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Berlin. Oft blüht Gutes im Verborgenen. Im August 2018 hat die Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in ihrem Internetauftritt die Öffentlichkeit darüber informiert, dass das „Sportförderkonzept der Bundeswehr unter Einbindung der Athletenkommission erweitert und flexibilisiert [wurde], um Athleten […] eine bessere Zukunftsperspektive und mehr Mitspracherecht zu ermöglichen“. Den Neuerungen vorausgegangen war im Februar 2017 die massive Kritik des Kommissionsvorsitzenden Maximilian Hartung. Der Welt- und Europameister im Fechten hatte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Sportförderung der Bundeswehr als „nicht besonders gutes Instrument“ bezeichnet. Die Bundeswehr machte sich daraufhin ernste Gedanken über die Weiterentwicklung ihrer Spitzensportförderung. Dies brachte dann – siehe Mitteilung der Athletenkommission – rasch handfeste Ergebnisse. Hartung selbst hatte bereits im April 2017 von „wegweisenden Veränderungen“ berichten können. Nun, knapp zwei Jahre später, erkundigt sich die Bundestagsfraktion der Linken nach der „Spitzensportförderung durch die Bundeswehr“. Und danach, warum das „erweiterte Sportförderkonzept“ der Truppe noch nicht den Parlamentariern in Berlin vorgestellt worden sei …

Unstrittig ist, dass der am 31. Januar 2017 zum Athletensprecher gewählte Maximilian Hartung mit seiner Kritik den Anstoß für ein Umdenken bei der Bundeswehr gegeben hatte (siehe hier und hier). In direkten Gesprächen mit den Verantwortlichen hatte Hartung seine Vorstellungen von einer „athletengerechteren“ Förderung erläutern können. Im Juni 2017 hatte sich die Athletenkommission auch mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen getroffen.

Die Bundesregierung informiert nun in ihrer Antwort vom 25. Februar auf die Kleine Anfrage der Parlamentarier Gökay Akbulut, Christine Buchholz und André Hahn und anderer Abgeordneter der Linken über das erweiterte Konzept „Spitzensportförderung der Bundeswehr“. Auf den Hinweis der Fragesteller, dass das Konzept „bis zum jetzigen Zeitpunkt“ dem Deutschen Bundestag immer noch nicht vorliege, heißt es in der Regierungsantwort: „Die Weiterentwicklung der Spitzensportförderung der Bundeswehr – in [der] Frage als ,erweitertes Sportförderkonzept‘ bezeichnet – wurde in der 71. Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages am 21. Juni 2017 unter Tagesordnungspunkt 3 durch den Parlamentarischen Staatssekretär Ralf Brauksiepe und den Abteilungsleiter ,Ausbildung Streitkräfte‘ im Kommando Streitkräftebasis, Brigadegeneral Markus Kurczyk, vorgestellt.“ Der Sportausschuss des Bundestages habe diese Weiterentwicklung „zustimmend zur Kenntnis genommen“, so die Regierungsantwort. Sehen wir mal, welche Veränderungen es gegeben hat …

Neuer Bachelor-Studiengang „Sportwissenschaften“

Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort an die Linken am 25. Februar mitteilte, hat es inzwischen eine Flexibilisierung der Laufbahnausbildung „Spitzensport“ gegeben. Dabei wurde unter anderem die Basisgrundausbildung von sechs Wochen auf jetzt vier Wochen verkürzt. Verkürzt wurde auch die Laufbahnausbildung zum Feldwebel „Spitzensport“ von acht Wochen auf nunmehr vier Wochen.

Zu den Neuerungen gehört jetzt auch die Möglichkeit einer Anschlussverwendung nach der aktiven Sportkarriere als hauptamtlicher Trainer „Sport/Körperliche Leistungsfähigkeit“. Damit will die Bundeswehr auch ihre Sportausbildung insgesamt professioneller gestalten.

Darüber hinaus ist die Einrichtung eines Bachelor-Studienganges „Sportwissenschaften – Gesundheit, Prävention, Rehabilitation“ geplant. Dieser Studiengang soll sich laut Bundesregierung „an den speziellen Bedürfnissen von Spitzensportlern für die Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes“ orientieren. Wie aus der Antwort weiter hervorgeht, sind für die Einrichtung des Studienganges „Haushaltsmittel für die Jahre 2019 und 2020 in Höhe von rund 310.200 Euro eingeplant“.

Jährlich Millionen für die Ausbildung der Sportsoldaten

Die Bundeswehr ist der größte Förderer des Hochleistungssports in Deutschland. Die finanziellen Aufwendungen der Bundeswehr für die Ausbildung ihrer Sportsoldaten lagen in den vergangenen Jahren (2008 bis 2019) jährlich zwischen rund 29 und annähernd 36 Millionen Euro.

Nach der Übersicht der Bundesregierung sind momentan 771 Sportler in den 15 Sportfördergruppen der Bundeswehr aktiv. Die Wissenschaftlichen Dienste (WD) des Deutschen Bundestages schrieben am 6. März vergangenen Jahres über den Personalansatz der Bundeswehr für die Spitzenförderung, dass hier 827 Dienstposten veranschlagt sind. Diese Dienstposten teilen sich laut WD auf in 744 Förderplätze für den DOSB, 40 Dienstposten für die beiden „nicht-zivilen“ Militärsportarten „Militärischer Fünfkampf“ und „Maritimer Fünfkampf“ sowie für das „Fallschirmsportspringen“. Die dritte Gruppe umfasst den Angaben der WD zufolge 43 Stellen für das Führungspersonal der Sportfördergruppen.

Darüber hinaus werden im paralympischen Kader durch die Bundeswehr aktuell zum einen drei Soldaten und zum anderen drei zivile paralympische Spitzensportlerinnen und elf zivile paralympische Spitzensportler im Rahmen von Individualvereinbarungen gefördert.

269 Medaillen bei 15 Olympischen Sommer- und Winterspielen

Über die Einkommensverhältnisse der Bundeswehr-Sportler teilte die Bundesregierung mit: „Das Bruttoeinkommen der Spitzensportler […] in der Spitzensportförderung der Bundeswehr richtet sich nach dem Dienstgrad von 2258,66 Euro als Gefreiter bis zu 2931,12 Euro als Hauptfeldwebel. Der sich daraus ergebende Durchschnittswert beträgt 2594,89 Euro. Zur Förderung […] durch die Deutsche Sporthilfe liegen der Bundesregierung keine [Informationen] vor.“

Weiteren Angaben der Regierung zufolge befinden sich derzeit 312 Spitzensportler in einer dienstzeitbegleitenden Ausbildung oder in einem Studium mit jeweils individuellen Präsenzphasen. Aktuell dienen fünf Spitzensportlerinnen und 33 Spitzensportler im Status „Berufssoldat“ in der Bundeswehr.

Seit 1992 gewannen Spitzensportler der Bundeswehr bei 15 Olympischen Sommer- und Winterspielen insgesamt 269 Medaillen. Dies sind rund 45 Prozent der insgesamt 601 Medaillen deutscher Olympiamannschaften.

Union und SPD wollen „Invictus Games“ auch in Deutschland ausrichten

Seit dem Jahr 2014 gibt es mit den „Invictus Games“ eine paralympische Sportveranstaltung für kriegsversehrte Soldaten. Bei der ersten Austragung im Londoner Queen Elizabeth Olympic Park waren Teilnehmer aus 13 Ländern gestartet (siehe unseren damaligen Bericht). Seit London gab es drei weitere Austragungen: Orlando/USA 2016, Toronto/Kanada 2017 und Sydney/Australien 2018. Im nächsten Jahr wird Den Haag/Niederlande Austragungsort der 5. „Invictus Games“, an denen sich mittlerweile auch die Bundeswehr regelmäßig beteiligt, sein.

In zwei Wochen, am 14. März, steht ein von den Fraktionen von CDU/CSU und SPD angekündigter Antrag mit den Titel „Invictus Games – das Sportereignis der versehrten Soldatinnen und Soldaten als ein deutliches Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung nach Deutschland holen“ auf der Tagesordnung des Deutschen Bundestages. 45 Minuten sind für die Debatte eingeplant. Danach soll die Vorlage zur federführenden Beratung an den Sportausschuss überwiesen werden. Die Debatte wird live übertragen.


Zu unserer Bildfolge:
1. Oberbootsmann Sebastian Bayer von der Sportfördergruppe Appen am 5. Juli 2008 bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Nürnberg.
(Foto: Marcus Rott/Bundeswehr)

2. Bundeswehr-Spitzensport auch im Winter – Thomas Florschütz (Pilot) und Stabsgefreiter Kevin Kuske von der Sportfördergruppe Oberhof im Zweierbob. Die Aufnahme wurde am 20. Februar 2011 gemacht.
(Foto: Andrea Bienert/Bundeswehr)

3. Abschlusszeremonie der „Invictus Games 2016“ in Orlando, Florida/USA.
(Foto: Sebastian Wilke/Bundeswehr)

4. „Invictus Games“ in Orlando: Stabsfeldwebel Manfred Faget (rechts) am 10. Mai 2016 beim Wettkampf.
(Foto: Sebastian Wilke/Bundeswehr)

Kleines Beitragsbild: Military World Games im indischen Hyderabad – Stabsunteroffizier Leif-Marten Krüger belegte dort am 18. Oktober 2007 in der Schwimmdisziplin „50 Meter Schmetterling“ den dritten Platz.
(Foto: Andrea Bienert/Bundeswehr)


Kommentare

  1. Dr. André Hahn | 5. März 2019 um 13:41

    Die Bundesregierung in der Antwort auf die Kleine Anfrage und Sie in Ihrem Beitrag verweisen auf ein nichtöffentliches Protokoll des Sportausschusses, und dann auch noch falsch. Es wurde zwar über ein Konzept geredet, vorgelegt wurde es aber – trotz Nachfragen – nicht und erst recht nicht zustimmend zur Kenntnis genommen. Auch sonst ergeben sich aus dieser Kleinen Anfrage eine Reihe von Fragen.

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