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Moskau/Berlin. Nach intensiver Recherche in russischen und deutschen Archiven zeichnet Autor Christian Neef ein scharfes historisches Bild der Anfangsjahre der Sowjetischen Besatzungszone in Ostdeutschland nach 1945. Mag auch stellenweise ein gutes Verhältnis zwischen den Russen und der deutschen Bevölkerung geherrscht haben, die Regel war es nicht. Von Beginn an malträtierte der damalige sowjetische Geheimdienst NKWD die Bewohner des besetzten Gebietes und konterkarierte damit die Politik der von Moskau eingesetzten Militärverwaltung.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1954 war im Herrschaftsbereich des Sowjetdiktators Josef Stalin das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (Narodny Kommissariat Wnutrennich Djel, kurz NKWD) – ab 1946 Innenministerium – alleine zuständig für die staatliche Sicherheit der Sowjetunion.

Die Erinnerung an das NKWD ist verbunden mit dem jahrelangen Terror, dem Hunderttausende Menschen zunächst in der UdSSR und später in den okkupierten Gebieten zum Opfer fielen (Anm.: Zwischen August 1937 und November 1938 wurden beispielsweise auf der Grundlage des NKWD-Geheimbefehls Nr. 00447 in der Sowjetunion etwa 800.000 Menschen verhaftet, mindestens 350.000 von ihnen wurden laut Historikern später erschossen. Im Bereich der späteren DDR wurden von 1945 bis in die 1950er-Jahre hinein mehr als 200.000 Menschen von sowjetischen Geheimdiensten inhaftiert, so letzte Forschungsergebnisse).

Kontinuum von Angst und Gewalt als ein Herrschaftsinstrument Moskaus

Als „Schattenregime“ war das NKWD verantwortlich für die Verhaftung, Verschleppung und Ermordung von Menschen, die man willkürlich als „Abweichler“ oder gar als „Verräter“ abgestempelt hatte. Auch die Entführung wichtiger Wissenschaftler und materielle Demontagen geschahen auf geheimdienstliche Anweisung ‒ alles im Einvernehmen mit Stalin.

Buchautor Neef schildert in seiner vorliegenden Arbeit diese Nachkriegsjahre, in denen vor allem durch den NKWD Schrecken verbreitet und ein langfristiges Klima des Misstrauens aufgebaut worden war. Dabei erklärt er mit Blick auf die Vor- und Nachgeschichte dieses sowjetischen Geheimdienstes das Kontinuum von Angst und Gewalt, welches das russische Staatswesen damals wie auch heute noch kennzeichnet.

Freier Autor zu Themen über Osteuropa, Russland und den Ukrainekrieg

Christian Neef, geboren 1952 im brandenburgischen Perleberg, studierte in Leipzig Journalistik und Geschichte. Der ausgewiesene Experte für Osteuropa und Russland sowie Afghanistan lebte später 16 Jahre in Moskau. Unter anderem war er zehn Jahre stellvertretender Auslandschef des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL gewesen.

Heute arbeitet Neef als freier Autor zu Themen über Osteuropa, Russland und die Ukraine. Der Journalist veröffentlichte vor allem mehrere Bücher zur russischen Geschichte, zuletzt beispielsweise über den Untergang der deutschen Gemeinde von St. Petersburg nach 1917.


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Zu unserem Bildmaterial:
1. Neefs Buch „Das Schattenregiment“ wurde von Kritikern unter anderem als „glänzend recherchierte und brillant geschriebene Geschichte des sowjetischen Geheimdienstes“ gewürdigt. Wer verstehen will, welche Gefahren vom heutigen Russland und seinen Geheimdiensten ausgehen, sollte dieses Buch kennen. Gewidmet hat der Autor seine Arbeit auch „jenen in Russland, die sich der Verfälschung der Geschichte widersetzen“.
(Buchcover: Propyläen, ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH; Bildmontage: mediakompakt)

2. Schirmmütze eines NKWD-Hauptmanns, um 1945.
(Foto: Claus Bach/Gedenkstätte Buchenwald)

3. Nachgestaltete NKWD-Kellerzelle in der Stiftung „Gedenkstätte Lindenstraße“ in Potsdam.
(Foto: Günter Schneider/für Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße, SGL)

4. Autor Christian Neef.
(Foto: Yevgeny Kondakov/für Ullstein)

Kleines Beitragsbild: Buchumschlag „Das Schattenregime“, den Hintergrund bildet eine historische Gruppenaufnahme von NKWD-Angehörigen.
(Buchcover: Propyläen; Hintergrundbild: nr; Bildgestaltung und Bildmontage: mediakompakt)


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