Bergung und Bestattung deutscher Kriegstoter
2025
Berlin. Eine Übersicht über die Bergung und Bestattung deutscher Kriegstoter seit dem Zweiten Weltkrieg liefert die Bundesregierung in ihrer Antwort vom 19. Juni 2025 auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion. Angefragt hatten unter anderem die Abgeordneten Birgit Bessin, Heinrich Koch und Jan Wenzel Schmidt. Sie wandten sich an die Bundesregierung vor dem Hintergrund einer Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Halbe (Brandenburg), bei der 107 Tote des Zweiten Weltkriegs feierlich beigesetzt wurden.
Laut Antwort der Bundesregierung beziehungsweise des Auswärtigen Amtes erfolgten seit dem Jahr 1945 mehr als 700.000 Graböffnungen und Umbettungen in Staaten Westeuropas und Afrikas. Seit dem Jahr 1992 bis Ende 2024 seien zudem insgesamt mehr als eine Million Umbettungen in den Staaten Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion durchgeführt worden, so die Regierung weiter.
Graböffnungen wurden in folgenden westeuropäischen und afrikanischen Staaten durchgeführt: Ägypten, Algerien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Libyen, Luxemburg, Marokko, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien, Tunesien, Türkei. Vereinzelt fanden auch in Übersee entsprechende Bergungen statt.
In folgenden Staaten Osteuropas und Staaten der ehemaligen Sowjetunion wurden seit dem Jahr 1992 bis zum 31. Dezember 2024 insgesamt 1.013.432 Umbettungen durchgeführt: Belarus, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Tschechische Republik, Republik Moldau, Rumänien, Russland, Slowenien, Ukraine und Ungarn.
Eine Differenzierung nach Soldaten und Zivilisten sei nicht möglich, da auch gemischte Grablagen umgebettet wurden und eine hohe Anzahl an Toten bis heute nicht identifiziert werden konnte, so die Bundesregierun in ihrer Antwort weiter
Systematische Such- und Bergungsarbeiten finden der Regierungsantwort zufolge derzeit in Belarus, Frankreich, Kroatien, Litauen, Polen, Russland, Ukraine und Ungarn statt.
Dabei kommen die jeweils aussichtsreichen Verfahren zur geographischen Dislozierung von aktenmäßig überlieferten Grablagen zur Anwendung. Diese sind Luftbild- und Landkartenauswertung, Auswertung von Akten regionaler oder lokaler Archive und Kirchenbücher, Befragung von Zeitzeugen und Ermittlung relevanter historischer Überlieferungen bei der lokalen Bevölkerung. Eingesetzt werden auch technische Hilfsmittel (beispielsweise Magnetiksonden, Bodenradar, Geoelektrik) sowie schweres Gerät (wie etwa Radlader) zur Schaffung von Sondierungsgräben, um Grabstrukturen zu entdecken.
Daneben steht ein Bereitschaftsdienst zur Verfügung, der sogenannte „Notausbettungen“ (zum Beispiel Gebeinfunde bei Bauarbeiten) übernimmt.
Überführungen von Kriegstoten aus dem Ausland in die Bundesrepublik Deutschland stellen – so ist der Antwort der Regierung weiter zu entnehmen – eine Ausnahme dar. In der seit den 1990er-Jahren vom Volksbund geführten Datenbank sind rund 700 Überführungen dokumentiert, darunter auch Gebeine, die an andere Gräberdienste zum Zwecke der Heimatüberführung übergeben wurden (beispielsweise an Dienste in Spanien und Italien).
Überführungen finden lediglich auf zivile Anlagen (und nicht auf Kriegsgräberanlagen) statt. Hauptsächlich geschah dies in der Vergangenheit auf Friedhöfe in Deutschland, aber auch nach Dänemark, Österreich, Polen und in die Tschechische Republik.
Überführungen von Gebeinen finden auf Antrag und Kosten der Angehörigen unter Einhaltung des jeweils gültigen Kriegsgräberabkommens statt. Der Kriegstote muss dabei eindeutig identifiziert und diese Identifizierung durch das Bundesarchiv amtlich bestätigt sein. Die Gebeine dürfen nicht mit den Gebeinen anderer Kriegstoter (etwa aus einem Massengrab) vermischt werden.
Seit Einführung der Datenbank des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu Umbettungen und Schicksalsklärungen in Mittel- und Osteuropa in den 1990er-Jahren habe man bis Ende 2024 insgesamt 312.830 Tote identifizieren können, teilte die Regierung abschließend mit. Die Identifizierungsquote liege momentan bei etwa 25 Prozent.
DNA-Analysen würden bei der Identifizierung nur in Einzelfällen verwendet. Dabei müssten Antragsteller die Finanzierung übernehmen sowie die Bereitschaft zur Herausgabe von DNA-Proben schriftlich dokumentieren.
Die höchste Erfolgsquote bestehe bei der Identifizierung mittels alter Erkennungsmarken. Daneben werde von den Fachleuten überprüft, ob die Gebeine aufgrund von Lage, ermittelter Körpergröße und geschätztem Alter zur aktenmäßigen Überlieferung der zugehörigen militärischen Einheit passten.
Wir haben in der Vergangenheit bereits über die Arbeit beziehungsweise Projekte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge berichtet – siehe hier und hier.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. ist eine humanitäre Organisation. Er widmet sich im Auftrag der Bundesregierung der Aufgabe, Kriegstote im Ausland zu suchen und zu bergen, sie würdig zu bestatten und ihre Gräber zu pflegen.
Der Volksbund betreut Angehörige und berät öffentliche und private Stellen in Fragen der Kriegsgräberfürsorge, auch international. Er engagiert sich in der Erinnerungskultur und fördert die Begegnung und Bildung junger Menschen an den Ruhestätten der Toten.
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Unsere Bildsequenz zeigt:
1. Das Original der Skulptur „Die trauernden Eltern“ der Künstlerin Käthe Kollwitz auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Vladslo/Flandern. Auf der Anlage in Belgien sind mehr als 25.000 Tote des Ersten Weltkrieges bestattet.
(Foto: Uwe Zucchi/Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.)
2. Einbettung deutscher Kriegstoter auf dem Waldfriedhof in Halbe, Brandenburg.
(Foto: Uwe Zucchi/Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.)
3. Ysselsteyn, die einzige deutsche Kriegsgräberstätte in den Niederlanden. Hier ruhen mehr als 32.000 Tote. Ysselsteyn ist flächenmäßig die größte deutsche Anlage in Westeuropa.
(Foto: Christiane Deuse/Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.)
4. Ein letzter Gruß …
(Foto: Uwe Zucchi/Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.)
Kleines Beitragsbild: Granitstele mit Namen der Gefallenen auf der deutschen Kriegsgräberstätte im russischen Apscheronsk am westlichen Rand des Kaukasus.
(Foto: Uwe Zucchi/Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.)