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Rostock/Gdynia (Polen)/Kiel. Schiffe, Boote, Flugzeuge und Hubschrauber, mehr als 30 Einheiten aus insgesamt 15 Nationen, rund 6000 Militärangehörige: Mit der Marineübung „Baltic Operations“ – kurz BALTOPS – startete am heutigen Donnerstag (4. Juni) eine der größten maritimen Übungen der NATO in der Ostsee. Der Auftakt fand im polnischen Gdynia in der Danziger Bucht statt, wo sich die teilnehmenden Einheiten zunächst versammelt hatten. Das Übungsgebiet erstreckt sich über weite Teile der westlichen, zentralen und südlichen Ostsee – von Skagen in Dänemark bis zum Rigaischen Meerbusen zwischen Estland und Lettland.

Das jährliche Marinemanöver der Bündnispartner in der Ostsee wird traditionell von der U.S. Navy geführt. Die multinationale Übung dauert etwas mehr als zwei Wochen und findet dieses Jahr zum 55. Mal statt. BALTOPS 26 wird mit Beginn der „Kieler Woche“ am 19. Juni enden. In der deutschen Ostsee-Hafenstadt werden dann an diesem Freitag zahlreichen an dem Manöver beteiligte Schiffe im Kieler Hafen zu sehen sein.

Für die zivile Schifffahrt gilt während der Großübung ein Sicherheitsabstand von einem Kilometer zu allen Marineschiffen.

NATO-Partner bringen bei der Übung ein breites Spektrum an Fähigkeiten ein

Die Deutsche Marine beteiligt sich an BALTOPS 26 mit der Fregatte „Sachsen-Anhalt“ (stößt aus Wilhelmshaven zur Übung), den Korvetten „Braunschweig“ und „Erfurt“, Unterseeboot „U34“ sowie einem Seefernaufklärer P-8A Poseidon.

Mit der Funktion „Commander Task Force Baltic“ (Bezeichnung auch CTF Baltic beziehungsweise CTFB) hat unsere Marine seit etwa zwei Jahren eine bedeutsame Führungsrolle übernommen. Der Stab CTF Baltic überwacht im Auftrag der NATO seit Herbst 2024 den Ostseeraum und übernimmt zeitweise Führungsaufgaben für das Bündnis. Sitz des Stabes mit seinen rund 180 Dienstposten ist seit der Aufstellung am 21. Oktober 2024 Rostock (im Krisen- und Konfliktfall kann der Stab auf bis zu 240 Dienstposten aufwachsen). Konteradmiral Stephan Haisch, der als Commander den Stab CTFB führt, erklärte vor Beginn des Manövers: „Die NATO-Partner bringen ein breites Spektrum an Fähigkeiten ein. Alle BALTOPS-Einheiten erhöhen die Präsenz der Allianz im Seegebiet und unterstützen somit auch die NATO-Aktivität ,Baltic Sentry‘. Neben Schiffen, Booten und Marinefliegern werden bei unserer Übung auch unbemannte Systeme im Einsatz sein.“

Das taktische Hauptquartier in Rostock CTF Baltic koordiniert bei BALTOPS die eingesetzten Kräfte der Bundeswehr.

Sicherung des freien Ostsee-Seeverkehrs und zugleich robuste Abschreckung

„Baltic Operations“ ist – so heißt es in einer Pressemitteilung des Presse- und Informationszentrums Marine – „ein multinationales Manöver mit maritimem Schwerpunkt zur Sicherung des freien Seeverkehrs in der Ostsee bei gleichzeitiger Demonstration einer robusten Abschreckung. Das Szenario ist ausgerichtet an den Einsatzerfordernissen zur Sicherstellung der Landes- und Bündnisverteidigung sowie zur Teilnahme an Operationen, einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus, im Seegebiet Ostsee“.

Das gemeinsame Vorgehen der NATO-Partner in der Ostsee sei Beleg dafür, dass im Bündnis gemeinsam Abschreckung und Verteidigung erreicht werden könne, so der Pressetext weiter. BALTOPS stehe sinnbildlich für eine Aufgabe, die über die Ostsee hinausgehe – die gemeinsame Sicherung der gesamten strategischen Seeverbindungslinien von der amerikanischen Ostküste bis in das Baltikum.


Hintergrund                           

Zur langen Geschichte der BALTOPS-Manöverreihe: Die BALTOPS-Reihe begann während des Kalten Krieges als Teil der Bemühungen der USA, ihr Engagement für die Sicherheit und Stabilität einer der beiden strategischen Flanken Europas deutlich zu unterstreichen. Das Mittel: eine effektive multinationale maritim-militärische Zusammenarbeit. Im Mai 1971 fuhr dazu der Flugzeugträger USS „Intrepid“ zusammen mit drei Zerstörern in die Ostsee, um dort seine Fähigkeiten zu demonstrieren. Die Einsatzgruppe operierte bis zu 20 Seemeilen vor der (damals) sowjetischen Küste und wurde dabei rund um die Uhr von gegnerischen Aufklärungsflugzeugen beobachtet. Der Schwerpunkt von BALTOPS lag damals auf dem Schutz der dänischen Inseln und Meerengen. NATO-Flottenverbände sollten dabei in die Ostseegewässer vordringen können, während Kriegsschiffen des Warschauer Paktes der umgekehrte Weg in die Nordsee und damit in den Atlantik verwehrt bleiben sollte.

Zum maritimen taktischen Hauptquartier CTF Baltic: Die Deutsche Marine ist die größte NATO-Marine in der Ostsee. Sie verfügt über eine umfassende regionale Expertise und breite Fähigkeiten zur Seekriegsführung. Vor diesem Hintergrund hat sie am 1. Oktober 2024 für die Allianz eine zusätzliche regionale Führungsrolle übernommen – die Funktion „Commander Task Force Baltic“ (CTF Baltic/CTFB). Dazu muss man wissen, dass die NATO in der Anpassung ihrer Führungsstruktur seit 2017 sich unter anderem auch für die Aufstellung von ständigen maritimen Hauptquartieren auf der sogenannten obersten taktischen Ebene entschieden hat. Diese „Commander-Task-Force“-Stäbe haben zwei Hauptaufgaben: maritime Operationen und Übungsvorhaben zu planen sowie von der NATO zugeteilte Seestreitkräfte in Frieden, Krise und Krieg zu führen. Das CTF Baltic in der Region „Ostsee“ stellt dem Bündnis nun rund um die Uhr ein aktuelles maritimes Lagebild zur Verfügung. Dieses Lagebild führt einerseits militärische und zivile Daten zusammen und umfasst andererseits alle militärischen Dimensionen. CTF Baltic ist ein nationales Hauptquartier mit multinationaler Beteiligung, es wird durch einen deutschen Admiral geführt. Neben Deutschland sind noch elf weitere Nationen personell an CTF Baltic beteiligt: Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Polen und Schweden. An der offiziellen Aufstellungszeremonie des CTF Baltic am 21. Oktober 2024 hatte auch Verteidigungsminister Boris Pistorius teilgenommen.

Zur NATO-Operation „Baltic Sentry“ in der Ostsee: „Baltic Sentry“ soll potenzielle Akteure und Saboteure durch erhöhte NATO-Präsenz in der Ostsee abschrecken und Kritische Infrastruktur – wie unterseeische Pipelines oder Strom- und Datenkabel – sichern. Die Bundeswehr beteiligt sich an der Aufgabe und greift dabei auf Personal und Fähigkeiten aus fast allen Bereichen der Truppe zurück. Mögliche Beiträge umfassen unter anderem den Einsatz von Korvetten und Minenjagdbooten der Marine sowie der Kampfflugzeuge Eurofighter und Tornado. Neben der klassischen Überwachung mit Schiffen und Flugzeugen will die Bundeswehr auch andere technische Möglichkeiten – wie etwa eine detaillierte Datenauswertung durch den Cyber- und Informationsraum/CIR oder die Aufklärung mittels unbemannter Drohnen – nutzen. Das Operative Führungskommando der Bundeswehr plant und koordiniert den deutschen Beitrag zu „Baltic Sentry“ auf operativer Ebene. Zudem ist das Kommando zuständig für die Abstimmung zwischen nationalen Akteuren und verschiedenen Ressorts, da in Deutschland zunächst zivile Stellen für den Schutz Kritischer Infrastrukturen verantwortlich sind.


Zu unserem Bildmaterial:
1. Aufnahme vom 7. Juni 2025. Sie zeigt NATO-Einheiten – darunter die Fregatte „Bayern“ und die Korvette „Magdeburg“ – im dänischen Seegebiet bei der Vorjahresübung BALTOPS 2025.
(Foto: Rolf Klatt/Bundeswehr)

2. BALTOPS 2026 – die Korvette F262 „Erfurt“ im polnischen Ostseehafen Gdynia. Von Gdynia aus startete das diesjährige NATO-Marinemanöver in die festgelegten Übungsgewässer. Im Bild: das offizielle Emblem der diesjährigen Seeübung.
(Foto: nr ; Bildmontage: mediakompakt)

Kleines Beitragsbild: Einlaufen der Korvette F260 „Braunschweig“ in den Hafen Gdynia zum Auftakt der Ostsee-Übung BALTOPS 26.
(Foto: nr)


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