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Rostock/Erding/Lod nahe Tel Aviv (Israel). Im Seegebiet zwischen Irland und Island fand in der Nacht zum gestrigen Mittwoch (2. September) ein geheimer Test an Bord der Fregatte „Sachsen-Anhalt“ mit dem israelischen Raketensystems LORA (steht für „Long Range Attack“) statt. Mit Blick auf äußere Gefahren sei dieser Test „ein deutliches Zeichen der Abschreckung“, heißt es seitens der Bundeswehr. Jetzt sollen Pläne für eine Beschaffung des Waffensystems, das eine Reichweite von fast 500 Kilometer hat, vorangetrieben werden. Hersteller der ballistischen Rakete ist Israel Aerospace Industries Ltd. (IAI), Israels größter Luft- und Raumfahrtkonzern.

Wie Fachmedien berichteten, wurde die Kampagne im Nordost-Atlantik in Zusammenarbeit mit dem Innovationszentrum der Bundeswehr im bayerischen Erding im Rahmen der OPEX-Reihe realisiert. Das Zentrum auf dem ehemaligen Fliegerhorst war Anfang 2026 eröffnet worden, um zukunftsweisende Technologien und Start-up-Innovationen rasch für die Truppe nutzbar zu machen.

Bei OPEX (für „Operational Experimentation“) handelt es sich um ein Übungsformat im Sinne von „Trial and Error“. Bei diesem neuen „Werkzeugkasten“ der Deutschen Marine werden Technologien direkt unter realen Einsatzbedingungen getestet, um Beschaffungsprozesse drastisch zu beschleunigen.

Deutschlands Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeiten weiter stärken

In einer Pressemitteilung von IAI, veröffentlicht am 2. September unmittelbar nach dem Test, heißt es: „Die Deutsche Marine hat im Rahmen von OPEX einen erfolgreichen doppelten operativen Schusstest mit der ballistischen Marine-Rakete LORA von IAI absolviert. Die Rakete wurde von einem einsatzfähigen deutschen Schiff [der ,Sachsen-Anhalt‘, einer Fregatte der Klasse 125] aus abgefeuert, [an Bord dazu installiert] ein Kommando-Modul und eine Abschussrampe. In beiden Szenarien wurde der Flugkörper auf seine Flugbahn gebracht, flog dann seinen Kurs zum Ziel und traf es absolut präzise.“ Sowohl das Waffensystem als auch die Rakete hätten mit Bravour alle Ziele des Marine-Tests erreicht, so IAI.

Boaz Levy, Vorstandsvorsitzender des israelischen Konzerns, erklärte anschließend: „Der Test demonstriert Israels technologische Stärke und die einzigartige Zusammenarbeit zwischen Israel und Deutschland. Er stellt neben der Stationierung des Arrow-3-Systems auf deutschem Boden einen weiteren bedeutenden Erfolg dar, der Deutschlands Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeiten zusätzlich festigt und die strategische Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern vertieft.“

Guy Bar Lev, CEO von IAI, ergänzte: „Israel Aerospace Industries ist stolz darauf, an der Stärkung der strategischen Zusammenarbeit zwischen dem Staat Israel und der deutschen Regierung mitzuwirken. Dieser bedeutende Meilenstein wird durch die operative Live-Feuer-Übung des LORA-Systems unterstrichen, eines der weltweit fortschrittlichsten und kampferprobten ballistischen Raketensysteme.“

LORA könnte ein Baustein der „Deep Strike“-Strategie der Bundeswehr werden

Erfreut über den Verlauf der Testkampagne im Nordatlantik zeigte sich der Marineinspekteur, Vizeadmiral Jan Christian Kaack. Seine, von einem Sprecher der Teilstreitkraft gegenüber dem bundeswehr-journal bestätigte Bewertung vom 2. September lautet: „Mit dem erfolgreichen Schuss einer ballistischen Rakete gestern Nacht im Nordatlantik haben wir Marine-Geschichte geschrieben. Ich bin hochzufrieden mit dieser Leistung. Das System lässt sich erfolgreich von unseren Einheiten aus einsetzen und die mögliche Reichweite übersteigt alles, was wir bisher kannten. Zum Schutze Deutschlands und unserer Verbündeten stellt diese Erprobung ein neues Kapitel in Sachen ,Abschreckung und Verteidigungsbereitschaft auf See‘ dar.“ (Anm.: Vizeadmiral Kaack wird Ende September dieses Jahres in den Ruhestand gehen; sein Nachfolger soll Konteradmiral Wilhelm Tobias Abry werden, seit Oktober 2025 Stellvertreter des Hauptabteilungsleiters „Streitkräfte“ im Verteidigungsministerium.)

Nach dem gelungenen Test an Bord der „Sachsen-Anhalt“ soll der offizielle Beschaffungsprozess nun weiter forciert werden. LORA könnte ein Baustein der „Deep Strike“-Strategie werden. Eine „Deep Strike“-Strategie („Schlag in die Tiefe“) – von der Bundeswehr oft als „Deep Precision Strike“ (DPS) bezeichnet – meint den gezielten, überraschenden Angriff auf wichtige Ziele tief im Hinterland des Gegners, also weit hinter der Frontlinie. Zu den Hochwertzielen dort gehören unter anderem Gefechtsstände, Flugplätze, Logistikzentren oder Munitionsfabriken.

Neben Taurus möglicherweise zweite Waffe zur Bekämpfung entfernter Landziele

Mit dem Raketensystem LORA hätte die Bundeswehr neben dem Marschflugkörper Taurus eine zweite, schnell verfügbare Waffe für die Bekämpfung weiter entfernter Landziele im Bestand. Taurus hat nach offiziellen Angaben eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern. Der Marschflugkörper kommt unter den Kampfflugzeugen Tornado und Eurofighter montiert zum Einsatz.

Taurus kann sich einem Ziel in einem anspruchsvollen Konturenflug nähern, also dem Geländeprofil folgend dicht über dem Boden anfliegen. Dagegen steigt LORA steil auf, folgt dabei einer Wurfparabel und steuert schließlich steil und schnell auf das Ziel zu.


Hintergrund                           

Nach Angaben des Herstellers IAI ist NAVAL LORA (die maritime Variante) „ein kampferprobtes Waffensystem mit langjähriger Einsatzpraxis, das durch eine spezielle Abschussvorrichtung für den Einsatz auf See einen präzisen Präzisionsschlag auf See-zu-Land- und See-zu-See-Ziele ermöglicht“. Das System umfasst eine ballistische Langstreckenrakete, eine Abschussvorrichtung sowie ein Führungs- und Kontrollsystem.

Die LORA-Raketen werden in versiegelten, vor Witterungseinflüssen schützenden Transport- und Startbehältern aus dem Herstellerwerk geliefert. Die Raketen können ohne Kontrolle transportiert und fünf Jahre in den Behältern gelagert werden. Sie können mit zwei unterschiedlichen Gefechtsköpfen bestückt werden. Die Standardrakete ist mit einem 440-Kilogramm-Splittergefechtskopf mit Aufschlagzünder, Verzögerungszünder oder Näherungszünder ausgerüstet. Weiter steht ein 600-Kilogramm-Penetrationsgefechskopf mit Aufschlag- und Verzögerungszünder zur Verfügung.

Die Steuerung der Reichweite erfolgt nicht durch Schubterminierung, sondern durch Anpassen der Flugbahn. Daher kann die Bahn des Flugkörpers neben der üblichen Wurfparabel auch einer semi-ballistischen Kurve gleichen.

Beim Zielanflug wird die Rakete auf einen Winkel von 60 bis 90 Grad zur Erdoberfläche eingeschwenkt. Der Splittergefechtskopf entfaltet dadurch eine optimale Flächenwirkung. Die minimale Einsatzdistanz beträgt 30 Kilometer. Die maximale Einsatzdistanz steht in Abhängigkeit zum verwendeten Gefechtskopf und beträgt 250 bis 300 Kilometer. Weiter soll auch ein kleiner 240-Kilogramm-Splittergefechtskopf zur Verfügung stehen, mit dem eine Einsatzdistanz von gut 430 Kilometer erreicht wird.


Zu unserer Bildfolge:
1. Erprobung des Waffensystems LORA durch die Deutsche Marine im Nordatlantik in der Nacht zum 2. September 2026. Zu sehen sind Videosequenzen vom Abschuss der Flugkörper an Bord der Fregatte „Sachsen-Anhalt“.
(Bildschirmfotos: Quelle Video Deutsche Marine; Bildbearbeitung und Bildgestaltung: mediakompakt)

2. Ein früherer Test des Herstellers IAI – LORA-Abschuss von Bord einer maritimen Plattform.
(Foto: Israel Aerospace Industries Ltd.)

3. Fregatte „Sachsen-Anhalt“, hier in der Flensburger Förde.
(Foto: Stephen Gergs, Shipandmaritimephotography/für Deutsche Marine)

Kleines Beitragsbild: Das israelische Raketensystem LORA im Jahr 2007 bei der International Paris Air Show, eine der weltweit größten Messen für die Luft- und Raumfahrt. Einsatzbereit war LORA bereits 2006 gewesen.
(Foto: nr)


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