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Berlin/München. Die Luftlande- und Lufttransportausbildung der Bundeswehr soll auch künftig in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne im oberbayerischen Altenstadt verbleiben. Dies habe das Bundesministerium der Verteidigung jetzt so entschieden, teilte die Bayerische Staatskanzlei am 27. Februar in einer Presseerklärung mit. Im Herbst 2011 war vom Verteidigungsministerium die Auflösung der Luftlande- und Lufttransportschule (LL/LTS) in Altenstadt im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr bekannt gegeben worden.

Gute Nachrichten für Altenstadt aus dem Verteidigungsministerium: Die Luftlande- und Lufttransportausbildung der Bundeswehr soll wohl auch künftig in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt stattfinden.

Marcel Huber, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben, kommentierte die Entscheidung so: „Die Fortführung der Luftlande- und Lufttransportausbildung am Standort Altenstadt mit rund 230 Dienstposten sichert Arbeitsplätze. Das ist gut für Altenstadt und die gesamte Region Weilheim-Schongau als Wirtschaftsstandort.“

Altenstadt-Befürworter über Fraktionsgrenzen hinweg

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr war ursprünglich vorgesehen, die Luftlande- und Lufttransportausbildung vom bisherigen Standort in Oberbayern zu verlagern. Mit der im Herbst 2011 bekannt gegebenen Auflösung der LL/LTS Altenstadt war die Absicht verbunden, im niedersächsischen Oldenburg einen neuen Ausbildungsstützpunkt aufzustellen. Später prüfte dann der Bundesrechnungshof diesen geplanten Umzug nach Oldenburg auf Wirtschaftlichkeit.

Fraktionsübergreifend hatten sich inzwischen in Bayern Politiker von CSU und SPD für einen Verbleib der LL/LTS in Altenstadt starkgemacht. Für den alten Standort sprach eine ganze Reihe fachlicher und wirtschaftlicher Gründe. Insbesondere sei hier, so ein Hauptargument der Altenstadt-Befürworter, die für die Luftlande- und Lufttransportausbildung erforderliche Infrastruktur bereits vorhanden.

Nun sieht es so aus, als habe das Verteidigungsministerium nach nochmaliger Prüfung endgültig entschieden, die Ausbildung in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne zu belassen.

Umzug nach Oldenburg macht nach Ansicht der Ministerin keinen Sinn mehr

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte sich erst vor Kurzem öffentlich auch zur Standortfrage „Altenstadt“ geäußert. Aus ihrem am 2. März in der Wochenzeitung Bundeswehr aktuell veröffentlichten Interview zu den geplanten Anpassungen bei der Neuausrichtung der Truppe: „Die Fallschirmjägerausbildung [in Altenstadt] kann bleiben. Ein aufwendiger Umzug der militärischen und zivilen Kräfte nach Oldenburg ergibt keinen Sinn mehr, weil sich die Voraussetzungen durch die verstärkte multinationale Kooperation seit der Neuausrichtung geändert haben.“

Ob nun die „verstärkte multinationale Kooperation“ oder letztendlich doch andere Motive für die Entscheidung ausschlaggebend waren, wollen wir einmal dahingestellt sein lassen. Staatskanzleiminister Huber ist auf jeden Fall erfreut über die Kursänderung: „Mit der Entscheidung ist klar, dass Altenstadt viele Arbeitsplätze und die Region Weilheim-Schongau einen wichtigen Wirtschaftsfaktor behält. Altenstadt bleibt wichtiger Bundeswehrstandort mit großem Entwicklungspotenzial.“

„Endlich hat sich in dieser Angelegenheit die Vernunft durchgesetzt“

Ein unermüdlicher Kämpfer für den Erhalt der LL/LTS in Altenstadt war und ist der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Paul Gantzer. 2012 hatte der passionierte Fallschirmspringer und vereidigte Fallschirmsprung-Sachverständige der Regierung von Oberbayern bereits ein Gutachten zur Standortentscheidung „Altenstadt versus Oldenburg“ angefertigt. Auftraggeber war damals Christian Schmidt in seiner Eigenschaft als Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung gewesen. Danach hatte sich Gantzer, der der Bundeswehr viele Jahre lang auch als aktiver Reservist verbunden war (zuletzt als Oberst der Reserve), direkt mit einem Schreiben an den damaligen Präsidenten des Bundesrechnungshofes Dieter Engels gewandt.

Dass die Entscheidung „pro Altenstadt“ nun von Staatskanzleiminister Huber als Erfolg der Bayerischen Staatsregierung gewertet wird, ließ der SPD-Landtagsabgeordnete bei einem Gespräch mit dem bundeswehr-journal unkommentiert. Vielmehr äußerte sich Gantzer am Telefon ausnahmslos zufrieden: „Endlich hat sich in dieser Angelegenheit die Vernunft durchgesetzt. Mein Schreiben an den Präsidenten des Bundesrechnungshofes hat Wirkung gezeigt. Alles andere wäre ja auch im Hinblick auf eine anspruchsvolle Fallschirmjägerausbildung bei der Bundeswehr kontraproduktiv gewesen.“

Aus der Schule wird bald ein Ausbildungsstützpunkt mit weniger Personal

Bundeswehruniformen sind im Alltag der süddeutschen Gemeinde Altenstadt nichts Ungewöhnliches. Die LL/LTS gibt es seit Februar 1958 am Standort. Am 1. Juli 2013 wurde hier zudem ein Ausbildungsbataillon des deutschen Heeres aufgestellt. Es trägt den langen Namen „Feldwebel-/Unteroffizieranwärter-Bataillon 3“ und hat den Auftrag, in Altenstadt und in Füssen die entsprechenden truppendienstlichen Lehrgänge für die Feldwebel- und Unteroffizieranwärter der Teilstreitkraft durchzuführen.

Es gibt im Heer noch zwei weitere solche Ausbildungseinheiten für den mittleren Führungsnachwuchs. Sie befinden sich in Sondershausen (Thüringen) und in Celle-Wietzenbruch (Niedersachsen). Die Lehrgänge dauern jeweils sechs Monate. In Altenstadt werden pro Jahr bis zu 950 Frauen und Männer ausgebildet.

An der Luftlande- und Lufttransportschule selber soll in diesem Jahr die Personalstärke des Stammpersonals weiter verringert werden – von aktuell 280 Stammsoldaten auf 225 bis zum Jahresende. Aus der Schule wird dann der „Ausbildungsstützpunkt Luftlande/Lufttransport“. Dies bestätigte jetzt bei einem Neujahrsempfang in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne der Kommandeur der LL/LTS, Oberst Carsten Jahnel.


Zum Bildmaterial für diesen Beitrag:
1. Blick auf den Burglachberg in Altenstadt mit der Franz-Josef-Strauß-Kaserne, seit Februar 1958 Heimat der Luftlande- und Lufttransportschule. Die Aufnahme stammt vom Januar 2007.
(Foto: Thomas Springer)

2. August 2007 – Sprungwoche der Luftlandebrigade 26 mit multinationaler Beteiligung. Die Luftlandebrigade 26 „Saarland“ mit Sitz des Brigadestabes in Saarlouis ist ein etwa 3500 Mann starker Verband der Division Schnelle Kräfte. Seit 1991 gehört der Verband regelmäßig zu den ersten Kräften bei deutschen Auslandseinsätzen.
(Foto: Michael Mandt/Bundeswehr)

3. Der SPD-Politiker und Abgeordnete des Bayerischen Landtages Peter Paul Gantzer ist passionierter Fallschirmspringer. Er ist Mitinhaber mehrerer nationaler Rekorde und Weltrekorde im Freifallformationsspringen in der Kategorie „Größte Formation“ und des Nordpol-Formationsrekords. Das Springerbild zeigt den früheren Reserveoffizier (roter Punkt) bei seinem 4369. Fallschirmsprung.
(Porträtfoto: Fotostudio Eleana Hegerich/Bildarchiv Bayerischer Landtag)

Kleines Beitragsbild: Fallschirmspringer der Luftlandebrigade 31 im August 2010. Die Luftlandebrigade 31 „Oldenburg“ war lange Zeit einer von drei Großverbänden der ehemaligen Division Spezielle Operationen. Sie bestand (und besteht noch) rund ein Jahr in der 2014 neu aufgestellten Division Schnelle Kräfte. In ihr dienten Fallschirmjäger, Luftlandeunterstützungskräfte, Luftlandeaufklärungskräfte und Luftlandepioniere. Mit Wirkung zum 31. März 2015 wird nun die Brigade, die bereits 2014 von ihrem Auftrag entbunden worden ist, aufgelöst. Ihre Truppenteile wurden bereits an die Luftlandebrigade 26 abgegeben beziehungsweise zur Aufstellung des neuen Fallschirmjägerregiments 31 herangezogen.
(Foto: Helko Juntke/Bundeswehr)


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