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Nordholz/Cuxhaven/Braunschweig/Oberpfaffenhofen. Die Missionsausrüstungen der beiden deutschen Meeresüberwachungsflugzeuge vom Typ Dornier 228 LM (Do 228 LM) werden modernisiert. Geflogen werden die Maschinen im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur von Besatzungen des Nordholzer Marinefliegergeschwaders 3 „Graf Zeppelin“. Mit den Arbeiten betraute das Koblenzer Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) das Unternehmen Aerodata AG und dessen Tochter OPTIMARE Systems GmbH, Bremerhaven.

Auf neuesten Stand gebracht werden sollen die Missionssysteme vom Typ OPTIMARE MEDUSA®, die Sensorausrüstungen und die Kommunikationssysteme der beiden Maschinen, die Ersatzteilbevorratung sowie das Bodensegment. Die umfangreichen Maßnahmen werden den Planungen zufolge im Zeitraum 2020 bis 2023 am Aerodata-Standort Flughafen Braunschweig-Wolfsburg durchgeführt.

Als Originalhersteller der Dornier 228 erbringt die im bayerischen Oberpfaffenhofen ansässige RUAG MRO International im Unterauftrag der Aerodata AG bei diesem Vorhaben bestimmte Engineering-Leistungen in den Bereichen „Rückrüstung/Installation“. Unterstützt wird auch die ergänzende militärische Musterprüfung.

In enger Zusammenarbeit mit dem Havariekommando in Cuxhaven

Nordsee und Ostsee – als flache und gleichzeitig biologisch äußerst produktive Nebenmeere sehr anfällig für Verschmutzung – sind ausgewiesene Sondergebiete nach dem MARPOL-Abkommen. In beiden Meeren ist die Einleitung von Öl oder öligen Gemischen verboten. Dennoch werden bei Überwachungsflügen immer wieder illegale Öleinleitungen dokumentiert. Dabei reicht schon ein Tropfen Öl, um 600 Liter Wasser zu verunreinigen.

Das MARPOL-Abkommen vom 2. November 1973 gilt als wichtigstes Vorschriftenwerk für den Umweltschutz in der Seeschifffahrt; es trat am 2. Oktober 1983 international in Kraft (Anm.: MARPOL vom Englischen marine pollution/Meeresverschmutzung; der englischsprachige Titel des Abkommens lautet „International Convention for the Prevention of Marine Pollution from Ships“). Das Abkommen ist auch Grundlage für den täglichen Einsatz der Sensorflugzeuge des Marinefliegergeschwaders 3 über der Nord- und Ostsee. Einsatzflüge und Routen werden vom Havariekommando des Bundes und der Küstenländer in Cuxhaven festgelegt. Entdecken die Marineflieger Verschmutzungen auf der Wasseroberfläche, dann leiten sie die gewonnenen Aufklärungsdaten direkt an das Havariekommando weiter (siehe auch unseren früheren Beitrag).

Jahresbilanz 2019 bestätigt „die präventive Wirkung der Sensorflugzeuge“

Im Januar dieses Jahres veröffentlichte das Havariekommando seine Jahresbilanz 2019 für die luftgestützte Seeraumüberwachung. Zu diesen Zahlen gehören auch die Leistungen der Aufklärungsflugzeuge Do 228 LM der Marineflieger im Kampf gegen Meeresverschmutzungen.

2019 absolvierten die beiden Sensorflugzeuge aus Nordholz insgesamt 574 Aufklärungseinsätze, davon 284 über der Nordsee und 290 über der Ostsee. In 1626 Flugstunden konnten die Besatzungen – jeweils zwei Piloten und ein Sensorbediener – 130 Verschmutzungen dokumentieren.

Dirk Reichenbach vom Havariekommando fasste bei der Präsentation des Jahresberichts zusammen: „Im deutschen Bereich haben wir keine signifikante Veränderung zum Jahr 2018 feststellen können. Bei der Betrachtung der Einzelanteile von Nord- und Ostsee ist ein Rückgang der nationalen Meldungen von 41 in 2018 auf 39 in 2019 in der Nordsee und ein Zuwachs in der Ostsee von sieben in 2018 auf zehn in 2019 zu verzeichnen. Die geringe Anzahl der Schadstoffeinleitungen bestätigt die präventive Wirkung unserer Sensorflugzeuge.“

Unterstützt wird die Suche nach Umweltverschmutzungen in der Nord- und Ostsee durch den Satellitendienst „CleanSeaNet“ der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA). Seit 2007 liefern die Satellitenbilder Anhaltspunkte für mögliche Umweltvergehen in den Gewässern. Die Sensorflugzeuge vom Marinefliegergeschwader 3 überprüfen diese Hinweise während der Überwachungsflüge. Im Jahr 2019 wurden 715 Satellitenbilder geliefert, die jeweils Teile der deutschen AWZ („Ausschließliche Wirtschaftszone“; siehe nachfolgende Erklärung) oder des Küstenmeeres in Nord- und Ostsee abdeckten.


Hintergrund                           

Das Meeresgebiet seewärts des Küstenmeeres bis maximal zur 200-Seemeilen-Grenze bezeichnet man als „Ausschließliche Wirtschaftszone“, kurz AWZ. Die deutschen Gewässer in Nord- und Ostsee unterteilen sich in die 12-Seemeilen-Zone (das Küstenmeer) und die AWZ. Das Küstenmeer ist deutsches Hoheitsgebiet und unterliegt der Zuständigkeit des jeweiligen Bundeslandes. Seewärts der 12-Seemeilen-Grenze bis maximal 200 Seemeilen Entfernung zur Küste befindet sich die AWZ, an die sich die hohe See anschließt.

In Nord- und Ostsee ist die deutsche AWZ im Wesentlichen mit dem sogenannten deutschen Festlandsockel identisch. Den Festlandsockel bildet der seewärts des Küstenmeeres gelegene Meeresboden und Meeresuntergrund der Unterwassergebiete bis zu einer Ausdehnung von maximal 200 Seemeilen. Aufgrund der angrenzenden AWZ der Nachbarstaaten ist in der Ostsee die deutsche AWZ sehr viel kleiner als in der Nordsee.

In der AWZ hat Deutschland das ausschließliche Recht der wissenschaftlichen Forschung und der wirtschaftlichen Nutzung sowie die Pflicht zum Naturschutz. Ansonsten bleiben die Rechte fremder Staaten (Schifffahrt, Verlegung von Kabeln und Rohrleitungen, Überflugrechte) nach dem Prinzip der „Freiheit der Meere“ unberührt.

Die bisher vergleichsweise wenig genutzten Meereszonen sind für Deutschland von großer und wachsender wirtschaftlicher Bedeutung. Das Meer bietet nicht nur die gegenwärtig bereits genutzten Möglichkeiten für Schifffahrt, Fischfang, Muschelanbau, submarinen Bergbau auf Erdöl und Erdgas, Sand- und Kiesgewinnung, Kabel, Rohrleitungen und Tourismus. Hinzu kommen weitere große Potenziale beispielsweise für Windenergieparks oder Strömungsturbinen zur Elektrizitätsgewinnung.


Die Aufnahme zeigt eine der beiden in Nordholz stationierten Mehrzwecktransportflugzeuge vom Typ Do 228 LM. Mit Radar, Infrarot- und Ultraviolett-Sensoren sowie Mikrowellenradiometer, Fluoreszenz-Laser und Videokameras ausgerüstet kann dieses Turbopropellerflugzeug aus der Luft jegliche Verschmutzungen auf der Wasseroberfläche entdecken – egal ob am Tag oder in der Nacht. Ihre Daten senden die „Öljäger“ direkt an das Havariekommando in Cuxhaven
(Foto: Havariekommando)


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