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Köln-Porz/Flensburg. Die Kölner Deutz AG, bekannt als ältester Motorenbauer der Welt mit starkem Kerngeschäft bei Verbrennungsmotoren, Generatoren und dezentralen Energiesystemen, plant mit der Übernahme der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG) den bislang größten Zukauf in ihrer mehr als 160‑jährigen Geschichte. Deutz will dabei den schleswig‑holsteinischen Rüstungsbetrieb für rund 1,6 Milliarden Euro erwerben.

Beide Unternehmen bezogen am vergangenen Donnerstag (9. Juli) in parallelen Presseerklärungen Stellung zu der schwergewichtigen Transaktion. So heißt es in dem Pressetext aus Köln: „Deutz hat eine Vereinbarung über den [vollständigen] Erwerb von 100 Prozent der Anteile an der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH geschlossen. [Die FFG] zählt zu den führenden europäischen Anbietern für militärische Land- und Spezialfahrzeuge und ist etablierter Partner von Bundeswehr und Streitkräften der NATO sowie der Ukraine.“

FFG bleibe „operativ eigenständig“ und werde zukünftig den Kern der Aktivitäten von Deutz im Verteidigungs- und Rüstungsbereich in der Business Unit „FFG Defense“ bilden. Das Defense-Geschäft soll zu einer tragenden Säule der Deutz-Gruppe werden, deshalb gilt die FFG-Übernahme laut dem Kölner Technologiekonzern auch als „Meilenstein bei der Transformation zum breit aufgestellten Industrieunternehmen (der milliardenschwere Zukauf macht Deutz zu einem der größten Rüstungskonzerne im Bundesland Nordrhein-Westfalen).

Verantwortung für Sicherheit und Zukunftsfähigkeit in Europa wahrnehmen

Die Flensburger weisen in ihrer Mitteilung darauf hin, dass Deutz und FFG nach der Fusion „gemeinsam einen der bedeutendsten deutschen Industrieverbünde für wehrtechnische Systeme, Antriebe und dezentrale Energiesysteme“ bilden würden. Der Zusammenschluss solle neue Märkte erschließen, das Produkt- und Serviceportfolio erweitern und die Grundlage für weiteres internationales Wachstum stärken.

Deutz-CEO Sebastian Schulte äußerte sich zu dem industriepolitischen Deal wie folgt: „Technologische Souveränität, Innovationskraft, Umsetzungsgeschwindigkeit – zusammen mit FFG wird Deutz zu einem führenden nationalen Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen. Gemeinsam nehmen wir unsere Verantwortung für Sicherheit und Zukunftsfähigkeit in Europa wahr, während wir Wertschöpfung und hochwertige Arbeitsplätze in Deutschland sichern.“

FFG „stellt mit dem Zusammenschluss Weichen für die nächsten Generationen“

FFG produziert, wartet und modernisiert militärische Rad- und Kettenfahrzeuge. Dazu zählen Berge- und Schützenpanzer, Mannschaftstransporter oder Spezialfahrzeuge. FFG entwickelt zudem eigene Plattformen und ist Fertigungspartner in multinationalen Rüstungsprogrammen der NATO.

Der Zusammenschluss folgt laut der Deutz-Presseerklärung einer klaren industriellen Logik: „FFG bringt Kompetenzen ein, die Deutz zu einem Systempartner für europäische Verteidigungsprogramme machen. Deutz ergänzt dies um sein Antriebsportfolio – von klassischen Verbrennungsmotoren über Hybridantriebe bis zu Lösungen für die dezentrale Stromversorgung im Feld. Dazu kommen die Industrialisierungs- und Skalierungskompetenz sowie das weltweite Service-Netzwerk des Unternehmens.“

FFG bleibt als Kern der neuen Business Unit – wie bereits erwähnt – operativ eigenständig, während der Kölner Konzern die technologische, finanzielle und strategische Skalierung sicherstellt.

Norbert Erichsen, Sprecher des Gesellschafterkreises der FFG, kommentierte die Industriefusion. Er sagte: „Mit dem strategischen Zusammenschluss mit Deutz stellen wir die Weichen für die nächsten Generationen. Gleichzeitig entsteht ein deutscher wehrtechnischer Industrieverbund, der die Stärken beider Unternehmen bündelt und ihre gemeinsame Entwicklung langfristig vorantreibt.“

Strategisch relevante Verteidigungstechnologien bleiben in deutscher Hand

Mit schnell skalierbaren Produktionskapazitäten wollen Deutz und FFG künftig einen wichtigen Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas leisten. Der Schritt soll zugleich den Industriestandort Deutschland stärken. In dem Pressetext von Deutz lesen wir dazu: „Strategisch relevante Verteidigungstechnologien bleiben in deutscher Hand und Defense-Programme mit ihren langen Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren sichern hochwertige Arbeitsplätze. Kulturell kommen mit Deutz und FFG zwei traditionsreiche deutsche Industrieunternehmen zusammen, die hohe Ingenieurskunst, verlässliche Produkte und kurze Entscheidungswege verbindet.“

Wie das Börsenformat wallstreetONLINE am vergangenen Sonntag (12. Juli) berichtete, reagierten Anleger nach Bekanntgabe der Milliarden-Transaktion an den Kapitalmärkten positiv. Im Online-Beitrag wird ausgeführt: „Die Deutz-Aktie stieg im Handelsverlauf deutlich. Risiken bleiben: regulatorische Freigaben, politische Sensitivität von Rüstungsgeschäften, Integrationsaufwand sowie mögliche Reputationsfragen. Strategisch stärkt der Schritt jedoch die nationale industrielle Basis und sichert Expertise und Arbeitsplätze in Deutschland, zugleich macht er Deutz zu einem relevanteren Akteur im europäischen Verteidigungssektor.“

Bald schon mehr als 7000 Beschäftigte unter dem Dach der Deutz-Gruppe

Konkret setzt sich der Kaufpreis „rund 1,6 Milliarden Euro“ aus einer fremdfinanzierten Barkomponente von rund einer Milliarde und einer Eigenkapitalkomponente durch Sacheinlage zusammen. Deutz hat verbindliche Finanzierungszusagen und will am 24. August dieses Jahres eine außerordentliche (virtuelle) Hauptversammlung zur Kapitalerhöhung einberufen.

Die FFG-Verkäuferfamilien streben nach Vollzug der Transaktion zwei Sitze im Aufsichtsrat an; der paritätisch besetzte Aufsichtsrat soll erhalten bleiben. Das wallstreetONLINE gibt abschließend zu bedenken: „Sollte die Zustimmung regulatorischer Stellen [die zuständigen Kartell- und Aufsichtsbehörden] ausbleiben oder die Integration länger dauern als geplant, könnte dies die erwarteten Effekte verzögern und auf die Bewertung durch Investoren drücken.“

Die Transaktion wird nach Deutz-Angaben das Wachstum des Konzerns beschleunigen und dazu beitragen, dass die kommunizierten strategischen Ziele für 2030 (Umsatz von vier Milliarden Euro, betriebswirtschaftliche Kennzahl „EBIT-Marge“ von zehn Prozent) früher erreicht werden können. Deutz beschäftigt aktuell etwa 6000 Fachkräfte.

FFG befindet sich mit seinen gut 1100 Mitarbeitern eigenen Angaben zufolge „in einer starken Wachstumsphase“ und hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem Umsatz von etwa 760 Millionen Euro abgeschlossen. Der Auftragsbestand betrage rund 1,9 Milliarden Euro, vermeldet die FFG.


Zu unserer Bildauswahl:
1. Der Kaufpreis für FFG beträgt laut Angaben der Kölner Konzernleitung „rund 1,6 Milliarden Euro“ und soll teilweise in bar und teilweise in neu auszugebenden Deutz-Aktien bezahlt werden. Die bisherigen Eigentümerfamilien von FFG sollen so neuer langfristig orientierter Ankeraktionär von Deutz mit einem Anteil von bis zu 29,9 Prozent werden. Unser Symbolbild zeigt die „Motorenproduktion von Deutz im Werk in Köln“.
(Foto: Deutz AG)

2. und 3. Mit der Übernahme der norddeutschen FFG erreicht Deutz einen wichtigen Meilenstein bei seiner Transformation zum breit aufgestellten Industrieunternehmen im Rahmen der „Next Deutz-Strategie“. Die Business Unit „Defense“ mit FFG als neuem Kern soll in Zukunft zu einer weiteren tragenden Säule des Technologiekonzerns werden – neben den bereits etablierten Geschäftsbereichen „Energy“, „Engines“ und „NewTech“ sowie dem Service-Geschäft als dem zentralen Wachstumstreiber über alle Bereiche hinweg.
(Fotos: Deutz AG und FFG)

Kleines Beitragsbild: Mit der Transaktion wird ein neuer führender Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen in Europa entstehen. Symbolaufnahme „Kurbelwellenproduktion“ im Deutz-Werk Köln.
(Foto: Deutz AG)


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