Beteiligung von Rohde & Schwarz an Orbint
2025
München/Neubiberg. Der Technologiekonzern Rohde & Schwarz beteiligt sich laut einer Pressemitteilung an der Orbint GmbH, einem Spin-off der Universität der Bundeswehr München. Als strategische Partner wollen die beiden Unternehmen künftig ihre Kompetenz im Bereich der satellitengestützten, signalerfassenden Aufklärung bündeln. Mit dieser Allianz soll – so heißt es im Pressetext – „die technologische Souveränität und Sicherheit Deutschlands und Europas im Weltraum nachhaltig gestärkt werden“.
Rohde & Schwarz will mit der Beteiligung an der Orbint GmbH sein breites Lösungsportfolio für Aufklärung im elektromagnetischen Spektrum jetzt um die Dimension „Weltraum“ erweitern.
Das Spin-off Orbint (Anm.: zu Deutsch „Ableger“ – Ausgliederung einer Organisationseinheit aus bestehenden Strukturen, bei der beispielsweise eine Abteilung oder eine gesamte Geschäftseinheit zu einem eigenständigen Unternehmen wird) wurde im Jahr 2025 von vier wissenschaftlichen Mitarbeitern der Bundeswehr-Uni gegründet: Alexander Schmidt, Simon Heine, Daniel Weinzierl und Winfried Stock. Das Start-up setzt mit seinem Ansatz für satellitengestützte, signalerfassende Aufklärung technische Maßstäbe. Mithilfe eines verteilten Satellitennetzes können zukünftig verschiedenste Signale in nahezu Echtzeit detektiert, identifiziert und lokalisiert werden. Die Daten werden noch an Bord des Satelliten verarbeitet.
Alexander Orellano, Executive Vice President „Technology Systems“ und Mitglied der Geschäftsleitung von Rohde & Schwarz, erläutert die Entscheidung zur Beteiligung an dem jungen Unternehmen: „In der aktuellen sicherheitspolitischen Lage ist Signalaufklärung aus dem Weltraum eine Schlüsselfähigkeit für Europa. Mit Orbint gewinnen wir hierfür einen hochspezialisierten Partner, dessen Kompetenz und Innovationskraft die unsere konsequent ergänzen. Als etablierter Technologiekonzern setzen wir bewusst auf die Zusammenarbeit mit einem Start-up. Wir sind überzeugt, dass eine solche Kooperation die Entwicklung moderner Verteidigungs- und Raumfahrttechnologien beschleunigen kann.“
Alexander Philipp, Geschäftsführer der Rohde & Schwarz Vertriebs GmbH, ergänzt: „Die Partnerschaft mit Orbint ist für uns nicht nur ein strategisch wichtiger Schritt, um Technologiekompetenz und Portfolio zu erweitern. Vielmehr können wir gemeinsam der Bundeswehr eine souveräne Lösung mit nationalen Kapazitäten bieten, um die Fähigkeit zur signalerfassenden Aufklärung aus dem Weltall sicherzustellen und weiterzuentwickeln.“
Die Orbint-Gründer haben sich mit Rohde & Schwarz bewusst für einen strategischen Partner entschieden. Alexander Schmidt, Mitgründer und Co-Geschäftsführer der GmbH, betont: „Uns war wichtig, einen Partner zu gewinnen, der nicht nur Kapital einbringt, sondern mit technologischer Tiefe, inhaltlicher Expertise und Marktnähe echten Mehrwert schafft. Rohde & Schwarz verfügt über eine breite technologische Basis und starke Schnittstellen in allen Domänen. In Kombination mit unseren Aktivitäten in der Raumfahrt entstehen daraus neue Potenziale für Innovation und operative Exzellenz. Auf die künftige partnerschaftliche Zusammenarbeit und die gemeinsame Vision freuen wir uns sehr. Zugleich sind wir dankbar für das exzellente Gründungsumfeld und die großartige Unterstützung an der Universität der Bundeswehr München, die unseren Weg von Beginn an begleitet und geprägt hat.“
Orbint ging aus der vom Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr – bekannt unter dem Kürzel „dtec.bw“ – geförderten Kleinsatellitenmission SeRANIS hervor. Diese stellt ein multifunktionales Experimentallabor im Orbit bereit, das unter anderem weltraumgestützte Kommunikations- und Aufklärungstechnologien beinhaltet.
Für die Präsidentin der Universität der Bundeswehr München, Prof. Dr. Eva-Maria Kern, ist die Ausgründung ein besonderer Erfolg ihrer Einrichtung: „Gründen gehört heute zum Selbstverständnis moderner Technikwissenschaft. Das Spin-off Orbint zeigt eindrucksvoll, dass unsere Universität mit dtec.bw gezielt sicherheits- und verteidigungsrelevante Forschung stärkt und Wege in die Anwendung schafft. Ich freue mich, dass wir – gemeinsam mit dem Technologiekonzern Rohde & Schwarz – durch unsere Entwicklung im Bereich der Satellitentechnologie zur technologischen Souveränität Deutschlands in der Raumfahrt beitragen. Kooperationen wie diese sind zentrale Bausteine, um wissenschaftliche Erkenntnisse nachhaltig in den Dienst nationaler Sicherheit stellen zu können.“
Den Weg aus der Grundlagenforschung in die Anwendung zu beschleunigen, ist gerade für sicherheitsrelevante Technologien und Schlüsselfähigkeiten essenziell. Prof. Dr.-Ing Andreas Knopp, Sprecher des Raumfahrt-Forschungszentrums SPACE und Initiator des SeRANIS Projekts, führt dazu aus: „In nur fünf Jahren ist uns der Sprung von der Grundlagenforschung zur Ausgründung gelungen. Ein neues Tempo, das wir in Deutschland dringend brauchen, um Innovationen im Sicherheits- und Verteidigungskontext schnell in wirksame Fähigkeiten zu verwandeln. Möglich wurde das durch ein großartiges Team, hervorragende Bedingungen in unserem Forschungszentrum und die Förderung im Rahmen von SeRANIS, dem größten universitären Raumfahrt-Forschungsprojekt Deutschlands. Von Beginn an haben wir Forschung so gestaltet, dass sie für Industriepartner und die Bundeswehr anschlussfähig ist. Mit Rohde & Schwarz haben wir nun den idealen Partner, um unsere Technologien in operative Systeme zu bringen und den Transfer in die Praxis zu vollenden.“
Forschungszentrum SPACE: Das Forschungszentrum SPACE (kurz FZ SPACE) an der Universität der Bundeswehr München deckt Kerngebiete der Raumfahrt wie Satelliten- und Raketentechnologie oder die Erforschung des Sonnensystems und Weltalls ab. Zu den Kompetenzen gehören aber auch Anwendungen auf der Erde wie Kommunikation, Navigation und Erdbeobachtung. Die Mitglieder vom FZ SPACE arbeiten fakultätsübergreifend zusammen und bündeln ihre Expertise, um interdisziplinär Lösungen für komplexe Problemstellungen zu finden. Gemeinsam gestalten sie Innovationen und treiben das Thema „Raumfahrt“ voran.
Die Einrichtung dtec.bw: Das Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr, auch als dtec.bw bekannt, ist ein gemeinsam getragenes wissenschaftliches Zentrum der Universität der Bundeswehr München und der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg. Mit der Aufnahme in den Deutschen Aufbau- und Resilienzplan (DARP) wird dtec.bw von der Europäischen Union finanziert. Mit mehr als 60 Forschungsprojekten zu Schlüssel- und Zukunftstechnologien, rund 2000 Publikationen, etwa 300 Partnerschaften, knapp 70 entwickelten Technologien und Prototypen sowie mehreren Patenten und Start-ups stärkt das dtec.bw die technologische Resilienz Deutschlands und schafft Mehrwert für die Bundeswehr und die Gesellschaft.
Kleinsatellitenmission SeRANIS: Die Bezeichnung SeRANIS steht für „Seamless Radio Access Networks for Internet of Space“ und erforscht Schlüssel- und Zukunftstechnologien für die digitale Gesellschaft in den Bereichen Informationsübertragung (insbesondere Kommunikation und Navigation für Mobilfunksysteme der 6. Generation), Mikroelektronik, Informationssicherheit, Erdbeobachtung und Werkstoffwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Systemen für den niedrigen Erdorbit, der aus kommerzieller Sicht sowie aus Sicht des Anwendungsspektrums aktuell besonders relevant ist. Aus Sicht der Bundeswehr erzeugt die zunehmende Population des Weltraums massive Risiken für den Betrieb eigener kritischer Infrastrukturen zur Navigation und Kommunikation. Vor allem wird das Risiko deutlich, eines Tages den wichtigen Zugang zum Weltraum zu verlieren, weil beispielsweise keine Rechte an Übertragungsfrequenzen mehr zur Verfügung stehen. Auch Cyber-Bedrohungen aus dem Weltraum sind Realität und wurden durch GPS-Störungen (GPS = Global Positioning System) im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine deutlich. Einer der wichtigsten SeRANIS-Anwender aus der Bundeswehr ist das Kommando Cyber- und Informationsraum.
Zu unserem Bildmaterial: Der Technologiekonzern Rohde & Schwarz beteiligt sich als strategischer Partner an der Orbint GmbH. Gemeinsames Forschungs-, Entwicklungs- und Arbeitsfeld ist die satellitengestützte, signalerfassende Aufklärung. Die Gruppenaufnahme entstand unmittelbar nach Abschluss der Kooperation. Von links: Winfried Stock (Orbint), Prof. Dr.-Ing Andreas Knopp (Universität der Bundeswehr München), Daniel Weinzierl (Orbint), Prof. Dr. Eva-Maria Kern (Präsidentin der Universität der Bundeswehr München), Simon Heine (Orbint), Alexander Philipp (Geschäftsführer Rohde & Schwarz Vertriebs GmbH), Andreas Pauly (Geschäftsführer & CTO Rohde & Schwarz), Alexander Orellano (Executive Vice President „Technology Systems“ Rohde & Schwarz).
(Foto: Rohde & Schwarz)
Kleines Beitragsbild: Symbolbild „Weltraum und Erde“. In der aktuellen sicherheitspolitischen Lage ist die Signalaufklärung aus dem All eine Schlüsselfähigkeit für Europa und Deutschland.
(Bild: NASA)
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Weitere Informationen: https://www.mcd-elektronik.de/fileadmin/assets/downloads/pdf/application-notes/2025_applicationnote-signalanalysis-smart-cables-en_mcd.pdf
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