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Düsseldorf/Bremen-Vegesack. Die familiengeführte Unternehmensgruppe Lürssen konzentriert sich künftig ausschließlich auf den Bau ziviler Mega-Yachten und verkauft ihre Marine-Schiffbausparte NVL (Naval Vessels Lürssen) an den deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall. Wie das Unternehmen am heutigen Montag (15. September) am Bremer Sitz bekanntgab, plant Rheinmetall alle Standorte und die gesamte Belegschaft der NVL zu übernehmen und sie mitsamt ihrem bisherigen Management als eigene Division in den Rheinmetall-Konzern zu integrieren und weiterzuentwickeln.

Mit dem Verkauf, der voraussichtlich bis Anfang 2026 formal abgeschlossen werden soll (vorbehaltlich der Genehmigung der zuständigen Kartellbehörden), möchte Lürssen nach eigener Aussage „ein Zeichen der Stärke setzen und den Weg für die politisch seit langem gewünschte Konsolidierung in der deutschen Verteidigungsindustrie ebnen“. Bezüglich des Kaufpreises haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.

Damit bietet Rheinmetall künftig auf dem Rüstungsmarkt nicht nur Panzer, Waffen und Munition an, sondern wird auch auf dem Wasser vertreten sein: mit Kriegsschiffen wie Korvetten und Fregatten. Durch die Übernahme der Naval Vessels Lürssen/NVL stellt sich Rheinmetall deutlich breiter auf und baut seine Führungsposition in der Branche weiter aus – nicht nur in Deutschland, auch in Europa.

Bessere Chancen im Wettbewerb um multinationale Beschaffungsprogramme

Bereits vor einer Woche hatte Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, im Interview mit dem ZDF angekündigt: „Wir sind sehr daran interessiert, unser Produktportfolio zu erweitern – wir werden auf alle Fälle in den Marinebereich gehen.“ In allen anderen wichtigen Rüstungssegmenten hat sich der Konzern bereits breit aufgestellt. Mit NVL im Gepäck hat er in Zukunft wohl auch bessere Chancen im Wettbewerb um multinationale Beschaffungsprogramme: Je größer ein Unternehmen, umso besser die Verhandlungsbasis.

Dazu Roland Klose, Geschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW (der 1947 gegründete Verein „Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz“ ist heute mit etwa 30.000 Mitgliedern der führende deutsche Verband für private Anleger). Klose gegenüber dem ZDF: „Man kann schon sagen, dass Rheinmetall mit der Übernahme der Marinesparte der Bremer Lürssen-Gruppe einen wahren Coup gelandet hat.“ An der Börse wurde die Nachricht vom Kauf mit einem Kursfeuerwerk quittiert – die Papiere des Dax-Konzerns Rheinmetall stiegen um rund zwei Prozent (allerdings hatten erste Hinweise auf die Übernahme den Kurs bereits in den vergangenen Tagen um zehn Prozent nach oben gedrückt).

Kritisch äußerte sich gegenüber Medienvertretern Daniel Friedrich, Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall „Küste“. Nach der Bekanntgabe der Kaufabsicht durch Rheinmetall und Lürssen erklärte der Arbeitnehmervertreter: „Nun gibt es Klarheit über das gemeinsame Ziel der beiden Großunternehmen. Es bleiben für die Beschäftigten und Arbeitnehmervertretungen jedoch noch viele Fragen offen. Beispielsweise fehlen das industriepolitische Konzept und die konkret geplanten Synergien, von denen bei Rheinmetall die Rede ist.“

Leistungsfähiger Defence-Champion mit breit gefächerter Systemkompetenz

Die Führungskräfte der an dem Deal beteiligten Unternehmen kommentierten den Eigentümerwechsel der NVL-Marinesparte am heutigen Montag in zwei separaten Pressemitteilungen. So erklärte Friedrich Lürßen, Geschäftsführender Gesellschafter der Lürssen Maritime Beteiligungen GmbH & Co KG: „Insbesondere vor dem Hintergrund der verschärften Bedrohungslage halten wir eine Konsolidierung innerhalb der Verteidigungsindustrie für notwendig und sinnvoll. Nur so lässt sich eine schnelle Wehrfähigkeit unseres Landes sicherstellen. Mit dem Verkauf der NVL an Rheinmetall schaffen wir jetzt die Voraussetzung für einen leistungsfähigen Defence-Champion mit breit gefächerter Systemkompetenz. Wir freuen uns, mit Rheinmetall einen vertrauensvollen und starken Partner gefunden zu haben, der NVL und ihren Mitarbeitenden eine erfolgreiche Zukunft sichern kann.“

Peter Lürßen, Vetter von Friedrich Lürßen und ebenfalls Geschäftsführender Gesellschafter, ergänzte: „Die Gespräche der letzten Wochen haben gezeigt, dass die Chemie zwischen unseren Unternehmen stimmt und wir ähnliche Werte haben. Uns ist es wichtig, unsere Marinesparte, unser technologisches Know-how und vor allem alle NVL-Mitarbeiter in gute und verlässliche Hände zu geben.“

Stärkung der maritimen Verteidigungsfähigkeiten Deutschlands und der Partner

Rheinmetall-Chef Papperger wird in der Pressemitteilung aus Düsseldorf mit den Worten zitiert: „Künftig werden wir zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum ein relevanter Akteur sein. Rheinmetall entwickelt sich damit zum Domänen-übergreifenden Systemhaus.“ Und: „Mit der jetzt vereinbarten Übernahme treiben wir die Konsolidierung der Verteidigungsindustrie in Deutschland und Europa entscheidend voran. In Verbindung mit den Rheinmetall-Kompetenzen schaffen wir ein vitales deutsches Kraftzentrum für hochmoderne Überwasserschiffe – ein Powerhouse. Die vereinten Fähigkeiten von Rheinmetall und NVL erzeugen gemeinsames Wachstum und ermöglichen eine starke Positionierung unseres Konzerns in der Domäne ,See‘. Gleichzeitig leisten wir einen substanziellen Beitrag zur Stärkung der maritimen Verteidigungsfähigkeiten Deutschlands und der NATO-Partnerstaaten.“

Über die künftige unternehmerische Ausrichtung sagte Papperger: „Durch den Zukauf werden wir nicht nur zum Produzenten schwimmender Plattformen. Als integriertes Marine-Kraftzentrum wollen wir komplette Systemlösungen anbieten. Alle wertigen Komponenten können wir unseren Kunden in künftigen Programmen aus unserem Partner-Netzwerk heraus als integrierte Lösung aus einer Hand anbieten: Marine-Flugkörper und -Werfer, Haupt- und Sekundärgeschütze für die Marine, die Raketenabwehr, Sensoren und weitere Elektronik. Beim Gefechtsführungssystem wollen wir – ebenfalls aus unserem Netzwerk heraus – die Integration und ,Germanisierung‘ bestehender Lösungen ermöglichen.“

Synergieeffekte auch für die Rheinmetall-Branche „Vehicle Systems“

Der Rheinmetall-Konzern verfügt schon heute als Anbieter im weltweiten Marinegeschäft über hervorragende Marktzugänge und damit entsprechende Präsenzen in den internationalen Märkten.

Ein weiterer Vorteil für Rheinmetall durch den Zukauf der NVL-Marinesparte ergibt sich aus der Erweiterung der Fertigungskapazitäten und der Ausweitung der industriellen Basis des Konzerns in Norddeutschland. Insbesondere mit der Fahrzeugproduktion der Rheinmetall-Division „Vehicle Systems“, die unter anderem in Kiel und Flensburg Standorte unterhält, sind auf Basis gemeinsamer Material- und Technologie-Kompetenzen nach Ansicht von Marktkennern bedeutende Synergieeffekte zu erwarten.

Die Werften von NVL bieten in diesem Zusammenhang nach Ansicht der Vertragspartner die Möglichkeit, die vorhandene schwere Infrastruktur, das Fachwissen der Mitarbeiter und die Ausrüstungsmöglichkeiten zu nutzen, um die Produktion der „Vehicle Systems“ zu stärken und im Fahrzeugbereich Kapazitätsreserven für die Zukunft zu schaffen. Dadurch könne es gelingen – so Rheinmetall – „übermäßige Infrastrukturinvestitionen oder umfangreiche Umbauten anderer Fertigungsanlagen zu vermeiden“.


Kompakt                           

Die Wurzeln der norddeutschen Werftengruppe Lürssen (Hauptsitz Bremen-Vegesack) reichen zurück bis ins Gründerjahr 1875. Heute beschäftigt die Gruppe weltweit rund 4100 Mitarbeiter. Die Yacht-Sparte mit etwa 2000 Beschäftigten ist spezialisiert auf den Neubau, die Reparatur und den Refit ziviler Mega-Yachten.

Die Marinesparte der Unternehmensgruppe NVL B.V. & Co. KG (NVL = Naval Vessels Lürssen) wurde im Herbst 2021 im Rahmen einer Trennung der Sparten „Yachten“ und „Defence“ aus der Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG ausgegründet und ist Rechtsnachfolger des früheren Teilbetriebs der Lürssen-Sparte „Defence“. Führungsgesellschaft für beide Sparten ist die Lürssen Maritime Beteiligungen GmbH.

Zur NVL-Gruppe gehören vier Werften in Norddeutschland (Peene-Werft in Wolgast, Blohm+Voss und Norderwerft in Hamburg, Neue Jadewerft in Wilhelmshaven) sowie internationale Standorte. NVL erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro.

Seit den Anfängen vor 150 Jahren hat Lürssen auf seinen Werften etwa 1000 Schiffe gebaut und an gut 50 verschiedene Marinen und Küstenwachen ausgeliefert. Das Unternehmen ist ein etablierter Akteur sowohl im militärischen Schiffbau wie auch in der Schiffswartung und -reparatur. NVL betreut Flotten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg und trägt somit dazu bei, die Deutsche Marine und Seestreitkräfte von Partnernationen jederzeit einsatzbereit zu halten.


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Zu unserem Bildmaterial:
1. Sitz der NVL-Gruppe in Bremen.
(Foto: Lürssen-Kommunikation/Wikipedia/Wikimedia Commons/unter Lizenz CC BY-SA 4.0 –
vollständiger Lizenztext: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)

2. Neue Jadewerft in Wilhelmshaven, im Vordergrund Schiffe der Deutschen Marine.
(Foto: Lürssen-Kommunikation/Wikipedia/Wikimedia Commons/unter Lizenz CC BY-SA 4.0 –
vollständiger Lizenztext: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)

Kleines Beitragsbild: Der Rheinmetall-Konzern hat sich mit der Unternehmensgruppe Lürssen über den Kauf der Marinesparte NVL verständigt und wird mit der Erweiterung nun zum Marine-Systemhaus.
(Bild: nr)


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