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Berlin. Der Deutsche Bundestag hat am vergangenen Mittwoch (9. September) im Rahmen der Haushaltswoche den Verteidigungsetat (Einzelplan 14) für das Jahr 2027 in erster Lesung beraten. Die abschließende Verabschiedung des Haushalts 2027 im Bundestag ist für Ende November 2026 geplant. Die wichtigsten Zahlen zum Wehretat im kommenden Jahr:
– Regulärer Haushalt, Einzelplan 14: 109,7 Milliarden Euro (nach 82,7 Milliarden Euro im Jahr 2026);
– Sondervermögen „Bundeswehr“: zusätzliche 29,9 Milliarden Euro (nach 25,5 Milliarden Euro 2026);
– Gesamtausgaben Verteidigung: rund 139,6 Milliarden Euro – ein Rekordwert und massiver Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (plus 31,4 Mrd. Euro).

Deutschlands Verteidigungsausgaben sollen im nächsten Jahr auf 139,6 Milliarden Euro und damit auf einen erneuten Höchststand seit Ende des Kalten Krieges steigen. Das sieht der Etatentwurf für den „Bundeshaushalt 2027“ von Verteidigungsminister Boris Pistorius vor. Laut dem am Mittwoch erstmals beratenen regulären Wehretat (Einzelplan 14) sind Ausgaben von 109,7 Milliarden Euro (2026: 82,7 Milliarden Euro) eingeplant, weitere Ausgaben von 29,9 Milliarden Euro sollen aus dem Sondervermögen „Bundeswehr“ finanziert werden.

Im laufenden Jahr 2026 werden 82,7 Milliarden Euro im regulären Wehretat und 25,5 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen „Bundeswehr“ bereitgestellt. Deutschlands Verteidigungsausgaben sollen somit 2027 noch einmal um 31,4 Milliarden Euro anwachsen. Im Einzelplan 14 des Bundeshaushalts befindet sich auch der Wirtschaftsplan für das Sondervermögen.

Verteidigungsminister warnt: „Ohne Sicherheit ist alles andere nichts“

Minister Pistorius bezeichnete die Verteidigungsausgaben von rund 140 Milliarden Euro als ein „Sicherheitsversprechen“ gegenüber den Menschen in Deutschland, den Soldaten der Bundeswehr und den Verbündeten. Er räumte ein, dass es sich um „sehr, sehr viel Geld“ handle und dass deshalb die Debatte über Prioritäten, über Wirtschaftlichkeit und die Staatsverschuldung wichtig sei. Es sei allerdings „populistisch“, die Verteidigungsausgaben gegenüber Ausgaben für Soziales oder die Infrastruktur aufrechnen zu wollen. „Ohne Sicherheit ist alles andere nichts“, appellierte der SPD-Politiker in seiner Rede am Mittwoch.

Eindringlich warnte Pistorius an dieser Stelle vor der militärischen Bedrohung durch Russland und verwies auf den gescheiterten Drohnenangriff in Leipzig und das Eindringen russischer Kampfjets in den Luftraum des NATO-Partners Estland. „Wir stehen buchstäblich im Fadenkreuz Moskaus“, so der Minister. Russland gebe die Hälfte seines Gesamtbudgets für Militärausgaben aus und fülle seine Waffendepots für spätere Konflikte auf. Russlands Präsident Wladimir Putin plane zudem, die russische Armee auf 1,5 Millionen Soldaten zu vergrößern und werbe Söldner in Nordkorea und anderen Ländern für den Krieg gegen die Ukraine an.

AfD kritisiert die steigenden Verteidigungsausgaben für die Bundeswehr

Aus den Reihen der Oppositionsfraktionen wurde zum Teil massive Kritik an den steigenden Verteidigungsausgaben und am Beschaffungswesen der Bundeswehr geübt. So beklagte etwa der AfD-Abgeordnete Jan Ralf Nolte, dass die Bundeswehr in der Vergangenheit „kaputtgespart“ worden sei, nun aber von der Koalition „auf Pump“ wieder aufgerüstet werde. Union und SPD seien offenbar „nicht zu einem Mittelweg fähig“. Auch der Bundesrechnungshof habe bereits vor der „drohenden Schuldenfalle“ gewarnt, führte Nolte aus.

Zudem warf der AfD-Politiker Bundeskanzler Friedrich Merz vor, Wahlkampfversprechen gebrochen zu haben. Nach der Bundestagswahl sei entgegen allen Ankündigungen der Union noch vom alten Bundestag die Bereichsausnahme bei der Schuldenbremse für die Verteidigungsausgaben verabschiedet worden. Auch bezichtige Nolte die Bundesregierung der Intransparenz. Kleine Anfragen seiner Fraktion zur Bundeswehr würden „inflationär“ unter Verweis auf die Sicherheitslage nicht beantwortet. Beim gescheiterten Beschaffungsvorhaben „Fregatte F126“ seien 2,3 Milliarden Euro „in den Sand gesetzt“ worden.

Linke: „maßlose“ Verteidigungsausgaben gefährden „inneren Frieden im Land“

Dietmar Bartsch von den Linken bezeichnete die Verteidigungsausgaben „als skandalös“. Bis zum Ende des Jahrzehnts plane die Bundesregierung Ausgaben von 183 Milliarden Euro, das seien 120 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Diese Maßlosigkeit schaffe „keine Sicherheit“, sondern gefährde den „inneren Frieden“ Deutschlands. Die Atommacht Frankreich etwa habe beschlossen, ihre Verteidigungsausgaben bis 2030 lediglich auf 76,3 Milliarden Euro anwachsen zu lassen, behauptete Bartsch.

Das Problem seien aber nicht nur die hohen deutschen Verteidigungsausgaben, sondern die Kürzungen im Bundeshaushalt an anderen Stellen, etwa beim Elterngeld oder dem Unterhaltsvorschuss, argumentierte der Parlamentarier. Er betonte, dass diese Feststellung absolut nichts mit Populismus zu tun habe.

Grüne kritisieren „steigende Ausgaben auf Pump“

Sebastian Schäfer (Bündnis 90/Die Grünen) attestierte Verteidigungsminister Pistorius, dass er die angespannte Sicherheitslage durchaus richtig beschrieben habe: „Die Welt ist aus den Fugen.“ Zugleich kritisierte Schäfer jedoch die steigenden Ausgaben „auf Pump“ und eine „planlose Rüstungsbeschaffung“ durch das Verteidigungsministerium. Das Wehrressort habe den Überblick über die Beschaffungen verloren und verfüge nicht einmal über Daten über die Preissteigerungen. Das sei „unerhört“, meinte der Bundestagsabgeordnete der Grünen.

Unseriös sei zudem, dass der Haushaltsausschuss mitunter lediglich eine Woche Zeit habe, um Dutzende von Beschaffungsvorlagen zu prüfen. Die Beschaffung der F126 sei beispielsweise „viel zu spät“ gestoppt worden, die Fregatte sei zu einem „Mahnmal aus Stahl“ für ein dysfunktionales Beschaffungswesen geworden. Und nach der Einstellung des deutsch-französisch-spanischen Rüstungsvorhaben FCAS sei völlig unklar, wie es mit der Entwicklung eines Kampfflugzeuges der sechsten Generation überhaupt weitergehen soll.

Für CDU/CSU ist Haushaltsentwurf ein Spiegelbild der Sicherheitslage

Unterstützung bekam Pistorius für seinen Wehretat aus den Reihen der Koalitionsfraktionen. Kerstin Vieregge (CDU/CSU) bezeichnete den Haushaltsentwurf als „Spiegelbild der Sicherheitslage“. Russland rüste weiter auf und werde bis 2029 in der Lage sein, ein NATO-Land anzugreifen. Zudem verwies die Abgeordnete ebenfalls auf die geplanten Sabotageakte in Leipzig und auf die Stromversorgung in Brandenburg. „Mit Worten“ könne sich Deutschland „nicht verteidigen“. Russlands Präsident Putin habe mehrfach bewiesen, dass er keinerlei Interesse an Diplomatie habe. Die steigenden Verteidigungsausgaben Deutschlands würden die Bundeswehr stärker, innovativer und zukunftsfähig machen, prognostizierte Vieregge.

Zugleich mahnte sie an, die „richtigen Dinge zum richtigen Zeitpunkt“ zu beschaffen und das Geld wirkungsvoll auszugeben. Die Zukunft der Kriegsführung liege in vernetzten Systemen, die Bundeswehr müsse auch auf KI-gesteuerte Waffensysteme setzen. Die Unionspolitikerin verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Ukraine es geschafft habe, innerhalb weniger Jahre eine funktionsfähige Rüstungsforschung aufzubauen. Vieregge: „Wir sind in diesem Bereich noch etwas behutsam unterwegs, dies muss sich ändern.“

„Phase der Mangelverwaltung in der Truppe“ laut SPD mittlerweile überwunden

Auch der SPD-Abgeordnete Andreas Schwarz verteidigte die steigenden Ausgaben für die Bundeswehr. „Die Phase der Mangelverwaltung“ in der Truppe werde jetzt verlassen. Die entscheidende Frage sei allerdings nicht die Höhe der Verteidigungsausgaben, sondern welche zusätzlichen und neuen militärischen Fähigkeiten die Bundeswehr erhalte. Schwarz plädierte für den Aufbau einer leistungsfähigen europäischen und deutschen Rüstungsindustrie.

Die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine zeigten, dass die Innovationszyklen bei den modernen Waffensystemen immer kürzer würden. Die Beschaffungsvorhaben hätten mitunter Probleme, diesem Tempo zu folgen. Schäfer mahnte abschließend auch eine verstärkte parlamentarische Kontrolle bei der Beschaffung insgesamt. Wenn ein Projekt zu scheitern drohe, dann müsse es auch beendet werden, erklärte der Sozialdemokrat mit Blick auf das gestoppte Projekt „Fregatte 126“. Dies sei keine Schwäche, sondern eine Stärke.

Sondervermögen „Bundeswehr“ und Befreiung von der „Schuldenbremse“

Möglich werden die gewaltigen Steigerungen der Verteidigungsausgaben im Vergleich zu den Vorjahren nur durch das 2022 vom Bundestag beschlossene Sondervermögen „Bundeswehr“ in Höhe von 100 Milliarden Euro und durch eine Grundgesetzänderung am Ende der vergangenen Legislaturperiode, die die Verteidigungsausgaben von den Beschränkungen der sogenannten Schuldenbremse befreit hat.

Am stärksten profitieren soll von den steigenden Verteidigungsausgaben die militärische Beschaffung der Bundeswehr mit einem Ausgabenvolumen von insgesamt mehr als 60 Milliarden Euro. Aus dem Einzelplan 14 sollen 30,3 Milliarden Euro und aus dem Sondervermögen weitere 29,9 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Im laufenden Jahr plant der Bund mit Ausgaben von insgesamt 45 Milliarden Euro für Rüstungsgüter und Wehrmaterial.

Weitere Ausgaben von 8,6 Milliarden Euro sind für den Erhalt des vorhandenen Materials (2026: 7,7 Milliarden Euro) und 2,9 Milliarden Euro für Wehrforschung, Entwicklung und Erprobung (2026: 1,6 Milliarden Euro) veranschlagt.

Zur Deckung der Personalausgaben der Streitkräfte (Soldaten und Zivilangestellte) sollen 26,7 Milliarden Euro bewilligt werden, knapp 2 Milliarden Euro mehr als 2026 (24,7 Milliarden Euro). Für die Unterbringung der Soldaten, den Betrieb und Erhalt von Kasernen und Anlagen sind Ausgaben von 19,3 Milliarden Euro vorgesehen, deutlich mehr als im laufenden Jahr (2026:11,5 Milliarden Euro).

Anm.: Der vorstehende Text stammt von Götz Hausding, Redakteur der Internet- und Parlamentsredaktion des Deutschen Bundestages. Die Pressestelle des Bundestages gestattet uns freundlicherweise den Nachdruck.


IfW fordert, zusätzliche Milliarden für die Bundeswehr gezielter einzusetzen

Den Entwurf für den Verteidigungshaushalt 2027 mit seinen Rekordausgaben von rund drei Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts hat auch das Kiel Institut für Weltwirtschaft, kurz IfW, näher betrachtet. Das Autoren-Duo Johannes Binder und Antonia Döring hat dazu eine spezielle Dokumentation („Policy Brief“) veröffentlicht, die aufzeigen will, wo Deutschland die zusätzlichen Milliarden gezielter einsetzen müsste – insbesondere bei moderner Beschaffung, europäischer Kooperation und Forschung und Entwicklung. In einer IfW-Presseerklärung heißt es nun:

Seit 2022 haben sich die deutschen Verteidigungsausgaben mehr als verdoppelt und erreichen ein Niveau wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Doch die steigenden Mittel führen nicht automatisch zu mehr Verteidigungsfähigkeit. […] Innerhalb des Haushalts verschiebt sich das Gewicht deutlich zugunsten der militärischen Beschaffung – ihr Anteil an den Gesamtausgaben steigt von rund 17 auf über 40 Prozent. Doch bei den größten Beschaffungstiteln, die rund 83 Prozent des gesamten Volumens ausmachen, dominieren weiterhin etablierte Waffensysteme und Munition, während Drohnen und andere neue Technologien kaum ins Gewicht fallen. Auch bei Fähigkeiten wie der Satellitenkommunikation setzt Deutschland eher auf nationale statt europäisch gebündelte Lösungen.

Als weiteren Schwachpunkt identifiziert die Analyse [von Binder und Döring] die Forschungs- und Entwicklungsausgaben, die trotz ihrer Bedeutung für militärische wie wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit seit Jahren bei niedrigen 3 bis 4 Prozent verharren und damit beispielsweise deutlich hinter dem Vereinigten Königreich (rund 5 Prozent) und den USA (rund 10 bis 11 Prozent) liegen.

„Am Ende ist die entscheidende Frage nicht, wie viel Geld ausgegeben wird, sondern was man dafür bekommt“, sagt IfW-Ökonom Binder. „Entscheidend ist, die Mittel gezielt auf moderne Systeme, europäische Kooperation sowie Forschung und Entwicklung auszurichten.“

Die zentrale Aufgabe bestehe nun nicht mehr primär darin, zusätzliche Mittel für die Verteidigung zu mobilisieren, sondern sie richtig einzusetzen, [schlussfolgert das Autorenduo] Binder und Döring. Dafür müssten industrielle Fertigungskapazitäten frühzeitig mitgedacht und gezielt ausgebaut werden, damit die zusätzliche Nachfrage nicht schlicht zu höheren Preisen führt, sondern tatsächlich in zusätzliche militärische Fähigkeiten und wirtschaftliche Wertschöpfung mündet.

Die 15-seitige Veröffentlichung „Große Summen, offene Fragen: Der deutsche Verteidigungshaushalt 2027“ des IfW, verfasst von den Autoren Johannes Binder und Antonia Döring, haben wir für Sie in unserem Servicebereich „bundeswehr-journal (Bibliothek)“ beim Dienstleister Yumpu-Publishing eingestellt. Sie können dort den Inhalt ansehen und ausdrucken, ein Download der Datei ist jedoch nicht möglich. Über die ESC-Taste in Yumpu kommen Sie hierhin zurück. Zum IfW „Policy Brief“ vom September 2026:

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.yumpu.com zu laden.

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Zu unserem Bildmaterial:
1. KI-generierte symbolische Darstellung zum Thema „Verteidigungshaushalt 2027 im Deutschen Bundestag“.
(Bild: KI-generiert; Nachbearbeitung: mediakompakt)

2. Ebenfalls ein Symbolbild: Verteidigungsminister Boris Pistorius am 24. September 2025 im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum „Einzelplan 14“ des damaligen Bundeshaushalts.
(Foto: dts Nachrichtenagentur/für den Deutschen Bundestag)

Kleines Beitragsbild: Thema „Verteidigungshaushalt 2027 im Deutschen Bundestag, Ausschnitt unserer KI-Grafik.
(Bild: KI-generiert; Nachbearbeitung: mediakompakt)


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