menu +

Nachrichten



Düsseldorf/Aschau am Inn. Der Technologie- und Rüstungskonzern Rheinmetall gehört zu den größten Munitionsherstellern der westlichen Welt. Mit dem Projekt „Firepower“ baut das Unternehmen seine Produktionskapazitäten weiter erheblich aus. Am Rheinmetall-Standort Aschau am Inn (im oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn) entsteht dafür eine der größten und modernsten Pulverfabriken Europas. Betrieben wird das Werk von der Tochterfirma Rheinmetall Nitrochemie. An der Grundsteinlegung am gestrigen Mittwoch (22. Juli) nahmen auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger teil. Gekommen waren auch Hubert Aiwanger (Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie) und Nils Schmid (Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung).

Mit dem Projekt „Firepower“ reagiert Rheinmetall auf die dringende Nachfrage nach Munition in der westlichen Welt, vor allem in der Ukraine. Rheinmetall investiert massiv in seine Fertigung, sowohl mit dem Bau neuer Munitionswerke wie dem in Unterlüß als auch mit dem weiteren Ausbau von bestehenden Standorten wie der Nitrochemie.

Bis 2030 wird eine jährliche Konzernkapazität von rund 20.000 Tonnen Treibladungspulver angestrebt, um den Munitionsbedarf der Bundeswehr, der NATO und der EU abzusichern. Über ein Fünftel davon – 4200 Tonnen – soll aus Aschau kommen. Insgesamt wird Rheinmetall rund 650 Millionen Euro in die Herstellung von Treibladungspulver und deren energetische Vorprodukte investieren, davon 350 Millionen Euro in Aschau.

Neben dem Rheinmetall-Standort Aschau beteiligen sich unter anderem die Produktionsstätten in Wimmis in der Schweiz sowie Murcia und Burgos in Spanien am Kapazitätsaufbau.

Gesamte Wertschöpfungskette für modulare Treibladungen aus einer Hand

Blicken wir nun näher auf das Werk in Aschau am Inn. Hier soll künftig auf einer erweiterten Grundstücksfläche von bisher rund 90 Hektar auf dann 110 Hektar die Produktionskapazität von Treibladungskomponenten für Rohrartillerie und weitere großkalibrige Systeme signifikant gesteigert werden. In einer Pressemitteilung von Rheinmetall zur Grundsteinlegung in Bayern heißt es weiter: „Hierzu werden mehrere hundert Millionen Euro investiert. Die Belegschaft in Aschau wächst weiter. Deren Zahl stieg bereits seit 2022 bis heute um rund 80 Prozent auf über 800 Beschäftigte. Jetzt sollen mehrere hundert weitere Arbeitsplätze entstehen, so dass künftig hier 1400 Kräfte arbeiten werden.“

Bereits ab 2027 soll – so der Rheinmetall-Konzern – die Produktion in den neu geschaffenen Liegenschaften schrittweise beginnen. Derzeit produziert der Standort Aschau im Schichtbetrieb rund um die Uhr etwa 1700 Tonnen Pulver und pro Jahr rund 300.000 Treibladungsmodule.

In den nächsten 24 Monaten soll die Produktion von Pulver und Treibladungsmodulen in Aschau mehr als verdoppelt werden. So sollen in dem Werk bis zu 2500 weitere Tonnen Pulver, mehr als fünf Millionen verbrennbare Formteile und mehr als eine Million modulare Treibladungsmodule hergestellt werden. Die Unternehmensprognose: „Die gesamte Wertschöpfungskette für modulare Treibladungen erfolgt aus einer Hand – und an einem Standort. Die maximale Fertigungskapazität wird 2028 erreicht sein.“

Grundsteinlegung zur Werkserweiterung „ist ein guter Tag für die Sicherheit“

Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich vor den Medienvertretern, die zur Grundsteinlegung gekommen waren, wie folgt: „Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit sind die Voraussetzung für Freiheit. Die Grundsteinlegung zur Werkserweiterung der Rheinmetall-Tochter Nitrochemie in Aschau am Inn ist ein guter Tag für die Sicherheit.“

Rheinmetall investiere mehrere Millionen Euro in die größte und modernste Pulverfabrik Europas, fuhr Söder fort. Dies trage entscheidend zu Resilienz und Autonomie im Verteidigungsbereich bei und schaffe 500 neue, sichere Arbeitsplätze in der Region. Davon profitierten Deutschland und seine Partner im Bündnis und in der Europäischen Union. Der Ministerpräsident: „Nur wer sich verteidigen kann, wird nicht angegriffen. In Bayern haben Sicherheit und Verteidigung Priorität – ein Drittel der Defence-Tech-Unternehmen Deutschlands hat ihren Sitz im Freistaat. Mit einem eigenen Rüstungsgesetz sorgen wir für Vorfahrt für Verteidigungsunternehmen. Wir sind dabei wie beim Bundeswehrgesetz deutschlandweit Vorreiter!“

Reaktion auf den akuten Munitionsbedarf in Deutschland und in Europa

Staatssekretär Nils Schmid sagte bei der Grundsteinlegung: „Der Ausbau der Produktionskapazitäten in Deutschland – insbesondere bei Munition – ist eine sicherheitspolitische Notwendigkeit und auch für unsere Partner von höchster Bedeutung. Ich bin deshalb dankbar, dass die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie auf allen Ebenen Anstrengungen unternimmt, die Lieferketten resilienter zu gestalten. Das Ergebnis sehen wir sehr eindrucksvoll.“

Mit der neuen Anlage hier in Aschau werde entschlossen auf den akuten Munitionsbedarf in Deutschland und in Europa reagiert, lobte Schmid. Die zusätzliche Produktionskapazität sorge insgesamt für eine gesteigerte Souveränität in Deutschland und Europa. Dies zeige, dass demokratische Staaten bereit seien, Verantwortung zu übernehmen und füreinander einzustehen. Der SPD-Politiker schloss mit den Worten: „Im Namen der Bundesregierung wünschen wir einen zügigen Bau und größtmöglichen Erfolg bei diesem wichtigen Beitrag zur Verteidigung Deutschlands und Europas.“

Nationale Souveränität und glaubhafte Verteidigungsfähigkeit

Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, erklärte im Anschluss: „Rheinmetall ist seit seiner Gründung ein Kompetenzzentrum für Waffen- und Munitionssysteme. Wir decken als einer der wenigen Hersteller in der Munitionsfertigung die komplette Wertschöpfungskette ab – von der Treibladung über den Primer und den Zünder, die Geschosshülle bis zur Sprengladung beziehungsweise der Wirkladung.“

Der Konzernchef warnte in diesem Zusammenhang: „Keine dieser Komponenten darf zum Engpass werden. Gerade beim Pulver, welches weltweit nur wenige Hersteller produzieren, ist Autarkie entscheidend. Der Standort Aschau am Inn wird somit entscheidend zur nationalen Souveränität und glaubhaften Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas beitragen.“


Kompakt                           

Die Rheinmetall Nitrochemie-Gruppe ist ein deutsch-schweizerischer Firmenverbund mit Sitz in Wimmis im schweizerischen Kanton Bern und im oberbayerischen Aschau am Inn. Beide Standorte haben eine lange Tradition: In Wimmis wird seit dem Ende des Ersten Weltkrieges Pulver hergestellt. Seit 1953 firmiert der Standort Aschau unter dem Namen „WNC Nitrochemie“ und stellt dort Pulver her, 1994 erfolgte die Übernahme durch Rheinmetall.

1998 fusionierten der Geschäftsbereich „Pulver & Ladungen“ der SM Schweizerische Munitions-unternehmung AG in Wimmis und die WNC Nitrochemie zur Rheinmetall Nitrochemie-Gruppe. Der Aschauer Standort firmiert seither als Nitrochemie Aschau GmbH, der Schweizer Standort als Nitrochemie Wimmis AG.


Unser Bildmaterial zeigt:
1. Die Grundsteinlegung für die neue Pulverfabrik in Aschau am Inn. Von links: Nils Schmid (Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung), Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Hubert Aiwanger, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.
(Foto: Rheinmetall AG))

2. So sehen die Pläne für das neue Werk in Aschau aus – moderne Produktionsstätten in grüner Umgebung.
(Bild: Rheinmetall AG)

Kleines Beitragsbild: Symbolaufnahme „Produktion von Artilleriemunition bei Rheinmetall“. Die Treibladung – oft auch als „Pulver“ – bezeichnet, ist eine der wichtigsten Komponenten im Bereich der Waffensysteme. Das Pulver verbrennt nach der Anzündung kontrolliert und rückstandsfrei. Hierdurch treibt es das Geschoss aus dem Waffenrohr in Richtung Ziel.
(Foto: nr)


Besuchen Sie uns auf https://twitter.com/bw_journal



Kommentieren

Bitte beantworten Sie die Frage. Dies ist ein Schutz der Seite vor ungewollten Spam-Beiträgen. Vielen Dank *

OBEN