Ulm. Am heutigen Freitag (8. August) hat das Rüstungsunternehmen Elbit Systems Deutschland GmbH & Co. KG nach Ulm, Koblenz und Berlin nun feierlich in Norddeutschland einen vierten Standort eröffnet. Der Standortname wird in der Elbit-Pressemitteilung nicht genannt (siehe dazu auch HINTERGRUND) – er ist der Redaktion jedoch bekannt. Aufgabe der neuen Außenstelle wird es laut Elbit sein, sich „in Zukunft intensiv und im ständigen Kontakt mit der Deutschen Marine um technische und vertragliche Belange im Kontext der seegehenden Einheiten zu kümmern“. Dazu schafft das Unternehmen vor Ort auch neue Arbeitsplätze, die eine ganzheitliche Betreuung der komplexen Systeme der drittgrößten Teilstreitkraft der Bundeswehr ermöglichen sollen. Elbit Systems Deutschland ist ein führender Anbieter in den Geschäftsfeldern Sensorik, Funkkommunikation, Führungssysteme, Elektronische Kampfführung, Unbemannte Systeme und Cyber-Sicherheit.
Marian Rachow, Geschäftsführer von Elbit Systems Deutschland, äußerte sich bei der Eröffnung über die Möglichkeiten, die der neue Bürokomplex bieten wird. Der CEO sagte: „Die Deutsche Marine übernimmt bereits heute eine Schlüsselrolle bei einem breiten Spektrum sicherheitsrelevanter Aufgaben – Tendenz weiter steigend, in Umfang und Komplexität. Daher ist es für mich nur folgerichtig, als Industriepartner mit fachkundigem Personal dauerhaft vor Ort präsent zu sein. So können wir Prozesse bei Innovationen, Updates und Anfragen gezielt begleiten und gleichzeitig die Kundenbindung weiter stärken.“
Zudem verfüge Elbit beispielsweise in den Bereichen „Electronic Warfare“ oder „unbemannter KRITIS- und Küstenschutz“ über marktverfügbare Systeme, die bereits erfolgreich bei anderen europäischen Staaten und NATO-Partnern im Einsatz seien. (Anm.: KRITIS ist die Abkürzung für Kritische Infrastrukturen – Organisationen, Anlagen und Systeme, deren Ausfall oder Beeinträchtigung das Gemeinwesen nachhaltig gefährdet, beispielsweise durch Versorgungsengpässe oder Störungen der öffentlichen Sicherheit. Zu den Sektoren zählen Energie, Wasser, Ernährung, Gesundheit, Informationstechnik und Telekommunikation, Transport, Staat und Verwaltung sowie Finanz- und Versicherungswesen.)
Sebastian Bauer, Vice President „Business Development & Marketing“ bei Elbit Systems Deutschland, ergänzte: „Wir haben bereits seit vielen Jahren mit unserer Marine einen äußerst guten Kontakt und arbeiten etwa bei Kommunikations- und Selbstschutzsystemen verschiedener Schiffsklassen eng zusammen. Unser neuer Standort soll dieses Vertrauen in unsere Produkte und in Elbit Systems Deutschland als nationales Unternehmen weiter stärken und uns einen noch tieferen Einblick in die Herausforderungen geben, vor denen die Teilstreitkraft aktuell und künftig steht.“
Das Ulmer Systemhaus reagiert mit der Eröffnung des norddeutschen Büros auf die stark gestiegene Nachfrage der Bundeswehr an marktverfügbaren, einsatzerprobten und interoperablen Systemen in zahlreichen Bereichen. Systeme, die aus europäischen Quellen stammen und sich auf resiliente Lieferketten abstützen können. Die Pressemitteilung von Elbit schließt mit der Prognose: „Das Portfolio unseres Unternehmens [wird zukünftig] mehr Produkte und Dienstleistungen für alle Teilstreitkräfte der Bundeswehr abbilden, als das Kompetenzzentrum für Funk- und Kommunikationstechnologie bisher in Deutschland angeboten hat.“
Die Elbit Systems Deutschland GmbH & Co. KG ist eine einhundertprozentige Tochtergesellschaft der Elbit Systems Ltd., hervorgegangen durch den Erwerb der Ulmer Rüstungsfirma Telefunken Racoms im Jahr 2004. Der israelische Luft- und Raumfahrt- sowie Elektronik-Konzern Elbit Systems Ltd. (Sitz in Haifa) ist neben Israel Aerospace Industries und Rafael einer der größten Waffenhersteller Israels.
Wie ein Elbit-Sprecher in Ulm erklärte, ist die Entscheidung, den Standort der neuen Niederlassung nur vage mit „Büro in Norddeutschland“ anzugeben, im Mutterhaus in Israel getroffen worden. Hintergrund waren und sind zahlreiche Protestaktionen gegen das Unternehmen im Zusammenhang mit dem Krieg in Gaza, der am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden ist durch die Angriffe der Terrororganisation Hamas unter anderem auf Siedlungen in Israel (dabei starben rund 1200 Menschen, 251 Menschen wurden als Geiseln genommen und in den Gazastreifen verschleppt).
Nach einem Aufruf der internationalen politischen Organisation „Progressive Internationale“ (PI) im Herbst 2023, massiv gegen Elbit „wegen der Rolle des Unternehmens im Israel-Gaza-Konflikt“ zu protestieren, hatten Aktivisten bereits Eingänge von Niederlassungen, Tochter- und Partnerunternehmen in Großbritannien, Brasilien und Japan blockiert.
Bereits am 27. Januar 2024 – dem Internationalen Holocaust-Gedenktag – hatte eine anti-israelische Demo der Initiative „Shut Elbit Down“ in Ulm für Aufsehen gesorgt. Die Organisatoren hatten in der Wahl des Protesttages nach eigener Aussage keinen Widerspruch darin gesehen, sich auch „am unbewusst gewählten Termin“ gegen den „akut drohenden Völkermord an Palästinensern“ einzusetzen.
Im April dieses Jahres versammelten sich schließlich Anhänger der „Shut Elbit Down“-Kampagne aus ganz Deutschland vor der Zentrale von Elbit Systems Deutschland in Ulm. Sie errichteten dort am Safranberg ein Protestcamp mit zahlreichen Zelten in unmittelbarer Nähe des Werksgeländes. Beobachtet wurde die Aktion rund um die Uhr von Beamten des Ulmer Polizeipräsidiums. Genehmigt worden war das „Zeltlager“ von der Stadt für insgesamt 30 Tage. Insgesamt blieb alles friedlich.
Auch wenn die Entscheidung der Israelis, den genauen Standort der neuen Elbit-Niederlassung in Deutschland nicht konkret zu nennen, vor dem Hintergrund der inzwischen stattgefundenen Proteste verständlich erscheinen mag, so ist dies doch – besonders aus PR-Sicht – äußerst fragwürdig. Allein der Wahlkreis der zur Eröffnung eingeladenen CDU-Bundestagsabgeordneten Anne Janssen oder der Firmensitz des von Elbit zum Eröffnungstag engagierten Fotografen deutet bereits auf den Standort des neuen Büros von Elbit „in Norddeutschland“ hin. Wie lange wird es wohl dauern, bis die „Protestler“ untereinander die genaue Firmenanschrift austauschen und eine Demo vorbereiten? …
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Die Aufnahme zeigt (von links) CEO Marian Rachow, die CDU-Bundestagsabgeordnete Anne Janssen (Wahlkreis Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund) und Oren Sabag, General Manager der Business Unit „ ISTAR & EW“ von Elbit, bei der feierlichen Eröffnung der neuen Niederlassung am 8. August 2025.
(Foto: Julian Fuchs, baerenstark.media Wilhelmshaven/für Elbit Systems Deutschland)
Kleines Beitragsbild: Firmenschriftzug an der Elbit-Niederlassung im israelischen Rehovot.
(Bild: Elbit Systems Ltd.; Bildbearbeitung: mediakompakt)