Berlin. „Deutschland steht angesichts wachsender sicherheitspolitischer Herausforderungen vor der Aufgabe, den Dienst in der Bundeswehr sichtbarer zu würdigen. Während es bereits Ehrenkreuze und Einsatzmedaillen für besondere Leistungen oder Auslandseinsätze gibt, fehlt bislang ein Ehrenzeichen, das den reinen Wehrdienst und die damit verbundene Treue in angemessener Form ehrt.“ So beginnt der Text einer Petition, die sich an den Deutschen Bundestag beziehungsweise die Ordenskanzlei des Bundespräsidialamtes richtet. Hinter der Initiative steht unter anderem Hauptmann der Reserve Philipp Wabnig, der das Vorhaben bereits in einigen Fachmedien vorstellen konnte.
Wabnig schlägt vor, ein Wehrdienst-Ehrenzeichen einzuführen, das die Dauer und Verbindlichkeit des geleisteten Dienstes in vier Stufen sichtbar macht. Er argumentiert: „Ein solches Ehrenzeichen hätte nicht nur symbolischen, sondern auch praktischen Wert. Es würde die Bedeutung des Wehrdienstes in einer Zeit hervorheben, in der Verteidigungsbereitschaft und gesellschaftlicher Rückhalt für die Truppe entscheidender sind als jemals zuvor.“
Das Wehrdienst-Ehrenzeichen soll der Initiative zufolge „als gestifteter Orden nach dem deutschen Ordensgesetz sowohl in Uniform als auch in Zivil getragen werden dürfen“. In Wabnigs Begründung heißt es am Schluss: „Das Wehrdienst-Ehrenzeichen ist ein überfälliger Schritt, um die Bundeswehr in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu stärken. Es würdigt den Dienst als Grundlage der Verteidigungsbereitschaft und schafft ein sichtbares Zeichen staatlicher Anerkennung.“
Während das Veteranenabzeichen nur eine allgemeine Zugehörigkeit markiere, mache das Wehrdienst-Ehrenzeichen die Dauer und Treue des Dienstes sichtbar, so der Reserveoffizier weiter. Es würde Soldaten und Reservisten, die ihren Dienst ehrenhaft geleistet hätten, aber keine besondere Auszeichnung erhielten, ein würdiges Zeichen des Dankes verleihen. Zugleich diene das Ehrenzeichen als Motivation für junge Menschen, sich langfristig zu verpflichten und die Bindung zur Truppe zu vertiefen.
(Anm.: Die gesamte Begründung zur Stiftungsinitiative können Sie nachlesen bei openPetition unter dem Link
https://www.openpetition.de/petition/online/stiftung-eines-wehrdienst-ehrenzeichens-fuer-die-bundeswehr).
Mittlerweile hat die Aktion einen herben Dämpfer erhalten – die Bundesregierung mauert. Der Bundestagsabgeordnete Robin Wagener (Bündnis 90/Die Grünen; Wahlkreis Lippe I in Nordrhein-Westfalen), der Mitglied im Verteidigungsausschuss und Auswärtigem Ausschuss ist, wollte vor Kurzem von der Regierung wissen, ob sie die Idee eines Wehrdienst-Ehrenzeichens, das den Wehrdienst rein nach Dauer der Dienstjahre ehrt sowie in Abgrenzung zum Veteranenabzeichen auch an der Uniform getragen werden kann, unterstützt. Wagener fragte auch, ob es hierzu im Verteidigungsministerium bereits erste Überlegungen bezüglich der konkreten Umsetzung gibt.
Am 18. Mai antwortete Sebastian Hartmann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung. Er erklärte: „Der Vorschlag für ein Wehrdienst-Ehrenzeichen, dass den Wehrdienst rein nach Dauer der Dienstjahre ehrt, erfüllt nicht die Voraussetzungen, die nach dem Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen an die Stiftung von Ehrenzeichen geknüpft sind. Eine Anerkennung von Soldatinnen und Soldaten im Neuen Wehrdienst wird jedoch über Ehrenzeichen der Bundeswehr, Sonderabzeichen, Bestpreise und Veteranenabzeichen möglich sein.“
Zu unserem Bildmaterial: Zu der möglichen Gestaltung der Ehrenzeichen schreibt Hauptmann der Reserve Philipp Wabnig unter anderem: „Die Gestaltung verbindet traditionelle Elemente deutscher Phaleristik mit klarer moderner Symbolik. Das Eiserne Kreuz der Grundstufe oder der Bundesadler, eingerahmt von „EINIGKEIT, RECHT, FREIHEIT“ nach Vorbild des Koppelschlosses, bilden die zentralen Motive. Die Abstufungen in Bronze, Silber und Gold orientieren sich an etablierten Mustern der Bundeswehr, wodurch das Ehrenzeichen in die bestehende Ehrenordnung eingebettet wird. Symbolisch steht die Farbe Blau für Treue und Beständigkeit, während die Nationalfarben auf den Ordensbändern die Verbindung zum demokratischen Rechtsstaat betonen. Durch die klare Abstufung wird die individuelle Dauer der geleisteten Dienstzeit sichtbar, ohne andere Auszeichnungen wie Einsatzmedaillen oder Ehrenkreuze zu verdrängen.“
(Bild Ehrenzeichen: Philipp Wabnig)
Kleines Beitragsbild: Die Bundesregierung blockt die Initiative „Wehrdienst-Ehrenzeichen“, die im November 2025 gestartet worden ist. Die gesetzgeberischen Voraussetzungen seien nicht gegeben, so das Bundesministerium der Verteidigung.
(Bild Ehrenzeichen: Philipp Wabnig; Gestaltung: mediakompakt)
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