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Berlin. Damit die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern auf hybride Angriffe künftig besser reagieren können, hat in Berlin ein Gemeinsames Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen – kurz GAZ Hybrid oder GAZH – seine Arbeit aufgenommen. Eröffnet wurde es am vergangenen Dienstag (16. Juni) von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Das neue GAZH soll helfen, Kampagnen und Attacken von Staaten frühzeitig zu erkennen, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. In einer Pressemitteilung des Ministeriums heißt es dazu: „Zentrale Aufgabe des [neuen Zentrums] ist, Spionage, Sabotage, Desinformation, Proliferation, transnationale Repression, Staatsterrorismus und weitere Formen hybrider Bedrohungen zu erkennen und zu bekämpfen“.

Minister Dobrindt sagte bei der Eröffnung am Dienstag: „Hybride Bedrohungen sind schon längst zur täglichen Bedrohung geworden. Im neuen Zentrum vereinen die Sicherheitskräfte von Bund und Ländern, von Polizei, Verfassungsschutz und Sicherheit in der Informationstechnik ihre Fähigkeiten. Wir schützen unser Land gegen feindliche Akteure und sichern die Stabilität unserer Infrastruktur, unserer Wirtschaft und unserer Demokratie. Wir investieren in Vorsorge. Mit Lagebildern, täglichem Informationsaustausch und koordinierter Reaktion erhöhen wir mit dem Abwehrzentrum unsere Widerstandsfähigkeit.“

Das GAZH ist keine eigenständige Behörde, sondern eine Koordinierungsplattform für die Zusammenarbeit verschiedener Sicherheitsbehörden. Diese entsenden jeweils Vertreter zu den gemeinsamen Sitzungen und Besprechungen. Um die Organisation des GAZ Hybrid kümmert sich das Bundesamt für Verfassungsschutz; es ist in seiner Berliner Liegenschaft jedoch quasi nur Gastgeber für das Zentrum.

Neues Zentrum ergänzt die bestehende Sicherheitsarchitektur in Deutschland

Das neue Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen ergänzt die bestehende Sicherheitsarchitektur in Deutschland und vervollständigt die Fähigkeiten bereits bestehender Abwehrzentren, darunter das Nationale Cyber-Abwehrzentrum (NCAZ) in Bonn, das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) in Berlin und das Gemeinsame Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) in Köln beziehungsweise Meckenheim bei Bonn.

Das GAZ Hybrid ist eine Weiterentwicklung des bisher im GETZ verorteten Arbeitsbereichs zur Bekämpfung der Spionage und Proliferation (GETZ-SP), der nun mit seinen etablierten Formaten ins neue Zentrum überführt wird.

GAZH-Struktur beinhaltet insgesamt fünf Arbeitsgruppen

Die Kooperation der Behörden findet im GAZH in fünf Arbeitsgruppen (AG) statt:
– Die AG „Lage“ bündelt Bewertungen und Phänomen-relevante Informationen, um Muster zu erkennen, Bezüge in andere Bundesländer beziehungsweise ins Ausland festzustellen und gezielte Abwehrmaßnahmen treffen zu können.

– In der AG „Operativer Informationsaustausch“ besprechen sich die Partner zu konkreten sensiblen, zeitkritischen Erkenntnissen, die eine koordinierte und behördenübergreifende Vorgehensweise erfordern.

– In der AG „Desinformation und Einflussnahme“ stehen der Austausch und die gemeinsame Bewertung von relevanten Informationen und Erkenntnissen sowie deliktsspezifischen Trends und Analysen im Zentrum. Im Vorfeld von nationalen, europäischen und gegebenenfalls internationalen Wahlen soll die AG als zentrale Plattform für den Informations- und Erkenntnisaustausch fungieren.

– Die AG „Wirtschaft“ verfolgt das Ziel, relevante Akteure der Behörden mit denen in Unternehmen und Verbänden zu vernetzen und einen Austausch von Informationen zu etablieren. Der Abgleich der jeweiligen Erkenntnisse und Bewertungen soll zu einem gesamtstaatlichen Lagebild beitragen.

– In der AG „Analyse und Berichtswesen“ werden ausgewählte Phänomene und aktuelle Schwerpunktthemen vertieft bearbeitet, Muster und Netzwerke identifiziert sowie vom Einzelfall losgelöste disruptive Abwehrmaßnahmen betrachtet.

Kritiker der zahlreichen Zentren warnen unter anderem vor Reibungsverlusten

Die Existenz und die fortlaufende Neugründung verschiedener spezialisierter Abwehrzentren (beziehungsweise Koordinierungsplattformen für die Kooperation der Sicherheitsorgane) in Deutschland sind Gegenstand einer intensiven sicherheitspolitischen Debatte. Kritiker wie beispielsweise Generalbundesanwalt Jens Rommel bemängeln vor allem strukturelle Reibungsverluste, unklare Verantwortlichkeiten und das rechtliche Spannungsverhältnis zwischen Polizei und Geheimdiensten.

Rommel erklärte vor Kurzem, es sei sicher sinnvoll gewesen, das nach den Anschlägen in den USA vom 11. September 2001 gegründete Gemeinsame Abwehrzentrum gegen Terrorismus auszudehnen. „Aber viele verschiedene Zentren könnten dem Ziel abträglich sein, weil sie zu Reibungsverlusten führen dürften.“ Reibungsverluste oder Überschneidungen fürchtet Innenminister Dobrindt hingegen nicht: Vielmehr werde ein „erfolgreiches, bewährtes Konzept weiterentwickelt“, so sein Standpunkt.


Hintergrund                           

Hybride Bedrohungen bezeichnen koordinierte, illegitime Handlungen staatlicher und staatlich gelenkter Akteure zur Durchsetzung eigener Interessen zum Nachteil eines anderen Staates, die außerhalb des Rahmens eines konventionellen militärischen Angriffs bleiben.

Hybride Bedrohungen betreffen alle politischen und gesellschaftlichen Ebenen. Dabei können verschiedene Mittel kombiniert werden – zum Beispiel diplomatische, militärische, wirtschaftliche oder technologische, sodass eine koordinierte Kampagne entsteht.

Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen warnte bei der GAZH-Eröffnung vor der Gefahr „hybrider Aggressoren“. Sie verübten „reale Angriffe auf unsere Gesellschaft, auf unsere freiheitliche Demokratie und die Sicherheit Deutschlands“, so Selen mit Blick unter anderem auf Russland und Kreml-Chef Wladimir Putin.


Zu unserem Bildmaterial:
1. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (links) eröffnete am 16. Juni 2026 in Berlin das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen – kurz GAZ Hybrid oder auch GAZH. Neben ihm Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen, der in der Berliner Liegenschaft Gastgeber für das neue Zentrum ist.
(Foto: Henning Schacht/Bundesministerium des Innern)

2. Ansprache von Minister Dobrindt am Tag der GAZH-Eröffnung.
(Videostandbild: Video Tagesschau/ARD; Bildbearbeitung: mediakompakt)


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