Berlin/Mannheim. Am 15. Juni 2025 wurde in Deutschland bundesweit erstmalig der Nationale Veteranentag begangen. Auch in Mannheim – mit einer Veranstaltung im Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen, zu der die Stadt gemeinsam mit Vertretern der Bundeswehr und Reservistenverbänden geladen hatte. Oberbürgermeister Christian Specht erinnerte dort in seiner Rede an die langjährige militärische Prägung Mannheims: als Standort der Bundeswehr bis 1994, als Garnisonsstadt der US-Armee bis in die 2010er-Jahre und als Bildungsstandort für das Zivilpersonal unserer Streitkräfte bis heute (die Rede ist vom Bildungszentrum der Bundeswehr im Stadtteil Mannheim-Neuostheim, eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Verteidigungsministeriums als zentrale Fortbildungsstätte für wirtschaftliche, soziale, juristische und technische Fachkompetenzen). Der AfD-Bundestagsabgeordnete Heinrich Koch hatte sich vor einiger Zeit bei der Bundesregierung nach Kasernen der deutschen Streitkräfte in der Stadt an Rhein und Neckar erkundigt …
Der Parlamentarier (Wahlkreis Mannheim), Angehöriger der Bundeswehr seit 1981 mit aktuellem Dienstgrad „Oberstleutnant“, stellte dabei folgende Schriftliche Frage: „Welche in der Zeit der Allgemeinen Wehrpflicht [genutzte] Bundeswehrkaserne auf Mannheimer Gemarkung wurden seither für militärische Verwendung irreversibel aufgegeben. Und wie viele [Kasernen] sind durch die Bundeswehr noch in Betrieb oder können im Bedarfsfall kurzfristig in den Wiederbetrieb aufgenommen werden?“
Koch erhielt am 27. Mai 2025 Antwort von Nils Schmid, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung. Schmid teilte mit: „Folgende Bundeswehrkasernen im Sinne der Fragestellung waren [einst] in Betrieb: Loretto-Kaserne, Ludwig-Frank-Kaserne und Fernmelde-Hochbunker Mannheim-Feudenheim.“ Alle drei Objekte seien an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – kurz BImA – zurückgegeben worden und kämen „aufgrund der inzwischen erfolgten Verwertung“ für eine erneute Nutzung durch die Bundeswehr nicht mehr in Betracht.
Die Historie der Loretto-Kaserne in Mannheim-Seckenheim reicht zurück bis Mitte der 1930er-Jahre (1934–1936). Damals wurden sieben Verwaltungs- und Mannschaftsgebäuden errichtet und der erste Nutzer, das 110. Infanterie-Regiment, das im Zuge der Besetzung des Rheinlands am 1. April 1936 neu aufgestellt worden war, zog ein. Die Einheit hatte eine lange militärische Tradition und hatte sich im Ersten Weltkrieg bei den Kämpfen auf den Loretto-Höhen in Frankreich ausgezeichnet.
Nach 1945 wurde die Kaserne von der U.S. Army übernommen und in „Hammonds Barracks“ umbenannt. Mit der Namensgebung wurde der Gefreite Robert M. Hammonds aus Wickliffe (US-Bundesstaat Kentucky) geehrt. Er war am 11. April 1945 im Alter von 19 Jahren nahe Heilbronn bei der Reparatur einer Feld-Fernsprechleitung von einem deutschen Scharfschützen tödlich verwundet worden. Hammonds hatte sich freiwillig für diesen gefährlichen Einsatz gemeldet, weil er als Einziger seiner Einheit unverheiratet und kinderlos war.
Von 1961 bis 1982 beheimatete die Liegenschaft die NATO-Armeegruppe Mitte. Zeitweise dienten hier auch deutsche, französische und kanadische Soldaten. Ein Teil des Geländes wurde später von den US-Streitkräften zurückgegeben und anschließend durch die Bundeswehr genutzt. Dieser Bereich wurde dabei rückbenannt in „Loretto-Kaserne“.
Am 1. Juli 2011 übergaben die Amerikaner die Liegenschaft „Hammonds“ mit ihren 6,9 Hektar komplett an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben/BImA. Zu Jahresbeginn 2013 eröffnete die BImA dort ihr Projektbüro „Konversion Rhein-Neckar“.
Die Bundesanstalt baute später auf zwei Baufeldern (Loretto-Kaserne 2,3 Hektar) insgesamt 84 moderne Wohnungen in vier Gebäuden. Der Bauauftrag war im Mai 2021 vergeben worden, im März 2023 fand das Richtfest für das Wohnungsbau-Projekt statt.
Die ehemalige Ludwig-Frank-Kaserne (davor Lüttich-Kaserne) wurde von der Bundeswehr von 1974 bis 1994 genutzt. Mit dem Abzug des dort stationierten Fernmeldebataillons 970 endete die Geschichte Mannheims als Garnisonsstadt. Das Bataillon, danach zunächst teilaktiv, wurde am 4. März 1994 komplett außer Dienst gestellt.
Nachdem die Bundeswehr die Ludwig-Frank-Kaserne 1995 schließlich aufgegeben hatte, griff die Stadt Mannheim zu und erwarb 1998 das rund 100.000 Quadratmeter große Areal. Etwa 18 Millionen Mark soll der Kaufpreis damals laut Medienberichten betragen haben. Das Ziel der Stadt war von Anfang an der Wohnungsneubau. Die frühere Ludwig-Frank-Kaserne ist seit 1998 eine Studentensiedlung, das einstige Wachlokal am Haupttor wird heute gastronomisch von einer Pizzeria genutzt.
Namensgeber für die ehemalige Kaserne am Mannheimer Ulmenweg, war der am 23. Mai 1874 im badischen Nonnenweiler geborene Ludwig Frank, ein Rechtsanwalt und Reichstagsmitglied für die SPD. Der jüdische Politiker meldete sich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs freiwillig zu den Waffen. Die sozialdemokratische Zeitung Volksstimme in Mannheim berichtete von stürmischen Ovationen der Bevölkerung für Frank bei seinem Abschied am 31. August 1914. Bereits am 3. September 1914 fiel der Vierzigjährige als Gefreiter des 2. Badischen Grenadier-Regiments „Kaiser Wilhelm I.“ Nr. 110 bei Nossoncourt nahe Baccarat. Frank war der erste von zwei Reichstagsabgeordneten (der zweite war Hans von Meding), die während des Krieges an der Front starben.
Zuletzt zum Hochbunker im Stadtteil Mannheim-Feudenheim. Der Bunker, im Zweiten Weltkrieg als Fernmeldezentrale errichtet, diente später der Bundeswehr bis Ende der 1980er-Jahre als Kommunikationszentrum. Aufgrund seiner strategischen Bedeutung war er ein wichtiger Standort für die Fernmeldetruppe. Nach Ende des Kalten Krieges wurde der Bunker aufgegeben.
Das Objekt ist der einzige privat bewohnte Bunker in Mannheim. Im obersten Geschoss und auf dem Bunkerdach wurde im Jahr 2005 eine zweistöckige Penthouse-Wohnung errichtet.
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Zu unserer Bildsequenz:
1. Luftbildaufnahme vom Gelände der früheren Loretto-Kaserne in Mannheim, bekannt auch als Hammonds Barracks.
(Bild: BImA)
2. Die frühere Ludwig-Frank-Kaserne in Mannheim ist seit 1998 eine Studentensiedlung.
(Bild: Studierendenwerk Mannheim)
3. Blick auf den Hochbunker im Stadtteil Mannheim-Feudenheim.
(Bild: nr)
4. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Heinrich Koch ist gebürtiger Mannheimer und Offizier der Bundeswehr.
(Foto: Büro Koch)
Kleines Beitragsbild: Mannheim war in früheren Jahren nicht nur eine wichtige Handels- und Industriestadt, sondern auch ein bedeutender Militärstandort, der durch seine Kasernen und militärischen Einrichtungen geprägt war.
(Bild: nr)