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Brüssel (Belgien)/Tres Cantos bei Madrid (Spanien)/München. Der Europäische Verteidigungsfonds (European Defence Fund, EDF) der Europäischen Kommission will die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Technologien und Kapazitäten zur Verteidigung auf europäischer Ebene fördern. Er konzentriert sich dabei auf Schwerpunktvorhaben, die zwischen den Mitgliedstaaten der Union vereinbart worden sind. Dabei fördert der EDF durch eine stärker integrierte und befähigte Basis der Verteidigungsindustrie die technologische Autonomie und die Interoperabilität der nationalen Streitkräfte. Eines der EU-Projekte ist GENIUS. Daran beteiligt ist auch die Universität der Bundeswehr München in Neubiberg. In einer Pressemitteilung der Universität heißt es: „GENIUS soll die Erkennung und Neutralisierung von Bedrohungen in der modernen Kriegsführung revolutionieren.“

GENIUS steht für „next GEneration of IA and combat cloud systems for Neutralization of Unexploded threatS“. Bei dem Vorhaben arbeiten in einem Konsortium 18 europäische Organisationen, Einrichtungen und Firmen zusammen, um gemeinsam nach Lösungen zur Gefahrenminimierung und Gefahrenabwehr bei Sprengkörpervorrichtungen (Improvised Explosive Devices, IED), Kampfmitteln (Unexploded Ordnance, UXO) und Landminen zu suchen.

In einer Projekt-Beschreibung der Europäischen Kommission werden folgende übergeordneten Ziele definiert: „GENIUS soll die Fähigkeiten europäischer Streitkräfte zur Bekämpfung von IED/UXO-Bedrohungen stärken und schlussendlich die Unabhängigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit des EU-Verteidigungsmarktes erhöhen.“

Gemeinsam gegen Sprengfallen, Kampfmittelaltlasten und Landminen

Wissenschaftlicher Partner seitens der Universität der Bundeswehr München ist Professor Peter Stütz (Professur für Luftfahrttechnik) mit seinem Team. Er erklärt: „Herkömmliche Methoden zur Erkennung und Neutralisierung von Sprengsätzen, Blindgängern und Landminen sind oft unzureichend und stellen ein erhebliches Risiko für die Sicherheit von Personen und den operativen Erfolg dar. Das GENIUS-Projekt will dies mit seinem umfassenden Hightech-Ansatz, der fortschrittliche Sensoren, unbemannte Plattformen [Drohnen] und Künstliche Intelligenz [KI] beinhaltet, auf lange Sicht ändern. Risiken sollen so entscheidend minimiert und der Erfolg von Mission maßgeblich erhöht werden.“

Für die kommenden drei Jahren hat sich das GENIUS-Konsortium folgenden Zielsetzungen verschrieben:
Erhöhung der Erkennungswahrscheinlichkeit für Bedrohungen in komplexen und risikoreichen Umgebungen wie Kampf- oder Konfliktgebieten;
Bereitstellung zuverlässiger und anpassungsfähiger Bedrohungsmanagementsysteme, die auf die Realitäten der modernen Kriegsführung zugeschnitten sind;
Verringerung von Fehlalarmen zur Erhöhung der Einsatzsicherheit, der Effizienz und der Schonung personeller Ressourcen.

Teamleiter Stütz ergänzt: „Die entscheidende Stärke von GENIUS liegt in seinem umfassenden Systemansatz, der verschiedene Sensorfähigkeiten und Plattformen integriert. Unsere Expertise in den Bereichen Hyperspektralsensorik, luftgestützte Bedrohungserkennung und Sensormissionsmanagement werden diese Fähigkeit noch verstärken.“

Erster Workshop Ende Januar 2025 unter der Leitung von GMV

Koordiniert wird das Vorhaben von dem multinationalen Technologiekonzern GMV, der seinen Sitz in der Gemeinde Tres Cantos nahe der spanischen Hauptstadt Madrid hat und rund 3500 Menschen beschäftigt (in Deutschland ist GMV mit Niederlassungen in Darmstadt und Gilching vertreten).

Das Konsortium startete das Projekt offiziell mit einem sogenannten „Kick-off-Meeting“ im Dezember vergangenen Jahres. Es folgte ein erster Workshop am 28. und 29. Januar 2025 in den Räumen von GMV. Nach Angaben eines Sprechers des Unternehmens erörterten die Mitglieder während des Treffens dabei zunächst den Projektplan zur Bewältigung der technischen Herausforderungen. Diskutiert wurde anschließend intensiv „über den ethischen und sicherheitstechnischen Rahmen, der den Beginn dieser ehrgeizigen und wegweisenden Initiative markiert“.

18 Projektteilnehmer aus sieben Mitgliedstaaten der Europäischen Union

Am GENIUS-Projekt beteiligen sich laut Europäischer Kommission neben dem koordinierenden Partner GMV Aerospace and Defence SA aus Spanien folgende 17 Konsortiumsmitglieder (in alphabetischer Reihenfolge) aus sieben Mitgliedstaaten der EU:
Aalborg Universitet (Dänemark)
Airbus Defence and Space GmbH (Deutschland)
Applied Intelligence Analytics Limited (Irland)
Aurea Avionics (Spanien)
Barcelona Supercomputing Center/Centro Nacional de Supercomputación (Spanien)
C&V Consulting (Belgien)
École Royale Militaire/Koninklijke Militaire School (Belgien)
Eviden Germany GmbH (Deutschland)
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF (Deutschland)
HCR-CTRO/Hrvatski centar za razminiranje/Centar za testiranje, razvoj i obuku d.o.o. (Kroatien)
Instituto Nacional de Técnica Aeroespacial Esteban Terradas (Spanien)
MBDA Deutschland GmbH (Deutschland)
Numalis (Frankreich)
Space Applications Services NV (Belgien)
Universität der Bundeswehr München (Deutschland)
Universität Ulm (Deutschland)
Xenomatix (Belgien)

Für die Arbeiten an GENIUS hat die Kommission aus dem Europäischen Verteidigungsfonds mehr als 24 Millionen Euro bereitgestellt.


Kompakt                           

GMV wurde 1984 gegründet und ist eine auf Privatkapital basierende Technologie-Unternehmensgruppe mit internationaler Präsenz. Der Hauptsitz ist – wie eingangs bereits erwähnt – Tres Cantos nahe Spaniens Hauptstadt Madrid. Tätigkeitsfelder sind nach Konzernangaben: Automobilindustrie, Luftfahrt, Raumfahrt, Verteidigung und Sicherheit, Cyber-Sicherheit, Finanzen, Industrie, Gesundheitswesen, digitale Versorgungsunternehmen und intelligente Verkehrssysteme.

GMV hat Kunden in etwa 80 Ländern. Ende 2020 verfügte das Unternehmen über operative Niederlassungen in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kolumbien, Malaysia, den Niederlanden, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien und den USA. Hinzu kommen Betriebsstätten oder Projektbüros unter anderem in Marokko, Mexiko und Zypern. Rund 3500 Menschen sind bei GMV beschäftigt.

Der Europäischen Verteidigungsfonds/EDF finanziert eine Reihe von EU-geförderten Projekten in der Verteidigungsforschung. Der Fonds wurde im Juni 2017 ins Leben gerufen und soll eine treibende Kraft im Aufbau einer starken Verteidigungsindustrie in der Europäischen Union werden.

GMV ist im Rahmen der jüngsten Ausschreibung des EDF ausgewählt worden, um an acht strategischen Projekten teilzunehmen, darunter GENIUS. Die weiteren Beteiligungen:
NG-MIMA (integrierte modulare Avionik für militärische Plattformen);
FMBTech (Entwicklung neuer Technologien für Kampfpanzer);
EMISSARY (Stärkung des Situationsbewusstseins im Weltraum);
FIRES 2 (Entwicklung von Hochpräzisions- und Langstreckenmunition für die Artillerie);
ESOCA (Verbesserung der strategischen Lufttransportkapazitäten);
OPTIMAS (Laserkommunikation zwischen Flugzeugen und Satelliten);
SEACURE (Systeme für die Unterwasserkriegsführung und den Schutz kritischer maritimer Infrastrukturen).
In einer Pressemitteilung der Unternehmensgruppe heißt es dazu: „Die Beteiligung von GMV an acht EDF-Projekten stärkt die Position des Unternehmens als europäischer Benchmark und macht es zu einem der wichtigsten europäischen Unternehmen in den Programmen der Europäischen Kommission.“


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Zu unserem Bildmaterial: GENIUS-Projekt der Europäischen Union – Drohnen sollen einmal mit hochentwickelter KI und modernster Sensorik (einmontiertes kleines Foto) Sprengsätze, Kampfmittelreste und Landminen erkennen und nach Möglichkeit neutralisieren.
(Fotos: Christian Siebold/Universität der Bundeswehr München)


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