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Ditzingen/Düsseldorf/Bremen. Das Unternehmen Rheinmetall ist Generalunternehmer beim Modernisierungsprogramm „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ (IdZ-ES) für die Bundeswehr. Jetzt hat der Düsseldorfer Technologie- und Rüstungskonzern beziehungsweise das in Bremen ansässige Rheinmetall-Tochterunternehmen Rheinmetall Electronics GmbH die Firma Thales mit der Lieferung optronischer Sichtsysteme im mittleren vierstelligen Bereich beauftragt. Wie die Thales-Zentrale in Ditzingen in einer Pressemitteilung bekanntgab, wird die Lieferung „Nachtsichtsysteme der neuen Generation sowie einsatzerprobte und marktverfügbare Tag-/Nachtsichtgeräte XTRAIM©“ umfassen. Die ersten Auslieferungen sind für 2027 geplant; anschließend erfolgt die Hochskalierung auf mehrere hundert Systeme pro Monat.

Der Rheinmetall-Konzern ist vom Koblenzer Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) im April 2026 mit einem Milliardenauftrag im Bereich der Soldatensysteme betraut worden. Dabei hat das Amt bei Rheinmetall Electronics aus einem Rahmenvertrag für das Vorhaben „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ weitere Lieferungen abgerufen (wir berichteten).

Thales will – so der Pressetext aus Ditzingen – mit Blick auf den wachsenden Bedarf der Streitkräfte „mehrere Millionen Euro investieren, um die Produktions- und Instandhaltungskapazitäten für die optronischen Geräte für Soldaten und Fahrzeuge in Deutschland zu erweitern“.

Neue Produktlinie von Optronik-Lösungen für den „Augmented Soldier“

Die Nachtsichtsysteme der neusten Generation werden Thales zufolge den überwiegenden Teil der durch Rheinmetall beauftragten Lieferung ausmachen. Das neue System, das Bildverstärkung und Wärmebildtechnik kombiniert, wurde in enger Abstimmung mit der Rüstungsindustrie und den potenziellen Nutzern entwickelt. Es markiert den Start einer neuen Produktlinie von Optronik-Lösungen für den „Augmented Soldier“ und integriert die neuesten Entwicklungen im Bereich „Augmented Reality“.

In diesem Zusammenhang ein kurzer Blick auf die Fachbegriffe. „Augmented Reality“ (AR) ist die computergestützte Erweiterung der realen Wahrnehmung. Die Technologie überlagert die reale Umgebung in Echtzeit mit digitalen Inhalten, Grafiken oder Informationen, anstatt die Welt komplett zu ersetzen. Sie lässt sich am besten über Smartphones, Tablets oder spezielle Datenbrillen erleben (der Hauptunterschied zu „Virtual Reality“ (VR) liegt im Erlebnis: VR versetzt den Nutzer vollständig in eine künstliche, digitale Welt und schließt die echte Umgebung aus, AR hingegen erweitert die reale Welt, indem sie digitale Informationen oder Objekte in das Sichtfeld einblendet).

Der „Augmented Soldier“ ist ein Konzept, bei dem menschliche Fähigkeiten durch Technologie, künstliche Intelligenz und AR erweitert werden. Rüstungsunternehmen (wie Thales) entwickeln dazu spezielle Nachtsicht- und Zielsysteme, die AR, Wärmebildtechnik und Datenvernetzung direkt in die Gefechtsausrüstung integrieren, um die Kampfkraft und Orientierung massiv zu verbessern.

Überlebensfähigkeit durch eine bessere Erfassung der taktischen Lage erhöhen

Das neue System gründet auf der „NightRise“-Produktfamilie der Nachtsichtbinokulare von Thales. Die „NightRise“-Systeme umfassen fortschrittliche Nachtsichtgeräte (NVG = Night Vision Goggles), die für militärische Spezialkräfte sowie für Luft- und Landoperationen entwickelt wurden.

Im Pressetext des Unternehmens heißt es an dieser Stelle: „Aufbauend auf dem Erfolg der ,NightRise‘-Linie ist das neue System darauf ausgelegt, die Überlebensfähigkeit der Soldaten durch eine deutlich bessere Erfassung der taktischen Lage zu erhöhen. Mit seiner offenen Architektur erleichtert das System die Interoperabilität und eine nahtlose Vernetzung mit bestehender militärischer Ausrüstung. Damit bildet es den Kern des ,Optronic Soldier System‘. Die Bundeswehr wird der erste Kunde sein, der das neue Nachtsichtsystem von Thales einsetzt.“

Zielerfassung mit XTRAIM©, entwickelt für das intensive Gefecht

Kommen wir zum kombinierten Tag-/Nachtsicht- und Wärmebild-Reflexvisier XTRAIM©, das Teil der Thales-Lieferung für das Rüstungsvorhaben „IdZ-ES“ ist. Das Gerät ermöglicht eine schnelle und präzise Zielerfassung und -bekämpfung unter allen Sichtbedingungen und verringert gleichzeitig die Belastung der Soldaten durch die mitgeführte Ausrüstung. Entwickelt wurde XTRAIM© laut Thales „für die Anforderungen intensiven Gefechts“.

Nach Angaben der Firma wurden bislang mehr als 20.000 XTRAIM©-Einheiten an Streitkräfte weltweit ausgeliefert.

Christoph Ruffner, CEO und Direktor des Bereichs „Thales Deutschland“, wird in der Pressemitteilung abschließend mit den Worten zitiert: „Thales ist stolz, gemeinsam mit Rheinmetall einen Beitrag zur Sicherheit und zur operativen Wirksamkeit deutscher Kräfte zu leisten – mit fortschrittlichen und bewährten Einsatzlösungen. Diese Systeme ebnen den Weg für zukünftige Modernisierungsmöglichkeiten im Rahmen des ,IdZ-ES‘-Programms. XTRAIM© und unser neues Nachtsichtsystem werden die Fähigkeiten im Kampf bei Tag und Nacht verbessern, zu schnelleren Entscheidungen verhelfen und die Vernetzung von Systemen erhöhen.“


Hintergrund                           

Thales mit Sitz in Paris ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Technologiebereichen „Verteidigung“, „Luft- und Raumfahrt“ sowie „Cyber & Digital“. Die Gruppe investiert jährlich 4,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung in Schlüsselsektoren, insbesondere für kritische Einsatzumgebungen, darunter Künstliche Intelligenz, Cyber-Sicherheit sowie Quanten- und Cloud-Technologien. Thales beschäftigt aktuell mehr als 85.000 Männer und Frauen in 65 Ländern. Im Jahr 2025 erzielte die Gruppe einen Umsatz von rund 22,1 Milliarden Euro.

Thales in Deutschland, seit mehr als 140 Jahren im Land ansässig, gehört zu den größten nationalen Organisationen der Thales-Gruppe. Für das Unternehmen arbeiten momentan etwa 2300 Beschäftigte an insgesamt neun Standorten mit eigenen Produktions- und Entwicklungseinrichtungen. Hauptsitz ist Ditzingen in Baden-Württemberg. Als Teil der deutschen Hightech-Industrie bietet Thales in Deutschland seinen in- und ausländischen Kunden modernste Aufklärungs-, Radar-, Kommunikations- und Informationssysteme an. Hinzu kommen Dienstleistungen für den sicheren Land-, Luft- und Seetransport und für zivile und militärische Sicherheits- und Schutzanforderungen. Das Unternehmen verfügt zudem über ein umfassendes Portfolio an IT-Lösungen für Cyber-Sicherheit. Am Standort Ulm werden außerdem Satellitenkomponenten entwickelt und produziert.


Das Symbolbild zeigt die Produktionsline für das System XTRAIM©.
(Foto: Ludovic Borde, Blue Production/für Thales Deutschland)


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