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Osnabrück. Jeder fünfte in Deutschland lebende Muslim mit Migrationshintergrund weist eine emotionale Verfassung auf, die Radikalisierung begünstigt. Das ist das beunruhigende Ergebnis einer bisher unveröffentlichten Studie der Forschungsstelle „Islam und Politik“ der Universität Münster. Die Forschungsstelle ist eine interdisziplinäre Schnittstelle des 2012 gegründeten Zentrums für Islamische Theologie (ZIT). Das ZIT, ein Institut der Münsteraner Uni, wird geleitet von Dr. Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik. Über die Studie berichtete jetzt die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ). Bei einer Gesamtzahl von 5,3 bis 5,6 Millionen in Deutschland lebenden Muslimen wären mehr als eine Million Menschen von der beobachteten Entwicklung betroffen …

Betroffen sind – so berichtet die NOZ über die Studie – Muslime, die sich in besonderer Weise in ihrer persönlichen Weltanschauung gekränkt sehen, starke antiwestliche oder antisemitische Feindbilder pflegen und zugleich eine geringe Kritikfähigkeit zeigen. Die Münsteraner Forscher fassen diese Kombination von Einstellungen unter dem Begriff „Ressentiment“ zusammen.

Bei einer repräsentativen Umfrage im Zeitraum Juli 2023 bis April 2024 unter Muslimen mit Migrationshintergrund in Deutschland ließen sich 19,9 Prozent der insgesamt 1887 Befragten dieser bedenklichen Gemütslage zuordnen.

Neuer und zugleich starker Radikalisierungsfaktor aufgedeckt

Eine Mehrheit dieser „Ressentiment“-Gruppe bejaht zum Beispiel Fragen wie die, ob der Islam „die einzige und letztgültige politische Autorität“ sein sollte oder ob die islamischen Gesetze der Scharia „viel besser als die deutschen Gesetze“ seien.

Gewalt auf vermeintlich erlittenes Unrecht befürwortet jeder Dritte der „Ressentiment“-Gruppe, das entspräche deutschlandweit mehr als 300.000 Menschen. Jeder Zehnte der „Ressentiment“-Gruppe würde nach eigener Aussage auch selbst Gewalt einsetzen, um sich „für die Interessen von Muslimen“ einzusetzen – das entspräche rund 100.000 Menschen.

„Mit der Affektlage des Ressentiments konnten wir einen neuen und sogar starken Radikalisierungsfaktor aufdecken“, sagte die Münsteraner Religionspsychologin Sarah Demmrich im Gespräch mit der NOZ. Nun müsse unter anderem „die innerislamische Kritikfähigkeit gestärkt werden, um reflexive Auseinandersetzungen mit religiösen und gesellschaftlichen Fragen zu fördern“.

Es muss befürchtet werden, dass die empfohlene „Stärkung der innerislamischen Kritikfähigkeit“ bereits im Ansatz an den alten, tief verwurzelten Feindbildern scheitern wird …


Hintergrund                           

Die Forschungsstelle „Islam & Politik – interdisziplinäre Perspektiven auf die Dynamiken des Islams“ ist eine Schnittstelle des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) und kooperiert mit dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Die Forschungsstelle widmet sich der theoretischen und gleichzeitig empirischen Erforschung von Dynamiken des Islams in der Politik in und außerhalb Europas sowohl in der Geschichte als auch in der Gegenwart. Dazu gehört zentral das Verhältnis von Islam und Muslimen zur Politik. Der Fokus richtet sich hier auf die aktive Teilnahme an der Gestaltung und Regelung von Gesellschaft, Kultur, Staat und Politik anhand von solchen Werten und Normen, die von den Akteuren als islamisch angesehen werden.

Die Forschungsstelle vereint vier Zugänge zum Thema „Islam und Politik“: einen theologischen, einen historischen, einen sozialwissenschaftlich-theoretischen und einen sozialwissenschaftlich-empirischen Zugang. Die Verknüpfung von theoretischen sowie empirischen Methoden der Sozialwissenschaften (unter anderem Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Kulturanthropologie) mit historischen und theologischen Methoden und Zugängen verfolgt das Ziel, wissenschaftliche und außerwissenschaftliche Diskurse im Themenfeld „Islam und Politik“ mit sowohl theoretischem als auch empirischem Material zu bereichern.


Zu unserem Bildmaterial:
1. Symbolbild „Koran, heilige Schrift des Islam“ aus dem Bildangebot von Pixabay.
(Foto: Ahmad Ardity/unter Pixabay License = freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis erforderlich; grafische Bearbeitung: mediakompakt)

2. Professor Dr. Mouhanad Khorchide, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Islamische Theologie/ZIT der Universität Münster.
(Bild: Peter Grewe/Universität Münster)

3. Dr. Sarah Demmrich, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl „Religionssoziologie“ der Universität Münster und Privatdozentin am Institut für Empirische Religionsforschung der Universität Bern (Schweiz).
(Bild: Vandenhoeck & Ruprecht Verlage)


Kommentare

  1. Dr.-Ing. U. Hensgen | 12. Juni 2025 um 12:13 Uhr

    Mir ist egal, wo jemand herkommt, wie er aussieht, wen er liebt und zu welchem Gott er betet. Das erwarte ich auch von all meinen Mitbürgern. Nicht egal ist mir, wie er sich benimmt!

    Und in Deutschland gilt das Grundgesetz! Man hat sich daran zu halten – ohne Wenn und Aber! Man kann es auf friedliche Weise ändern, wenn man die nötige Mehrheit dafür erreicht

  2. Renaux | 3. November 2025 um 19:03 Uhr

    Welche Sichten auf die Welt für Muslime vorgeschrieben sind, ist nachlesbar bei den kritischen Insidern des Islam: Kamel Daoud, Hamed Abdel-Samad, Necla Kelek und andere veröffentlichen auch in deutscher Sprache. Der Fakten-Journalismus hat dafür sehr wenig übrig – eine Erwägung muss man im Kleingedruckten suchen. Dagegen triumphiert der Meinung-Journalismus bis hin zum Kampf um die Deutungshoheit.

    Um sich eine eigene Meinung bilden zu können ist viel Wissen erforderlich, so sinngemäß die Hörfunk- und Fernsehmoderatorin Pinar Atalay.

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