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Aachen/Kiel. Vor etwa elf Jahren, in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008, stürzte die damals 18-jährige Kadettin Jenny Böken von Bord des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ ins Meer. Elf Tage später wurde ihre Leiche nordwestlich vor Helgoland gefunden. Staatsanwaltschaft und Marine sprechen bis heute von einem „tragischen Unglück“, die Eltern aus dem nordrhein-westfälischen Geilenkirchen zweifeln nach wie vor daran. Offiziell sind die Akten geschlossen. Doch nun meldet SPIEGEL ONLINE am heutigen Freitag (7. Juni), dass die Staatsanwaltschaft Kiel die Ermittlungen im Fall Böken wieder aufnehmen könnte. Das Magazin beruft sich auf Informationen „aus Sicherheitskreisen“.

Wie der SPIEGEL berichtet, ist der Anlass für eine mögliche Wiederaufnahme die Aussage einer neuen Zeugin, der zufolge die Sanitätsoffiziersanwärterin der deutschen Marine „Opfer eines Verbrechens“ geworden sein könnte. Bis jetzt gehen die Ermittler immer noch von einem tödlichen Unfall aus. Bereits 2009 waren die Akten geschlossen worden.

Die Eltern von Jenny Böken zweifelten die Unfallversion stets an und verwiesen dabei immer auf die zahlreichen Ungereimtheiten in dem Fall (siehe auch hier).

Offizielle Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Kiel steht noch aus

Dem Beitrag des Nachrichtenmagazins zufolge ist die neue Zeugin „ein ehemaliger Kamerad von Böken, der später sein Geschlecht gewechselt“ habe. Dies habe ein Sprecher der Kieler Staatsanwaltschaft bereits im April mitgeteilt. Wie der Aachener Anwalt der Eltern, Rainer Dietz, erklärte, sei die Zeugin auf die Familie Böken zugegangen.

Der SPIEGEL führt weiter aus, dass es in der Zeugenaussage um ein Sex-Video gehen soll, welches im Sommer 2008 bei einer Party in Düsseldorf – offenbar heimlich – aufgenommen worden sei. Das Video zeige die Zeugin, zum damaligen Zeitpunkt Bundeswehrsoldat (aber nicht bei der Marine), und Jenny Böken. Später sei das Video auch an Bord der „Gorch Fock“ aufgetaucht. Böken soll gedroht haben, dies zu melden. Die Zeugin behauptete dem Anwalt zufolge, sie habe nach dem Tod der Kadettin drei Marinesoldaten getroffen, die zum Zeitpunkt des Unglücks mit Böken auf der „Gorch Fock“ gewesen sein wollen. Die drei hätten „durchblicken lassen“, so der SPIEGEL über die Erkenntnisse von Rechtsanwalt Dietz, dass „Böken mit Gewalt zu Tode gekommen“ sei.

Der Norddeutsche Rundfunk konfrontierte heute die Kieler Staatsanwaltschaft mit dem Beitrag von SPIEGEL-Redakteur Ansgar Siemens. Diese wollte den Bericht nicht bestätigen. Der NDR konnte aber in Erfahrung bringen, dass es am Dienstag kommender Woche (11. Juni) wohl eine offizielle Stellungnahme der Justizbehörde geben soll.

Redaktioneller NACHBRENNER

Am 11. Juni meldeten verschiedene deutsche Leitmedien, dass die Kieler Staatsanwaltschaft im Fall Jenny Böken „das Todesermittlungsverfahren wieder aufgenommen“ habe. Nach den Aussagen einer Zeugin müssten einige Punkte überprüft werden, so die Erklärung der Justiz. Die Angaben dieser Zeugin beruhten allerdings im Wesentlichen auf Hörensagen, hieß es weiter. Diese sei – so hatten auch wir bereits berichtet – im Jahr 2008 Soldatin der Bundeswehr gewesen, habe aber weder zur Marine noch zur Besatzung der „Gorch Fock“ gehört.

Die Staatsanwaltschaft Kiel ist die größte der fünf Staatsanwaltschaften Schleswig-Holsteins. Zum Zuständigkeitsbereich gehören die Kreise Plön, Rendsburg-Eckernförde und Segeberg sowie die kreisfreien Städte Kiel und Neumünster.


Das Bild zeigt die Sanitätsoffiziersanwärterin Jenny Böken, die in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 unter bis heute immer noch nicht zweifelsfrei geklärten Umständen von Bord des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ ins Meer stützte. Unfall? Gewaltverbrechen? Die Akten werden möglicherweise wieder geöffnet, da sich eine neue Zeugin bei der Familie gemeldet hat.
(Bild: nr; Bildgestaltung mediakompakt)


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