Berlin/München. Kleine, kostengünstige Drohnen verändern das Gefechtsfeld grundlegend. Dies zeigt insbesondere der Krieg in der Ukraine. Vor allem FPV-Drohnen gelten als schwer abzufangende Bedrohung, für die klassische Luftverteidigungssysteme oft zu teuer oder nicht effektiv genug sind (FPV = First Person View; beim Einsatz von FPV-Drohnen werden Bordkameras verwendet, die Live-Bilder vom Flug übermitteln). Das Münchner Defence-Tech-Unternehmen SkyLANX GmbH präsentierte vor Kurzem im Rahmen der „Medic Quadriga 2026“ eine modulare Plattform zur laserbasierten Abwehr kleiner und kleinster Drohnen. Die Plattform ist laut SkyLANX „für unterschiedliche Einsatzfelder von militärisch bis zivil konzipiert“ – vom Schutz militärischer Einheiten, Konvois oder temporärer Einsatzbasen bis hin zu Flughäfen, Industrieanlagen und kritischer Infrastruktur.
Mit der Übung „Medic Quadriga 2026“ testete der Sanitätsdienst der Bundeswehr die Rettungskette und die Versorgung Verwundeter bis nach Deutschland in einem Artikel-5-Szenario der NATO. Übergeordnetes Ziel war es, die zivil-militärische Zusammenarbeit und damit die Resilienz des gesamten staatlichen Gesundheitssystems zu stärken (siehe auch unseren Beitrag vom 6. März 2026 über das Cluster „Quadriga 2026“, in dem „Medic Quadriga 2026“ als Teilübung geschaltet war).
Mit mehr als 1000 beteiligten militärischen Kräften sowie etwa 250 zivilen Übungsteilnehmern von Bund, Ländern und nicht-staatlichen Organisationen war „Medic Quadriga 2026“ die größte und komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.
Eingebettet in das Übungsgeschehen war eine Ausstellung auf dem Gelände der Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) Berlin-Brandenburg. Hier präsentierte die Bundeswehr gemeinsam mit Partnern aus NATO, Industrie und Wissenschaft innovative Technologien für Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung.
Gerade im Bereich „Drohnen und Drohnenabwehr“ war die Ausstellung namhaft besetzt: Neben etablierten Playern der Verteidigungsbranche wie Rheinmetall, KNDS, Diehl Defence oder Hensoldt mit Tochter ESG waren auch junge Technologieanbieter wie Avilus, Jedsy, ARX Robotics oder unser Start-up SkyLANX vertreten.
SkyLANX wurde von Thomas Mühlberger (Co-CEO, CFO) und Antony Zhou (Co-CEO, CTO) gegründet. Das Unternehmen entwickelt skalierbare Counter-UAS-Systeme, die Sensorik, Command-and-Control-Software und Laser-Effektoren in einer offenen Architektur verbinden. Die Plattform soll sich sowohl zum Schutz einzelner Einrichtungen als auch für mobile militärische Anwendungen eignen. (Anm.: UAS – Unmanned Aircraft System – steht für das Gesamtsystem, bestehend aus dem unbemannten, ferngesteuerten Luftfahrzeug plus dem erforderlichen Bodengerät.)
Co-CEO Mühlberger erklärt: „Die Bedrohung durch kleine Drohnen entwickelt sich deutlich schneller, als klassische Verteidigungssysteme angepasst werden können. Europa braucht in diesem Bereich eigene technologische Lösungen.“ Und: „Unser Ansatz ist eine modulare, mobile und bezahlbare Lösung, die sich in bestehende Systeme integrieren lässt.“
Im Unterschied zu großen Hochenergie-Lasersystemen setzt SkyLANX auf kompaktere Lösungen mit 3 bis 8 Kilowatt Leistung. Die Systeme sind laut dem Münchner Unternehmen mobil einsetzbar, verfügen über integrierte Batteriesysteme und lassen sich auch auf leichten Fahrzeugplattformen integrieren. Ziel ist nicht die strategische Luftverteidigung, sondern die wirksame Abwehr kleiner Drohnen auf kurze bis mittlere Distanz.
In einem Test aus 1100 Metern Entfernung durchdrang ein 3-Kilowatt-Laser von SkyLANX innerhalb von rund zehn Sekunden eine 1,2 Millimeter starke Stahlplatte und erzeugte dabei eine Durchöffnung in der Größe einer 1-Euro-Münze. Für SkyLANX belegt das die grundsätzliche Eignung kompakter Lasersysteme zur Bekämpfung strukturell empfindlicher Ziele wie kleiner Drohnen.
Technologisch basiert die SkyLANX-Lösung auf drei Ebenen: Detektion, softwaregestützte Bedrohungsanalyse und laserbasierte Neutralisierung. Sensordaten aus unterschiedlichen Quellen werden dabei zu einem gemeinsamen Lagebild zusammengeführt.
Die C2-Software analysiert Flugverhalten und Prioritäten, unterstützt die Zielverfolgung und nutzt Künstliche Intelligenz/KI, um Erkennung und Reaktion laufend zu verbessern. (Anm.: Der Begriff „C2-Software“ bezeichnet unter anderem Command and Control-Systeme im Sicherheits- und Militärbereich zur Führung, Steuerung und Lagebilddarstellung bei Einsätzen.)
Ein zentrales Element der möglicherweise bahnbrechenden Entwicklung ist der kompakte Laser-Effektor. Anders als kinetische Systeme benötigt er keine klassische Munition, sondern vor allem Energie. Das macht ihn besonders interessant für Szenarien, in denen mehrere Ziele nacheinander bekämpft werden müssen.
SkyLANX setzt dabei auf eine galvobasierte Strahlsteuerung, bei der der Laserstrahl über Hochgeschwindigkeitsspiegel gelenkt wird. Das ermöglicht besonders schnelle Zielwechsel und ist vor allem bei Angriffen mehrerer Drohnen in kurzer Folge von Bedeutung. Für diese Technologie liegt bereits die europäische Patentanmeldung „Laser-Based Anti-Drone System“ vor, die unlängst durch einen positiven Recherchenbericht des Europäischen Patentamts/EPO bestätigt wurde. Die offizielle Patenterteilung wird für Herbst 2026 erwartet. Dazu Co-CEO Zhou: „Gerade bei Schwarmangriffen kommt es nicht nur auf Leistung an, sondern auf die Fähigkeit, Ziele in sehr kurzer Zeit präzise nacheinander zu bekämpfen.“
Zu unserem Bildmaterial:
1. bis 3. Das in Ottobrunn bei München beheimatete Start-up SkyLANX GmbH präsentierte im Rahmen der „Quadriga“-Teilübung „Medic Quadriga 2026“ auf dem ILA-Gelände Berlin-Brandenburg seine laserbasierte Drohnenabwehr für militärische und zivile Anwendungen.
(Fotos: SkyLANX GmbH; grafische Bearbeitung: mediakompakt)
4. Zahlreiche Besucher – vor allem von der Bundeswehr – zeigten großes Interesse an der Entwicklung des jungen Unternehmens.
(Foto: SkyLANX GmbH)
Kleines Beitragsbild: Firmenmitgründer Antony Zhou (links) beantwortete bei der Berliner Ausstellung die vielen Fragen der Besucher am Stand von SkyLANX.
(Foto: SkyLANX GmbH)
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