegung nach Litauen im Rahmen zur Teilübung „Medic Quadriga“.
(Foto: Susanne Hähnel/Bundeswehr)
3. Das Forward Surgical Element (FSE) ist eine hochmobile, rasch verlegbare und modular aufgebaute chirurgische Behandlungseinrichtung nahe der Frontlinie. FSE schließt die entscheidende Lücke zwischen erster Versorgung und weiterführender Behandlung.
(Foto: Susanne Hähnel/Bundeswehr)
4. und 6. Die Bundeswehr und zivile Hilfsorganisationen haben bei der Teilübung „Medic Quadriga 2026“ im Flughafenbereich Berlin Brandenburg den temporären Aufnahmepunkt der Medical Task Force (MTF) betrieben. Trainiert wurden hier vor allem die Abläufe zwischen den verschiedenen Akteuren: Nach einer intensiven Begutachtung übergab das MTF-Personal die „Verwundeten“ an die Hilfsorganisationen, die mit ihren Fahrzeugen vor dem Hub bereitstanden. Auch Hubschrauber der deutschen Luftrettung DRF und der ADAC-Luftrettung waren für „Schwerstverletzte“ im Einsatz. Der letzte Übungsabschnitt galt dem Transport der „Patienten“ mit Blaulicht in zivile Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in Berlin und Brandenburg. Hierfür waren neun Kliniken in das Übungsgeschehen von „Medic Quadriga“ eingebunden worden.
(Fotos: Christopher Preloznik/Bundeswehr)
5. Verteidigungsminister Boris Pistorius besuchte am 6. März 2026 auf dem Messegelände ExpoCenter Airport des Flughafens Berlin Brandenburg die Übung „Medic Quadriga“. Die Aufnahme zeigt ihn im Aufnahmepunkt der Medical Task Force.
(Foto: Christopher Preloznik/Bundeswehr)
7. Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung am 6. März 2026 im Rahmen von „Medic Quadriga“. Von links: Oliver Meermann (Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe), Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann (Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr) und Albrecht Prinz von Croy (Vizepräsident des Malteser Hilfsdienstes).
(Foto: Christopher Preloznik/Bundeswehr)
8. „Von der Verwundung bis zur Rehabilitation“ – schematische Darstellung der jetzt bei „Medic Quadriga“ geprobten Rettungskette.
(Grafik: Bundeswehr)
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