Berlin/Eckernförde. Eine Unterwasser-Minensprengung durch Kräfte der Marine kann Meerestiere wie Schweinswale und Robben erheblich gefährden. Die enormen Druckwellen unter Wasser verursachen schwere Verletzungen, Gehörschäden oder gar den Tod. Umweltschützer fordern deshalb den Einsatz von Schutzmaßnahmen wie Blasenschleier, um den Lärm und die Druckbelastung zu dämpfen.
Vor Kurzem wollte Robin Wagener, Abgeordneter der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, wissen, wie die Bundesregierung den gebotenen Schutz der Schweinswale und Robben mit der Notwendigkeit, zu Übungszwecken der Minentaucher häufiger als bislang Minen kontrolliert sprengen zu können, besser in Einklang bringen will. Wagener (Wahlkreis Lippe I, Nordrhein-Westfalen) fragte dazu: „Mit standardmäßigen Sprengplatz oder einem erhöhten Einsatz von Blasenschleiern?“
Am 24. Juli 2026 antwortete dem Bundestagsabgeordneten, der unter anderem Mitglied des Verteidigungs- und Auswärtigen Ausschusses ist, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung Sebastian Hartmann.
Hartmann erklärte: „Die im Rahmen kontrollierter Sprengungen zu Übungszwecken zur Anwendung kommenden Schutzmaßnahmen werden vor jeder Sprengung mit den zuständigen Naturschutzbehörden abgestimmt und festgelegt. Gängige Schutzmaßnahmen sind hierbei die Verwendung von doppelten Blasenschleiern, um durch Dämpfung des entstehenden Schalldruckes den Schädigungsradius bei Unterwassersprengungen zu minimieren, und die Durchführung lokaler Vergrämungsmaßnahmen, um unter anderem Schweinswale und Robben vor den Sprengungen wirksam aus dem möglichen Schädigungsradius zu vertreiben. Die Möglichkeit der Einrichtung von naturschutzgerechten Unterwassersprengplätzen wird derzeit wissenschaftlich untersucht.“
Ein Blasenschleier im maritimen Bereich ist eine wirkungsvolle, am Meeresboden installierte Lärmschutzmaßnahme. So umgeben beispielsweise perforierte Druckluftschläuche eine Lärmquelle und erzeugen so einen aufsteigenden Vorhang aus Luftblasen, der den Unterwasserschall um bis zu 80 bis 95 Prozent (etwa 15 bis 25 Dezibel) dämpft. Dies schützt Meeressäuger wie Schweinswale und Robben vor Gehörschäden.
Der Forschungsbereich „Wasserschall und Geophysik“ der in Eckernförde beheimateten Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung (WTD 71) hatte bereits im Jahr 2009 damit begonnen, bei Sprengungen von Munitionsaltlasten durch den Kampfmittelräumdienst des Landes Schleswig–Holstein vor der Ostseeküste nahe des Naherholungsgebietes Heidkate akustische Messungen der Schockwellen durchzuführen. In einem Fachbeitrag der WTD 71 dazu heißt es: „Hierbei konnte die Dämpfung der Schockwelle durch einen Luftblasenschleier auch bei der Sprengung großer Ladungen (etwa 300 Kilogramm je Mine) nachgewiesen werden.“ Die Messungen der Jahre 2011 und 2012 dienten laut WTD 71 schließlich dazu, den Einfluss der Parameter, unter denen ein solcher schützender Blasenschleier betrieben wird, eingehend zu untersuchen. Dabei konnte die Dämpfung der Druckspitze einer Schockwelle durch den Blasenschleier klar bestätigt werden.
Unter „Vergrämungsmaßnahmen“ versteht man technische und akustische Warnmethoden, die Land- und Meerestiere vorübergehend aus gefährdeten Bereichen vertreiben sollen.
Wie schädigend Minensprengungen für Meeressäuger ohne entsprechende Schutzmaßnahmen sein können, hatte bereits im Herbst 2019 ein Forschungsteam aus dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TIHO) enthüllt. Sprengung von Munition, beispielsweise von Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg, stellen laut TIHO etwa für Schweinswale eine große Gefahr dar. Blutungen im Kopfgewebe oder gebrochene Gehörknochen seien nur zwei Folgen der Druckwellen, so die Forscher damals.
Untersucht worden waren zwischen September und November 2019 insgesamt 24 Schweinswale auf Hörschäden. Die Tiere waren an verschiedenen Orten der schleswig-holsteinischen Ostseeküste tot aufgefunden worden. Zuvor waren 42 britische Fliegerbomben aus dem letzten Weltkrieg ohne weitere Schallschutzmaßnahmen nahe dem Schutzgebiet Fehmarn gesprengt worden. Konkret hatte das TIHO-Team bei zehn Schweinswalen Explosionsverletzungen als Todesursache nachweisen können.
Unser Bildmaterial zeigt:
1. Aus dem Dienstalltag der Minentaucher – ein Minentaucher der Deutschen Marine findet im Rahmen der Ostsee-Übung „Very-Shallow-Water-Diving“ beim Absuchen der Anlandungszone eine Anti-Invasionsmine und markiert diese. Das Foto entstand am 11. Juli 2018.
(Foto: Andrea Bienert/Bundeswehr)
2. Die Schweinswale in der Ostsee gehören zu der in Europa am stärksten gefährdeten Kleinwal-Population. Eine der Hauptursachen für den Tod der Schweinswale ist die Fischerei. Jährlich verenden weltweit tausende Schweinswale in den Stellnetzen der Fischer. Eine weitere Bedrohung ist Unterwasserlärm, beispielsweise durch Offshore- Projekte (Windanlagen und Pipelinebau), Bootslärm aber auch durch Munitionssprengungen. Unterwasserlärm kann das Gehör der Schweinswale so sehr schädigen, dass sie zeitweise oder dauerhaft taub werden. Sie können sich dann nicht mehr orientieren, da sie auf ihr inneres Echolot angewiesen sind. Die Meerestiere schaffen es in diesem Zustand nicht mehr, Beute zu orten und verhungern; Kälber verlieren ihre Mütter und stranden.
(Bild: NABU)
3. Gleiches Gefahrenpotenzial gilt auch für Robben, zu denen auch Seehunde gehören. Waren um das Jahr 1920 Kegelrobben in der Ostsee durch massive Bejagung durch Fischer nahezu ausgerottet, so erholten sich die Bestände in den letzten Jahren langsam wieder. Bereits 2019 wurden die Zahlen auf 200 bis 300 Exemplare in deutschen Ostseegewässern geschätzt. Nach Zählungen des Jahres 2024 werden inzwischen rund 55.000 Tiere in der gesamten Ostsee vermutet. Laute Detonationen von Seeminen oder Offshore-Bauarbeiten erzeugen Druckwellen, die das Trommelfell auch bei Seehunden und Kegelrobben zerstören können.
(Bild: nr)
4. Auswirkung einer Minensprengung auf Meeressäuger.
(Grafik: nr)
5. Der Bundestagsabgeordnete Robin Wagener (Bündnis 90/Die Grünen) am 27. Januar 2022 bei einer Rede während einer Parlamentsdebatte „Zur Zukunft Europas“.
(Foto: Thomas Imo, photothek/für DBT)
Kleines Beitragsbild: Symbolfoto „Beseitigung einer Übungstreibmine“. Minentaucher unserer Marine springen aus rund vier Metern Höhe aus einem Hubschrauber Bell UH -1D in die Nähe einer Mine, die frei im Meer treibt. Nach dem Anbringen einer Sprengladung werden die Taucher wieder vom Hubschrauber aufgenommen. Die Aufnahme wurde am 29. Oktober 2009 gemacht.
(Foto: Andrea Bienert/Bundeswehr)
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Weitere Informationen: https://www.thalesgroup.com/en/solutions-catalogue/defence/air/samp/t-ng-air-defence-system.
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