Liebe Leserin, lieber Leser,
Freunde des bundeswehr-journal!
Ein neues Jahr hat begonnen. Wieder einmal sind wir wohl alle mit großen Hoffnungen und Erwartungen in diesen neuen Lebensteilabschnitt aufgebrochen. Leider hat uns bereits in den ersten Minuten nach Antritt seiner Regentschaft 2026 mit einer Schreckensmeldung aus der Schweiz konfrontiert (in einer Bar im Skiort Crans-Montana brach zum Jahreswechsel ein Feuer aus, das nach aktuellen Meldungen mindestens 40 Todesopfer und etwa 120 Verletzte, viele davon schwer, gefordert hat). In der Ukraine ging während der Festtage der Krieg unvermindert weiter. Im Iran wurden bei regierungsfeindlichen Protesten mehrere Menschen getötet, hier braut sich ein schwerer Sturm zusammen.
Das bundeswehr-journal wird auch im neuen Jahr wieder von seinem Redaktionssitz Oberwesel im schönen Mittelrheintal aus berichten – über unsere Streitkräfte, das Beschaffungswesen, die Bündnisverpflichtungen sowie über weltweite Ereignisse, die für uns alle von Interesse sein können (wie etwa die wachsende Sprengkraft der sogenannten „Epstein Files“ oder die weichenstellenden Wahlen für das US-Repräsentantenhaus, die Midterms, im Herbst 2026).
Wir wünschen unserer Leserschaft ein Jahr, an das man sich später einmal gerne erinnern wird (denken wir nur an die kommende Fußball-Weltmeisterschaft). Bleiben Sie uns und unserer redaktionellen Arbeit auch die kommenden Monate eng verbunden. Zum Einstieg in das neue Jahr ein Rückblick auf unlängst Vergangenes …
Am 23. Dezember veröffentlichte das Bundesministerium der Verteidigung einen Jahresrückblick seiner Redakteurin Lara Finke. Finke, die bereits rund drei Jahre im Ministerium über die Truppe berichtet, erinnerte in ihrem Beitrag zunächst an besondere runde Geburtstage während der vergangenen zwölf Monate: 70 Jahre Verteidigungsministerium, 70 Jahre deutsche Streitkräfte, 70 Jahre deutsche NATO-Mitgliedschaft, 80 Jahre Vereinte Nationen. Die Autorin gibt in ihrem Rückblick gleichzeitig zu bedenken, dass das Jahr 2025 nicht nur Anlässe zum Feiern bot – der andauernde russische Angriffskrieg in der Ukraine sowie die Eskalation im Nahen Osten stellten Deutschland und seine Partner im Bündnis und in der Europäischen Union in den vergangenen Monaten auch vor große sicherheitspolitische Herausforderungen.
Finke attestiert Deutschland, 2025 angesichts dieser veränderten Bedrohungslage große Verantwortung übernommen zu haben und zu einer starken Führungsnation in Europa geworden zu sein. „Das Verteidigungsministerium hatte daran wesentlichen Anteil“, schreibt sie. „Es hat die Beschaffungsprozesse der Bundeswehr beschleunigt, ein neues Wehrdienstmodell auf den Weg gebracht und die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Deutschland neue Aufgaben in NATO und EU übernehmen konnte.“ Was nun hat sich im vergangenen Jahr getan? …
Januar 2025: Am 20. Januar vergangenen Jahres wurde Donald J. Trump als 47. US-Präsident vereidigt. Der Republikaner trat damit nach seiner ersten Präsidentschaft von 2017 bis 2021 seine zweite Amtszeit an. Dazwischen lag die Präsidentschaft des Demokraten Joe Biden. Bei der Wahl im November 2024 hatte sich Trump gegen die Demokratin Kamala Harris durchgesetzt. Nach seiner Vereidigung trat er umgehend aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aus, begnadigte Beteiligte am Sturm auf das Kapitol in Washington D. C., schränkte die Rechte von transgeschlechtlichen Personen ein und kürzte Mittel für Sozialprogramme und internationale Hilfsorganisationen. Zudem erhob er im Laufe des Jahres Zölle auf Waren aus fast 70 Länder weltweit, verschärfte die Asylpolitik der USA und ließ Razzien zur Festnahme von Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis durch bewaffnete Einheiten der Einwanderungsbehörde ICE (United States Immigration and Customs Enforcement) durchführen.
Am 28. Januar übergab die Enquete-Kommission – nach mehr als zwei Jahren Arbeit und 55 Sitzungen – ihren Abschlussbericht (mit Empfehlungen) „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands“ an die damalige Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. Die Lehren aus gut zwanzig Jahren Bundeswehr-Einsatz am Hindukusch: Eine intensivere Vorbereitung, eine effizientere Koordinierung, eine stärkere parlamentarische Kontrolle und nicht zuletzt eine bessere personelle und materielle Ausstattung.
Am 31. Januar passierte ein aus Sicht der Bundeswehr wichtiges Gesetzesvorhaben das Parlament. Das Gesetz zur weiteren Stärkung der personellen Einsatzbereitschaft und zur Änderung von Vorschriften für die Streitkräfte – kurz „Artikelgesetz Zeitenwende“ – beinhaltet wichtige Instrumente zur Personalgewinnung und -bindung sowie Verbesserungen der sozialen Rahmenbedingungen. Das Artikelgesetz gehört zu den wenigen Gesetzen, die nach dem Bruch der damaligen Ampelkoalition unter Bundeskanzler Olaf Scholz noch beraten und beschlossen werden konnten. Die damals oppositionelle Unionsfraktion hatte dieses Gesetzgebungsverfahren unterstützt.
Februar 2025: Vom 8. bis 16. Februar 2025 fanden in Kanada in Vancouver und Whistler die Invictus Games 2025 statt. Die Spiele waren auch diesmal wieder ein sportliches Highlight für verwundete, verletzte und erkrankte Soldaten und Veteranen. Die IG25, an denen 23 Nationen teilnahmen, hatten ihr Programm um sechs Wintersportarten – Alpiner Skilauf, Snowboard, Nordisches Skifahren, Biathlon, Skeleton und Rollstuhl-Curling – erweitert.
Bei der 61. Münchner Sicherheitskonferenz vom 14. bis zum 16. Februar in der bayerischen Landeshauptstadt konfrontierte Trumps Vize James David Vance die Veranstaltungsteilnehmer mit seiner beispiellosen Kritik an der angeblichen „Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Deutschland und Europa“. Dies und irreguläre Einwanderung seien größere Bedrohungen für die Sicherheit Europas als Russland oder China, behauptete „JD“ Vance. Verteidigungsminister Boris Pistorius wies die US-Kritik sofort scharf zurück und bezeichnete sie als „inakzeptabel“.
Am 23. Februar wählte Deutschland einen neuen Bundestag. Die Wahl wurde vorgezogen, da sich die Koalition aus SPD, GRÜNEN und FDP im November 2024 aufgelöst hatte. Mit 22,6 Prozent wurden CDU und CSU stärkste Kraft. Das zweitstärkste Ergebnis erzielte die AfD mit 20,8 Prozent. Die SPD kam mit 16,4 Prozent auf ihr bisher schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl. Die GRÜNEN erhielten 11,6 Prozent. DIE LINKE zog mit 8,8 Prozent und einem deutlichen Plus ins Parlament ein. Das BSW und die FDP verpassten den Einzug in den Bundestag (BSW 4,9 Prozent, FDP 4,3 Prozent).
März 2025: Am 11. März stellt die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, ihren fünften und letzten Jahresbericht vor (im Mai wählte das Parlament den CDU-Abgeordneten Henning Otte zu ihrem Nachfolger). Viele Probleme seien altbekannt, warnte die Sozialdemokratin: „Nach wie vor gibt es von allem zu wenig. Schlechte Personallage bei gleichzeitig hoher Auftragslast sorgen für weiteren Frust in der Truppe.“ Mit Blick auf das Personalproblem der Truppe stellte Högl fest: „Die Bundeswehr altert und schrumpft.“
Der neue Bundestag trat am 25. März zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. CDU, CSU und SPD einigten sich auf eine Regierungskoalition. Am 6. Mai wählte der Bundestag im zweiten Durchgang den Vorsitzenden der CDU, Friedrich Merz, zum Bundeskanzler.
Nur wenige Tage vor der ersten Sitzung dieses 21. Deutschen Bundestages hatte der 20. Bundestag am 18. März mit den Stimmen von CDU, CSU, SPD und GRÜNEN noch eine tiefgreifende Grundgesetzänderung beschlossen. Mit dieser Änderung können jetzt Investitionen im Bereich der Verteidigung, des Zivil- und Bevölkerungsschutzes sowie Kosten für deutsche Nachrichtendienste mit Krediten finanziert werden, ohne von der Schuldenbremse betroffen zu sein. Zugleich legte der Bund ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Klimaschutz auf. Der Bundesrat hatte danach am 21. März dem Beschluss zugestimmt.
April 2025: In diesem Monat sollte die neue Struktur der Bundeswehr nach dem „Osnabrücker Erlass“ von Verteidigungsminister Boris Pistorius erstmals reale Form annehmen: Zunächst wurde das neue Operative Führungskommando in Dienst gestellt, das nun die Verantwortung sowohl für die Auslandseinsätze der Bundeswehr als auch für die Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung trägt und anstelle des Einsatzführungskommandos und des Territorialen Führungskommandos tritt. „Das Operative Führungskommando stellt die Führung für die gesamte Bundeswehr sicher“, erklärte dazu Pistorius beim Aufstellungsappell am 9. April in der Berliner Julius-Leber-Kaserne.
Am 29. April wurde auf der Bonner Hardthöhe auch das Unterstützungskommando in Dienst gestellt. Das Kommando, das seine Arbeit bereits ab dem 1. Oktober 2024 aufgenommen hatte, führt den neuen Unterstützungsbereich, in dem unter anderem die Streitkräftebasis und der Sanitätsdienst integriert sind. Gebündelt wurden mit der Aufstellung und Indienststellung die Unterstützungskräfte (Logistik, Sanitätsdienst, Feldjäger, ABC-Abwehr), um die Durchhaltefähigkeit der Bundeswehr insgesamt zu sichern. Das neue Kommando ist ein Kernstück der Bundeswehrreform.
Mai 2025: 2025 war ein bedeutsames Versammlungsjahr für die Interessenvertretung der Bundeswehrangehörigen, den Deutschen Bundeswehr-Verband: Mit vier Landesversammlungen und einer Hauptversammlung fand ab Mai (und in den folgenden Monaten) somit eine verbandspolitische Kursbestimmung statt. Hunderte Anträge von der Mitgliederbasis wurden bei den Versammlungen durch die Delegierten beraten.
Am 8. Mai wählte das Konklave aus 133 Kardinälen in Rom Robert Francis Prevost zum neuen Papst. Der Erzbischof aus Chicago entschied sich für den Papstnamen Leo XIV. Erstmals steht nun der Katholischen Kirche ein US-Amerikaner vor. Leo XIV folgte auf Papst Franziskus, der am 21. April verstorben war (an der Trauerfeier im Vatikan hatten offiziellen Stellen zufolge rund 250.000 Menschen teilgenommen, darunter viele Staatsoberhäupter und Regierungschefs aus aller Welt).
Am 21. Mai bestimmte der Bundestag den Unionspolitiker Henning Otte zum neuen Wehrbeauftragten (vereidigt wurde er am 5. Juni). Otte ist kein Unbekannter im Bereich „Verteidigung“ – seit 2005 ist er Abgeordneter des Bundestages, viele Jahre war er Mitglied im Verteidigungsausschuss. Von 2014 bis 2021 fungierte Otte als verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU.
Am 21. Mai beriet der Bundestag auch den Jahresbericht der scheidenden Wehrbeauftragten Högl für das Jahr 2024. Nach der Debatte überwiesen die Abgeordneten die Unterrichtung an den federführenden Verteidigungsausschuss zur weiteren Arbeit. Högel hatte in ihrer letzten Vorlage für das Parlament der angespannten Bundeswehr-Personalsituation viel Raum gegeben. „Genügend und vollständig einsatzbereites Personal ist der Schlüssel zur Verteidigungsfähigkeit“, heißt es in ihrem Bericht. Högl verwies zudem darauf, dass die Bundeswehr dem ursprünglich bis zum Jahr 2025 gesteckten, jedoch später zeitlich angepassten Ziel, eine Personalstärke von 203.000 Kräften bis zum Jahr 2031 zu erreichen, im Berichtsjahr erneut nicht nähergekommen sei. Bereits jetzt stehe zudem in Frage im Raum, „ob diese Anzahl für die zukünftigen Herausforderungen überhaupt ausreichend“ sei.
Generalleutnant Holger Neumann ist der neue Mann an der Spitze der Deutschen Luftwaffe. Am 27. Mai übernahm der hochrangige Offizier im Rahmen eines feierlichen Appells auf dem Fliegerhorst Wunstorf das Kommando über die Teilstreitkraft von Generalleutnant Ingo Gerhartz. Dieser wechselte nach sieben Jahren als Luftwaffen-Inspekteur zur NATO. Neumann, wie sein Vorgänger Gerhartz Kampfjet-Pilot, war zuletzt Kommandeur der Fliegenden Verbände gewesen.
Die Panzerbrigade 45 „Litauen“ war offiziell am 1. April 2025 in Dienst gestellt worden, der feierliche Aufstellungsappell fand jedoch erst am 22. Mai 2025 in der litauischen Hauptstadt Vilnius statt. Anwesend waren unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius, um die Bedeutung der Verteidigung der NATO-Ostflanke zu unterstreichen. Die vollständige Einsatzbereitschaft wird bis Ende 2027 angestrebt.
Juni 2025: Am 13. Juni griff Israel den Iran mit Luftschlägen an. Das erklärte Ziel der Attacken war es, das Atomwaffenprogramm Irans auszuschalten. Israel betrachtet das iranische Programm als existenzielle Bedrohung, da Teheran Israel nicht als Staat anerkennt und immer wieder mit dessen Zerstörung droht. Am 22. Juni schalteten sich die USA in den Konflikt ein – im Rahmen der Operation „Midnight Hammer“ bombardierten dabei US-Militärs gezielt iranische Atomanlagen mit bunkerbrechenden Bomben. Iran reagierte mit Angriffen auf US-Militärbasen in Katar und dem Irak. Nach zwölf Tagen intensiver Kämpfe erklärte Präsident Trump in der Nacht zum 24. Juni eine Waffenruhe zwischen Israel und Iran.
Als voller Erfolg konnte die Premiere des ersten Nationalen Veteranentags am 15. Juni gewertet werden. Der Bundestag hatte die Einführung des Ehrentages schon im April 2024 beschlossen. Der Veteranentag ist allen Frauen und Männern gewidmet, die für Deutschland die Uniform angezogen und eine Waffe in die Hand genommen haben – ein Meilenstein für die deutsche Veteranenbewegung. Bereits etabliert ist der „Tag der Bundeswehr“, der seit 2015 (ebenfalls im Juni) an verschiedenen Standorten in Deutschland gefeiert wird.
Beim NATO-Gipfel im niederländischen Den Haag (24. und 25. Juni 2025) bekräftigten die Mitglieder der Allianz ihre Beistandspflicht und beschlossen eine deutliche Aufstockung ihrer Verteidigungsausgaben bis spätestens 2035 auf fünf Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Erhöhung erfolgte vor allem aufgrund der Bedrohung durch Russland. Zudem hatte US-Präsident Trump die Beistandspflicht der USA zur Disposition gestellt, sollten die Bündnispartner ihre Rüstungsausgaben nicht nennenswert erhöhen.
Juli 2025: Im Juli gab es mehrere Anlässe zum Feiern. So wurde am 9. Juli mit einem großen Festakt im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin die 70-jährige Zugehörigkeit Deutschlands zur NATO gewürdigt. Nur wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war damals die Aufnahme der jungen Bundesrepublik in das transatlantische Bündnis ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zurück in die internationale Staatengemeinschaft gewesen.
Am 27. Juli einigten sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump auf einen neuen Handelsdeal, um den Zollkonflikt zu entschärfen: Die USA führten eine pauschale Obergrenze von 15 Prozent für die meisten EU-Waren ein (inklusive Autos), während die EU ihrerseits US-Waren zollfrei importieren lassen kann. Der transatlantische Handelsstreit hatte kurz nach dem Amtsantritt Trumps begonnen, der hohe Zölle für die Einfuhr zahlreicher Güter aus fast 70 Staaten – darunter auch den europäischen Staaten – beschlossen hatte.
Ende des Monats – im Zeitraum 28. bis 31. Juli – marschierten Bundeswehrangehörige durch Brandenburg und Berlin, um so die Toten und Gefallenen der deutschen Streitkräfte zu würdigen. Der etwa 120 Kilometer lange Marsch erinnert an alle Soldaten und zivilen Mitarbeiter, die seit Gründung der Bundeswehr im Dienst ihr Leben verloren haben. Die Route endete am Ehrenmal der Bundeswehr am Bendlerblock in Berlin.
August 2025: Auf der US-Militärbasis Elmendorf-Richardson in Anchorage in Alaska empfing Donald Trump Russlands Staatspräsident Wladimir Putin zu einem Gipfel mit Schwerpunkt „Ukrainekrieg“. Die Begegnung am 15. August war das erste persönliche Zusammentreffen beider Staatsoberhäupter seit 2019. Konkrete Beschlüsse zur Ukraine, wie etwa eine Waffenruhe, wurden beim „Alaska-Gipfel“ nicht gefasst. War Trump von Putin einmal mehr geschickt manipuliert worden? …
Am 27. August 2025 verabschiedete das Bundeskabinett das von Verteidigungsminister Boris Pistorius auf den Weg gebrachte neue Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (kurz WDModG). Bei dem – zunächst freiwilligen – „neuen Wehrdienst“, der durch hohe Anreize überzeugen soll, müssen alle wehrfähigen Männer Fragebögen ausfüllen. Bei Verweigerung kann dies sanktioniert werden, die Wehrerfassung wird wieder eingeführt. Das Lagebild über die Wehrpflichtigen in Deutschland soll bei Bedarf eine (vorläufige) Wehrpflicht, die der Bundestag allerdings erst beschließen muss, ermöglichen. Der Gesetzentwurf des Kabinetts wurde mittlerweile im Bundestag beraten und im Dezember 2025 angenommen. Nach der Beratung im Bundesrat tritt das WDModG zum 1. Januar 2026 in Kraft.
September 2025: Auf Einladung des Deutschen Bundeswehr-Verbandes diskutierten am 10. und 11. September in Berlin Veteranen sowie Vertreter aus Politik, Bundeswehr, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über die Weiterentwicklung der künftigen Veteranenarbeit. Schirmherrin der Veranstaltung war Bundestagspräsidentin Julia Klöckner.
Das Parlament beschloss am 18. September den Bundeshaushalt für 2025. Danach kann der Bund 502,55 Milliarden Euro ausgeben, das sind 5,4 Prozent mehr als 2024. Für Investitionen sind 62,73 Milliarden Euro ausgewiesen. Für die kommenden Haushaltsjahre sind Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von insgesamt 153,09 Milliarden Euro vorgesehen. Die Nettokreditaufnahme beträgt wie geplant 81,78 Milliarden Euro. Die Steuern und steuerähnlichen Abgaben werden auf der Einnahmenseite mit 386,84 Milliarden Euro veranschlagt. Mit der Verabschiedung endete eine lange Hängepartie: Am Streit um den Etat war wenige Monate zuvor die damalige Ampelregierung zerbrochen.
Oktober 2025: Generalleutnant Christian Freuding ist neuer Inspekteur des Deutschen Heeres. Am 1. Oktober 2025 übernahm er das Kommando über die rund 63.000 Kräfte von Generalleutnant Alfons Mais. Neben den angetretenen Heeresabordnungen verfolgten an diesem Mittwoch in Strausberg Militärs und Politiker als Gäste den Inspekteur-Wechsel – darunter Verteidigungsminister Boris Pistorius. Die Kommandoübergabe erfolgte durch den Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer. Zur Übergabe waren Abordnungen des Stabes des Kommandos Heer, der 1. und 10. Panzerdivision, der Division Schnelle Kräfte, der Heimatschutzdivision und der Multinationalen Korps, des Ausbildungskommandos sowie des Amts für Heeresentwicklung auf dem Paradeplatz angetreten.
Am 13. Oktober übergab die palästinensische Terrororganisation Hamas die letzten 20 überlebenden Geiseln an Israel, die am 7. Oktober 2023 nach Gaza verschleppt worden waren. Bei dem Angriff vor zwei Jahren waren insgesamt mehr als 240 Menschen von der Hamas entführt und rund 1200 Menschen in Israel ermordet worden. Im Gegenzug zur Geiselübergabe entließ Israel etwa 2000 palästinensische Häftlinge. Diese Schritte waren Teil eines Abkommens, das zwischen Israel und der Hamas unter der Führung der USA geschlossen wurde.
November 2025: In Belém, Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pará und neben Manaus die wichtigste Stadt des Amazonasgebietes, trafen sich im Zeitraum 10. bis 22. November Vertreter aus mehr als 190 Staaten zur 30. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Die Idee der brasilianischen Präsidentschaft, einen konkreten Fahrplan gegen die Erderwärmung umzusetzen, gelang dabei nicht. Das Abschlussdokument sieht keine verbindliche Abkehr von den fossilen Energieträgern Erdöl, Erdgas und Kohle vor. Der weltweite CO₂-Ausstoß steigt seit vielen Jahren kontinuierlich an: 2024 hatte der globale Ausstoß an Kohlendioxid einen neuen Höchstwert erreicht. Der mit Abstand größte Kohlenstoffdioxid-Emittent ist China – gefolgt von den USA, Indien, der Europäischen Union und Russland.
Am 12. November 2025 feierte die Bundeswehr ihren 70. Geburtstag. Als sichtbarer Ausdruck einer Parlamentsarmee wurde der Jahrestag mit einem Feierlichen Gelöbnis im Herzen Berlins begangen.
Am 19. November verabschiedete das Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Luftsicherheitsgesetzes. Danach soll die Bundeswehr künftig unbemannte Drohnen abschießen dürfen, wenn damit schwere Unglücke verhindert werden können. Bereits im Oktober hatte sich das Kabinett mit einem Entwurf zur Erweiterung der Befugnisse der Bundespolizei für die Drohnenabwehr befasst.
Der Bundestag gab am 28. November mehrheitlich seine Zustimmung für den Bundeshaushalt für 2026 mit Ausgaben von 524,54 Milliarden Euro. Brennpunktressorts wie das Verteidigungsministerium und das Verkehrsministerium erhielten dabei deutlich mehr Mittel – teils aus dem regulären Etat, teils aus Sondervermögen. Insgesamt kann der Bund im Jahr 2026 jetzt 524,54 Milliarden Euro ausgeben. Das sind 21,54 Milliarden Euro mehr als 2025.
Dezember 2025: Der Bundestag schuf am 5. Dezember die gesetzlichen Grundlagen für einen „neuen attraktiven Wehrdienst“. Dem Gesetzentwurf der Bundesregierung „zur Modernisierung des Wehrdienstes“ (Wehrdienst-Modernisierungsgesetz) stimmten in namentlichem Votum 323 Abgeordnete zu, 272 lehnten ihn ab, eine Abgeordnete enthielt sich. Die Kernpunkte: Der Wehrdienst soll freiwillig bleiben, zukünftig sollen aber junge Männer (geboren ab 2008) wieder verpflichtend gemustert werden. Damit soll die Bundeswehr bis 2035 auf rund 270.000 Aktive sowie rund 200.000 Reservisten aufwachsen können. Findet die Bundeswehr nicht genug Freiwillige, soll das Parlament über einen verpflichtenden Wehrdienst entscheiden können. Hintergrund der Reform ist die seit dem russischen Angriff auf die Ukraine veränderte Sicherheitslage in Europa. Am 19. Dezember stimmt der Bundesrat dem Wehrdienstgesetz zu.
Liebe Freunde des bundeswehr-journal,
ein Jahr vergeht wie im Flug! Wer kennt dieses Gefühl nicht, das besonders ältere Menschen beschleicht (darunter den Autor unseres Jahresrückblicks)? Das Gefühl von Zeit ist trügerisch, denn es hängt weniger von der objektiven Dauer eines Ereignisses ab, als davon, wie intensiv wir es wahrnehmen und erinnern. Der italienische Physiker und Autor Carlo Rovelli (Jahrgang 1956) geht sogar noch weiter – die Zeit sei keine physikalische Realität, sondern nur eine Kreation unseres Gehirns, meint er. Rovellis Rat daher: „Vergesst die Zeit! Im Grunde existiert sie gar nicht.“
Auch der amerikanische Schriftsteller Samuel Langhorne Clemens (1835-1910) hat sich mit dem Phänomen „Zeit“ befasst. Clemens, der unter dem Künstlernamen Mark Twain berühmt wurde („Die Abenteuer Tom Sawyers“), warnte beispielsweise die damaligen Börsianer mit einem Augenzwinkern: „Der Oktober ist ein besonders gefährlicher Monat für Spekulationen. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar.“ Twain rät aber auch und diesmal ernsthaft: „Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.“ In diesem Sinne ein gutes neues Jahr 2026 …
Ihr
Christian Dewitz
(Herausgeber)
Zu unserem Bild: Zwei weithin sichtbare Wahrzeichen unseres Redaktionssitzes Oberwesel – die Schönburg über der Stadt und die Katholische Pfarrkirche Liebfrauen in Rheinnähe. Festung und Sakralbau sind Teil des UNESCO-Welterbes „Oberes Mittelrheintal“. Die Schönburg ist eine Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert, die Liebfrauenkirche ein erstmals 1213 erwähnter gotischer Sakralbau. Oberwesel ist seit Dezember 2014 die private und berufliche Heimat des Herausgebers des Magazins bundeswehr-journal.
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