Nürnberg/Schrobenhausen. Das Systemhaus MBDA Deutschland war auf der diesjährigen Fachmesse Enforce Tac in Nürnberg wieder mit einem breiten Portfolio vertreten. Guido Brendler, Leiter des Bereichs „Vertrieb und Geschäftsentwicklung“ des Hochtechnologieunternehmens (Sitz im oberbayerischen Schrobenhausen), erklärte dazu in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Defence Network (Verlag CPM, Meckenheim) im Vorfeld der Nürnberger Messe: „Der Ukrainekrieg hat eindrücklich gezeigt, dass moderne Konflikte maßgeblich durch Luftangriffe und Landoperationen geprägt werden. Diese Erkenntnis spiegelt sich in unseren Produkten wider, die wir zur Enforce Tac präsentieren. Wir stellen dort beispielsweise unser neues Projekt „Multidomain Multirole Remote Carrier“ – kurz RCM² – vor. Weitere Schwerpunkte der MBDA-Ausstellung werden unser landgestütztes Lasersystem MILOS-D, der Enforcer-Lenkflugkörper sowie die Small Anti Drone Missile sein, die wir für den Skyranger 30 zur Drohnenabwehr anbieten.“
Wie zu erwarten, stand das RCM²-Konzept am Stand von MBDA Deutschland in Halle 9 des Nürnberger Messezentrums im Mittelpunkt des Fachmedieninteresses.
Bei dem Rüstungsvorhaben „Multidomain Multirole Remote Carrier“ handelt es sich um einen universellen Konzept-Marschflugkörper, der einmal in allen Dimensionen – Land, Luft und See – einsetzbar sein soll. Die fliegenden Plattformen „Remote Carrier“ (RC) vereinen die Fähigkeiten von Lenkflugkörpern und Unmanned Aerial Vehicles (UAV).
Der RCM² soll in der Rolle „Luft-Boden“ als auch „Boden-Boden“ Verwendung finden, so die Planungen von MBDA Deutschland. Der Ansatz eigne sich demnach „streitkräfteübergreifend für bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge, stationäre und mobile See- und Landplattformen sowie für die Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung (STF)“, heißt es aus Schrobenhausen weiter.
Wie das bayerische Unternehmen weiter ausführte, sollen die RCM² unter anderem landgestützt aus Containern gestartet werden und auch mittels Lastkraftwagen mobil agieren. Auch der Einsatz auf größeren unbemannten Landfahrzeugen – sogenannten Unmanned Ground Vehicle (UGV) – sei möglich. Darüber hinaus soll es für Artilleriekräfte eine Variante mit der Bezeichnung „Joint Fire Support Missile“ (JFS-M) geben, die das Precise and Launching System (PULS) von KNDS Deutschland/Elbit Systems Deutschlands nutzen könnte.
Alternativ ist laut MBDA auch der Transport des künftigen Waffensystems in den Einsatz durch fliegende Plattformen vorgesehen – beispielsweise den Airbus A400M, die Lockheed Martin C-130J oder Kampfflugzeuge.
Das Projekt „RCM²“ war von einem Team aus Schrobenhausen erstmals im Juni vergangenen Jahres bei der Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin präsentiert worden. In der Pressemitteilung zur ILA 2024 schrieb das Systemhaus über seine Neuentwicklung „Remote Carrier Multidomain Multirole Effector“ unter anderem: „RCM² wird sowohl im kinetischen als auch im elektromagnetischen Spektrum eingesetzt werden können. Im Vergleich zu am Markt verfügbaren Systemen kann der RCM² insbesondere in einem auftragsbasierten Effektor-Verbund in stark umkämpften oder verteidigten Einsatzgebieten agieren und so die Durchsetzungsfähigkeit im Einsatz erhöhen.“
MBDA treibt als einer der Hauptpartner des „Next Generation Weapon Systems“ im FCAS-Programm (FCAS = Future Combat Air System/zukünftiges Luftkampfsystem) gemeinsam mit dem spanischen Konsortium SATNUS Technologies SL die technologische Entwicklung von Remote Carriern voran.
Für die Entwicklung des RCM² ist geplant, eine „zeitnahe Demonstration der Wirkkette des Gesamtsystems“ zu realisieren. Dabei soll laut MBDA Deutschland in einem ersten Schritt der Launcher und der RCM² in einem Bodenversuch getestet werden, ehe sich Demonstrationen mit ausgewählten Nutzlastoptionen anschließen. Der gesetzte Zeitrahmen bis zur Initial Operational Capability (IOC) soll drei bis fünf Jahre betragen.
Wie MBDA ferner mitteilte, ist der RCM²-Einsatz zunächst gegen stationäre Ziele vorgesehen. Später soll der RCM² einen Suchkopf für bewegliche Ziele erhalten.
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Zu unserem Bildangebot:
1. bis 3. Grafikdarstellungen künftiger Einsätze des Waffensystems „Multidomain Multirole Remote Carrier“, Kurzbezeichnung „RCM²“.
(Grafiken: MBDA Deutschland)
Kleines Beitragsbild: Die Symbolaufnahme „Enforce Tac“ entstand im Februar 2025 im Eingangsbereich des Messezentrums Nürnberg.
(Bild: Nürnberg Messe GmbH)