Andenes, Nøtterøy, Duken (alle Norwegen). Das norwegische Unternehmen Andøya Space und Rheinmetall Nordic AS haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um gemeinsam kommerzielle Kapazitäten für zivile und militärische Weltraumoperationen auszubauen. Diese Partnerschaft, besiegelt mit einem Letter of Intent (LOI), will den steigenden Sicherheitsanforderungen in Europa durch den schnellen Einsatz von Satelliten und Weltraumressourcen gerecht zu werden. Rheinmetall Nordic AS ist aus der norwegischen Simrad Optronics ASA hervorgegangen, die im Sommer 2010 vom Rheinmetall-Konzern übernommen wurde.
Die beiden Vertragspartner wollen sich in ihrer Zusammenarbeit schwerpunktmäßig auf die Schließung von Lücken in der Wertschöpfungskette für Satelliten und Starts auf der nordnorwegischen Insel Andøya konzentrieren. Andøya ist der Standort des „Andøya Spaceport“-Geländes, von wo aus seit den 1960er-Jahren unter anderem mehr als 700 Raketen für die Höhenforschung gestartet sind.
Ziel der künftigen Kooperation soll sein, regelmäßige kommerzielle Startdienste und flexible, schnelle Reaktionsfähigkeiten vom europäischen Festland aus anzubieten. Diese strategische Partnerschaft will Tactical Responsive Launch-Kapazitäten (TacRL-Kapazitäten) bereitstellen und – so eine Rheinmetall-Pressemitteilung – „eine sichere und widerstandsfähige Handhabung von Satelliten mit verkürzten Reaktionszeiten gewährleisten“. (Anm.: Beim sogenannten Tactical Responsive Launch sollen bei Bedarf kritische Satelliten innerhalb kürzester Zeit ersetzt werden – dies könnte in einem größeren Krisen- oder Kriegsszenario eine wichtige Rolle spielen.)
Die Verbindung von Andøya Space und Rheinmetall soll den Verantwortlichen zufolge „von entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung der strategischen militärischen und zivilen Weltrauminfrastruktur Deutschlands, Norwegens, der NATO insgesamt sowie etlicher Partnerländer sein“.
Wie die Pressemitteilung aus Düsseldorf weiter ausführt, sei nun „erklärtes Ziel beider Unternehmen, strategische Autonomie, erhöhte Reaktionsfähigkeit, schnellere Bereitstellung neuer Fähigkeiten und operative Vorteile im geopolitischen Umfeld zu gewährleisten“.
Dazu Troels Sandreid, Geschäftsführer des Areals Andøya Spaceport: „Diese Absichtserklärung ist ein wichtiger Meilenstein für das Unternehmen Andøya Space. Durch die Bündelung des Know-hows und der Infrastruktur beider Unternehmen wollen wir die Fähigkeit Europas stärken, schnell und sicher auf neue zivile und militärische Anforderungen im Weltraum zu reagieren.“
Thomas Berge Nielsen, CEO von Rheinmetall Nordic, ergänzt: „Die Zusammenarbeit mit Andøya Space wird angesichts des Aufbaus europäischer Raumfahrtkapazitäten ein entscheidender Faktor für die Entwicklung unseres Angebots im zivilen und militärischen Bereich sein.“
Die Verbindung beider Unternehmen ist den Partnern zufolge „ein wichtiger Schritt zur Vervollständigung der Weltraum-Wertschöpfungskette von Andøya und zur Entwicklung modernster Einrichtungen und Dienstleistungen auf europäischem Boden“.
Rheinmetall und Andøya Space wollen ihren Kunden in Zukunft diese Dienstleistungen rasch zu kommerziellen Bedingungen anbieten und damit die erfolgreiche Durchführung von TacRL-Missionen und regelmäßige Startdienste möglich machen.
Der deutsche Technologie- und Rüstungskonzern Rheinmetall hat die börsennotierte Aktiengesellschaft Simrad Optronics ASA im Sommer 2010 mit seinen rund 210 Beschäftigten übernommen, um damit sein Angebot an optoelektronischen und elektromechanischen Komponenten für militärische Systeme zu erweitern. Das norwegische Unternehmen, das heute Teil der Rheinmetall-Division „Electronic Solutions“ ist und hier „Rheinmetall Nordic AS“ heißt, war und ist ein wichtiger Zulieferer für elektronische Komponenten und optische Systeme, die in Waffensystemen und Fahrzeugen eingesetzt werden.
Rheinmetall Nordic ist nach einer Beschreibung des Düsseldorfer Mutterkonzerns „spezialisiert auf Hightech-Produkte für Infanteriesoldaten, Sensor- und Beobachtungssysteme sowie Aufklärungs- und Feuerleitsysteme“. Darüber hinaus präsentiert sich Rheinmetall Nordic als „ein international tätiger Lieferant insbesondere von Komponenten für ferngesteuerte Waffenstationen, elektrooptische Geräte und Feuerleitmodule für mannschaftsbediente Waffen – dazu zählen Zielerfassungssysteme, Kameras, 40-mm-Feuerleitsysteme, Waffenoptimierungen und Waffenanbauprodukte bis hin zu modernen Mörsersystemen“. Die frühere Simrad Optronics exportiert heute als Rheinmetall-Tochter in mehr als zwanzig Länder rund um die Welt.
Unser Bildmaterial: Grafische Darstellung eines Raketenstarts von der Startrampe A des Weltraumbahnhofs „Andøya Spaceport“ auf der nordnorwegischen Insel Andøya.
(Bild: Andøya Space)
Kleines Beitragsbild: T-Shirt aus dem Angebot des „Andøya Spaceport“, im Bildhintergrund die Insel Andøya. Vom Gelände des Startplatzes steigen seit den 1960er-Jahren Forschungsballons und Weltraumraketen auf.
(Hintergrundfoto: nr; Bildgestaltung und Bildmontage: mediakompakt)
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