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Kaiserslautern/Düsseldorf/Bremen/Rom (Italien). Das Unternehmen GDELS – General Dynamics European Land Systems ist im Herbst vergangenen Jahres vom Koblenzer Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) damit beauftragt worden, das neue Spähfahrzeug „Next Generation“ (Spähfahrzeug NG) an die Aufklärungstruppe des Deutschen Heeres zu liefern. Das Fahrzeug soll auf Basis der modernsten Piranha-6×6-Radfahrzeugvariante mit amphibischer Fähigkeit realisiert werden und schließlich in Teilen die Nachfolge des leichten 4×4-Spähwagens Fennek antreten. Das Projekt war zunächst unter dem Namen „Korsak“ (Steppenfuchs) geführt worden, mittlerweile gilt die offizielle Bezeichnung „Luchs 2“.

GDELS hat jetzt laut einer aktuellen Pressemitteilung den Rheinmetall-Konzern mit der Lieferung des Turmes, der Hauptbewaffnung sowie zugehöriger Simulatoren beauftragt. Ein entsprechender Vertrag wurde Anfang Februar in Kaiserslautern bei GDELS-Deutschland unterzeichnet. Der Gesamtauftragswert der Rheinmetall-Beauftragung liegt den Vertragspartnern zufolge „im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich“.

Timo Haas, Leiter des Kompetenz-Clusters „Digital Systems“ bei Rheinmetall, erklärte nach der Vertragsunterzeichnung: „Wir sind dankbar für das Vertrauen seitens GDELS und der Bundeswehr in unsere Produkte und Fähigkeiten. Das Auftragspaket ,Luchs 2‘ ist ein bedeutender Erfolg [für den Konzern] und zugleich ein starkes Signal für die europäische Rüstungskooperation.“

Insgesamt könnten 356 Bundeswehr-Spähfahrzeuge Luchs 2 bestellt werden

Das Beschaffungsvorhaben „Luchs 2“ war im Jahr 2023 gestartet worden. Ersetzt werden soll – zumindest teilweise – damit der bewährte Spähwagen Fennek, der im Winter 2028 sein offizielles Nutzungsdauerende erreichen wird. Der endgültigen Namensgebung ist offenbar ein interner Wettbewerb in der Heeresaufklärungstruppe vorausgegangen, der schließlich zum Ergebnis „Luchs 2“ führte.

Noch in diesem Jahr sollen zwei Nachweismuster bereitstehen. Die Bundeswehr plant die Beschaffung von bis zu 356 neuen Spähfahrzeugen Luchs 2. Fest bestellt werden zunächst 274 Einheiten, die im Zeitraum 2029 bis 2032 geliefert werden sollen (hinzu kommt eine Option auf 82 weitere Fahrzeuge).

Wir haben über das Beschaffungsprojekt und daran beteiligte Firmen und Einrichtungen bereits am 2. Dezember vergangenen Jahres ausführlich berichtet (siehe hier).

Neu entwickeltes modulares, unbemanntes Turmsystem „CT-025“

Der größte Anteil der Beauftragung „Luchs 2“ wird durch die Rheinmetall Electronics GmbH in Bremen erfüllt. So sollen bis 2031 zunächst 274 sogenannte „CT-025“-Türme geliefert werden – der erste Großauftrag für dieses neu entwickelte modulare, unbemannte Turmsystem. Das Spähfahrzeug Luchs 2 wird eine gemäß den spezifischen Anforderungen der Bundeswehr modifizierte Version des „CT-025“ erhalten.

Der Turm bildet laut Rheinmetall „eine technologische Basis-Plattform für unterschiedliche Einsatzprofile und vereint hohe Einsatzfähigkeit mit maximaler Anpassung an die operativen und logistischen Erfordernisse“.

Höchste Zielgenauigkeit – auch während der Bewegung des Spähpanzers

Modernste Sensorik und digitale Vernetzung verleihen dem „CT-025“-Fahrzeugturm seine besondere Stärke: Ein stabilisiertes Sichtsystem ermöglicht die präzise Bekämpfung von Boden- und Luftzielen (einschließlich Drohnen). Die vollständig digitalisierte Feuerleitanlage mit inertialer Waffenstabilisierung, Ballistik-Rechner und GVA/NGVA-kompatiblen Schnittstellen sorgt dabei für höchste Zielgenauigkeit – auch während der Bewegung (Anm.: GVA = Generic Vehicle Architecture, ein vom Verteidigungsministerium Großbritanniens festgelegter Standard; NGVA = NATO Standardisation Agreement STANAG 4754, mehr hierzu in unserem Dezember-Beitrag).

Weiterhin verfügt die Luchs-2-Version des „CT-025“ über eine Turmluke und bietet ballistischen Schutz beim „Führen über Luke“. Um das geforderte Maximalgewicht einzuhalten, wurde der Munitionsvorrat missionsgerecht angepasst.

Kernelement für die vernetzte und digitalisierte Gefechtsführung der Zukunft

Weiterhin wurde das Höhenprofil optimiert, um die sogenannte Querschnittlichkeit zu luftbeweglichen Waffenträgern sicherzustellen. Das offene, modulare Framework des „CT-025“-Turms ermöglicht eine vollständige Integration in die Rheinmetall-„Battlesuite“, die erstmals 2025 während der AFCEA-Fachausstellung in Bonn vorgestellt worden ist.

Die „Battlesuite“ ist das Kernelement für die vernetzte und digitalisierte Gefechtsführung der Zukunft und verbindet Akteure und Systeme. Die neue digitale Plattform soll Streitkräften eine überlegene Operationsführung ermöglichen. Die „Battlesuite“ basiert auf dem Tactical Core des Unternehmens blackned GmbH (siehe hier) – quasi das Betriebssystem – und erweitert die Software auf intelligente Weise durch eine prinzipiell unendliche Zahl von verfügbaren oder auch zukünftigen Applikationen. In die „Battlesuite“ sind sowohl eigens entwickelte Produkte von Rheinmetall eingebunden als auch Applikationen von strategischen Partnern.

Kanone „Oerlikon KBA 25“ – hohe Wirksamkeit gegen ein breites Zielspektrum

Die deutsche Heeresaufklärungstruppe wird für ihren Luchs 2 die bewährte 25-mm-Maschinenkanone „Oerlikon KBA 25“ erhalten. Diese stammt von Rheinmetall Italia S.p.A aus Rom und ist Rheinmetalls meistproduzierte Waffe im NATO-Standardkaliber 25 mm x 137.

Mehr als 6000 Mal hergestellt, kombiniert die „Oerlikon KBA 25“ ein kampferprobtes Design mit herausragender Zuverlässigkeit. Mit drei Feuermodi (Einzelschuss, Schnelles Einzelfeuer/175 Schuss pro Minute, Feuerstoß/600 Schuss pro Minute), Doppelgurtzuführung und einer Reichweite von bis zu 2500 Metern verleiht sie dem Turmbereich „CT-025“ vielseitige Feuerkraft.

Die „Oerlikon KBA 25“ ist eine kostengünstige und skalierbare Lösung, die dank der breiten Palette an Munitionstypen 25 mm x 137 eine hohe Wirksamkeit gegen ein breites Zielspektrum bietet. Sie kann die Panzerung der meisten modernen Schützenpanzer durchdringen. Mit einer Kadenz von 600 Schuss pro Minute – der höchsten in ihrer Kategorie – und dank der neuen 25 mm x 137-Annäherungszünder-Munitionstechnologie bietet die Kanone außerdem einen wirksamen Schutz gegen Drohnen.

Der Doppelgurt-Zuführer ermöglicht es, zwei verschiedene Munitionstypen zu laden und rasch zwischen beiden zu wechseln. Das macht die „Oerlikon KBA 25“ laut Rheinmetall „zu einer vollwertigen Mehrzweckwaffe“.

Beschaffung legt Grundstein für die eine querschnittliche Hauptwaffe der Truppe

Der geringe Rückstoß ermöglicht den Einbau der Maschinenkanone „Oerlikon KBA 25“ in eine Vielzahl von Plattformen – von schweren Kettenfahrzeugen bis hin zu leichten gepanzerten 4×4-Aufklärungsfahrzeugen. Sie eignet sich für bemannte und unbemannte Türme, Flugabwehrlafetten und Marineanwendungen.

Für die Bundeswehr wird mit der Beschaffung dieses erfolgreichen Systems ein Grundstein für die eine querschnittliche Hauptwaffe gelegt, wodurch sich nachhaltige Synergien bei Ausbildung, Wartung und Logistik erzielen lassen.

Ausbildungsgeräte „Gefechtssimulation für den Fahrzeuggebundenen Spähtrupp“

Für eine umfassende und einsatzorientierte moderne Aufklärer-Ausbildung soll zudem im Rahmen der Auftragsvergabe an Rheinmetall auch moderne Simulationstechnologie zum Einsatz kommen. So hat GDELS bei Rheinmetall Electronics die Entwicklung und Lieferung von sechs Ausbildungsgeräten „Gefechtssimulation für den Fahrzeuggebundenen Spähtrupp“ (AGFS) geordert. Das Referenzsystem soll Mitte 2028 ausgeliefert werden und später auf den gleichen Stand wie die folgenden fünf Seriengeräte hochgerüstet werden.

Dazu der Rheinmetall-Konzern: „Das AGFS bildet als hochrealistischer Simulator das Gefechtsfeld ab. Durch die präzise Nachbildung wesentlicher Elemente wie Fahrzeuglogik, Sensorik und Ballistik wird eine besonders realitätsnahe Ausbildung ermöglicht – ,Train as you fight‘ steht im Zentrum der Konzeption.“

Die AGFS sollen so ausgelegt werden, dass später eine Vernetzung mit anderen Simulationssystemen oder anderen kompatiblen Einrichtungen möglich ist. Der Hersteller wird das AGFS auf der gleichen technologischen Basis entwickeln, wie die bereits unter Vertrag genommenen Schieß- und Gefechtssimulatoren für den Schützenpanzer Puma (siehe hier), den Schweren Waffenträger oder den Radschützenpanzer Schakal.

Anbindung auch an AGDUS im Gefechtsübungszentrum für alle Operationsarten

Auch im Bereich der Live-Simulation ist Rheinmetall beauftragt worden. So wird das etablierte Ausbildungsgerät Duellsimulator (AGDUS) vollständig in die zukünftige Fahrzeugflotte „Luchs 2“ eingerüstet. Das laserbasierte Ausbildungsmittel wird die Heeresaufklärer in die Lage versetzen, realitätsnah auszubilden – von der Schießausbildung bis hin zu Großübungen im Gefechtsübungszentrum in allen Operationsarten.

Rheinmetall will hierbei – so die Ankündigung aus Düsseldorf – auf die aus den Programmen „Puma“ und „Lynx“ bewährte Installation, die das laserbasierte Gefecht unter Nutzung originärer Anzeige- und Bedienelemente ermöglicht, setzen.


Zu unserem Bildmaterial:
1. Der Panzerspähwagen Fennek (benannt nach dem gleichnamigen Wüstenfuchs) wird seit 2003 bei der Bundeswehr und bei den Niederländern eingesetzt. Die Bundeswehr hat bislang 222 Exemplare erhalten. Als Nachfolger des (ersten) Spähpanzers Luchs ist der Fennek das Hauptwaffensystem der Aufklärungstruppe des Deutschen Heeres. Darüber hinaus wird er in der Artillerietruppe im Rahmen der Streitkräftegemeinsamen Taktischen Feuerunterstützung als Fahrzeug für die Joint Fire Support Teams und in der Pioniertruppe als Führungs- und Erkundungsfahrzeug verwendet.
(Foto: Marco Dorow/Bundeswehr)

2. Mit dem Luchs 2 auf Basis der Radfahrzeugvariante Piranha 6×6 von GDELS – General Dynamics European Land Systems beziehungsweise GDELS-Deutschland steht der Fennek-Nachfolger inzwischen fest.
(Foto: GDELS-Deutschland)

3. Der größte Anteil des Luchs-2-Auftragspakets wird durch die Bremer Rheinmetall Electronics GmbH erfüllt. So sollen bis 2031 zunächst 274 „CT-025“-Turmsysteme an GDELS geliefert werden. Der Luchs 2 wird eine gemäß den spezifischen Anforderungen der Bundeswehr modifizierte Version des „CT-025“ erhalten.
(Bild: Rheinmetall AG)


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