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Ottobrunn. Die Dimension „Weltraum“ ist für die Sicherheit Deutschlands und Europas von großer, zunehmender Bedeutung. Dies unterstrich Verteidigungsminister Boris Pistorius am vergangenen Donnerstag (23. Juli) mit seinem Besuch in Ottobrunn bei Isar Aerospace. Er besichtigte dort die Produktion für die Trägerrakete „Spectrum“, die fast vollständig inhouse (also in eigener Regie im und vom Unternehmen) entwickelt, getestet und hergestellt wird.

Isar Aerospace bietet Startdienste für den Transport kleiner bis mittelgroßer Satelliten und Satellitenkonstellationen in die Erdumlaufbahn an. Das Raumfahrtunternehmen wurde 2018 gegründet, hat seinen Hauptsitz in Ottobrunn in der Nähe von München und beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter an fünf internationalen Standorten. In einer Selbstdarstellung des Start-ups heißt es unter anderem: „Die private Finanzierung durch internationale Investoren bildet eine starke Grundlage für den zukunftsweisenden Ansatz von Isar Aerospace, die Fertigung von Trägerraketen mithilfe vertikaler Integration effizient zu skalieren und zu industrialisieren.“

Über den Ministerbesuch am 23. Juli schreibt Isar Aerospace in einer Pressemitteilung: „[Mit diesem Besuch] unterstreicht die Bundesregierung die strategische Bedeutung, die souveräner Zugang zum Weltraum als Grundlage glaubwürdiger Verteidigung und Abschreckung heute hat.“

Unternehmen will bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr in Serie produzieren

Die Visite von Pistorius in Ottobrunn steht im Zeichen eines stark wachsenden Bedarfs nach souveränen Startkapazitäten für das Militär. Laut Angaben des Herstellers sind in den vergangenen zwölf Monaten mehr als die Hälfte aller Anfragen zu Trägerraketen auf den Verteidigungssektor entfallen, in den Vorjahren war die Nachfrage bei Isar Aerospace noch überwiegend kommerziell geprägt.

In seinem neuen Werk in Parsdorf (Ortsteil der Gemeinde Vaterstetten im oberbayerischen Landkreis Ebersberg) will Isar Aerospace bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr in Serie produzieren. Die Produktionsstätte sei darauf ausgelegt, die hohe Startfrequenz zu bedienen, die staatliche Auftraggeber einfordern, so der Pressetext zum Besuch des Verteidigungsministers weiter. Die Firma verspricht, dabei „hochwertige Industriearbeitsplätze [zu] schaffen und Deutschland als führenden Exporteur von Startkapazitäten [zu] etablieren“.

In den nächsten Jahren rund 35 Milliarden Euro Investitionen in den Weltraum

In Ottobrunn erklärte Pistorius zunächst: „„Mit unseren NATO-Partnern auf der einen Seite und mit der Industrie – und mit Ihnen hier bei Isar Aerospace – bauen wir eine vollvernetzte Sicherheitsarchitektur auf. Nicht zuletzt habe ich deshalb im Herbst letzten Jahres angekündigt, dass wir in den nächsten Jahren 35 Milliarden Euro in den Weltraum investieren wollen. Und das tun wir, nicht zuletzt, weil Weltraumsicherheit alternativlos ist und durch nichts anderes ersetzt werden kann.“

Der Besuch bei dem deutschen Raketen-Start-up untermauert wie schon vorherige Visiten in der Branche (beispielsweise am 14. Juli 2026 beim Technologie- und Raumfahrtunternehmen OHB), wie wichtig die Dimension „Weltraum“ und die wachsende Industrie für die nationale und europäische Sicherheit sind.

Gesichertes Satellitennetzwerk ist elementarer Teil der Abschreckung

Pistorius hatte sich zudem im März 2026 bereits am europäischen Spaceport auf der norwegischen Insel Andøya über die Launcher „Spectrum“ von Isar Aerospace vor Ort informiert. Am Stammsitz in Ottobrunn folgten nun ein Rundgang durch die Produktion und ausgiebige Gespräche. Dabei wurde deutlich: Der Bau von Trägerraketen ist strategisch wichtig. Der Minister: „Und Isar Aerospace trägt mit seiner Arbeit entscheidend zu mehr Souveränität im All bei – ein funktionierendes, gesichertes Satellitennetzwerk ist elementarer Teil der Abschreckung.“

Würden Satelliten ausfallen, so warnte Pistorius, wäre die Truppe „auf einem Auge blind“. Deshalb werde auch Satelliten-Aufklärung für die schnellen und immer schneller werdenden Entscheidungen auf dem Gefechtsfeld benötigt. Dies sei auch der Grund, warum die Bundeswehr in den kommenden Jahren viele Satelliten ins All befördern müsse, machte der Minister deutlich. Dabei wies er darauf hin: „Neben Giganten wie der Trägerrakete Ariane 6 für schwere Lasten braucht es auch Microlauncher, wie die Rakete von Isar Aerospace, für die Umsetzung rascher und effizienter Weltraum-Operationen.“

Strategische Verteilung von Startplätzen soll Ausfallrisiko minimieren

Wie der Gast von Isar Aerospace zum Schluss ausführte, hänge der Erfolg von Operationen im Weltraum nicht nur von der bestmöglichen Technik ab. Genauso entscheidend sei der Ausbau von Startplätzen, den Launchpads. Pistorius dazu: „Starts von den Spaceports auf Andøya in Norwegen oder auf SaxaVord auf der schottischen Shetland-Insel Unst werden in Zukunft nicht mehr ausreichen. Um reaktionsschnell zu sein, um selber handlungsfähig zu sein, brauchen wir einen Pool von Launch-Möglichkeiten – und nicht erst den Zugriff in fünf, sechs oder sieben Jahren.“ Auch daran arbeite Deutschland äußerst intensiv – sowohl mit Norwegen als auch mit Kanada, berichtete der Minister.

Um das Ausfallrisiko zu minimieren, brauche es außerdem eine strategische Verteilung von Startplätzen. Der SPD-Politiker verriet: „Deswegen denken wir aktuell auch über einen bundeswehreigenen Startplatz nach. Deutschlands Sicherheit darf nicht im Stau kommerzieller Warteschlangen steckenbleiben.“

Der Schlüssel für militärische Aufklärung, Kommunikation und Zielerfassung

Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler begrüßte, dass sich die Bundesregierung inzwischen auf den Ausbau von entsprechenden Weltraumfahrt-Fähigkeiten – vor allem mit Blick auf die Landes- und Bündnisverteidigung – fokussiere. Mit dem 35-Milliarden-Euro-Paket und einer klaren Strategie für Weltraumsicherheit steige Deutschland zu einer der wichtigsten militärischen Raumfahrtnationen der Welt auf, sagte der CEO des Ottobrunner Raumfahrtunternehmens voraus.

Metzler führte abschließend aus: „Die Verteidigung unserer freien Welt beginnt im Weltraum. Ohne eine Vernetzung im All können moderne Streitkräfte nicht bestehen. Satelliten-Daten sind dabei der Schlüssel für militärische Aufklärung, Kommunikation und Zielerfassung.“


Die Aufnahme zeigt Verteidigungsminister Boris Pistorius bei seinem Besuch am 23. Juli 2026 in Ottobrunn, Sitz des Raumfahrtunternehmens Isar Aerospace.
(Foto: Isabella Buschmeier/Bundeswehr)


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