Berlin. Das Megaprojekt „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ – kurz D-LBO – ist eines der großen und teuren Vorhaben der deutschen Streitkräfte. Mit D-LBO, das einmal analoge Funktechnik komplett ablösen und abhörsichere Kommunikation und ein gemeinsames Lagebild ermöglichen soll, will die Bundeswehr ihre Landstreitkräfte in die Zukunft führen. D-LBO hat ein Finanzvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro und wird in die beiden Varianten „Basic“ und „Vollausstattung“ unterteilt.
Die Ausstattungsstufe „D-LBO Basic“ wird in rund 16.000 bereits genutzte Fahrzeuge und Plattformen der Bundeswehr verbaut. Diese Grundversion bringt bereits wesentliche digitale Funktionen mit, ist aber zunächst in ihrer Komplexität eingeschränkt.
Die Version „D-LBO Vollausstattung“ bietet die vollständige, auftragsangepasste digitale Vernetzung und wird in zahlreichen neuen Fahrzeugen sowie in ausgewählten Bestandsplattformen installiert. Eine Vorreiterrolle hat hier der neue Wolf-Geländewagen, der seit 2025 schon mit der Vollausstattung ausgeliefert wird.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat sich vor Kurzem mit den verantwortlichen Vertretern der Industrie getroffen, um den aktuellen Sachstand im Rüstungsprojekt „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ zu erörtern. Dieser Termin war vor dem Hintergrund eines wichtigen Systemnachweises am 29. Juni in Munster gewählt worden. In einer Presseerklärung vom heutigen Dienstag (7. Juli) versichert das Ministerium in diesem Zusammenhang: „Die Stabilität und Leistung des Gesamtsystems haben sich in den letzten Monaten deutlich verbessert.“
Weiter heißt es in der offiziellen Mitteilung des Wehrressorts: „Bei der Musterintegration sind wir derzeit im Plan. Über die Musterintegrationen gewinnen wir jeweils pro Fahrzeugtyp die Blaupause für die Serieneinrüstung der komplexen Technik. Bei der Serienintegration liegen wir allerdings zurück. Die Ursachen sind sowohl industrieseitig, beispielsweise aufgrund mangelnder Materiallieferungen, als auch auf Seiten der Bundeswehr zu verorten. Die Bundeswehr ist unter anderem für den Abnahmeprozess in den Werken zuständig, hier gibt es ebenfalls Verbesserungspotential.“
In dem Gespräch mit der Industrie ist laut Ministerium klar verdeutlicht worden, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um die aufgetretenen Rückstände bei der Serienintegration aufzuholen. Für die Umsetzung wurde deshalb nun ein Maßnahmenplan erarbeitet.
Der Plan sieht für die Bundeswehr vor, mehr Personal für die Güteprüfung einzusetzen und den Prozess für die Fahrzeugabnahme zu optimieren. Mit der Industrie wurde vereinbart, über die bereits ergriffenen Maßnahmen hinaus weitere Vorschläge zu erarbeiten, mit denen die Rückstände aufgeholt werden können – dies auch mit Blick auf steigende Umrüstzahlen.
Die Industrie habe – so die Pressemitteilung aus Berlin – in diesem Zusammenhang erneut zugesichert, in diesem Jahr noch 2700 Fahrzeuge einzurüsten. Ziel sei und bleibe die digitale Einsatzbereitschaft der Panzergrenadierbrigade 37 zum Jahresende sowie der Panzerbrigade 45 in Litauen bis Mitte 2027.
Wie das Verteidigungsministerium in seinem Pressetext weiter ausführt, sollen im Rahmen des Aufwuchses der Bundeswehr in den kommenden Jahren die Fahrzeugflotten der Gefechtsfahrzeuge und auch die der Logistik stark anwachsen, bei manchen Typen im vierstelligen Bereich. „Diese Neuplattformen müssen alle in das neue digitale Funk- und Führungssystem integriert und darüber hinaus auch die anwachsende Truppe mit neuen digitalen Handfunkgeräten ausgerüstet werden“, so das Ministerium.
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat hierfür in der vergangenen Woche den 7. Änderungsvertrag im Programm „D-LBO“ gebilligt, um Liefermengen und Lieferkadenz der Führungsfunkgeräte des bestehenden Vertrages erhöhen zu können. Es sind knapp 32.000 zusätzliche Führungsfunkgeräte in verschiedenen Ausführungen geplant.
Der Änderungsvertrag beinhaltet auch zusätzliche Handfunkgeräte für den digitalen Mischbetrieb. Der Mischbetrieb hat für die Ausstattung der Landstreitkräfte mit D-LBO eine herausgehobene Bedeutung, da die Umrüstung der mehr als zehntausend Plattformen in einem Schritt nicht möglich ist. Der Text aus dem Hause Pistorius erklärt dazu: „Es gibt Fahrzeuge, die bereits umgerüstet sind, Fahrzeuge, deren Umrüstung noch folgt und Fahrzeuge, die nicht mehr umgerüstet werden (beispielsweise aufgrund geringer Stückzahlen oder wegen baldigem Nutzungsende). Die Landstreitkräfte müssen aber im Verbund führungsfähig und einsatzbereit sein und vernetzt miteinander funken sowie Daten austauschen können.“
Bei dem Projekt „D-LBO“ werden momentan mehr als 10.000 Fahrzeuge der sogenannten „Division 2025“ mit modernster digitaler Funktechnik ausgestattet. Der Pressetext schließt mit dem Hinweis: „Das Führungsfunksystem gewährleistet einen sicheren Informationsaustausch, auch in einem gestörten elektromagnetischen Umfeld; zudem ermöglicht es eine durchgängige, verschlüsselte Kommunikation.“
Übrigens: Wir haben in der Vergangenheit immer mal wieder über das Rüstungsprojekt „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ und in diesem Zusammenhang über die Auftragsvergabe durch die Bundeswehr beziehungsweise das Koblenzer Beschaffungsamt berichtet, so beispielsweise hier.
Die Ausrüstung der Truppe mit D-LBO hat 2025 begonnen. Nachdem größere Probleme beim Einbau der Funkgeräte auftraten und das Gesamtsystem bei einem Test nicht überzeugen konnte, änderten die Verantwortlichen im November 2025 unter anderem die Reihenfolge bei der Umrüstung: Zunächst sollen nun weniger einsatzrelevante Fahrzeuge digitalisiert werden, danach schließlich erst die für Einsätze vorgesehenen Fahrzeuge.
Bei einem Feldtest im Februar 2026 wurden bereits spürbare Verbesserungen bei der Gesamtperformance von D-LBO erzielt. Im April 2026 fand ein zweiter Feldtest statt, bei dem eine Panzerkompanie und weitere Fahrzeuge vernetzt wurden. Leistung und Stabilität der Technik wurden dabei drei Wochen intensiv getestet. Die erzielten Fortschritte waren vielversprechend – so schieb die Bundeswehr dazu später in einem Onlinebeitrag: „Das D-LBO-System blieb auch unter Last und bei Störversuchen stabil; sowohl das Tracking befreundeter Kräfte als auch Qualität und Reichweite des Funks überzeugten.“
Gleichzeitig wurde bei diesem Test nachgewiesen, dass der Mischbetrieb funktioniert. Ab Sommer 2026 soll deshalb der Digitalfunk jetzt für den Mischbetrieb in noch nicht umgerüstete Fahrzeuge installiert werden. Parallel dazu sollen sowohl die Muster- als auch die Serienintegration von D-LBO sowie die Integration der IT-Systeme vorangetrieben werden. Mittlerweile wurden nach Angaben der Bundeswehr rund 50 Prozent der notwendigen D-LBO-Musterintegrationen abgeschlossen. Die Serienintegration hat ebenfalls 2025 begonnen.
Im Sommer 2026 soll es eine umfassende D-LBO-Einsatzprüfung geben. Ziel wird sein, dass zum 1. Januar 2027 die Panzergrenadierbrigade 37 digital geführt werden kann. Danach soll die Panzerbrigade 45 Litauen, die bis zum 1. Juli 2027 digitalisiert wird, folgen. Beide Großverbände gehören zur 10. Panzerdivision. Bis Ende 2027 soll die „Zehnte“ schließlich komplett mit D-LBO ausgerüstet sein (sie ist als „Division 2025“ fest in die NATO-Verteidigungspläne eingebunden). Anschließend sollen nach und nach andere Verbände der Landstreitkräfte des Deutschen Heeres folgen.
Unser Bildmaterial: Symbolfoto „Digitale Welt“ – Bundeswehrsoldat in einem Spähfahrzeug Fennek am Touchscreen.
(Foto: Bundeswehr)
Kleines Beitragsbild: Ärmelpatch „D-LBO“ an einer Bundeswehruniform.
(Foto: Siggi Wiest/für die blackned GmbH)
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