menu +

Nachrichten



Osnabrück/Calw. Das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK), das im baden-württembergischen Calw stationiert ist, bekommt einen neuen Kommandeur. Am heutigen Donnerstag (30. September) übernimmt der 56 Jahre alte Brigadegeneral Ansgar Meyer das Kommando von seinem Vorgänger Markus Kreitmayr (53). Meyer war zuvor Befehlshaber des letzten deutschen Afghanistan-Kontingents gewesen. Vor der feierlichen Kommandoübergabe äußerte sich noch einmal die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, über die Eliteeinheit.

Das Kommando Spezialkräfte war in den vergangenen Jahren immer wieder mit untragbaren Fehlentwicklungen aufgefallen (wir berichteten – unter anderem hier oder hier). In besonderer Erinnerung ist der „Brandbrief“ eines KSK-Hauptmanns vom Juni 2020 an Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer geblieben, in dem dieser „tiefgreifende und strukturelle“ rechtsextreme Missstände innerhalb des Verbandes anprangerte.

Erneut in die Schlagzeilen geriet das KSK in Calw im Februar dieses Jahres wegen einer fragwürdigen „Amnestie“-Aktion der Kommandoführung. Bei einer großangelegten Sammelaktion im Frühjahr 2020 konnten KSK-Angehörige Munition straffrei zurückgeben, die sie vorher entwendet oder nach Schießübungen nicht zurückgegeben hatten – „ohne negative Konsequenzen“ befürchten zu müssen, so zitierten Medien „aus internen Protokollen der Kommandoführung“. Über die Details der Aktion, die Zehntausende Schuss Munition sowie zwei Handgranaten zutage förderte, berichteten zuerst NDR und WDR. Das Verteidigungsministerium veranlasste nach Bekanntwerden der „straffreien Munitionsrückgabe“ umfassende Prüfungen. Die Staatsanwaltschaft Tübingen leitete gegen Kommandeur Kreitmayr strafrechtliche Ermittlungen ein, die immer noch andauern (Grundlage der Ermittlungen ist ein möglicher Verstoß gegen Paragraf 40 des Wehrstrafgesetzes „Unterlassene Mitwirkung bei Strafverfahren“).

Keine Komplettauflösung, dafür aber „grundlegende Reform“

Die zahlreichen Skandale, die mit dem Namen „KSK“ verknüpft sind, hätten fast zur Auflösung des Verbandes geführt. Nach persönlichen Besuchen vor Ort in Calw entschloss sich Ministerin Kramp-Karrenbauer jedoch für eine „grundlegende Reform“ (wobei sie ankündigte, sie werde „mit eisernem Besen kehren“).

Der Personalwechsel an der Spitze ist offenbar ein Teil der Reform, auch wenn man hier mit der Bewertung vorsichtig sein sollte. So schrieb dazu Kai Küstner, Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio mit Schwerpunkt „Verteidigungs- und Sicherheitspolitik“: „Eine Ablösung nach mehr als drei Jahren ist für einen Kommandeur bei der Spezialeinheit nicht ungewöhnlich. Die Amtszeit von Markus Kreitmayr lief ohnehin im Sommer aus. Allerdings wäre theoretisch natürlich auch eine Verlängerung möglich gewesen, die man im Verteidigungsministerium unter den gegebenen Umständen offenbar nicht wollte.“

Evakuierung aus Kabul hat gezeigt – die Bundeswehr braucht das KSK

Die Wehrbeauftragte fordert angesichts der skizzierten Turbulenzen um das Kommando Spezialkräfte nun auch vom neuen Kommandeur eine konsequente Aufklärung von Missständen innerhalb des Verbandes. Eva Högl sagte jetzt der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ): „Die strafrechtliche und disziplinarrechtliche Aufarbeitung der rechtsextremistischen Umtriebe muss noch konsequent abgeschlossen werden.“ Sie fügte hinzu: „Es muss immer wieder klargemacht werden, dass Rechtsextremismus keinen Platz hat – weder in den Spezialkräften noch in der Bundeswehr.“

Der neue Kommandeur Ansgar Meyer bringe für diese Aufgabe viel Erfahrung mit, versicherte Högl: „Das ist eine gute Basis, damit sich das KSK wieder auf seinen Kernauftrag konzentrieren kann.“ Dazu gehöre, härteste militärische Einsätze für die Bundeswehr zu übernehmen.

Die Wehrbeauftragte unterstrich abschließend die Bedeutung des Kommandos mit dem Hinweis auf die dramatischen Ereignisse in Afghanistan: „Wir brauchen das KSK – das haben wir bei der Evakuierungsmission der Bundeswehr in Kabul gesehen.“

Redaktioneller NACHBRENNER

Der Wechsel an der KSK-Spitze ist mittlerweile vollzogen: Brigadegeneral Ansgar Meyer ist neuer Kommandeur der rund 1500 Männer und Frauen umfassenden Spezialkräfte. Den Wechsel nahm in Calw Generalmajor Andreas Hannemann, Kommandeur der Division Schnelle Kräfte, vor. Es spielte das Heeresmusikkorps aus Veitshöchheim unter Leitung von Oberstleutnant Roland Kahle.

Brigadegeneral Meyer sagte über seine neue Verwendung: „Ich freue mich auf diese vor mir liegende Aufgabe. Das KSK ist ein strategisches Instrument der Politik, verfügt über besondere Fähigkeiten und hat in den letzten 25 Jahren und gerade auch zuletzt im Zuge der Evakuierungsoperation in Kabul bewiesen, dass es unverzichtbar ist.“ Der Heeresgeneral hatte – wir erwähnten es bereits zu Beginn – das letzte deutsche Kontingent der „Resolute Support Mission“ in Afghanistan bis zum regulären Abzug der Truppen im Juni dieses Jahres geführt.

Der scheidende Kommandeur wechselt als Abteilungsleiter „Ausbildung“ in das Streitkräfteamt nach Bonn. Er stand seit 2018 an der Spitze des Kommandos Spezialkräfte. In seiner Abschiedsrede sagte Brigadegeneral Kreitmayr – mit Blick auf das 25-jährige Jubiläum, das das Kommando Spezialkräfte am 20. September hatte begehen können – unter anderem: „Es liegen ein Vierteljahrhundert voller Professionalität, Leidenschaft und Einsatzbereitschaft, aber auch 25 Jahre mit Rückschlägen, Improvisation und Neuansätzen hinter uns und unseren Vorgängern, den Menschen des Kommando Spezialkräfte. Den größten Rückschlag mussten wir ohne jeden Zweifel im Mai letzten Jahres erleben. Wie wir alle wissen, hat die schwerste Krise unseres Verbandes seit seiner Aufstellung beinahe zu seiner Auflösung geführt.“ Man habe gemeinsam erlebt, was die Ereignisse seitdem von den KSK-Angehörigen und ihren Familien abverlangt hätten – „welche Verletzungen und Wunden wir, als soldatische Gemeinschaft, erlitten haben“.

Gleichzeitig lobte er seine angetretenen Elitesoldaten: „Der Schlüssel zur positiven und nach vorne gerichteten Veränderung waren Sie, die professionellen, hoch motivierten, ja leidenschaftlichen und anständigen Menschen des Kommando Spezialkräfte. […] Sie haben mit Ihrer Wahrhaftigkeit und Ihrer richtig verstandenen Kameradschaft den entscheidenden Unterschied gemacht.“ Kreitmayr zitierte in seiner Rede auch Generalinspekteur Eberhard Zorn, der im Abschlussbericht der Arbeitsgruppe „Kommando Spezialkräfte“ vom 8. Juni 2021 geurteilt hatte: „Mit Verständnis, Entschlossenheit, Professionalität und Disziplin hat eine überwältigende Mehrheit der Angehörigen im KSK den Reformprozess und die damit verbundene Weiterentwicklung des Verbandes von Beginn an mitgetragen und engagiert vorangetrieben.“

Der Brigadegeneral verabschiedete sich mit den Worten: „Ich bitte Sie alle, gestalten Sie gleichermaßen professionell unser ,Kommando Spezialkräfte der Zukunft‘. Tun Sie dies loyal, diszipliniert und treu auf den Werten unserer Verfassung. Tun Sie dies insbesondere gemeinsam – im Vertrauen und Zutrauen ineinander und mit Respekt und Wertschätzung füreinander.“


Zu unserem Bildmaterial:
1. Unser Symbolbild „KSK“ zeigt Soldaten des Kommandos Spezialkräfte beim „Tag der Bundeswehr“ in Dresden. Die Aufnahme entstand am 9. Juni 2018 auf dem Gelände des Militärhistorischen Museums.
(Foto: Christian Thiel/Bundeswehr)

2. Der neue Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte, Brigadegeneral Ansgar Meyer.
(Foto: Bundeswehr)

3. Kommandoübergabe am 30. September 2021 in Calw – rechts im Bild unter anderem die Brigadegeneräle Markus Kreitmayr und Ansgar Meyer.
(Foto: KSK/Bundeswehr)

4. Übergabe der Truppenfahne durch Generalmajor Andreas Hannemann (rechts), Kommandeur der Division Schnelle Kräfte, an Brigadegeneral Ansgar Meyer.
(Foto: KSK/Bundeswehr)


Kommentare

  1. Dr.-Ing. U. Hensgen | 1. Oktober 2021 um 16:35

    Am 20. September 1996 wurde das Kommando Spezialkräfte (KSK) aufgestellt. Eine Erwähnung des 25-jährigen Jubiläums erfolgte noch nicht einmal auf der Homepage der Bundeswehr. Die sehr engagierten Menschen im KSK hätten sicher mehr anerkennende Aufmerksamkeit verdient.

    Im vertikalen Zusammenhalt der Bundeswehr scheint, wie auch der nicht stattgefundene Empfang der Afghanistan-Rückkehrer in Wunstorf am 29. Juni 2021 schon zeigte, noch sehr viel Handlungsbedarf zu bestehen.

Kommentieren

Bitte beantworten Sie die Frage. Dies ist ein Schutz der Seite vor ungewollten Spam-Beiträgen. Vielen Dank *

OBEN