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Düsseldorf/Arlington (Virginia, USA)/Adelaide (South Australia, Australien). Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall AG und die Boeing-Tochter Boeing Australia Ltd. haben vor einigen Wochen eine strategische Partnerschaft zur Weiterentwicklung der Drohne MQ-28 Ghost Bat geschlossen. Ziel der Kooperation ist es, der Bundeswehr bis 2029 das unbemannte System als Lösung für die geplante Beschaffung sogenannter Collaborative Combat Aircraft (CCA) anbieten zu können. Boeing erweitert nun die Zusammenarbeit um die deutschen Unternehmen Diehl Defence und Rohde & Schwarz. Die neuen Industriepartner sollen die Integration einer deutschen Bewaffnung sowie von Sensoren und Kommunikationssystemen im Rahmen des MQ-28-Angebots an die Bundeswehr beziehungsweise die Deutsche Luftwaffe prüfen. Das Rüstungsprogramm „MQ-28 Ghost Bat“ wird von Boeing Defence Australia geleitet.

Die Boeing-Drohne MQ-28 ist ein unbemanntes Collaborative Combat Aircraft, das fortschrittliche Multi-Missions-Luftkampfeinsätze ergänzen und erweitern soll (siehe auch hier).

Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse ILA Berlin (10. bis 14. Juni 2026) hatte sich Diehl Defence der Fachpresse während einer Medienveranstaltung von Boeing als neuer Partner des deutschen „MQ-28 Ghost Bat“-Industrieteams vorgestellt – neben den Partnern Rohde & Schwarz und Rheinmetall.

Waffenintegration durch Diel und Richtfunklösung von Rohde & Schwarz

Boeing und das Team „Ghost Bat Deutschland“ sollen die nationalen deutschen Anforderungen an das unbemannte Waffensystem unterstützen. Der Anteil von Diehl Defence besteht dabei in der Waffenintegration, wie beispielsweise des Lenkflugkörpers IRIS-T sowie zukünftiger Luft-Luft-Effektoren (falls von der Deutschen Luftwaffe ausgewählt).

Rohde & Schwarz könnte Medienberichten zufolge die abhörsichere Vernetzungstechnologie NEMACS (Networked Multipoint Array Communications System) für den Datenaustausch zwischen Drohne und begleitendem bemannten Kampfflugzeug liefern. Die gerichtete Kommunikationsarchitektur wurde erstmals bei der Berliner ILA vorgestellt. NEMACS soll nach Angaben von Rohde & Schwarz bemannte und unbemannte Systeme in der Luft, zu Lande, zu Wasser und im Weltraum miteinander vernetzen und den Datenstrom dabei gleichzeitig vor gegnerischen Aktionen schützen können.

Software-Elemente zur Unterstützung von sogenannten „Luftkampfketten“

Darüber hinaus sollen die Industriepartner mit der notwendigen technischen Unterstützung betraut werden. Dazu zählen laut einer Diehl-Pressemitteilung – wie bereits aufgeführt – die Integration der speziellen Bewaffnung in die Drohne MQ-28 gemäß den Vorgaben des deutschen Kunden, dazu die Bereitstellung technischer Daten, die Produktunterstützung sowie entsprechende Schulungen. Auch die Lieferung von speziellen Software-Elementen zur Unterstützung von Luftkampfketten ist Teil des Auftrags.

(Anm.: Unter dem Begriff „Luftkampfkette“ sind vernetzte Waffensysteme, bei denen bemannte Kampfflugzeuge im Team mit unbemannten Drohnen operieren, zu verstehen. Dabei fliegen die Drohnen autonom oder ferngesteuert voraus, um Aufklärung zu betreiben, Ziele zu stören, feindliche Luftabwehr zu bekämpfen oder als Waffenträger zu dienen).

„Das Beste aus australischen und deutschen Innovationen“ zusammenbringen

Amy List, Vizepräsidentin und Managing Director von Boeing Defence Australia, sagte auf der ILA: „Wir bringen das Beste aus australischen und deutschen Innovationen zusammen, um bis 2029 die MQ-28 an die Deutsche Luftwaffe ausliefern zu können. Die Aufnahme von Diehl Defence und Rohde & Schwarz in unser Team ist ein bedeutender, zukunftsweisender Schritt. Gemeinsam werden wir bei Entwicklung, Tests, Auslieferung und Unterstützungsleistungen eng zusammenarbeiten, um maximale Flexibilität und die Anpassung der in Australien entwickelten Plattform für die Bundeswehr sicherzustellen.“

Helmut Rauch, CEO von Diehl Defence, fügte hinzu: „Wir bei Diehl Defence freuen uns, gemeinsam mit dem Team ,Ghost Bat Deutschland‘ unter Leitung von Boeing Australia das Collaborative Combat Aircraft MQ-28 für unseren Kunden im eigenen Land anbieten zu können. Wir werden unsere Expertise – insbesondere im Bereich der Luft-Boden-Bewaffnung und Lenkflugkörper – als Teil der Lösung für die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen und Anforderungen der Bundeswehr einbringen.“

Redaktioneller NACHBRENNER

Wie die in Düsseldorf erscheinende Wirtschafts- und Finanzzeitung Handelsblatt am heutigen Mittwoch (8. Juli) berichtete, will die Bundeswehr bis zu 500 Exemplare der Drohne „MQ-28 Ghost Bat“ beschaffen. Der Zeitplan dabei sei „extrem ambitioniert“, so die Zeitung. Weiter heißt es in dem Beitrag: „Bis zum Jahr 2029 sollen bereits alle Drohnen einsatzbereit sein. Die deutsche Rüstungsindustrie rechnet mit einer baldigen Bestellung und hat sich für den milliardenschweren Großauftrag in Stellung gebracht.“

Die unbemannten Fluggeräte haben dem Handelsblatt-Bericht zufolge „eine Waffentraglast von bis zu 500 Kilogramm und eine Reichweite von mindestens 1000 Kilometern“.


Zu unserem Bildmaterial:
1. Amy List (Vice President und Managing Director von Boeing Defence Australia) und Helmut Rauch (CEO Diehl Defence).
(Foto: Diehl Defence)

2. Diehl Defence unterstützte auf der ILA 2026 den Messeauftritt von Boeing mit einer IRIS-T neben der ausgestellten MQ-28-Drohne. Die IRIS-T (Infra Red Imaging System Tail/Thrust Vector-Controlled) ist ein Luft-Luft-Lenkflugkörper mit Infrarotsuchkopf für den Nah- und Nächstbereich. Der Lenkflugkörper wurde von Deutschland zusammen mit fünf weiteren Staaten entwickelt, federführend dabei war Diehl (unter dem damaligen Namen Diehl BGT Defence). Die IRIS-T wird seit 2005 von der Deutschen Luftwaffe genutzt. Später wurde unter Federführung von Diehl die bodengestützte Variante IRIS-T SLM entwickelt, die vor aktuell erfolgreich im Ukrainekrieg eingesetzt wird.
(Bild: Diehl Defence)

Kleines Beitragsbild: Die MQ-28 Ghost Bat ist ein unbemanntes Kampfflugzeug, das einen bemannten Jet bei Kampfhandlungen nach dem Konzept des „Loyal Wingman“ unterstützen soll. Entwickelt wurde und produziert wird das System bei Boeing Defence Australia. Das bis März 2022 als „Boeing Airpower Teaming System“ (ATS) bekannte Luftfahrzeug besitzt Stealth-Eigenschaften. Im März 2026 wurde die Drohne der Bundeswehr als ausgereifte Lösung für die geplante Beschaffung eines Collaborative Combat Aircraft (CCA) angeboten; die Beschaffung könnte bis 2029 realisiert werden.
(Foto: Boeing Defence Australia)


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