Flensburg/Aarslev, Karup (Dänemark). Am heutigen Montag (17. August) haben die beiden in der Rüstungsbranche tätigen Unternehmen Flensburg Technology Systems GmbH (FTS) und SIMA Innovation ApS (SIMA) eine strategische Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Die beiden Kooperationspartner – FTS aus Deutschland und SIMA aus Dänemark – wollen laut einer gemeinsamen Pressemitteilung „ihr Know-how in den Bereichen militärischer Fahrzeugplattformen sowie fortschrittliche Ring- and Weapon-Mount-Technologien [Ring- und Waffenlafetten-Technologie] bündeln“. Die Unterzeichnung fand statt im Rahmen des dänisch-deutschen Verteidigungsforums auf dem Luftwaffenstützpunkt Karup in Dänemark. Die Zusammenarbeit ist auch zu sehen vor dem Hintergrund der im Herbst 2025 erfolgten Beauftragung von FTS durch das Koblenzer Beschaffungsamt mit der Lieferung von Spezialfahrzeugen Tahr für die Bundeswehr (dazu später mehr in unserem Beitrag).
Im Mittelpunkt der auf dem Stützpunkt Karup geschlossenen Vereinbarung stehen – so FTS und SIMA in ihrer Erklärung – „gemeinsame Entwicklungen, Systemintegration sowie koordinierte Marktaktivitäten mit dem Ziel, Streitkräften weltweit verbesserte Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen“.
Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „In einer Zeit, in der die europäischen Staaten ihre Verteidigungsfähigkeiten rasant ausbauen, sind beide Unternehmen der Überzeugung, dass eine engere industrielle Zusammenarbeit unerlässlich ist, um die Bereitstellung einsatzrelevanter und zukunftsfähiger Lösungen zu beschleunigen, die auf dem Gefechtsfeld von morgen den entscheidenden Unterschied ausmachen können.“
Durch die Bündelung von deutscher Fahrzeugexpertise und dänischer Ringmount-Innovation (Anm.: Ein Ringmount – auf Deutsch Drehringlafette – ist eine kreisrunde, drehbare Waffenhalterung auf dem Dach von Militärfahrzeugen) wollen FTS und SIMA nach eigenen Angaben „Lösungen fördern, die auf offener Architektur und Modularität basieren und es Kunden ermöglichen, ihre Fähigkeiten entsprechend den sich wandelnden operativen Anforderungen zu erweitern und anzupassen“.
Die Zusammenarbeit unterstreiche außerdem die Bedeutung einer starken und resilienten Basis der europäischen Verteidigungsindustrie, so der Pressetext abschließend. In diesem Industriebereich könnten und sollten grenzübergreifende Partnerschaften letztendlich dazu beitragen, „die Einsatzbereitschaft zu beschleunigen und gleichzeitig sicherzustellen, dass Streitkräfte Zugang zu modernsten Systemen haben, die auch weit in die Zukunft hinein relevant bleiben“.
Nun zum Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw). Nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages am 8. Oktober 2025 insgesamt 32 Millionen Euro für die Beschaffung von 54 leichten Luftlandefahrzeugen für Bundeswehr-Spezialkräfte bereitgestellt hatte, beauftragte das BAAINBw die Flensburg Technology Systems mit dem Projekt.
FTS – ein im November 2023 gegründetes Joint Venture der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH und der israelischen ELTA Systems Ltd. – wurde dabei in einem Rahmenvertrag mit der Herstellung und Lieferung von „bis zu 200 leichten Luftlande-Einsatz-/Gefechtsfahrzeugen (le LL EGF) und leichten Luftlande-Unterstützung-/Gefechtsfahrzeugen (le LL UGF) Tahr“ beauftragt. In einem ersten Abruf wurden 40 EGF und 14 UGF bestellt. Die ersten Tahr sollen Anfang 2027 von der Bundeswehr übernommen werden (darunter zwei EGF und ein UGF als Vorserienfahrzeuge). Der Zulauf aller 54 4×4-Fahrzeuge soll bis Ende 2028 erfolgen.
In einem aktuellen Beitrag von Holger Wittich in der Fachzeitschrift auto motor und sport, die sich auch mit militärischen Inhalten befasst, wurde jetzt der neue Tahr für die Spezialkräfte der Bundeswehr vorgestellt. Wittich erklärt: „Für unterschiedliche Aufgaben gibt es zwei Ausführungen. Das leichte luftlandefähige Einsatz- und Gefechtsfahrzeug EGF bietet drei Soldaten Platz und kann abhängig vom Einsatz unterschiedlich bewaffnet werden. Möglich sind Waffen bis zum Kaliber 12,7 Millimeter. […] Auch eine Granatmaschinenwaffe kann verwendet werden.“
Über das leichte luftlandefähige Unterstützungsgefechtsfahrzeug UGF heißt es in dem Beitrag: „Das UGF hingegen ist für Materialtransporte ausgelegt. Es hat zwei Sitze und verzichtet auf die Hauptlafette [die zentrale Waffenhalterung] des EGF. Dadurch steht mehr Platz für Ausrüstung und Material zur Verfügung. Die Abmessungen des Tahr ermöglichen den Transport in schweren Transporthubschraubern.“
Zum Schluss ein wenig Namenkunde: Die neue Fahrzeugklasse der deutschen Streitkräfte mit einem Gewicht von 3,2 Tonnen vereint Fachleuten zufolge „rasche Beschleunigung, außergewöhnliche Stabilität und nicht zuletzt extreme Geländegängigkeit“. Diese Eigenschaften treffen auch auf den Namensgeber, den Tahr, zu. Das Tier wurde zunächst in der Gattung „Hemitragus“ (Halbziege) zusammengefasst, nach einer Studie aus dem Jahr 2005 dann allerdings unterschiedlichen Gattungen zugeordnet.
Der Tahr ist eine mit Ziegen und Schafen gleichermaßen verwandte Gattung. Die Tahre umfassen mit dem Himalaya-Tahr (Hemitragus jemlahicus) in der Himalaya-Region, dem Nilgiri-Tahr (Nilgiritragus hylocrius) im südlichen Indien und dem Arabischen Tahr (Arabitragus jayakari) auf der Arabischen Halbinsel insgesamt drei Arten. Der Name für das leichte Luftlandefahrzeug der Bundeswehr steht gleichsam für die Geländegängigkeit und für die Beweglichkeit der zuvor aufgelisteten Ziegenartigen.
Die Flensburg Technology Systems GmbH (FTS) ist ein deutsch-israelisches Joint Venture bestehend aus FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH und der IAI/ELTA Systems Ltd., der Sitz ist Flensburg.
Als internationales Hightech-Unternehmen fokussiert sich FTS auf die progressive Zusammenführung der innovativen Fahrzeugsysteme und wegweisenden Technologieträger der FFG mit den einsatzbewährten State-of-the-Art-Produktlösungen von IAI/ELTA in den Bereichen „Robotik“, „Autonome Fähigkeiten“, „Künstliche Intelligenz“, „Digitalisierung & Vernetzung“, „Elektronische Kampfführung“ sowie „Situational Awareness“. In einer Selbstdarstellung heißt es: „Mit hoher Innovationskraft und technologischer Expertise agiert FTS in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Streitkräften als verlässlicher Partner zukunftsorientierter Systemlösungen.“
Die SIMA Innovation ApS ist ein dänisches Verteidigungsunternehmen, das sich auf modulare und interoperable Ringmount- und Softmount-Lösungen für Militärfahrzeuge spezialisiert hat.
In enger Zusammenarbeit mit Streitkräften, Erstausrüstern und Systemintegratoren liefert SIMA kampferprobte und interoperable Lösungen, die den Schutz, die Mobilität und die operative Effektivität einer breiten Palette von Fahrzeugplattformen verbessern. Mit einem modularen Plug-and-Fight-Ansatz ermöglicht SIMA die rasche Integration von Waffen, Sensoren und Selbstschutzsystemen und bietet den Streitkräften flexible und erweiterbare Lösungen, die sich an sich wandelnde Einsatzanforderungen anpassen.
Zu unserem Bildmaterial:
1. AI-generierte Darstellung: FTS-Geländefahrzeug Tahr mit integrierter Waffenringlafette/Ringmount.
(Bild: FTS)
2. Ringmount-Lösungen der dänischen Firma SIMA.
(Bildmaterial: SIMA; grafische Bearbeitung: mediakompakt)
3. Das leichte Luftlande-Einsatz-/Gefechtsfahrzeug Tahr der Bundeswehr – kurz le LL EGF – erhält Drehring- und Waffenhalterungssysteme.
(Bild: FTS; grafische Bearbeitung: mediakompakt)
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Weitere Informationen: https://www.thalesgroup.com/de/solutions-catalogue/defense/air/samp/t-ng-luftverteidigungssystem.
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