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Brüssel/Berlin/Wilhelmshaven. Am Dienstag dieser Woche (4. August) lief um 10 Uhr die Fregatte „Hamburg“ für knapp fünf Monate in Richtung Mittelmeer aus. Dort wird Sie das zweite Kontingent des Auslandseinsatzes „Irini“ der Europäischen Union übernehmen. Seit Anfang Mai beteiligt sich die Deutsche Marine mit einem Seefernaufklärer P-3C Orion aus Nordholz an der Mission (durch die Coronavirus-Pandemie ist der internationale Luftverkehr eingeschränkt, die Orion startete deshalb von ihrem Heimatflugplatz zu ihren Aufklärungsflügen vor Libyen). Mit der „Hamburg“ wird nun erstmals ein deutsches Schiff bei der Krisenbewältigungsoperation EU NAVFOR Med – Operation „Irini“ vertreten sein.

Der Bundestag hat den deutschen Beitrag zu „Irini“ am 7. Mai beschlossen (siehe auch hier). Die EU-Operation hat mehrere Aufgaben: Im Mittelpunkt steht die Umsetzung des Waffenembargos der Vereinten Nationen für Libyen, auf dessen strikte Einhaltung sich die Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter internationaler Organisationen im Januar in Berlin verständigt hatten. Darüber hinaus soll die Operation auch Informationen über illegale Öl-Exporte aus Libyen sammeln sowie gegen Menschenschmuggel vorgehen. Außerdem sollen die Einsatzkräfte der EU NAVFOR Med – Operation „Irini“ die libysche Marine, insbesondere die Küstenwache des Landes, ausbilden.

Sollten Einheiten der Operation „Irini“ im Rahmen ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung Seenotrettungen durchführen müssen, werden die geretteten Menschen nach Griechenland gebracht. Dazu schreibt das Auswärtige Amt in einer Presseerklärung: „[Die Geretteten] sollen dann innerhalb der Europäischen Union im Rahmen eines Ad-hoc-Mechanismus verteilt werden. Da einige EU-Mitgliedstaaten befürchten, dass die Operation einen sogenannten ,Pull-Effekt‘ für Migrationsbewegungen hervorrufen könnte, wurde zudem ein Mechanismus etabliert, der den Einsatz von Schiffen vorübergehend einschränken könnte. Darüber hinaus werden die Mitgliedsstaaten die Operation alle vier Monate überprüfen.“

Das Mandat für die Bundeswehr wurde vom Parlament längstens bis zum 30. April 2021 erteilt und gestattet den Einsatz von bis zu 300 deutschen Soldaten (das Mandat des EU-Rates gilt zunächst bis zum 31. März 2021).

Schiff und Besatzung vor bisher unbekannte Herausforderungen

Vor dem Auslaufen äußerte sich Fregattenkapitän Jan Fitschen, Kommandant der „Hamburg“, zu den Besonderheiten dieser Mission. „Wir stehen vor einem Einsatz, der in mehrfacher Hinsicht Schiff und Besatzung vor bisher unbekannte Herausforderungen stellen wird. Wir werden sicherlich hier und dort auch auf schwierigem politischen und operativen Terrain Pionierarbeit leisten müssen.“ Weiter erklärte Fitschen: „Neben der Stammbesatzung laufen wir mit einem breiten Portfolio an eingeschifften Fähigkeiten aus – etwa mit zwei Bordhubschraubern und einer Boardingkomponente des Seebataillons. Diese Teileinheiten gilt es an Bord zu integrieren und zu einem schlagkräftigen Gesamtsystem zu formen.“

Nicht zuletzt werden man die Auswirkungen der Corona-Krise spüren, die Transitzeiten, Hafenplanungen und Landgangsbestimmungen beeinflussen werden. Die Pandemie könnte nach der Marine zufolge dazu führen, dass die Besatzung ihr Schiff knapp fünf Monate lang nicht verlassen darf, um COVID-19-Erkrankungen an Bord zu verhindern. Kommandant Fitschen: „Allen Widrigkeiten in der Einsatzvorbereitung zum Trotz bin ich sicher, dass wir einen wirksamen Beitrag zur Operation leisten können.“

Die Fregatte soll nach einem zweiwöchigen Transit mit besonderer Quarantäne Mitte des Monats im Mittelmeer zum EU-Verband hinzustoßen. Die Rückkehr der „Hamburg“ nach Wilhelmshaven ist derzeit für den 20. Dezember geplant.

22 Nationen stellen Stabspersonal für das Hauptquartier in Rom

Die Krisenbewältigungsoperation EU NAVFOR Med – Operation „Irini“ startete nach relativ kurzer Planungsphase am 31. März dieses Jahres aufgrund eines Beschlusses des Rates der Europäischen Union (zur Bedeutung von „Irini“: neugriechische Form von Irene; vom griechischen „eirene“ beziehungsweise vom Namen der griechischen Friedensgöttin Eirene hergeleitet bedeutet Irini „Frieden“). Kurz zuvor, am 28. April, war die erste Truppenstellerkonferenz zu Ende gegangen.

Zum Befehlshaber der Operation „Irini“ wurde der italienische Konteradmiral Fabio Agostini ernannt, der sein Hauptquartier in Rom (in der Gemeinsamen Einsatzzentrale Centocelle) hat. Agostinis Stellvertreter ist der französische Konteradmiral Jean-Michel Martinet. Befehlshaber im Einsatzgebiet ist Konteradmiral Ettore Socci, Italien.

Folgende europäischen Länder beteiligen sich mit militärischen Mitteln – Schiffe, Flugzeuge, Drohnen und Boarding-Spezialisten – an „Irini“: Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Luxemburg, Malta und Polen. Das Stabspersonal kommt aus Bulgarien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern.

Das Satellitenzentrum der Europäischen Union SatCen, das seinen Sitz in Torrejón in der Nähe von Madrid hat, wird die Operation mit entsprechendem Bildmaterial unterstützen.

Momentan befehligt Konteradmiral Socci zwei Schiffe und sechs fliegende Systeme. Flaggschiff ist das Landungsschiff „San Giorgio“ (Italien), dazu kommt die Fregatte „Spetsai“ (Griechenland). Im fliegerischen Einsatz sind Aufklärungs- und Überwachungsflugzeuge der Typen EMB-145 AEW&C (Griechenland), P-3C Orion (Deutschland), Falcon 50M Surmar (Frankreich), M-28B1R Antonov Bryza (Polen) und Swearingen SW3 Merlin III (Luxemburg). Italien stellt außerdem ein unbemanntes Luftfahrzeug Predator.


Zu unserem Bildangebot:
1. Tag des Abschieds, 4. August 2020 – Angehörige beobachten das Auslaufen der Fregatte „Hamburg“ aus dem Heimatstützpunkt Wilhelmshaven. Das Schiff wird für knapp fünf Monate an der EU-Mission „Irini“ teilnehmen.
(Foto: Leon Rodewald/Bundeswehr)

2. und 3. Die Bundeswehr beteiligt sich seit Anfang Mai 2020 mit einem Seefernaufklärer P-3C Orion an „Irini“. Das Archivbild von der Orion wurde am 13. August 2013 bei einem Aufklärungseinsatz gemacht, auch die Aufnahme aus dem Inneren der Maschine ist älteren Datums und stammt aus dem Archiv.
(Bilder: EU NAVFOR Med – Operation „Irini“)

4. Das Flaggschiff des „Irini“-Einsatzkontingents, das italienische Landungsschiff „San Giorgio“. Die Aufnahme wurde am 12. Mai 2020 gemacht.
(Foto: EU NAVFOR Med – Operation „Irini“)

5. Bis Mai 2020 befand sich die französische Fregatte „Jean Bart“ im Einsatzgebiet von „Irini“, danach wurde sie von der griechischen Fregatte „Spetsai“ abgelöst. Das Bild der „Jean Bart“ stammt ebenfalls aus dem Archivbestand.
(Bild: EU NAVFOR Med – Operation „Irini“)

Kleines Beitragsbild: Die Fregatte „Hamburg“ am 4. August 2020 beim Auslaufen aus Wilhelmshaven.
(Foto: Leon Rodewald/Bundeswehr)


Kommentare

  1. Klaus | 12. August 2020 um 23:10

    Die französische Fregatte „Courbet“ kreuzte im Juni 2020 als Teil der Operation „Sea Guardian“ im südlichen Mittelmeer, um das Waffenembargo gegen Libyen durchzusetzen und wollte den unter der Flagge Tansanias fahrenden türkischen Frachter „Cirkin“ kontrollieren. Dabei kam es zur bekannten Konfrontation mit zwei begleitenden türkischen Fregatten, die ihr Feuerleitradar auf die „Courbet“ richteten, ein in der NATO einmaliger Vorfall, der von der türkischen Seite bestritten wurde. Was genau die NATO-Untersuchung zu diesem Vorfall ergeben hat, ist in der Öffentlichkeit noch immer unbekannt – vermutlich ist und bleibt es geheim.

    Derzeit ist man in Ankara dabei, sich mit militärischer Macht Gasvorkommen in der Ägäis zu sichern, mit dem Willen, sich diese später fest anzueignen. Bisher gab es aufgrund der türkischen Aktivitäten noch keine wirklich starke Reaktion der NATO oder führender EU-Politiker, von Sanktionsandrohungen ganz zu schweigen …

    Ich hoffe, die Kameraden auf der Fregatte „Hamburg“ kommen nicht in eine Lage, wie sie die Besatzung der „Courbet“ erleben musste!

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