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Hamburg. Experten aus der maritimen Wirtschaft und hochrangige Vertreter europäischer Seestreitkräfte und aus dem Beschaffungswesen trafen sich heute (25. November) in Hamburg zur Maritime Security & Defence Conference (MS&D). Veranstaltungsort war das Internationale Maritime Museum in der Hamburger Speicherstadt. Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Frage, wie Beschaffung und Industrie künftig noch enger zusammenarbeiten können.

Insgesamt kamen rund 200 Teilnehmer zur MS&D, die nach Angaben der Organisatoren damit ausgebucht war. Die maritime Sicherheitskonferenz 2025 wurde dabei erstmals als eigenständiges Format angeboten (zuvor war die MS&D fest im Rahmen der SMM – der alle zwei Jahre stattfindenden Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft Shipbuilding, Machinery & Marine Technology – verankert gewesen).

Zusätzliche Ausgaben für Militärausrüstung in Milliardenhöhe

Vor dem Hintergrund zunehmender sicherheitspolitischer Spannungen – in Europa und anderen Teilen der Welt – rückt der personelle Aufwuchs und die Ausstattung der Streitkräfte in Deutschland und bei den europäischen Verbündeten immer stärker in den Fokus.

Laut einer aktuellen Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey & Company vom August 2025 („Mission Verteidigungsfähigkeit“) geht es allein für die europäischen NATO-Mitglieder um zusätzliche Ausgaben für Militärausrüstung von rund 165 Milliarden Euro jährlich. „Auch im Marine-Segment ist der Bedarf an Austausch, strategischer Orientierung und Zusammenarbeit größer denn je“, erklärte im Vorfeld der Konferenz Claus Ulrich Selbach vom Veranstalter „Hamburg Messe und Congress“.

Verteidigungsbereitschaft und Abschreckungsfähigkeit stärken

In der McKinsey-Untersuchung heißt es in der Einleitung unter anderem: „Sicherheit und Verteidigung stehen wieder im Zentrum der politischen Agenda Deutschlands und der NATO-Staaten in Europa. Nach Jahrzehnten rückläufiger Verteidigungsausgaben und einer kumulierten ,Friedensdividende‘ von rund 1,4 Billionen Euro haben Deutschland und Europa eine strategische Wende eingeleitet, um ihre Verteidigungsbereitschaft und Abschreckungsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Mit dem Sondervermögen ,Bundeswehr‘ als Startpunkt der Zeitenwende und flankiert von weiteren europäischen Investitionen in Verteidigung haben die deutsche und europäische Verteidigungsindustrie begonnen, die dringend benötigten Produktionskapazitäten für die Modernisierung und Stärkung der Streitkräfte aufzubauen.“

Weiter schreiben die Autoren der Studie: „In den kommenden Jahren ist mit einer deutlichen Beschleunigung der verteidigungspolitischen Ambitionen und einer weiteren Erhöhung der verfügbaren Mittel zu rechnen. Deutschland hat mit der Anpassung der Schuldenbremse einen wesentlichen Schritt unternommen, um höhere Verteidigungsausgaben zu ermöglichen. Dennoch herrscht in der Industrie weiterhin Unsicherheit darüber, wie sich die deutschen und europäischen Verteidigungsausgaben konkret entwickeln werden und welche Auswirkungen dies auf die Nachfrage nach spezifischen Produkten und Technologien hat.“

Kooperation als Schlüssel – Stimmen zur MS&D aus der Industrie

Veranstaltungen wie die maritime Sicherheitskonferenz in Hamburg seien sehr wichtig, meint Wolf-Rüdiger von Toll, Leiter des Geschäftsfeldes „Marine“ beim Klassifikations- und Beratungsunternehmen DNV. Von Toll führte dazu aus: „Die MS&D bietet eine Plattform, um Ideen zusammenzuführen und neue Ansätze für die maritime Sicherheit und die Industrie zu diskutieren. Der Austausch ist entscheidend, weil diese Herausforderungen nur durch enge Kooperation zu bewältigen sind. Die Konferenz schafft Raum, um Prioritäten zu klären, Innovationen voranzubringen und effizientere Prozesse zu identifizieren.“

Jörg Dammrich vom Technologie-Unternehmen und MS&D-Sponsor Anschütz zeigte sich erfreut darüber, dass die MS&D in diesem Jahr erstmals als eigenständiges Format angeboten wird. Er sagte: „Für mich ist dies ein wichtiger Meilenstein für die Plattform der internationalen Experten für maritime Sicherheit.“ Das Internationale Maritime Museum Hamburg sei zudem dafür der perfekte Veranstaltungsort.

Die strategische Einordnung – Keynotes und Panels

Einer der Keynote-Speaker der Hamburger Konferenz war Admiral a.D. Joachim Rühle. Als ehemaliger Chef des Stabes im Alliierten Hauptquartier SHAPE skizziert er in seiner Keynote die aktuelle Sicherheitslage in Europa. Im Anschluss an Rühle diskutieren Fachleute über EU-Programme wie „Readiness 2030“, die der Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeit dienen sollen.

In einer weiteren Keynote erläuterte Norbert Blumenthal, Unterabteilungsleiter „Rüstung III“ im Bundesministerium der Verteidigung, welche Prioritäten bei der Beschaffung auf nationaler und europäischer Ebene gesetzt werden. Das Verständnis der gegebenen Rahmenbedingungen sei entscheidend für die Industrie – für etablierte Unternehmen ebenso wie für Newcomer, die sich erstmals im Verteidigungsmarkt engagierten.

Konteradmiral a.D. Karsten Schneider, Präsident des Deutschen Maritimen Instituts (DMI), empfahl: „Wir brauchen junge Unternehmen mit cleveren Ideen, die ihre Technologien in den Verteidigungssektor einbringen.“ Das DMI zeichnete verantwortlich für die MS&D-Programmgestaltung und die Auswahl der Referenten.

In den beiden Panels „New German Programs“ und „Business and Bundeswehr“ sprachen schließlich Experten über konkrete Projekte und schilderten dabei auch die Herausforderungen und Hindernisse, vor denen Unternehmen stehen, die sich im Rüstungsbereich anbieten wollen. Mitorganisator Schneider fasste zusammen: „Der Faktor ,Zeit“ ist für die Wiederherstellung unserer Verteidigungsfähigkeit entscheidend. Unsere Konferenz kann wichtige Impulse geben, um Industrie, Beschaffungswesen und Marine enger zu verzahnen.“

Zentrale Rolle der europäischen Marinen im Konfliktfall

Werfen wir abschließend noch einmal einen Blick in die McKinsey-Untersuchung und lesen nach, was dort zur Dimension „See“ gesagt wird. Der Report, den wir übrigens für Sie in unserem Servicebereich „bundeswehr-journal (Bibliothek)“ beim Dienstleister Yumpu-Publishing eingestellt haben, analysiert für den Bereich „Marine“: „In der Dimension ,See‘ ist ein Ausbau der Über- und Unterwasserflotten nötig, um den Schutz von Küstenlinien und globalen Handelsrouten weiter als Kernaufgabe zu betreiben und gleichzeitig den neuen Herausforderungen beim Schutz kritischer Infrastruktur vor hybriden Bedrohungen gewachsen zu sein. Im Konfliktfall nehmen die europäischen Marinen eine zentrale Rolle ein, etwa bei der Sicherung von Nachschubwegen über den Atlantik und die Ostsee. Beschaffungsvorhaben und maritime Zielbilder wie der deutsche ,Kurs Marine‘ zeigen, dass der Fokus auf modularen Plattformen liegt, die zwischenstaatliche Kooperation erleichtern. Zudem soll ein hoher Grad an Automatisierung ermöglichen, dass Plattformen von kleineren Crews betrieben werden. Darüber hinaus wird ein höherer Selbstschutz angestrebt: Uboote der neuesten Generation sollen beispielsweise in die Lage versetzt werden, gegen Helikopter zu wirken, und Schiffe können perspektivisch mit modernsten Wirkmitteln zur Abwehr von Torpedos ausgestattet werden.“

Weiter heißt es im Abschnitt „Dimension See“: „Vereinzelt ist auch der Bau neuer Flugzeugträger in Europa geplant. Der Ausbau der kämpfenden Flotte erfordert zudem eine Erhöhung der Zahl der Begleitschiffe für Aufklärung, Betankung und Versorgung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf unbemannten Über- und Unterwasserfahrzeugen, die im Rahmen von ,Kurs Marine‘ als integraler Bestandteil aller maritimen Einsatzkonzepte vorgesehen sind. Diese Systeme können beispielsweise zur Überwachung kritischer Infrastruktur, aber auch zum Legen und Beseitigen von Minen oder als sogenannte ,Loitering Munition‘ eingesetzt werden. Defizite in der Dimension ,See‘ bestehen in den Fähigkeiten für Landungsoperationen, die seegestützte Bekämpfung von Zielen an Land, die Uboot-Abwehr und die Minenkriegsführung. Diese Bereiche werden daher voraussichtlich im Fokus künftiger Entwicklungs- und Beschaffungsaktivitäten stehen.“

Sie können den Inhalt der 20 Seiten umfassenden Publikation von McKinsey & Company bei Yumpu ansehen und ausdrucken, ein Download der Datei ist jedoch nicht möglich. Über die ESC-Taste in Yumpu kommen Sie hierhin zurück. Zum Report „Mission Verteidigungsfähigkeit“:

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.yumpu.com zu laden.

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Unser Bild zeigt Teilnehmer der MS&D 2025 im ausgebuchten Internationalen Maritimen Museum Hamburg, darunter hochrangige Vertreter europäischer Marinen und Küstenwachen sowie Verantwortliche aus Verwaltung und Industrie.
(Foto: Rene Ziegler/Hamburger Messe und Congress)

Kleines Beitragsbild: Blick auf die Zuhörerschaft der MS&D 2024. Auch im vergangenen Jahr waren zahlreiche Marine-Fachleute aus der Wirtschaft und Industrie sowie Vertreter der deutschen und europäischen Seestreitkräfte zur maritimen Sicherheitskonferenz in Hamburg gekommen.
(Foto: SMM)


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