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Berlin/Rostock. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, hat neue Betriebsstofftransporter für die deutsche Marine bestimmt. Das teilte am heutigen Freitag (26. Juli) das Presse- und Informationszentrum Marine in Rostock mit. Die neuen Transportschiffe sollen deutlich leistungsstärker ausfallen als ihre Vorgänger der „Rhön“-Klasse, die A1443 „Rhön“ und die A1442 „Spessart“. Das Koblenzer Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) soll jetzt der Marine zufolge in den nächsten Jahren den Beschaffungsprozess mit einer festen Projektgruppe organisieren.

Die beiden Versorger der „Rhön“-Klasse vom Typ 704 wurden in den 1970er-Jahren gebaut (mehr dazu hier) und haben eine Ladekapazität von rund 11.500 Kubikmetern. Die neuen Flottentanker – Bezeichnung Typ 707 – sollen dagegen in der Lage sein, 15.000 Kubikmeter Kraftstoff abzugeben.

Neben der größeren Ladekapazität für Betriebsstoffe soll die getroffene Auswahl – so zeigen es die Kenngrößen für die Beschaffung und Auftragsvergabe – weitere Vorteile bringen. Dazu zähle beispielsweise eine höhere Geschwindigkeit, um besser mit dem Tempo etwa von Fregatten mithalten zu können, schreibt die Marine in ihrer Presse-Info. Die neuen Tanker sollen mehr als 20 Knoten schnell sein, „Rhön“ und „Spessart“ bringen es auf 16 Knoten.

Die zwei Doppelhüllentanker des designierten Typs 707 sollen den Projektplanungen zufolge der deutschen Flotte über die 2050er-Jahre hinaus zur Verfügung stehen.

Deutschlands Bündnisverpflichtungen im Bereich der Marinelogistik

Aus den heutigen Angaben des Presse- und Informationszentrums geht auch hervor, dass die neuen Tanker größer sein werden. Dazu die Marine: „Sie werden etwa 170 Meter lang, bei einer Verdrängung von voraussichtlich mehr als 20.000 Tonnen. Allerdings bleiben sie beim gleichen Tiefgang wie ihre Vorgänger: acht Meter. Das erlaubt ihr Festmachen im Marinestützpunkt Wilhelmshaven, ohne dass der Hafen für die größeren Schiffe vertieft werden müsste.“

Die Marine betont, dass der jetzt projektierte Neubau Deutschlands Verpflichtungen gegenüber der NATO im Bereich der Marinelogistik garantieren wird. Mit der Bereitstellung von insgesamt fünf „Logistics Ships Small“ ab dem Jahr 2024 – die drei Einsatzgruppenversorger der Klasse 702 („Berlin“-Klasse) sowie die zwei neuen Flottentanker – sei man dann absolut handlungsfähig.

Die zwei alten Betriebsstofftransporter „Rhön“ und „Spessart“ sorgten im vergangenen Jahr für Negativschlagzeilen, als sie kurzfristig außer Dienst genommen wurden. Die für die maritime Sicherheit zuständige Klassifizierungsgesellschaft DNV GL (Det Norske Veritas/Germanischer Lloyd; Hauptsitz Hamburg) hatte der „Rhön“ und später der „Spessart“ die Klasse – vergleichbar mit einer TÜV-Bescheinigung – wegen „Altersschäden am Antriebsdiesel“ entzogen. Beide Schiffe waren vor rund 42 Jahren in Dienst gestellt worden, die Spessart“ am 5. September 1977, die „Rhön“ am 23. September 1977.

Auch die neuen Flottentanker werden wie „Rhön“ und „Spessart“ eine zivile Besatzung haben. Die Größe der Crew wird jedoch sinken: von 42 auf etwa 20 Besatzungsmitglieder.


Zu unserem Bildangebot:
1. Betriebsstofftransporter „Spessart“ am 13. August 2007 als Teil des ständigen maritimen NATO-Einsatzverbandes SNMG 1 (Standing NATO Maritime Group 1).
(Foto: Vincent J. Street/NATO, Deutsche Marine)

2. Infografik mit dem Vergleich der Kenngrößen der Flottentanker der „Rhön“-Klasse mit denen der geplanten neuen Klasse Typ 707. Die Angaben stammen vom Presse- und Informationszentrum der Marine in Rostock. Das Hintergrundbild zeigt den Betriebsstofftransporter „Rhön“ am 18. September 2007 beim Auslaufen aus Wilhelmshaven. Das Schiff schloss sich später der SNMG 2 an.
(Foto: Ann-Katrin Winges/Deutsche Marine; Infografik © Christian Dewitz/mediakompakt 07.19)

Kleines Beitragsbild: Das Trossschiff „Spessart“ am 13. August 2007 in Verbandsfahrt mit Einheiten der SNMG 1.
(Foto: Vincent J. Street/NATO, Deutsche Marine)


Kommentare

  1. Ulrich Kaiser | 28. Juli 2019 um 15:30

    Ich bin gespannt, ob es gelingt, die Schiffe fristgerecht in Dienst zu stellen. Es ist schon ein Treppenwitz, dass erst Handlungsbedarf gesehen wurde, nachdem eine Art Schiffs-TÜV den Veteranen die Betriebsgenehmigung entzogen hatte. Zudem scheint auch der Umweltaspekt eine Rolle zu spielen: als „Einhüllentanker“ dürfen die Schiffe viele Häfen gar nicht mehr ablaufen („Spessart“ und „Rhön“ waren ursprünglich für einen zivilen Abnehmer gebaut, dann aber von der Marine übernommen worden).

    Interessant: Vor Jahren präsentierte die Flensburger Werft FSG, die auch am Einsatzgruppenversorger mitgearbeitet hatte, auf ihrer Website einen speziellen „Marinebetriebsstofftanker“ (MBT), der ziemlich genau den technischen Daten des neuen Typs 707 entspricht. Zwar ist das Schiff in der Produktpalette der Website nicht mehr zu finden, aber es böte sich doch an, auf diesem Entwurf aufzubauen. Mal sehen, ob das geschieht.

  2. wendy | 26. August 2019 um 17:16

    Hoffentlich wird der Typ nicht von Boeing gebaut, 707 ist nämlich auch 40 Jahre alt. Toll, das die Marine sich erst jetzt mit einem Nachfolger beschäftigt …

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