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Zweibrücken/Berlin. Im Skandal um Rechtsextremismus, Drogenmissbrauch und sexuelle Übergriffe beim Fallschirmjägerregiment 26 im rheinland-pfälzischen Zweibrücken hat die Bundeswehr nun neue Zahlen genannt. „Wir nehmen die Vorwürfe gegen Angehörige des in der Niederauerbach-Kaserne stationierten Regiments weiterhin sehr ernst“, teilte ein Sprecher des Deutschen Heeres auf Anfrage des ARD-Hauptstadtstudios mit. Nach aktuellem Stand gehe man von 59 Beschuldigten aus.

Von 21 beantragten Entlassungsverfahren seien mittlerweile 16 vollzogen worden, die übrigen seien in Bearbeitung, so der Sprecher gegenüber der ARD. 19 Fälle habe das Heer an die zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben. In 18 Fällen seien Disziplinarmaßnahmen verhängt worden. Ein vorläufiger Abschlussbericht der Teilstreitkraft sei in Arbeit.

Mehr Dienstaufsicht, um einen Wandel in der Führungskultur herbeizuführen

In dieser Woche besuchte erneut Generalleutnant Christian Freuding, seit dem 1. Oktober 2025 Inspekteur des Heeres, das Fallschirmjägerregiment 26, um sich vor Ort mit den Kommandeuren auszutauschen. Im Laufe des Monats soll es laut Verteidigungsministerium erneut ein Treffen geben, bei dem das weitere Vorgehen besprochen werden soll.

Abgesehen von den personellen Konsequenzen, hat die Bundeswehr laut ARD auch „organisatorisch erste Lehren“ aus dem Skandal gezogen. So sei beispielsweise inzwischen die Dienstaufsicht mit dem Ziel verstärkt worden, einen Wandel in der Führungskultur herbeizuführen.

Wie der Saarländische Rundfunk (SR) am heutigen Donnerstag (2. April) berichtete, sollten die Verfehlungen in der Niederauerbach-Kaserne dem Ministerium zufolge „ursprünglich bis Ostern aufgearbeitet“ sein. Bis ein Abschlussbericht vorliegt, wird es aber noch dauern. Als Begründung für die Verzögerung verwies ein Sprecher des Heeres – so der SR – darauf, dass einige Fälle auch Angelegenheit der Justiz seien (insgesamt sind 19 Fälle an die Staatsanwaltschaft übergeben worden).

Vorgänge in Zweibrücken sind „erschütternd und in jeder Hinsicht inakzeptabel“

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat die Vorgänge in Zweibrücken bereits scharf verurteilt. Bei einem Truppenbesuch im März dieses Jahres in Koblenz hatte er erklärt: „Die Ereignisse in der Niederauerbach-Kaserne sind erschütternd und in jeder Hinsicht inakzeptabel.“ Extremismus, Drogenkonsum und sexuelle Übergriffe hätten in der Bundeswehr absolut nichts zu suchen (siehe auch unseren Beitrag vom 15. Januar 2026).

Der Fallschirmjäger-Skandal hat nun auch eine sogenannte „Dunkelfeld-Studie“ (zu sexueller Belästigung und Gewalt unter Bundeswehranghörigen) wieder ins Zentrum der Debatte gerückt. Im Jahr 2024 hatte die damalige Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, die Studie angeregt. Daraufhin wurde das Potsdamer Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) vom Verteidigungsministerium mit dem Projekt beauftragt. Übergeordnetes Ziel der Studie ist die Aufklärung nicht gemeldeter beziehungsweise unbekannter Vorfälle (Dunkelfeld) von sexualisierter Gewalt und Belästigung in der Bundeswehr, um eine Kultur zu schaffen, in der sich alle sicher fühlen.

Zwischen Ankündigung der Studie und Auftragsvergabe an das ZMSBw bis hin zu ersten konkreten Ergebnissen ist inzwischen viel Zeit vergangen. Anfang dieses Jahres forderte Högls Nachfolger Henning Otte mit Blick auf das Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken nun eine beschleunigte Realisierung der Studie. Diese solle endlich „zeitnah vom Ministerium umgelegt und vorgelegt werden“, so Otte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Bisher gibt es lediglich „Projektskizzen“ und keine konkreten Ergebnisse. Der Wehrbeauftragte hatte in den vergangenen Monaten und Wochen mehrmals auf eine „deutlich gestiegene Zahl gemeldeter Vorgänge gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ hingewiesen.

Greenpeace beleuchtet strukturelle und kulturelle Mängel in der Bundeswehr

Eine andere Studie, die sich ebenfalls mit dem Innenleben der deutschen Streitkräfte befasst, erschien im November 2025. Herausgeber ist die Organisation Greenpeace Deutschland, Autor der Investigativ-Rechercheur Philip Steeg. Seine insgesamt 23 Seiten umfassende Arbeit trägt den Titel „Die Attraktivitätskrise der Bundeswehr: Hintergrundpapier zu kulturellen und strukturellen Mängeln“.

Die Arbeit Steegs untersucht verschiedene Bundeswehr-Bereiche und Themen (Stichworte: Ausrüstung, Kasernen und Infrastruktur, Digitalisierung, innere Kultur und soziale Dynamiken, Demokratie und Resilienz, politischer Extremismus, Dienstklima, Gleichstellung und Diversität, Frauen, sexualisierte Gewalt, Wertewandel und Jugend), die zu einem zentralen Ergebnis führten und führen. Der Autor: „Es bestehen nach wie vor überall große Defizite. Trotz bisheriger Bemühungen, mit Regularien und Maßnahmenpaketen Verbesserungen zu bewirken, sind positive Resultate bisher ausgeblieben. Potenziale, die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiver zu machen, sind bisher ungenutzt. Die Bundeswehr zeigt massive Probleme einerseits bei der Infrastruktur, vor allem aber auch bei der kulturellen Ausrichtung – so sind Gleichstellung, Diversität und Demokratiefeindlichkeit weiterhin ungelöste Probleme.“

An anderer Stelle kommt Steeg zu dem Schluss: „Neben materiellen Aspekten spielt die innere Kultur der Bundeswehr eine große Rolle bei der Frage, ob sich junge Menschen dort willkommen und aufgehoben fühlen. Hier gab es in den letzten Jahren immer wieder negative Schlagzeilen: Berichte über rechtsextreme Tendenzen, sexuelle Übergriffe, mangelnde Offenheit für sexuelle und kulturelle Vielfalt. Solche Probleme im Mindset und der inneren Kultur [unserer Streitkräfte] schrecken insbesondere eine wertebewusste, pluralistische junge Generation ab, die Diversität und demokratische Gesinnung größtenteils als selbstverständlich betrachtet.“ Damit wären wir schlussendlich wieder beim Nackenschlag aus Zweibrücken, den die Personalwerbung der Bundeswehr momentan und längerfristig verkraften muss.

Das lesenswerte Hintergrundpapier „Die Attraktivitätskrise der Bundeswehr“ von Greenpeace Deutschland haben wir für Sie in unserem Servicebereich „bundeswehr-journal (Bibliothek)“ beim Dienstleister Yumpu-Publishing eingestellt. Sie können dort den Inhalt ansehen und ausdrucken, ein Download der Datei ist jedoch nicht möglich. Über die ESC-Taste in Yumpu kommen Sie hierhin zurück. Zu der Greenpeace-Untersuchung:

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.yumpu.com zu laden.

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Unser Bildmaterial:
1. Es ist nicht das erste Mal, dass das Fallschirmjägerregiment 26 für Negativschlagzeilen sorgt. So wurden im April 2023 zwei zu diesem Zeitpunkt bereits entlassene Regimentsangehörige vom Landgericht Zweibrücken zu Haftstrafen von viereinhalb beziehungsweise zweieinhalb Jahren verurteilt. Auf dem Rückweg von einer Kneipentour hatten die beiden Männer im Jahr 2018 eine damals 18-jährige Zeitsoldatin vergewaltigt – einer der beiden sogar zum zweiten Mal. Am 17. November 2025 hat das ZDF eine Reportage über das Opfer, das immer noch unter den Folgen leidet, ausgestrahlt. Der Titel: „Das Schweigen brechen“. Unser Bild zeigt den Ärmel-Patch des Regiments, dessen Ruf in der Öffentlichkeit heute nachhaltig belastet ist.
(Foto: Joseph Pagan/U.S. Air National Guard)

2. Angehörige des Fallschirmjägerregiments 26 im Juli 2025 bei der internationalen Übung „Talisman Sabre“ im australischen Buschland nahe Townsville. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits Betroffene und Zeugen beim Wehrbeauftragten-Amt gemeldet und über die Verfehlungen im Zweibrücker Verband berichtet.
(Foto: Marco Dorow/Bundeswehr)

Kleines Beitragsbild: Schriftzug im Bereich des Haupttors der Niederauerbach-Kaserne.
(Bild: nr)


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