Düsseldorf/Arlington (Virginia, USA)/Adelaide (South Australia, Australien). Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall AG und Boeing Australia Ltd. (beziehungsweise Boeing Defence Australia) haben eine strategische Partnerschaft zur Weiterentwicklung der Drohne MQ-28 Ghost Bat geschlossen. Ziel der Kooperation ist es, der Bundeswehr bis 2029 das unbemannte System als Lösung für die geplante Beschaffung sogenannter Collaborative Combat Aircraft (CCA) anbieten zu können. Die MQ-28 wurde und wird in Australien für die Royal Australian Air Force (RAAF) sowie für verbündete Luftstreitkräfte entworfen, entwickelt und hergestellt. Die MQ-28 Ghost Bat hat bereits mehr als 150 Testflüge absolviert – sie ist darauf ausgelegt, gemeinsam mit bemannten Kampfflugzeugen zu operieren und deren Wirkung im Gefecht zu verstärken.
In einer Boeing-Pressemitteilung vom 31. März 2026 heißt es: „Als bewährtes autonomes CCA fungiert [die MQ-28] als Multiplikator für Luftstreitkräfte. Sie kann gemeinsam mit bemannten Flugzeugen für die entscheidende Kampfkraft in stark umkämpften Lufträumen sorgen. Ihr modularer Aufbau und ihre autonomen Fähigkeiten ermöglichen ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten, darunter Aufklärung, elektronische Kampfführung und die Integration von Waffensystemen [für bewaffnete Missionen].“
Die Ghost Bat wurde in den vergangenen acht Jahren von Boeing in Australien entwickelt (Anm.: Die technischen Daten entnehmen sie unserer Grafik im Bildbereich). Sie ist nach Einschätzung des Unternehmens „das weltweit ausgereifteste CCA“. Sie wurde gezielt zur Unterstützung der Integration von Fähigkeiten Dritter konzipiert, ist modular aufgebaut und anpassungsfähig und kann somit den sich wandelnden Anforderungen gerecht werden – sowohl hinsichtlich der Missionssysteme als auch der industriellen Anforderungen.
Wie der Hersteller berichtet, hat die MQ-28 die Royal Australian Air Force bereits mit operativ relevanten Fähigkeiten unterstützt. Zuletzt habe dies in einer überzeugenden Demonstration gegipfelt, bei der ein Luftziel autonom angegriffen und zerstört werden konnte, so Boeing Australia.
Im Rahmen der Partnerschaft soll Rheinmetall in Deutschland als Systemmanager für die MQ-28 fungieren. Der Konzern soll dabei die Systemintegration in bestehende und zukünftige Führungs- und Waffensysteme der Bundeswehr sowie die Anpassung an nationale Anforderungen überwachen. Zudem will Rheinmetall die operative, wartungstechnische und logistische Unterstützung sicherstellen. Das deutsche Rüstungsunternehmen kann dabei auf seine Erfahrung im Bereich von Kampfflugzeugen der 5. Generation und bei unbemannten Systemen sowie auf seine starke industrielle Basis zurückgreifen.
Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, äußerte sich zu der künftigen Zusammenarbeit wie folgt: „Mit Boeing Defence Australia als Partner legen wir den Grundstein, um die MQ-28 optimal auf die Anforderungen der Bundeswehr zuzuschneiden.“ Er fuhr fort: „Als Systemintegrator stellen wir sicher, dass Integration, Betrieb und Weiterentwicklung aus einer Hand erfolgen und stärken gleichzeitig die industrielle Wertschöpfung in Form eines industriellen Hubs in Deutschland und Europa. Wir sehen für Rheinmetall dabei ein Umsatzpotenzial im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.“
Nach Ansicht von Rheinmetall wird die strategische Partnerschaft mit Boeing Australia beziehungsweise der Tochter Boeing Defence Australia ein hohes Maß an nationaler und souveräner Wertschöpfung sowie Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleisten. Die offene, modulare Systemarchitektur der MQ-28 Ghost Bat soll dabei kontinuierliche Upgrades und eine schnelle Erweiterung der Fähigkeiten ermöglichen. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern will zudem „eine dedizierte digitale Umgebung, in der Ingenieure aus Deutschland und Australien gemeinsam neue Software- und Hardware-Innovationen entwickeln, testen und validieren“, bereitstellen.
Brendan Nelson, President von Boeing Global, kommentierte die beschlossene deutsch-australische Partnerschaft mit den Worten: „Dies ist nicht nur eine Zusammenarbeit zwischen unseren Unternehmen, sondern zwischen zwei Ländern, die ähnliche Strategien zur Integration von Kampfflugzeugen in ihre Luftstreitkräfte verfolgen. Im Rahmen unserer Kooperation kann die deutsche Industrie auf jahrelange australische Innovationen und Investitionen zurückgreifen, um die MQ-28 für die Bundeswehr einzuführen und weiterzuentwickeln.“
Laut Rheinmetall-Pressetext soll die Partnerschaft die gemeinsame Entwicklung, Erprobung und den systematischen Ausbau des deutschen Anteils an der in Australien entwickelten Drohnen-Plattform fördern. Dadurch könne – so der deutsche Konzern – „die Bundeswehr eine CCA-Fähigkeit bis 2029 erheblich schneller einsetzen“.
Zu unserem Bildmaterial:
1. Am 16. Juni 2025 flog ein luftgestütztes Frühwarn- und Kontrollflugzeug E-7A Wedgetail der Royal Australian Air Force eine gemeinsame Mission mit zwei Boeing MQ-28 Ghost Bat (in unserem Bild mit einem Kreis markiert). Die E-7A kontrollierte dabei den autonom durchgeführten Einsatz der beiden Drohnen. Bereits im Dezember 2025 hatte eine MQ-28 im Zusammenspiel mit einer E-7A und einer F/A-18F Super Hornet eine Zieldrohne abgeschossen; dabei war ein AIM-120-Flugkörper (AMRAAM) zum Einsatz gekommen.
(Foto: Boeing Defence Australia; grafische Bearbeitung: mediakompakt)
2. Technische Angaben zur Drohne MQ-28 Ghost Bat.
(Foto: Boeing Defence Australia; grafische Bearbeitung: mediakompakt)
Kleines Beitragsbild: Die MQ-28 Ghost Bat ist ein unbemanntes Kampfflugzeug, das einen bemannten Jet bei Kampfhandlungen nach dem Konzept des „Loyal Wingman“ unterstützen soll. Entwickelt wurde und produziert wird das System bei Boeing Defence Australia. Das bis März 2022 als „Boeing Airpower Teaming System“ (ATS) bekannte Luftfahrzeug besitzt Stealth-Eigenschaften. Im März 2026 wurde die Drohne der Bundeswehr als ausgereifte Lösung für die geplante Beschaffung eines Collaborative Combat Aircraft (CCA) angeboten; die Beschaffung könnte bis 2029 realisiert werden.
(Foto: Boeing Defence Australia)
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